Ideologie 111 - Deutsche zahlen offenbar gerne Steuern

in deutsch •  2 months ago

03. Januar 2019

Heute wurde unter anderem bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gemeldet [1], dass die Deutschen im Vergleich mit anderen Ländern auf einem ziemlich hohen Niveau bereit sind, öffentliche Güter mitzufinanzieren. Anders ausgedrückt kann man auch sagen, dass die Bereitschaft Steuern zu zahlen in Deutschland eher hoch ist. Grundlage für die Aussage ist eine Erhebung des Basel Institute of Commons and Economics [2]. An dieser Erhebung zum sozialen Kapital der Länder kann man sich weiterhin beteiligen [3], es sollen nur wenige Fragen beantwortet oder Aussagen bewertet werden.

Dass es in Deutschland eine ziemlich hohe Bereitschaft zur Finanzierung öffentlicher Güter gibt, ist kein Wunder. Denn die Bundesrepublik Deutschland ist ein Hochsteuerstaat und für die Fülle an fiskalischen Regeln bekannt. Es gibt auch sehr viele Menschen, die sich nicht nur ihre Bildung beim Staat mehr oder weniger geniessen, sondern auch viele, die für die eigene Ausbildung staatliche Fördergelder beziehen. Auch sonst lassen sich viele etwa bei Arbeitslosigkeit staatlich unterstützen. Somit ergibt sich in der Regel ein Gefühl und möglicherweise auch die Erfahrung, von staatlichen Institutionen profitiert zu haben. So lange man mit den Leistungen ansatzweise zufrieden ist, führt das zu einer ziemlich engen Beziehung zur Institution Staat und zu einem positiven Bild derselben.

Dies im Gegensatz zu Ländern, in denen ein System schon gescheitert ist, wie beispielsweise der Sozialismus in nahezu jeder denkbaren Ausprägung. Beim aktuell gepflegten Geldsozialismus, auch Finanzkorporatismus oder Falschgeldsystem genannt, dem der freiheitliche Volkswirt Roland Baader (1940-2012) [4] ein Buch gewidmet hat [5], steht das finale Scheitern noch aus.

Von gescheiterten, sozialistischen und kartellwirtschaftlichen Experimenten können auch die Deutschen ein Liedchen singen, das Ende ihres letzten gescheiterten sozialistischen Experiments jährt sich 2019 zum 30. Mal, das des Nationalsozialismus zum 74. Mal. Beide Ereignisse liegen schon eine Zeit zurück, aber wenigstens das jüngere Scheitern sollte Millionen noch lebenden Zeitzeugen präsent sein.

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Ein Zeugnis ehemaliger Industrie in Deutschland, das Neckartal im Norden von Rottweil, links knapp zu sehen die ehemalige Pulverfabrik, die heute zu einem Veranstaltungsraum umfunktioniert wurde.

Dennoch sind viele Menschen empfänglich für wohlklingende sozialistische Slogans, etwa die Forderung nach «Würde für alle», «sozialer Gerechtigkeit» oder «gleichen Chancen für alle». Diese Slogans werden verbreitet, obwohl kein einziger Nachweis für deren erfolgreich mögliche Realisierung empirisch erbracht wurde. Was revolutionär denkenden Menschen vielleicht angemessen erscheint, wirkt auf konservativ-evolutiv Denkende ziemlich dreist.

Die offenbar zu verlockend klingenden Parolen, mit denen sozialistische Konzepte präsentiert werden, veranlassen offenbar viele Menschen dazu, leichtgläubig der Theorie oder vormodellierten Rechnungen zu vertrauen, anstelle echte Erfahrungswerte einzufordern. Für Schönwetterphantasien gibt es eigentlich eine nüchterne Feststellung, mit der man ehrlicherweise reagieren sollte. Sie lautet: «Alles, was zu gut ist um wahr zu sein, ist nicht wahr!»

Bei Libertären habe ich wie erwartet spöttische Kommentare auf die Bekanntgabe der Studie [1] gelesen. Es wird etwa vom Stockholm-Syndrom [6] gesprochen, dem die Deutschen anheim gefallen seien. Weil sie sich trotz sehr hoher Steuern nicht besonders verärgert zeigen, sondern es im Gegenteil so erscheint, als ob sie einfach damit umgehen und sich nicht sehr damit beschäftigen, wie die Steuern gesenkt werden könnten und wie sich das Leben mit einer bedeutend geringeren Steuerquote anfühlen würde.

