Apfelernte und ihre Folgen

in Deutsch Unplugged3 months ago

„Der Frühling hat es angefangen,
Der Sommer hat’s vollbracht.
Seht, wie mit seinen roten Wangen
so mancher Apfel lacht!“
(aus „Herbstlied“ von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben)

Ontario

Unsere Apfelernte steht dieses Jahr unter einem guten Stern. Es lachen uns sozusagen ziemlich viele Äpfel entgegen. 😊
Wir haben unter anderem zwei alte Apfelbäume auf dem Grundstück, die wir auch während des Hausbaus vor einigen Jahren gewissermaßen behüteten, damit diese keinen Schaden nehmen. Einen Baum konnten wir anhand seiner Früchte als „Ontario“ (Wikipedia) identifizieren. Diese Apfelsorte ist eine eher späte Sorte, die auch gut als Winterapfel geeignet und lange lagerfähig ist. Auf jeden Fall aber sind es teilweise richtig große Früchte.

Der große Apfel hat einen Durchmesser von 10 cm. 😲

Mosten

Mosten mit den Kindern

Vor einigen Jahren sind wir mit den Äpfeln zum Mosten gefahren. Während man bei manchen Mostereien z. B. im Austausch für einen Kilo Äpfel einen Liter Saft erhält, bekam man bei der von uns angesteuerten Mosterei auf dem Lande den Saft von den eigenen Äpfeln. Positiver Nebeneffekt war, dass die Kinder das als sehr spannendes Ereignis erlebten, die Prozedur verfolgen und teilweise sogar mithelfen konnten. Für die, die das noch nicht erleben durften, hier eine kurze Zusammenfassung:
  • Zunächst werden die Äpfel gewaschen und zur Maische zerkleinert.
  • Diese wird dann mit hohem Druck ausgepresst bis außer Saft nur noch eine trockene Masse (Trester) übrig bleibt. Auf dem Foto oben rechts sieht man, wie das trockene Material seitlich aus der Maschine kommt. Bei der Verteilung in der Schubkarre können die Kleinen dann auch gleich mithelfen. Diese "Reste" werden als Futter weiter verwendet.
  • Der ausgepresste Saft wird dann noch erhitzt und in Flaschen abgefüllt. Beim Zuschrauben der Flaschen und beim Einladen konnte dann auch der Papa mithelfen 🙌.
Das Ganze hat meist einige Zeit gedauert, aber es war immer ein schönes Erlebnis. Besonders, wenn wir mit dem Saft der eigenen Äpfel voller Stolz nach Hause kamen und die Flaschen dann für den Winter verstauten. Leider waren aber unsere Früchte offenbar doch sehr „fleischhaltig“, so dass der Saft relativ schnell schlecht wurde. Also haben wir es dann in den Folgejahren wieder gelassen und die Äpfel so gegessen. Beim Aufschneiden zeigte sich meist das Ausmaß der „Bevölkerung“ in den Äpfeln, so dass die geringe Qualität des Saftes im Nachhinein wenig verwunderlich war. Es war den Äpfeln von außen leider nicht immer anzusehen, dass darin Familie Apfelwickler wohnte … oder wir hatten einfach noch nicht viel Erfahrung 😊.

Aber dann...

Um das Ausmaß der unerwünschten Mitbewohner auf naturbelassene Weise ein wenig zu minimieren, hatte ich in diesem Jahr Pheromonfallen ausprobiert, die die Apfelwicklerpopulation verringern sollten. Jetzt zur Erntezeit muss ich tatsächlich resümieren, dass die Fallen ihr Versprechen gehalten haben und sich eine wesentliche Verbesserung bei der Qualität der Äpfel ergeben hat. Es sind viel mehr Äpfel auch wirklich vollständig essbar. Klar, es gibt immer noch welche, die von Vögeln angepickt werden und dann faulen. Der Anteil ist jetzt aber überschaubar.

Wohin damit?

