20. August bis 26.August - Wochenrückblick in eigener Sache

in deutsch •  2 months ago

Hallo liebe Leser,

schon wieder haben wir eine Woche verschlissen und dabei den Nachbarn nicht ein einziges Mal nach der Himmelsrichtung befragt, in der die Suche nach besseren, unverbrauchten Tagen sich erfolgreich gestalten könnte. Wir vertrauen noch immer unserem Bäcker um die Ecke, etwas weniger dem, was in der Tageszeitung steht und beschäftigen uns mit der Frage, ob es zukünftig möglich sein kann, ganz bestimmte Tage (die mit leichten Kreuzschmerzen und Zwetschgenknödel beispielsweise) länger haltbar zu machen.
Nur für all die kleinen Tüftler unter uns, die noch immer ihren Chemie-Baukasten vor Staubbefall schützen und Bandnudeln in Schnürsenkel zu verwandeln versuchen: Einkochen, Schockgefrieren und das Vakuumieren hat bei Donnerstagen jedenfalls nicht funktioniert. Was die Sonntage betrifft, könnte sich ein erneuter Versuch lohnen, da der Tag bekanntermaßen noch heilig geschützt wird.

Ich hätte, wenn ich mich richtig erinnere, wohl den letzten Mittwoch konfiert. Nicht aus dem Grund, weil mir das morgendliche Zähneputzen ohne größere Kollisionen mit dem Zahnfleisch und gänzlich ohne Blutvergießen gelungen ist, sondern es wäre der Tatsache geschuldet, dass mir ein 50 Liter-Fass Schweineschmalz zum Kauf angeboten wurde. Da Konfiren nichts anderes heißt, als Sachen im Fett zu garen oder haltbar zu machen, fielen mir spontan ein : meine Schuhe, meine Frau und Otmar Klobber (mein Kater). Dinge, an denen ich sehr hänge und haltbar gemacht auch gut zu mir passen würden.
Einfacher wäre es natürlich gewesen, gleich den ganzen Tag einzufetten. Doch mit läppischen 50 Litern kommst du da nicht weit. Daher meine Frage an die Experten, die sich mit der Konservierung im Eigenfett auskennen:
Wie viel Schweineschmalz muss ich mir im Dorf erarbeiten, dass zumindest der Mittwochnachmittag unsterblich bleibt? Aber leider dann mit Geruch von Sau!
Hilfreiche Vorschläge, nutzlose Zwischenrufe und spontane Liebesbekundungen bitte direkt an die Chefredaktion!

Gerücht der Woche:



Was aus gänzlich uninformierten Kreisen des ZDF sickerte und als Spekulationen im Mandel-Bisquit bei EDEKA im Regal steht, darf als Gerücht der Woche ein Vollbad im Kreis der Gläubigen nehmen.
Dieter Thomas Heck wurde für die Ewigkeit haltbar gemacht! Dass den Mainzer Narren das ohne mein Schweineschmalz gelungen sein soll, kann ich mir auch in meinen geringelten Socken nicht vorstellen. Doch bleibe ich, ganz und gar dem Ratschlag meiner Psychotherapeutin folgend, ruhig und gelassen, warte ab, was auf dem Lerchenberg passiert, aber erahne bereits, dass das ´heute-journal´ durch die ZDF-Hitparade ersetzt wird. Dann reist nämlich nicht mehr Heiko, der Maas, von Moskau über Saarlouis nach Washington, sondern Bata, der Ilić, sucht auf Platz Zwei nach seiner Mikaela, während Roy, der schwarze Black, Marietta Slomka ganz in Weiß auf Platz Eins vernascht.
Aber (wie gesagt) Vorsicht mit diesen Kreisen, die durchaus mit einer erheblichen Unwucht unterwegs sein könnten!

Es gibt so viel zu erleben, in der großen Welt da draußen. Es braucht lediglich ein Ziel!



Was hat sich sonst noch so abgespielt in dieser Woche, für das keine EU-Agrarsubventionen fließen und in China keinen Sack Reis ins Wanken bringt?

Die erste Meldung, die mir in Müsli gemischt wurde, erinnerte mich doch stark an einen Vorfall aus meiner Kindheit, als ich am 2. September-Wochenende von meinen Erziehungsberechtigten (mit staatlich zuerkannter Lizenz) genötigt wurde, meine Heimatstadt zu verlassen, um den Sonntag im Kreis der Großfamilie mütterlicherseits in einem 30 km entfernten Kuhkaff zu verbringen. Ohne Protestgeschrei von meiner Seite konnte dieser Stellungswechsel nicht in Angriff genommen werden, da ich viel lieber zuhause geblieben wäre, da am Sonntag zuvor die Kirmes in unserer Stadt weilte. Für einen Fünfjährigen wie mich, ein Erlebnis mit Schluckauf-Faktor 1, da ich so viel Aufregendes auf einmal gar nicht zu verdauen wusste.

Mir war ab dem Zeitpunkt vollkommen klar, dass dieser Trubel wohl ab jetzt jeden Sonntag vor meiner Haustür gastiert. Um so schlimmer daher die Nachricht von der Entführung auf den Misthaufen. Mein Vater, das Vorbild für Jurek Beckers Roman “Jakob der Lügner”, versuchte das Geschrei aus meinem Protest zu locken, indem er mir verriet, dass der Kirmes-Tross schon längst weitergezogen sei.