Ich gehe davon aus, dass sich solche Gedanken vor allem dann breit machen, wenn unter den Menschen sehr stark das Gefühl aufgekommen ist und sich die Erkenntnis durchsetzt, dass die Leistungen des Staates im Vergleich zu den bezahlten Steuern schlecht oder unzureichend sind. Bei den Netto-Steuerzahlern, die kaum Chancen haben, Leistungen beziehen zu können, der Frust derzeit schon ein hohes Niveau erreicht. Die Leistungsempfänger hingegen wurden gekauft. Sie sehen sich als Profiteure und glauben, ohne staatliche Leistungen nicht ähnlich gut dazustehen. Ob das tatsächlich so ist und sich aus einer freiheitlicheren Ordnung mit mehr Eigenverantwortung und geringeren Abgaben nicht doch eine bessere persönliche Situation ergäbe, überlegt sich wohl kaum jemand.

Der Fragebogen der Studie selbst besteht aus acht Fragen [3]. Gemäss den Angaben aus dem Artikel [1] haben sich an der Erhebung Universitäten und Nichtregierungsorganisationen beteiligt, über die Systematik und Repräsentativität der Befragung wird aber nichts berichtet. Die Fragen halte ich für gut gestellt. Die Aussage, dass die Deutschen gerne Steuern zahlten, halte ich dennoch für nur schwach fundiert. Denn, man kann selbstverständlich hingehen und behaupten, eine Sache zu der es keine Alternative gibt werde gerne getan. Würde man die Steuern für ein Jahr abschaffen, halbieren oder vierteln und danach noch einmal die gleiche Frage stellen, gehe ich davon aus, dass die meisten in Zukunft gerne bei einem Modus mit geringerer Steuerquote bleiben würden.

Zum Thema öffentliche Güter gibt es auch wenigstens zwei Arten von Aberglauben.

  1. Nach dem Scheitern im privaten Sektor wird auch privat gehaftet, währenddessen ein gescheitertes öffentliches Projekt wie Blei an den Füssen aller Steuerzahler klebt.
  2. gibt es auch noch die Krone der Überheblichkeit bei den Staatshuldigern. Nämlich die, dass der Markt jede Freiheit sozusagen als Gnade erhält, bis trotz aller generierter Wertschöpfung, Fortschritt usw. ein kleines Anzeichen von Marktversagen herbeiinterpretiert werden kann.

Wenn die Situation aus Punkt 2 Tatsache geworden ist, also ein Marktversagen interpretiert wurde, was nicht der Wahrheit entsprechen muss, dann ist endlich die Zeit für Massnahmen gekommen. Der Staat, der sich zuvor angeblich nur vornehm-schüchtern zurückgenommen hat, präsentiert sich der Staat als allgütige und allweise Instanz, die die angeblich seit langem aus dem Ruder gelaufene Sache endlich in ordentliche, verwaltete Bahnen lenken kann.

Das ist gemäss meinem Verständnis aber weitestgehender Unsinn, denn es gibt keine Notwendigkeit, dass Marktwirtschaft bürokratisch sein muss. Es reicht, dass eine (potentielle) Nachfrage erkannt, beworben und befriedigt wird. Das allein generiert Wertschöpfung, Profite, Fortschritt und Arbeitsplätze, nicht die aufgezwungene Verwaltung irgendwelcher Aspekte im ganzen Spektrum, in dem Marktwirtschaft präsent ist.


[1] Verglichen mit anderen Ländern: Die Deutschen zahlen gerne Steuern. FAZ.net, 03. Januar 2019, Quelle: dpa https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/verglichen-mit-anderen-laendern-deutsche-zahlen-gern-steuern-15970022.html
[2] Basel Institute of Commons and Economics: http://commons.ch/deutsch/
[3] Erhebung zum sozialen Klima: https://trustyourplace.com/?lang=de
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Roland_Baader
[5] Geldsozialismus. Roland Baader, 2010, Resch Verlag https://www.amazon.de/dp/3935197578/ref=cm_sw_r_tw_dp_U_x_1FJlCb3HC5S3Z
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Stockholm-Syndrom


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Jeder halbweg Informierte weiß, dass die Steuerlast in DE eine der höchsten überhaupt ist. Ich glaube aber auch, dass die Schmerzgrenze langsam erreicht wird. Der Mittelstand erstickt unter dieser Last und in Gesprächen in diesen Kreisen ist das ein Top-Thema.
Ich musste lachen als ich diese Schlagzeile gelesen hatte, "Die Deutschen zahlen gerne Steuern." Letztlich ist es so etwas wie eine Durchhalte-Parole, nur etwas verklausuliert. Wegen solcher Meldungen und Schlagzeilen in den großen Medien, leidet deren Glaubwürdigkeit immer mehr. Ich kenne nur Chefs und Bosse die sehr unglücklich über diese extrem hohe Steuerlast sind.