Ergebnis dessen ist aber nun, dass die Menge auch sinnvoll verwendet werden möchte. Eigentlich ist die Sorte ein Lagerapfel, aber wir haben leider keine idealen Lagermöglichkeiten. So pflücken wir also nach und nach die Äpfel ab oder nehmen die Brauchbaren vom Boden, um sie zu essen oder anderweitig zu verarbeiten. Zum Beispiel für Apfelkuchen. 😊
Diese Gelegenheit bot sich am letzten Wochenende. Gleichzeitig hatten wir nämlich vom letzten Pizzabacken noch Hefe übrig, so dass sich anbot einen Apfelkuchen mit Hefeboden und Streuseln zu backen. Da meine Frau mit dem Hefeteig auf Kriegsfuß steht, habe ich mich also um jenen gekümmert. So war der Kuchen eine echte Gemeinschaftsaktion zusammen mit den Kindern. Das Ergebnis konnte sich auch sehen lassen und führte zu einer ausgedehnten Kaffeerunde mit weiteren Familienmitgliedern, die sehr gut ankam.

Und nach der Ernte?

Wir werden dem tristen Herbst mit Brettspielen und zahllosen Scrabble-Partien 😎 begegnen und uns wohl in den nächsten Wochen hauptsächlich von Äpfeln und Apfelprodukten jeglicher Couleur ernähren. Frei nach Struwwelpeter und mit einem Augenzwinkern:

Gerne aß er Äpfel jeder Sorte
und am liebsten Apfeltorte,
oder Äpfel gar als Brei
oder auch 'nen Äppelwoi.
War er ganz verrückt auf’s Naschen,
gab’s auch mal zwei Apfeltaschen.
Aber lange dauerte es nicht,
da war am Tunnelende Licht.
Die Bäume waren alle leer,
den Apfelvorrat gab’s nicht mehr,
es kam die Weihnachtszeit heran …
… und es fing von vorne an:
Gerne aß er Schokolade jeder Sorte
und am liebsten Schokoladentorte …

Fotos und Text: moecki
03.11.2021
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 3 months ago 

Wunderbar... :-)
Wir hatten leider noch nie so viele Äpfel, als dass Mosten sich gelohnt hätte. Aber immerhin so viele, dass sich die Amseln im Winter noch täglich über einen aufgeschnittenen, leicht angeschrumpelten Apfel freuen konnten.
Das wird sich ändern: Gerade gestern sind zwei neue, bereits ganz schön ansehnliche Apfelbäume in unseren Garten eingezogen. Mal sehen, ob wir nächstes Jahr ein Wettbacken veranstalten können - auf's Wettdichten lass' ich mich nicht ein... ;-)
Hihi, dein Brettspielbild ist irgendwann vor gestern Nachmittag entstanden - sagt Sherlock. Da erkennt man den wahren Tüftler... ;-) Hoffe, ihr habt auch zwei Spiele, damit es nicht jedesmal, wenn eine Familienrunde anliegt, heißt: "Nein, ihr macht Papas Spiel kaputt!"
LG Chriddi

 3 months ago 

Mit Apfelbäumen kann ich persönlich auch mehr anfangen als z. B. mit Birnbäumen, also in Bezug auf die Früchte ;-) Insofern war ich froh, dass diese bei uns in der Mehrzahl sind. Sonst hätten wir wohl auch welche angeschafft. Ich esse ja auch gern Kirschen jeder Sorte.... du weißt schon ;-) Von einem Kirschbaum haben wir dann allerdings Abstand genommen, da wir jedes Jahr mit ansehen mussten, wie Schwiegereltern ihre Massen an Kirschen unter die Leute bringen wollten/mussten. Mir reichen dann doch ein paar zum Naschen.

Beim Auslegen des Spiels habe ich ja auch darauf spekuliert, dass mal jemand vorbeikommt und eine Blitzidee zu einem ganz wunderbaren Wort hat. Aber das kam bisher nur bei mir selbst vor. :-)) Insofern hat sich das schon gelohnt.
Wir haben aber nur ein Spiel und ich habe das Brett sonst tatsächlich auch zusammengeräumt und in der Folgewoche wieder aufgebaut... Das spare ich mir jetzt :-)

 3 months ago 

Apfelkuchen wäre mir auch als Erstes eingefallen! Eine meiner Omas hat immer Apfelmus gekocht. Und trocknen ist auch eine gute Idee...

