Schwermut / Gloom

in Deutsch Unplugged2 months ago

english below...

Es wird wieder Zeit für ein Lebenszeichen von mir...

Ich schrieb einige Tage nichts. Vielleicht fiel das sogar auf. Eine Möglichkeit wäre, daß meine anfängliche Euphorie und Mitteilsamkeit jetzt abflacht und ich mich immer rarer mache. Nun, damit hat es nichts zu tun, schätze ich.

Seit einigen Tagen fühle ich mich bedrückt und schwermütig. Es gibt keinen Auslöser dafür, keinen Anlaß. Wie ich in einem anderen Post schon einmal schrieb, treffen einfach zu viele zu drastische Umstände zusammen und lassen mich resignieren. Eigentlich bin ich ein optimistischer Mensch. Momentan hat der gerade eine Art Auszeit genommen...

Freundschaften werden auf einmal daran festgemacht, wie der Impfstatus aussieht. Arbeit - wie gehabt ist ein Pendeln über Grenzen kaum realisierbar. Die Gesprächsthemen im privaten Rahmen wie im geschäftlichen drehen sich letzten Endes nur noch um "Maßnahmen", nicht mehr um Inhalte. Vorhaben, die ich für die nächste Zeit geplant hatte, sehe ich nicht einmal in irgendeiner näher definierten Zukunft.

Mir geht die Freude verloren. Dinge, die mich normalerweise froh machen, sind farblos und uninteressant geworden. So auch das Schreiben. Ich sehe mich inmitten einer gesellschaftlichen Entwicklung, die ich grundfalsch finde. Keiner, dem es genauso geht, unternimmt etwas Sinnvolles, um das zu bremsen. Was mir als ganz logisch und folgerichtig erscheint, wird entweder nicht zur Kenntnis genommen oder ignoriert. Okay, das ist nicht das Problem. Das Problem ist, daß stattdessen fabulierte Ideen nicht funktionieren. Das Problem ist, daß man nicht mehr darüber diskutieren kann - es gibt nur noch Fronten und Feindbilder-Ideologie. Dabei rede ich vom Klima, von sozialer Gerechtigkeit, von Corona, von Bildung, von Kriegen... Das ganze, selbstzerstörerische Paket wird einfach am Laufen gehalten.

Wo bleibt da noch Raum für kreative Entfaltung, unerkannte Potentiale, Schönheit, Kunst und ... Ethik? Wo bleibt da noch Raum für Lebensfreude und Zukunftsvisionen?

Ich fühle mich seit einigen Tagen unfroh, hoffnungslos und demotiviert. Was tun?

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english version:

It's time again for a sign of life from me...

I didn't write anything for a few days. Maybe that was even noticeable. One possibility is that my initial euphoria and communicativeness is now flattening out and I'm making myself increasingly scarce. Well, it has nothing to do with that, I guess.

For the past few days I have been feeling depressed and melancholy. There is no trigger for it, no occasion. As I wrote in another post before, just too many too drastic circumstances come together and make me feel resigned. Actually, I am an optimistic person. At the moment, that has just taken a kind of time-out....

Friendships are suddenly determined by what the vaccination status looks like. Work - as usual, commuting across borders is hardly feasible. The topics of conversation, both in private and in business, ultimately revolve only around "measures", no longer around content. Projects that I had planned for the near weeks and months, I don't even see in any more defined future.

I lose the joy. Things that normally make me happy have become colourless and uninteresting. Writing is no exception. I see myself in the midst of a social development that I find fundamentally wrong. No one who feels the same way is doing anything meaningful to put the brakes on it. What seems to me to be quite logical and consistent is either not taken note of or ignored. Okay, that's not the problem. The problem is that instead, fabricated ideas don't work. The problem is that one can no longer discuss them - there are only fronts and enemy ideology. I'm talking about the climate, social justice, Corona, education, wars.... The whole self-destructive package is simply kept running.

Where is the room left for creative development, unrecognised potentials, beauty, art and ... ethics? Where is there still room for joie de vivre and visions of the future?

I have been feeling unhappy, hopeless and demotivated for a few days. What to do?

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 2 months ago 

Vielleicht fiel das sogar auf.

Jo.

Ich kann deine Stimmung samt Begründungen sehr gut nachempfinden. Und so antworte ich heute mal mit Musik. Musik, die mir - ohne harte Bässe - in solchen Phasen ganz viel gibt. LG @chriddi

Klar, daß ich nicht die Einzige bin, die so unterwegs ist... Für mich ist es so relativ neu und dadurch schwer greifbar. Und der Versuch des Mannes mit u..., mich aufzubauen, wirkt echt verstörend ;-)) Dein Song dagegen - ist nett. Aber macht mich überhaupt nicht an. Wenn ich die Stimmung aufnehmen sollte, würde ich Haudegen wählen mit "So oder so":

Aber wenn es darum geht, was ich mir anhören würde, um mich besser zu fühlen, käme ich z.B. auf Beyond the Black mit "Lost in Forever"...

Wow, danke für den Tipp: "Haudegen" kannte ich nicht. Stimmung einfangend - jo. Wenn auch nicht sehr aufbauend. Dennoch gleich mal das Album auf Apple-Music gemerkt... ;-)
"Beyond The Black" gefällt mir sehr, sehr gut.
Schön, dass jeder seine Raushol-Musik hat. Wirklich schön - Ich kann gerade lächeln und hoffe, du auch... :-))

Absolut!

raus in den wald und mit den waldseelen sprechen- antworten werden dir gegeben

Bin ich fast jeden Tag mit dem Pferd - das meinte ich mit: was sonst funktioniert, macht keine Freude mehr...