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Danke für den Kommentar!

Dass die Netto-Steuerzahler im Bereich höheren Frustes angekommen sind, sehe ich genau so. Aber wie ich im Artikel erwähnt habe, macht ihnen die grosse Zahl derer, die sich für Profiteure hält und es möglicherweise auch tatsächlich ist, ziemlich stark zu schaffen.

Dass gerade Unternehmer über die durch die hohen Abgaben hohen Kosten pro Arbeitnehmer = hoher Produktivitätsdruck oder -zwang nicht begeistert sind, leuchtet mir ein. Sie müssen schliesslich alles bezahlen, was der Arbeitnehmer an Kosten verursacht, unabhängig davon ob irgendeine Abgabe als Arbeitnehmeranteil oder Arbeitgeberanteil bezeichnet wird. Weniger Abgaben wäre die einfachste und damit sinnvollste Massnahme zur Senkung des Produktivitätsdrucks.

Letztes Jahr habe ich mal die Rechnung angestellt, wieviele Menschen man mit € 100'000 Gehaltsbudget pro Monat je nach Abgabenquote beschäftigen kann, wenn das Nettogehalt bei € 2'000 liegt, ohne Abgaben sind es deren 50. Fazit: Jede Erhöhung der Abgaben um 5 Prozentpunkte killt 2,5 Arbeitsplätze.


Politik 080 - Über Gehälter und Produktivitätsdruck. @saamychristen, 28. Juni 2018 https://steemit.com/deutsch/@saamychristen/politik-080-ueber-gehaelter-und-produktivitaetsdruck

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Inzwischen liegt die Qupte der Sozialausgaben am BIP in D bei mehr als 30 Prozent. Da werden unproduktiive Gesinnungsfunktionäre Politkomiker. Faulenzer, Caritas und was weiss ich für Angestellte und ganze Herrscharen an Juristen, Beamten und Bürokraten durchgefüttert, die durch ihr parasitätes Wirken, ebenso wie die Asylindustrie und einige andere verworrene Gestalten die Wirtschaft und den ökonomischen Motor dieses Land zusammenbrechen lassen werden.

Die Mindestlohnorgien sind typisch für die finale Phase des Sozialismus ehe es zur Auslöschung der Geldvermögen kommt, die am Ende bei allen sozialistischen Experimenten stets die Folge war.

Der schwarz-grün-rot gelbe Sozialismus ergibt bei additiver Farbmissung erneut einen braunen Sumpf aus bereits tot geglaubten "Heilsbringern" in diesem Land und in ganz Europa...

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Danke für den Kommentar!

Und es ist nicht nur so, dass diese grosse Quote an nicht produktiven Arbeitsplätzen existiert, sondern die Propaganda, die diese als wertvoller oder besser darstellt als klassische, produktive Malocherstellen, ist ziemlich frech. Es gibt auch kaum ein Bewusstsein, dass man als Angestellter für einen Mehrwert zu sorgen hat, der das eigene Bruttogehalt übersteigt. Wer das nicht tut, sollte unbedingt weniger verdienen.

Ich habe auch damit aufgehört, die Sozialdienstleister als Industrie zu bezeichnen, da für mich die Existenz aus eigener Produktivität ein Kernpunkt einer Industrie ist.

Zum Mindestlohn kann ich sagen, dass ich selbstverständlich auch ein Gegner davon bin. Um die Diskussion zu vermeiden ist es wichtig, das die Grundkosten des Lebens sehr tief sind. So, dass 90+ % der Bevölkerung ohne jede staatliche Hilfe durchs Leben kommt. Warum es für einen Staat kurzfristig interessant ist, eine abhängige, unfreie Bevölkerung zu haben, habe ich im Artikel dargelegt. Langfristig bedeutet es den Untergang, aber das interessiert Politiker und Medien nicht.

