[DE] Dreiundzwanzig Tage – Teil 2: Etwas Anderes [Burdenverse]

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Es sind nunmehr 23 Tage vergangen.

Dreiundzwanzig Tage seit dem Ereignis.

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Warum ich dir nun schreibe? Das kann ich dir nicht beantworten – nicht in rationalen Worten. Zumal ich doch weiß, dass ich keine Antwort von dir erwarten kann. Von dir nicht und wohl von niemandem sonst. Trotzdem tippe ich weiter und klammere mich an dieses elektronische Überbleibsel der Zivilisation, von der wir beide einmal ein Teil waren.

Es geschah ganz ohne Vorwarnung, nicht so, wie man es aus den Filmen kennt. Zudem gab es weder einen Tom Cruise, noch einen Will Smith, der die Situation hätte retten können. Keinen strahlenden Helden mit edlen Ambitionen, keine Menschheit, die im Ernst der Lage zusammenhält, und erst recht keine tatkräftigen, souveränen Regierungen. Stattdessen Kampf, Chaos und Gewalt. Die Unvorbereiteten – dies dürfte der Großteil der Erdbevölkerung gewesen sein – zogen in den letzten Stunden nach der Katastrophe von wilder Verzweiflung getrieben umher und plünderten. Plünderten Geschäfte, plünderten Wohnungen, plünderten Menschen. Die üblichen Befürchtungen und Warnungen, die über Jahrzehnte hinweg immer lauter und drängender wurden, bewahrheiteten sich nicht. Nicht die globale Erwärmung setzte uns ein Ende. Es waren auch nicht die viel herbeizitierten Russen, die Terroristen oder das nukleare Wettrüsten, was dem Menschen den Todesstoß versetzte. Etwas Anderes kam diesen Gefahrenszenarien schließlich zuvor.

Nach dem Ereignis erschien es für viele am sichersten – sofern es sicher überhaupt noch gab –, sich aus den Stadtzentren in die Peripherien zu begeben. Sie sprangen mit dem Allernötigsten, manche nur mit dem, was sie am Körper trugen, in ihre Autos und fuhren los. Innerhalb einer Stunde waren die Autobahnen und Highways der Welt verstopft. Panik kennt schließlich keine Straßenverkehrsordnung und nur wenig Vernunft.

Es dauerte nicht lange, bis sich die letzten Überlebenden entweder übereinander hermachten oder schlichtweg Verletzungen oder Hunger und Durst erlagen. Leute wie ich, die paranoid und besorgt genug waren, sich im Vorfeld über Survival-Ratgeber und in Prepper-Web-Communities über das Überleben in Ausnahmesituationen zu informieren – die Welt entwickelte sich schließlich auch ohne äußere Einwirkung in eine unangenehme Richtung –, waren nur in einer Sache im Vorteil: Wir wussten, dass nach dem ersten Dolchhieb gegen den Homo sapiens nicht das Ereignis, die Katastrophe an sich, oder die daraus hervorgehende weltweite Ruine unser größtes Problem sein würde.

Der Mensch war es – der Mensch in Not.

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Foto des Buchcovers: Lisa Spreckelmeyer / pixelio


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