VieAnna Calling #16 : Fiaker – Touristenattraktion versus Tierschutz (Vienna/Austria)

3 months ago

Die zwei Seiten der Pferdeliebe.

Eines vorweg, es geht hier nicht um die im Glas servierte Kaffeespezialität "Fiaker", sondern um jenes Konglomerat bestehend aus einer Kutsche, zwei Pferden und einem bestenfalls mit einem guten Wiener Schmäh gesegneten Kutscher.

Die Geschichte der Droschken geht in das späte 17. Jahrhundert zurück. Ursprünglich waren es stadtbekannte Originale, die mit der Pferdekutschenfahrt ihren Lebensunterhalt bestritten.

Heute handelt es sich dabei um ein Gewerbe mit eigenem Gesetz, in dem bundeslandspezifisch die Voraussetzungen für den Erwerb der Fiaker-Konzession festgeschrieben sind. In Wien ist die Berufsausübung an die erfolgreiche Ablegung der Fahrdienstprüfung gebunden.

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Aktuell werden in der Bundeshauptstadt 160 Konzessionen an die rund vierzig Fiakerunternehmen vergeben. Der Wiener Stephansplatz ist einer von sechs Standplätzen in der Innenstadt. Erst ab 1984 gelang es Frauen, in die bis dahin männlich dominierte Domäne der Fiaker aufgenommen zu werden.

Touristenattraktion

Die Fiaker gehören zu Wien wie der Stephansdom oder das Riesenrad. Sightseeing bequem von der Kutsche aus zählt zu den Wien-Höhepunkten vieler Touristen.

Das Angebot der Pferdekutscher reicht von traditionellen Rundfahrten in der Wiener Innenstadt, im Schlossgarten Schönbrunn oder am Zentralfriedhof über die Möglichkeit, den Junggesellenabschied in einer Kutsche zu feiern bis hin zur Miete einer eleganten Hochzeitskutsche, Hochzeitstauben inklusive. Bei einem "Riding Dinner" werden kulinarische Köstlichkeiten während der Kutschenfahrt serviert.

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Tierschutz


Nicht nur Tierschutzaktivisten empfinden den Einsatz der Pferde bei hochsommerlichen Temperaturen als Tierquälerei. Gemäß der Novelle des Tierschutzgesetzes von 2016 dürfen Fiakerpferde ab 35 ° C nicht mehr im Einsatz sein. Wie ein Lokalaugenschein zeigt, wird diese Vorschrift nicht so genau genommen. Bei brütender Hitze, gestresst durch Lärm und Verkehr müssen die Pferde ihre Kutschen ziehen oder geduldig auf ihrem Standplatz auf Kundschaft warten.

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Ganz allgemein stellt sich die Frage, ob eine Tradition, die mit Tierleid verbunden ist, aufrecht erhalten werden soll. Das Anspannen vor eine Kutsche zum Zweck des Touristenamusements hat aus meiner Sicht wenig mit artgerechter Tierhaltung zu tun.

Ich sehe Pferde lieber auf der grünen Wiese als in der Stadt.

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Lipizzaner im Wiener Burggarten (Beitrag hier)

Bisherige Teile der Serie VieAnna Calling:
#01 - #10 eine Übersicht
#11 : Wiener Pestsäule
#12 : Hollein-Haus am Stephansplatz
#13 : Hrdlicka Mahnmal am Helmut-Zilk-Platz
#14 : Mozart Denkmal im Wiener Burggarten
#15 : Wiener Stephansdom - Teil 1

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Ich stimme dir voll und ganz zu, Pferdekutschen als Attraktion für den Tourismus ist einfach nicht mehr Zeitgemäß. Genauso, wie auch meiner Ansicht nach, keine Pferde mehr vor den Karnevalswagen gespannt werden sollten. Die Tiere bei so einer Hitze und solchen Menschenmengen vor Wagen zu spannen grenzt an Tierquälerei. Das hat man auch dieses Jahr wieder an dem Kölner Rosenmontagsumzug sehen können, als mehrere Pferde zusammengebrochen sind und eines sogar gestorben ist.
Sowas sollte der Vergangenheit angehören!
@vieanna

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Danke für deinen Beitrag. Ich freu mich über Gleichgesinnte!

Ja, sind schon arme Pferde, aber was haben sie für eine andere Möglichkeit. Dann gibt's Pferdegulasch und Leberkäse sollten sie nicht mehr herumkutschieren. Na ja, dem Schicksal mit dem Gulasch entkommen sie so, oder so nicht. Die Welt ist barbarisch.

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Obwohl die Fiaker ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten sind, werden sie nicht von heute auf morgen abgeschafft werden können. Zumindest sollte ihr Einsatz in der Innenstadt überdacht werden. Dort sind sie starkem Verkehr, Lärm, Abgasen, Smog und teilweise intensiver Sonneneinstrahlung ausgesetzt, was zu Stress, Panik und in weiterer Folge zu Verletzungen bei diesen Fluchttieren führen kann.

Und was das Pferdegulasch betrifft: ich träume von einer Welt, in der Tiere nicht als Ware, sondern als soziale Lebewesen mit Schmerzempfinden gesehen werden.

Funfact: Als eine Pferdestärke (PS) wird das vertikale anheben einer Masse von 75kg mit der Geschwindigkeit von einem Meter pro Sekunde bezeichnet. Ein Pferd kann demnach kurzzeitig bis zu über 20 PS leisten. Sehr interessant finde ich auch die Tatsache, dass James Watt diese Bezeichnung eingeführt hat dessen Nachname eigentlich gebräuchlicher als Einheit für die Leistungsangabe ist. (ausgenommen Kraftfahrzeuge)

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Sehr interessant, verschüttetes Schulwissen kommt da wieder ans Tageslicht :D

Wow wonderful this is heaven @vieanna

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