Das letzte ist etwas Klugscheisserei ;-) Die Farbmischungstechnik, die braun ergibt, dürfte aber subtraktiv sein, denn bei der additiven Farbmischung kann man aus den Grundfarben rot, grün und blau weiss generieren. Bei der subtraktiven Farbmischung sind die Grundfarben gelb, rot und blau.

https://de.wikipedia.org/wiki/Subtraktive_Farbmischung
https://de.wikipedia.org/wiki/Additive_Farbmischung

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Hallo Saamy,

irgendwann wird die Rechnung vor allem jenen präsentiert, die meinten, dass man auf ewig auf Kosten der Malocher leben könnte.

Die Kaste der Sozialisten und Bürokraten wird dann kollektiv in der Arbeitslosigkeit landen, ebenso wie die Gruppe der Steuerkonsumenten, die sich seit Jahrzehnten auf Kosten der Leistungsträger in dieser Gesellschaft ein buntes Leben machen - ohne die Folgen ihres zutiefst ökonomisch destruktiven Handelns sich vor Augen zu führen.

Am Ende wird sich alles aber wohl zu einem harmonischen Ganzen zu sammenfügen.

Danke für den Hinweis mit der subtraktiven Farbmischung. Ein erholsames und frohes Wochenende - abseits von Politik und Sozialistischen Wahnsinn..

Die Schauspielergesellschaft hat langsam fertig. Alles nur mehr mit Galgenhumor zu ertragen...

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Auch mit Galgenhumor ist es nicht mehr zu ertragen - nur noch mit geballtem Widerstand im Rahme aller legitimen Möglichkeiten dieser sozialistischen Zerstörung der Lebensarbeitsleistung ganzer Generationen Einhalt zu gebieten...

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Man wird sehen, wie sich das Ansehen dieser Schauspielerei noch entwickeln wird. Bei denen, die sie perfektioniert haben, also darin aufgegangen sind, scheint kaum ein Bewusstsein dafür vorhanden zu sein, dass es möglich ist, den Bogen endgültig zu überspannen. Diese Fehleinschätzung kann und dürfte zu wenig kontrollierten Konsequenzen führen.

Ich finde die prozentuale Steuerabgabe im Laufe der Zeit als einzigen Faktor zu Betrachten (wie es viele "steuerkritiker" machen) ziemlich sinnlos. Mindestens die Kaufkraft der Bevölkerung im Laufe der Zeit müsste als Faktor noch hinzugenommen werden.

Guter Artikel.

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Danke für den Kommentar und das Lob!

Die Kaufkraft ist sicherlich eine sehr gute Grösse, allerdings ist sie nicht ganz einfach festzustellen, zumindest für den Einzelnen. Denn viele Preise entwickeln sich auf eine recht eigene Weise. Für gewisse Güter sind die Preise über die Zeit gestiegen, meist für hoch regulierte Güter wie etwa Immobilien, Krankenversicherungen oder Elektrizität.

Bei elektronischen Geräten ist es stattdessen bei den Einstiegspreisen massiv nach unten gegangen bei stetigem technischem Fortschritt.

Ich bin teilweise versucht Steuern im Stile eines Ingenieurs als einen Verlust zu betrachten, der den Wirkungsgrad des bezahlten Preises schmälert. Anders als beispielsweise bei gewissen Prozessen in der Thermodynamik gibt es in der Marktwirtschaft keinen maximalen Wirkungsgrad von deutlich unter 1, allerdings ist es auch klar, dass ein Gemeinwesen, das sich staatlich organisiert gewisse öffentliche Aufgaben hat, die finanziert werden müssen.

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Kaufkraft ist ein gutes Keyword. Fakt ist: ich bekomme heute beim Aldi für 50 Euro nicht mehr als ich für 50 DM bekam. Gefühlt hat sich die Kaufkraft halbiert. Vielleicht sind auch die Tüten kleiner geworden :-). Eine Marken-Jeans kostete um die 100 DM, heute 100 EUR. Energiekosten sind heute in EUR höher als zu DM-Zeiten. Mobilität (Spritpreise, Fahrpreise) sind heute in EUR höher als zu DM-Zeiten. Wo ist die Kaufkraft geblieben?

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Das alleine ist nicht die Kaufkraft. Hierfür musst du auch noch die Löhne miteinrechnen.

Die Kaufkraft ist gestiegen (für eine Stunde Arbeit bekommt man heute mehr (kaufkraft, Güter whatever) als vor 40 Jahren) (im Schnitt natürlich).

Sprich die prozentuale Steuerlast ist zwar im Vergleich zu "damals" gestiegen, wir können uns aber trotzdem mehr leisten.