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RE: Schwermut / Gloom

in Deutsch Unplugged3 months ago

Ist das nur Weltschmerz oder sogar schon mehr?
Du solltest Dir bewusst machen, dass man nicht alles im Leben kontrollieren kann. Ich kenne solche Phasen selbst, oft hilft mir dann Entspannung, sei es durch eine Traumreise oder eben Entspannungsmusik. Das muss nicht bedeuten, dass es Dir auch hilft, aber einen Versuch ist es wert.
Ich habe hier zwei Beispiele verlinkt.


und

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Moin ;-)) So liebe Gedanken...

Ich nenne es Weltschmerz, der aber tatsächlich eher kopfgeleitet als herzgeheult ist. Wenn ich mir meine Arbeitssituation anschaue, die auf noch längere Sicht weit weg von der Normalität sein dürfte, trifft es besser Existenzangst. Wenn ich meine Beziehung anschaue - mein Freund wird Berlin nicht verlassen und ich werde nicht hier bleiben, nicht in diesem Land, wenn sich die Entwicklung so fortsetzt, wie ich befürchte. Gegenseitige Besuche wären dann auch faktisch nicht möglich, da niemand tagelange Quarantäne etc. kann und will. Wenn ich meine Kinder anschaue, die in drei verschiedenen Ländern leben bzw. auch nomadisch - wir haben uns das letzte Mal vor Ewigkeiten getroffen... Wenn ich mir Freundschaften anschaue, die nicht einmal mehr Gesprächsebenen bieten, solange nicht alle am Tisch die gleiche Meinung zum Thema Coronamaßnahmen & Co. herausposaunen - finde ich das armselig. Und enttäuschend. Und mir wird nach und nach klar, daß es tatsächlich so ist, daß Menschen von außen radikalisiert werden. Nicht intrinsisch. Nicht aus Verblendung heraus. Sondern aus der Gewißheit, daß sie ansonsten nicht gehört und nicht ernst genommen werden für ihre Überzeugungen. Daß sie ins gesellschaftliche Abseits gestellt werden. Ich habe Angst, daß es nicht mehr weit ist bis zu einer solchen Eskalation.

Endlich komme ich dazu Dir zu antworten.

Du bist sehr Selbstreflektiert, kannst Deine Ängste also gut benennen. Das kann schon mal nicht jeder. Wie Du Deine Ängste verlierst, so dass sie nicht mehr Dein Denken einnehmen, da muss jeder seinen eigenen Weg finden. Ich persönlich würde mir professionelle Hilfe in mein Boot holen, denn ich weiß aus Erfahrung, dass eine professionelle Sicht auf manche Dinge zu einem neuen Denkanstoß führen kann.
Aber das ist nur meine Sicht der Dinge.
Wie ich sehe stehst Du irgendwann vor einer noch weit größeren Entscheidung... da gilt es für Dich selbst abzuwägen, was Dir wichtiger ist. Deine Absicht das Land zu verlassen oder eine funktionierende Partnerschaft, die für Menschen mit Phobien nicht selbstverständlich ist. Was ist Dir wichtiger? Wenn Du Dir diese Frage beantworten kannst, dann fällt die Entscheidung leichter.
Ich beobachte selbst schon seit Jahren, dass es gesellschaftlich und politisch immer weniger Konsens gibt und das macht mir Angst, wenn ich ehrlich bin. Es gab diese Zeiten schon einmal, Ende der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts. Eine schwache Demokratie, die von extremen Meinungen weiter geschwächt wurde. Das Ergebnis kennen wir. Heute ist es doch fast wieder soweit. Nur die eigene Meinung zählt, man möchte nicht mehr diskutieren, heißt das doch die eigene Meinung eventuell revidieren zu müssen. Das möchte offenbar niemand mehr. Und so verhärten sich die Fronten immer weiter.

Das mit der professionellen Hilfe habe anderer Baustellen wegen versucht. Sagen wir, mit mäßigem Erfolg. Aber das ist 'ne andere Geschichte... Danke für Dein offenes Ohr und Deine Gedanken!

Och Menno... Das ist cool als Abschiedssong, wenn es so weit ist. Auch wenn ich bestimmt nicht die Absicht hätte, Deinen Namen zu vergessen oder sonst etwas. Du fändest es tröstlich, ich weiß. Da stimmen wir halt nicht überein. So what? Bis dahin ist es coole Mucke, nicht mehr und nicht weniger...

Ich finde es jetzt schon tröstlich.