Ausstieg: Unser wie

in #deutsch7 years ago

Im letzten Beitrag, ging es um unser WARUM
Heute soll es darum gehen, WIE wir ausgestiegen sind.

Motivation / Vorbereitung

Der drang nach Freiheit war schon immer groß.
Unser erster schritt war daher in die Selbständigkeit zu gehen und wir hatten die Idee, zu Arbeiten wann und wo wir wollen. Bei mir hat das ein bisschen länger gedauert als bei meiner Frau, ich hatte mich Juli 2017 Selbständig gemacht.
2018 haben wir uns einen gebrauchten VW Bus gekauft - die "Elfi", umgebaut zum Camper VAN.
Damit wollten wir einfach immer weg fahren, so oft wie möglich und von unterwegs aus Arbeiten.

Wie Ihr im letzten Beitrag nachlesen könnt, wollten wir in die USA auswandern.
Wir haben 3 Hunde und haben vom eigenen Land und Europa noch nicht so viel gesehen.
Klar hat man was gesehen, aber da gibt es ja noch so viel mehr.
Wir hatten uns zu der Reise informiert, vor allem wegen unseren Hunden und was wir Ihnen damit "antuen". Diese Strapazen wollten wir Ihnen nur 1x "antuen".
Also war der Plan, dass wir alles Verkaufen und mit der "Elfi" 3-4 Monate durch Europa Fahren und dann mit dem Schiff in die USA und dort etwas neues aufbauen. Den Bulli am Hafen verkaufen und ab über den "See".

Im Dezember haben wir dann erfahren, das die Einreisebestimmungen in die USA geändert werden. Uns war klar, das wenn wir in den USA Leben wollen, das wir eine Green Card brauchen, das ist nicht so einfach. Wir waren ein bisschen Naiv und wollten uns das alles vor Ort aufbauen. Schließlich kann man das Land verlassen und ein neues ESTA Visum beantragen, aber genau das soll sich ändern. Das z.B. Kanada nicht mehr als ausreise Land gilt und das man auch ein Rückticket angeben muss.

Wir haben uns dann gefragt ob die ganze Sache überhaupt richtig ist und haben wieder alles hinterfragt mit dem Auswandern. Meine Frau kam dann auf die Idee, wir machen das trotzdem, verkaufen alles und Fahren durch Europa, um unser neues Zuhause zu finden.
Ich war anfangs sehr skeptisch, es gibt kein Zurück und wir wussten ja auch nicht wo das Ziel ist und wie lange wir fahren würden.
Wir haben uns intensiv mit dem Thema beschäftigt. Weil wir nicht wussten wie lange wir unterwegs sein würden, haben wir uns auch intensiver mit alternativen zu unserem VW Bus umgeschaut. Der Platz mit 3 Hunden wäre schon verdammt eingeschränkt.
Wir haben gemerkt das viele Familien so unterwegs sind und haben angefangen deren Videos oder Geschichten zu lesen und das hat uns inspiriert.
Wir haben dann alles offen gelassen. Wollten unsere "Elfi" verkaufen und uns ein Wohnmobil kaufen - unser neues Zuhause. Wir wollten auch am liebsten frei stehen und unabhängig sein. Und unsere Dusche und Toilette dabei haben. Eben ein Mobiles-Heim haben.
Je mehr wir uns mit dem Thema beschäftigt haben, desto mehr konnten wir uns vorstellen nicht nur zu Reisen sondern wirklich so zu leben.

Verbrenne alle Boote hinter dir

Wenn Du einmal eine Entscheidung getroffen hast, sollte es kein zurück geben.
Die Boote hinter einem zu verbrennen, ist natürlich nur eine Metapher / ein Sinnbild.
Damit ist gemeint, das es niemals ein zurück geben darf.
Veränderung ist schwer, aber nur so wachsen wir schnell, wie oft will man etwas ändern, aber rudert immer wieder zurück. Wenn ich mein Fluchtweg hinter mir "Verbrenne", gibt es nur noch ein vorwärts, auch wenn es in dem Moment schwerer ist, als zurück zu gehen.