Das Problem ist, daß man nicht mehr darüber diskutieren kann - es gibt nur noch Fronten und Feindbilder-Ideologie.

Da muss ich dir recht geben. Ich muss auch zunehmend feststellen, dass es in vielen Bereichen fast nur noch Schwarz oder Weiß gibt. Vielleicht liegt es daran, dass Kompromisse zunehmend einen (GroKo)Touch bekommen und negativ gesehen werden... Warum sollte man von seiner Position abrücken?!
Leider fehlt mir häufig auch die Bereitschaft des Gegenüber, sich in die Situation des Anderen hineinzuversetzen... zu versuchen die Beweggründe zu verstehen...

Gleichwohl lasse ich mir nicht nehmen, das Leben in dem mir beeinflussbaren Bereich zu genießen... oder das zu ändern, was ich zu ändern in der Lage bin.

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Ist das nur Weltschmerz oder sogar schon mehr?
Du solltest Dir bewusst machen, dass man nicht alles im Leben kontrollieren kann. Ich kenne solche Phasen selbst, oft hilft mir dann Entspannung, sei es durch eine Traumreise oder eben Entspannungsmusik. Das muss nicht bedeuten, dass es Dir auch hilft, aber einen Versuch ist es wert.
Ich habe hier zwei Beispiele verlinkt.


und

Moin ;-)) So liebe Gedanken...

Ich nenne es Weltschmerz, der aber tatsächlich eher kopfgeleitet als herzgeheult ist. Wenn ich mir meine Arbeitssituation anschaue, die auf noch längere Sicht weit weg von der Normalität sein dürfte, trifft es besser Existenzangst. Wenn ich meine Beziehung anschaue - mein Freund wird Berlin nicht verlassen und ich werde nicht hier bleiben, nicht in diesem Land, wenn sich die Entwicklung so fortsetzt, wie ich befürchte. Gegenseitige Besuche wären dann auch faktisch nicht möglich, da niemand tagelange Quarantäne etc. kann und will. Wenn ich meine Kinder anschaue, die in drei verschiedenen Ländern leben bzw. auch nomadisch - wir haben uns das letzte Mal vor Ewigkeiten getroffen... Wenn ich mir Freundschaften anschaue, die nicht einmal mehr Gesprächsebenen bieten, solange nicht alle am Tisch die gleiche Meinung zum Thema Coronamaßnahmen & Co. herausposaunen - finde ich das armselig. Und enttäuschend. Und mir wird nach und nach klar, daß es tatsächlich so ist, daß Menschen von außen radikalisiert werden. Nicht intrinsisch. Nicht aus Verblendung heraus. Sondern aus der Gewißheit, daß sie ansonsten nicht gehört und nicht ernst genommen werden für ihre Überzeugungen. Daß sie ins gesellschaftliche Abseits gestellt werden. Ich habe Angst, daß es nicht mehr weit ist bis zu einer solchen Eskalation.

Endlich komme ich dazu Dir zu antworten.

Du bist sehr Selbstreflektiert, kannst Deine Ängste also gut benennen. Das kann schon mal nicht jeder. Wie Du Deine Ängste verlierst, so dass sie nicht mehr Dein Denken einnehmen, da muss jeder seinen eigenen Weg finden. Ich persönlich würde mir professionelle Hilfe in mein Boot holen, denn ich weiß aus Erfahrung, dass eine professionelle Sicht auf manche Dinge zu einem neuen Denkanstoß führen kann.
Aber das ist nur meine Sicht der Dinge.
Wie ich sehe stehst Du irgendwann vor einer noch weit größeren Entscheidung... da gilt es für Dich selbst abzuwägen, was Dir wichtiger ist. Deine Absicht das Land zu verlassen oder eine funktionierende Partnerschaft, die für Menschen mit Phobien nicht selbstverständlich ist. Was ist Dir wichtiger? Wenn Du Dir diese Frage beantworten kannst, dann fällt die Entscheidung leichter.
Ich beobachte selbst schon seit Jahren, dass es gesellschaftlich und politisch immer weniger Konsens gibt und das macht mir Angst, wenn ich ehrlich bin. Es gab diese Zeiten schon einmal, Ende der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts. Eine schwache Demokratie, die von extremen Meinungen weiter geschwächt wurde. Das Ergebnis kennen wir. Heute ist es doch fast wieder soweit. Nur die eigene Meinung zählt, man möchte nicht mehr diskutieren, heißt das doch die eigene Meinung eventuell revidieren zu müssen. Das möchte offenbar niemand mehr. Und so verhärten sich die Fronten immer weiter.

Das mit der professionellen Hilfe habe anderer Baustellen wegen versucht. Sagen wir, mit mäßigem Erfolg. Aber das ist 'ne andere Geschichte... Danke für Dein offenes Ohr und Deine Gedanken!

Och Menno... Das ist cool als Abschiedssong, wenn es so weit ist. Auch wenn ich bestimmt nicht die Absicht hätte, Deinen Namen zu vergessen oder sonst etwas. Du fändest es tröstlich, ich weiß. Da stimmen wir halt nicht überein. So what? Bis dahin ist es coole Mucke, nicht mehr und nicht weniger...

Ich finde es jetzt schon tröstlich.

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