 3 months ago 

Ja, Apfelmus ist auch super. Besonders, da unsere Tochter so gern Kartoffelpuffer mampft. Da passt das Mus besonders gut zu.
Trocknen habe ich selbst noch nicht probiert. Das macht man bestimmt im Backofen, oder?

 3 months ago 

Gibt auch Dörr-Geräte dafür. Backofen funktioniert auch. Noch einfacher: Ringe schneiden und auf Schnüre fädeln, in der Wohnung aufhängen: riecht wunderbar...

 3 months ago 

Das ist cool, kann man dann auch gleich als Deko verwenden :-)
Aber so Obstfliegen werden damit nicht angelockt, oder?

 2 months ago 

Oh, entschuldige - Deine Frage ist mir entgangen... Nein, Obstfliegen juckt das nicht. Es riecht wunderbar; und falls man noch Orangenscheiben dazu in den Ofen schieben mag, ist es schon arg weihnachtlich ;-))

klasse,
dein post gefällt mir sehr

ich hätte apfelmus ohne zucker gemacht,eingekocht ...lecker

 3 months ago 

Vielen Dank!
Genau, mit Apfelmus liegt man natürlich auch richtig. Das werden wir dann wohl auch machen, wenn die Äpfel zum Essen nicht mehr ganz so schön sind. Ich mag sie nicht mehr so gern, wenn sie mehlig werden. :-)

 3 months ago 

#club5050 😀

 3 months ago 

Thank you, the dolphin is not far away. :-)

Very good harvest, there are people who make jams and vacuum pack them, and they also dry them out and last much longer, but they have to know how to do it because they have their technique.

 3 months ago 

Thanks for translating :-)
Jam from apples I do not know now, but jelly I also like very much. But for this you need only the juice.

Planting and harvesting have some difficulties, I say this from experience, in my case they are mangoes, which is a tropical fruit of Asian origin, but most of these difficulties are manageable, the strongest are moths, fungi or parasites, But these can be controlled, then comes the harvest, where you have several options, consume them at home, sell the ones that are left over or give some as gifts. Thanks for sharing.

 3 months ago 

Thanks for translating :-)
Mangos would probably not grow here in Germany. But it shows that basically everywhere the same problems exist, only with different fruits :-)) We know mangos here only from the supermarket.

Thank you for informing the procedure of how to extract quality juice and also for knowing that nothing is lost even the dry pasta after squeezing. Greetings.

 3 months ago 

Thanks for translating :-)
I had to smile a bit about the "dry pasta". :-)) I think the translation was a bit inaccurate there. It would be more like a "dry mass". As animal food, it is obviously very suitable.
The homemade juice tastes also much better than the industrial product. Above all, you know that no substances have been added.

Greetings, in my house I have some lemon and medlar plants and when I harvest, sometimes I have to give to the family and even the neighbors, the harvest is abundant. Your apples look big and in good condition, you have to have a good plan for the next harvests and thus minimize losses.

 3 months ago 

Diese Früchte würde man hier eher als exotisch bezeichnen...
Im Grunde bin ich gar nicht so darauf aus, möglichst viel Ernte einzufahren. Der Garten soll immer noch Spaß machen und ab und zu was zum Naschen abwerfen :-)

These fruits would rather be called exotic here....
Basically, I'm not so keen to harvest as much as possible. The garden should still be fun and throw off something to snack from time to time :-)

Haii @moecki apa kabar, postingan anda sangat termotivasi, terimakasih informasinya 👋💯

 3 months ago 

Dankeschön!
Gut, dass es Online-Übersetzer gibt. Ich wäre sonst nicht darauf gekommen, dass dein Kommentar auf Indonesisch geschrieben wurde. :-) Schön, wenn dir der Beitrag gefallen hat...

Thank you!
It's good that there are online translators. I wouldn't have realized otherwise that your comment was written in Indonesian. :-) Glad if you liked the post....

Upvoted! Thank you for supporting witness @jswit.
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