  • Wir haben als erstes unser Haus, in dem wir zur Miete gewohnt haben, gekündigt.
  • Haben mit unseren Eltern gesprochen und klar gemacht was wir vor haben
  • Haben Verkauft, was uns heilig ist, die wichtigsten Sachen an den wir wirklich hängen zu erst, dann weißt du wie ernst du es meinst

Wir hatten unser Haus noch zur Miete bis ende April. Im April wollten wir aber schon los Fahren. Am 04. Mai hat mein Bruder noch geheiratet. Danach sollte es am 05. Mai los gehen. Im April, so haben wir es dann getauft, wollten wir eine Probe aufs exempel machen.

Unser neues Zuhause

Wir wollten ein altes gebrauchtes WoMo.
Für das was wir vor hatten, war das wichtigste, das wir ein stabiles und solides Reisegefährt finden.
Wir hatten kaum Ersparnisse, also nur Geld das wir noch verdienen können und aus den Verkäufen unserer Wertsachen.
Wichtig war uns das das WoMo ein Fiat Ducato Motor hat, da die einfach fast jeder kennt, falls was ist und sie lange halten und große Belastungen aushalten.
Bei einem neueren WoMo mit viel Elektronik ist immer die Gefahr da, das im falle eines Falles je nach dem wo man steht, man dort nichts machen kann.
Wir hatten erst von Privat gesucht, hatten dann aber kein gutes Gefühl und sind dann im Januar 2019 zu einem Händler in unserer Nähe gefahren, weil wir einfach auf sicher gehen wollten.
Dort haben wir auch ein WoMo für unser vorhaben gefunden, die "Lori".
Das ist jetzt eine "längere" Geschichte, auf die ich vlt. nochmal gesondert eingehe, aber wir konnten das WoMo erst im März 2019 abholen, weil es noch aufbereitet wurde. Die kurz Version: Wir konnten das WoMo ende März abholen, wir haben es danach direkt in die Werkstatt zur Kontrolle und für TüV gebracht und wir wollten noch eine Solaranlage für unsere Bedürfnisse nachrüsten. Das WoMo kam nicht durch den TüV mit groben Mängeln, eine Solaranlage konnte man nicht drauf bauen, weil das WoMo einen starken Wasserschaden hat. Alles in allem für uns ein Totalschaden.
Wir wollten das WoMo natürlich sofort zurück geben und vom Kauf zurücktreten, da wir das so nicht gekauft haben. Der Händler hat das leider verweigert und die Sache liegt noch beim Anwalt. Sowas braucht man natürlich für solch ein vorhaben. Wir hatten nun richtig druck, weil wir im April starten wollten. Wir haben uns dann erneut umgeschaut nach WoMo's aus privater Hand. Mit viel Glück haben wir unsere "Berti" gefunden: Ein Fiat Ducato 2.5l Turbo Diesel mit Concorde aufbau- unser Traum.

Trenne dich von allen unnötigem

Über die Jahre haben wir sehr viele Materielle dinge angehäuft, man glaubt gar nicht was man alles anhäuft. Manche dinge sind einem wichtig und manche weniger.
Ich gebe zu, mir ist es schwerer gefallen, mich von dingen zu trennen, als meiner Frau.
Ich bin so der Typ: Man könnte es ja noch gebrauchen.

Nach dem wir die "großen" wichtigen dinge verkauft haben, haben wir ein Hausflohmarkt organisiert.
Und sind so oft wie möglich auf Flohmärkte gefahren, um soviel wie möglich zu verkaufen.
Ehrlich gesagt, klingt das vorher alles leichter als es ist, alles zu verkaufen.
Es war echt viel Arbeit, aber wir wussten die ganze Zeit, wofür wir es machen.
Man hat natürlich auf viele Sachen die man nicht verkauft bekommt. Wir haben dann zum Schluss, aufgrund der Zeit viel verschenkt. Der Rest ist auf die Mülldeponie gekommen.
Das tat uns so weh, soviel Sachen, mit dem wissen das sie irgendjemand bestimmt gebrauchen kann und wir werfen sie weg. Aber wir mussten das Haus leer bekommen. Wir hatten ja ein Plan.

Die wichtigsten Sachen haben wir bei den Eltern eingelagert. Geplant waren 10 Umzugskartons. Am ende waren es 15. Man hat doch mehr, als man denkt.

Auszug ohne Umzug

Das Haus haben wir wie geplant ende April übergeben. Es war so viel Arbeit, unfassbar. Aber wir haben es geschafft. Das Haus zu übergeben, ohne neue Wohnung war ein komisches Gefühl.

