Aus dem früheren Leben gegriffen... / Taken from a former life...

in Deutsch Unplugged2 months ago

english below...

Teil 1

Von Männern und Mäusen

Mein Traummann? Eigentlich stimmt es nicht, daß ich keinen hätte. Ich habe ihn getroffen und geliebt und er hat mich umgehauen. Mit ihm habe ich große Gefühle erlebt und er hat einen ewigen Platz in meinem Herzen. An meiner Seite konnte ich ihn nicht so lange halten bzw. ertragen – ich habe große Probleme mit Nähe. Er auch. Als Beziehung war das Ganze darum leider zum Untergang verurteilt. Das ändert nichts daran, daß er mein Traummann ist und bleibt.

Was genau macht ihn dazu? Er ist stark – körperlich und mental. Kreativ, kritisch und unangepaßt. Verletzlich und sehr reflektiert. Er hat Ziele und verfolgt sie – eisern, aber ohne Verbissenheit. Er ist zärtlich, stürmisch, leidenschaftlich. Wir hören die gleiche Musik, mögen Motorrad fahren und Lederklamotten, engagieren uns bis auf‘s Blut, wenn wir es irgendwie wichtig und richtig finden. Wir haben große Herzen... Heute sieht er nicht mehr ganz so atemberaubend aus wie vor 17 Jahren. Die Lebensjahre haben ihn seine dichten langen Haare gekostet und etwas vom früheren Optimismus. Die Figur dagegen ist weiter die eines jungen Gottes... - ähm, Mannes. Er liebt sein Leben...

So stelle ich mir echte Männer vor. Eine vom Aussterben bedrohte Spezies? Ich sehe fast nur noch verkümmerte, kleinlaute, unsichere, selbstmitleidige und komplexbeladene Existenzen. Damit gehören sie für mich eher zu den Mäusen. Nichts gegen die possierlichen kleinen Nagetierchen, aber als Lebenspartner, Liebhaber, Freund oder Mitarbeiter möchte man so einen nicht haben! Wo sind die ganzen Helden geblieben? Und dabei meine ich bestimmt nicht die althergebracht verstandenen Machos, die ungehobelt ihre Männlichkeit herausprotzen und Frauen bestenfalls als schmückendes Beiwerk akzeptieren. Nein, ich meine den Männernamen tragenden Mitmenschen auf Augenhöhe, der nicht gleich eine Psychotherapie braucht, wenn der Chef ihm mal die Leviten liest. Der nicht auf einen Flirtcoach angewiesen ist, um die Feinheiten der zwischengeschlechtlichen Kontaktaufnahme zu realisieren. Der sich bei tollen Männersachen hemmungslos die Klamotten einsaut, sie hinterher wäscht und selbstbewußt auf dem Hof zum Trocknen aufhängt. Wo nur, wo sind sie geblieben, diese absolut unentbehrlichen und schätzenswerten männlichen Wesen? Kein Wunder, daß immer mehr Frauen auf die Idee kommen, auch noch das letzte Bollwerk der Maskulinität einzurennen und ihren Kinderwunsch ohne nennenswertes Zutun eines adäquaten Partners zu erfüllen. Ob das von der Natur so gewollt ist, sei einmal dahingestellt. Und daß viele verschiedene Lebensweisen nebeneinander gleichberechtigten Bestand haben sollten, ist unbestritten. Allein – teilweise finde ich es schade. Der Mensch an sich hat Grundbedürfnisse, von denen Sex nicht das Geringste sein dürfte. Mangels verfügbarer Attraktion verzichtet jedoch so manche Frau heutzutage lieber auf die Erfüllung ihrer Sehnsucht nach körperlicher Liebe und nimmt das Fehlen eines männlichen Gegenparts für die eigene Person in Kauf.

Geht es den Männern im Umkehrschluß ähnlich? Verkörpern wir Frauen nicht mehr das, was die Herren der Schöpfung gerne sehen, hören, riechen, schmecken, anfassen? Haben wir uns zu weit voneinander entfernt? Sind wir die besagten Königskinder, die das tiefe Wasser im Graben zwischen ihnen nicht mehr überwinden können? Gemeinsamkeit künftig ausgeschlossen... Der „Umstände“ wegen – welche das auch immer sein mögen. Eine Schuld trägt wohl niemand an dieser Entwicklung. Sie passiert einfach und ist gesellschaftlich legitimiert. Und trotzdem erlaube ich mir hier und da und dort leisen Neid, wenn ich ganz selten doch Menschen treffe, die sich scheinbar gefunden haben: für kurz oder lang vervollständigt, eine Einheit.

Man wird ja noch träumen dürfen...

Berlin, 14. Februar 2016

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english version:

Part I

Of Men and Mice

My dream man? Actually, it's not true that I don't have one. I met him and I loved him and he blew me away. With him I have experienced great emotions and he has a eternal place in my heart. By my side, I could not hold him or bear him for so long - I have great problems with closeness. So does he. As a relationship, the whole thing was unfortunately doomed. That doesn't change the fact that he is and remains my dream man.

What exactly makes him so? He is strong - physically and mentally. Creative, critical and maladjusted. Vulnerable and very reflective. He has goals and pursues them - ironically, but without doggedness. He is tender, stormy, passionate. We listen to the same music, like riding motorbikes and leather clothes, and we get involved to the hilt when we feel it is somehow important and right. We have big hearts... Today he doesn't look quite as breathtaking as he did 17 years ago. The years of his life have taken away his thick long hair and some of his former optimism. The figure, on the other hand, is still that of a young god... - ayh, man. He loves his life...

That's what I imagine real men are like. An endangered species? All I see is stunted, small-mouthed, insecure, self-pitying, complex-laden existences.
That makes them more like mice to me. Nothing against the cute little rodents but as a life partner, lover, friend or co-worker, you wouldn't want to have such a person! Where have all the heroes gone? And I certainly don't mean the old-fashioned macho men who uncouthly flaunt their masculinity and accept women at best as decorative accessories. No, I mean the man-named who doesn't need psychotherapy when the boss gives him a piece of his mind. Who doesn't need a flirting coach to teach him the finer points of making contact between the sexes. Who, when it comes to great men's things uninhibitedly soaks his clothes, washes them afterwards and confidently hangs them out to dry in the courtyard. Where have they gone, these absolutely indispensable and estimable male beings? No wonder that more and more women are getting the idea of the last bulwark of masculinity and to fulfil their desire to have children without the help of an adequate partner. Whether this is intended by nature, is a moot point. And that many different ways of life should coexist, should have equal rights is undisputed. But in part I find it a pity. Human beings have basic needs, of which sex should not be the least. For lack of available attraction, however, many women nowadays prefers to forego for physical love and accept the lack of a male counterpart for her own person.

Is it the same for men in reverse? Do we women no longer embody what the gentlemen of creation like to see, hear, smell, taste and touch? Have we moved too far from each other? Are we the aforementioned royal children who can no longer overcome the deep water in the ditch between them? Commonality ruled out in the future... Because of "circumstances" - whatever they may be. No one is to blame for this development. It simply happens and is socially legitimised. And yet I allow myself a little envy here and there, when I very rarely meet people who seem to have found each other: completed for a short or long time, a unity.

One can still dream...

Berlin, 14th February 2016

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Das ist ein interessanter, persönlicher Artikel, zu dem ich mir keinen wertenden Kommentar erlauben will. Aber deine Frage beantworte ich gerne.

Geht es den Männern im Umkehrschluß ähnlich?

Nö. Ich hatte das Glück, mit starken Mädels aufwachsen zu dürfen. Was ich bei meinen Schwestern nicht lernte, haben die Frauen danach erledigt und seit 35 Jahren meine Angetraute. Ein Leben ohne Frau mag ich mir gar nicht vorstellen. Das fand ich nie erstrebenswert.

Das ist eine interessante, persönliche Antwort - die ich einfach mal ganz toll finde! So viel Wertung muß erlaubt sein ;-))

gutes Thema.
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хорошая тема.
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Dein Wunsch wird mir Befehl sein ;-)) Herzensthema ;-))

Твоё желание будет моей командой ;-)) Тема сердца ;-))

Ok, ich weis, ich nerve, aber ich komm´ da mit der ZeitliChkeit nicht so ganz mit .
Zwanzigsechzehn also , zunächst denkt "man" ja, dass das mit den 2016 sich auf das Bild mit dem MittfUzziger da bezieht, und dass das auch für den Text gilt und der Titel des Posts scheint das zu bestätigen.
Hihi , ok RücksChlüsse gezogen .

Klaro hast Du wieder ein Thema , dass #Es antriggert , aber #Es hält die FingerLeins stille, denn so als "ES" hat #Es da einen ganz anderen BlickWinklel.

Aber das will ich Dir nicht vor enthalten, wie heftig das Lachen aus #Es heraus brach, als nach dem Text #Es das Bild vor Augen kam.
Ach , wie klar und bezeichnend , #GRINSEGRINSEGRINSEGRINZ .

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Stark! Also der Beitrag und auch die Gedanken, die dazu geführt haben - finde ich.

Wo nur, wo sind sie geblieben

Bei dieser Frage habe ich mir im stillen Kämmerlein etwas verächtlich selbst geantwortet: Vielleicht haben die Frauen mehr und mehr diese Rolle übernommen. Erstaunlich, dass du im folgenden Text auf einer ähnlichen Schiene fährst... ;-)

Yipp, genau so hat sich das damals hergeleitet... Du hast bestimmt auch Vergnügen an Teil 2, 3 und 4 ;-)) Da waren sie wieder, die Fortsetzungsgeschichten...

Da waren sie wieder, die Fortsetzungsgeschichten

😎

Las sich ganz phantastisch als abgeschlossene Geschichte. Wenn's bei den anderen Teilen auch so ist... Ja, werde ich bestimmt meine Freude dran haben... :-))

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