Die letzten Tage

2 Wochen vor der Hausübergabe, sind wir quasi bei Sandys Eltern eingezogen. Das Haus war leer und wir sind nur noch ins Haus um den Müll zu beseitigen und alles Übergabe bereit zu machen.
Bis zur Hochzeit meines Bruders haben wir dann noch dort gelebt. Das war eine schöne, lehrreiche, aber auch stressige Zeit. Wir haben uns da ja quasi eingenistet. Aber die letzten Tage bei der Familie zu sein und mit Freunden, das war uns wichtig.

Dann noch Behördliche dinge regeln, wie aus Deutschland abmelden, hat alles sehr einfach geklappt, das war sehr aufregend und ein überwältigendes Gefühl, spätestens jetzt hat man realisiert das es langsam ernst wird.

Nach unserer Probewoche haben wir extrem viel gelernt und wir haben gemerkt das wir zu viel mit hatten. Daher haben wir zum Schluss nochmal alles neu gepackt. Am 05. Mai. sollte es losgehen. Und wieder ging die Reise nicht gut los. Wir haben den ganzen Tag noch mit packen gebraucht, Dinge an die man nicht denkt, das sie so lange brauchen. Wie z.B. die Fahrräder befestigen. Und das wir doch einfach zu viele Sachen haben und alles richtig verstauen. Wir machen ja kein Campingurlaub, sondern eine "Weltreise".
Am 06. Mai sind wir dann endlich morgens losgefahren. Unser Ziel raus aus Deutschland.
Das haben wir geschafft! Sogar bis nach Lichtenstein.

Über die Probewoche und die ersten Reiseziele erfahrt ihr dann in gesonderten Posts.

LG euer Stephan
-- wirthschon

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Zuerst mal Gratulation

@wirthschon für euren Mut die Schiffe zu verbrennen und loszugehen!

und Danke!

für eure Beiträge. Ich bin selbst in der Planung für ein Leben als Digitalnomade. Daher ist es sehr motivieren, inspirierend und hilfreich von Menschen die schon einen Schritt weiter sind zu lesen und von ihren Erfahrungen zu profitieren.
Ich freue mich auf weitere Berichte von euch und hoffe noch viel von @wirthschon zu lesen!

free fall in the rabbit hole

Danke fürs lesen ✌️
und viel Erfolg beim Start ins neue Leben.
Es lohnt sich

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Es wird einem ja an allen Enden suggeriert genau so vorzugehen.
Die Schiffe verbrennen und nichtmehr zurücksehen und einfach woanders neu anfangen oder gar Nomade werden.

Für die Wirtschaft einfach optimal.

An keinem Ort fest bleiben und keine Bindungen aufbauen und bei der Abreise vollgeschissene Plastiktüten liegenlassen. #vanlife

Ich wünsche den beiden aber viel Glück dabei und Dir auch :)

Super Entscheidung, einfach mal Deutschland zu verlassen und zu gucken, was passiert. Man bindet sich zu sehr an einem Ort und damit engt man sich extrem ein. Es gibt so viele schöne Orte zu entdecken, worauf ich auch unendlich Lust habe. Ich bin auch gerade am Ausmisten und es ist ein langer Prozess. Doch wenn man sich dafür entschieden hat, freut man sich über jedes Teil was auf dem Haus ist. Dass man viel angesammelt hat, kann ich nur bestätigen. Jetzt wird mir aber erst bewusst, wie viel sinnloses Zeug einfach nur irgendwo herumliegt.

Ich freue mich schon auf weitere Posts von euch! 🙂

Danke fürs lesen 🙏
Ja, uns hat das auch eingeengt. Ausmisten befreit auch den Kopf. Je mehr zeug man hat, desto mehr balast trägt man jeden Tag mit sich rum. Alles zu verkaufen ist so befreiend.

Viel erfolg beim ausmisten 👍

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Das kann ich nur bestätigen. Für mich ist erstaunlich zu sehen, wie wenig Dinge man doch eigentlich braucht. Ausmisten ist eine super Sache 🙂 Liebe Grüße

Hi Stephan, wirklich schöner Blog, man erlebt alles mit :) Liebe Grüße Alexa

Hi Alexa, danke für die Blumen und danke fürs Lesen ✌️

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