“Und jetzt rate mal wohin! Genau bei der Oma und beim Opa vor die Tür.”

Was bleibt da zu sagen? Ich war eben noch nicht mit allen Wassern gewaschen und schenkte diesen Worten Glauben.
Das Bild, das sich mir bei der Ankunft in dem Kaff bot, in dem es überall nach Kuhscheiße zu stinken schien (auch im Haus bei Apfelsaft und Hefekuchen), übertraf bei Weitem das, was ich an Speicherplatz für Enttäuschungen in meinem Kopf bereit hielt. Ein elend langweiliges Ringelspiel und eine blöde Schießbude, an der sich nur die Erwachsenen rumtrieben und fortwährend auf riesige Teddybären schossen. Wenn das als Kirmes bezeichnet werden konnte, dann war ich Emil - oder zumindest einer der Detektive!

Der eigene Vater war als Lügner entlarvt und ich gefangen am Ende der Welt, während zuhause der der Losverkäufer die höchsten Gewinne im Eimer hütete und die Berg- und Talbahn unermüdlich ihre Runden drehte. Guter Rat war in dem Moment teuer. Doch Geld war nicht das
Problem, da ich von den Onkels und Tanten im Vorfeld großzügig mit Kirmesgeld ausgestattet worden war.
Mir schien eines klar wie Kloßbrühe: Die Heimfahrt musste unbedingt vorgezogen werden. Der Antrag dazu wurde mündlich vorgetragen und prompt abgelehnt.

Da kam mir der Zufall in Person meines Cousins zu Hilfe, der zwar ein halbes Jahr jünger als ich ist, aber ansonsten ein geiler Hund, da er auf dem Land Sachen mit Messer und Beil gelernt hatte, die mich zuvor schon oft zum Staunen brachten. Ihn zerrte ich in den Holzschuppen und gab ihm einen kurzen Einblick auf das, was ich am Sonntag zuvor erlebt hatte und wie ich mir eine richtige Kirmes vorstelle. Mein Cousin entpuppte sich nicht nur als guter Zuhören, sondern auch als treuer Weggenosse.

Denn wir hatten uns spontan entschlossen zum Bahnhof zu marschieren und in den nächsten Zug in Richtung Stadt einzusteigen. Einziges Handicap: Das Kuhkaff hatte weder Gleise noch einen Bahnhof vorzuweisen. So blieb uns nur der Fußmarsch in den nächsten Ort mit Fahrkartenschalter.

Diese Hürden, die man uns dann in den Weg stellte, die findet man nur in Bundesländern, in denen Kohle gefördert und Stahl und Eisen produziert werden. Denn die Leute, die dort arbeiten, die kennen keinen Sonn- oder Feiertag und erst recht keinen Feierabend. Die schuften Tag und Nacht. Ab und an fahren sie auch nachhause und trinken eine Flasche Bier.
Leider auch an Sonntagen!
Während wir die Hälfte der 4 Kilometer bereits geschafft hatten, kamen uns die ersten der Männer entgegen, auf die ein kühles Blondes auf dem Küchentisch wartete (mit Strumpfhose oder Glas - das war mir und meinem Begleiter wurscht).
“Wo macht ihr zwei Raubauken denn hin?”
Zu älteren Menschen ist man freundlich und gibt Antwort auf eine Frage.
“Auf den Bahnhof und dann fahren wir auf die Kirmes.”
“Ach so. Und die Oma und der Opa wissen, was ihr da vorhabt?”
“Die trinken Kaffee und essen Kuchen.”
Offensichtlich reichte dies an Erklärung, denn uns wurde noch gewünscht, nur ja viel Spaß zu haben.
Am Bahnhof angekommen, ging es nur noch darum herauszufinden, in welche Richtung wir überhaupt fahren mussten. War aber auch kein Problem, denn wir stellten uns einfach dort hin, wo die meisten Leute standen. Denn das mit der Kirmes in der Stadt schien sich herumgesprochen zu haben.

Der Zug fuhr ein, Reisende stiegen aus und wir gedachten einsteigen. Was uns noch davon abhielt, waren zwei Hände, von denen sich eine am an meinem Hosenbund und die andere im Pulli meines Cousins verhakt zu haben schienen. So schnell wie wir auf der ersten Stufe in Richtung Abteil waren, so schnell landeten wir auch wieder auf dem Bahnsteig.

“Das würde euch beiden so passen. Ihr wartet mal schön auf den nächsten Zug. Und der fährt frühestens in 10 Jahren.”

Die Überbringerin dieser schlechten Nachricht war uns leider nicht unbekannt. Es war die Freundin unseres Onkels, die sich wohl erhoffte bei ihrer Ankunft im Kuhkaff nicht nur vom Onkel sondern auch noch von einem riesigen Teddy mit Schusswunden empfangen zu werden. Dumm gelaufen.

Aber beinahe hätten wir es geschafft!

...............

Wie kam ich überhaupt auf die Geschichte?

Durch die Meldung aus Moskau, wo zwei Entdecker im Kindergarten scheinbar auch ein festes Ziel im Auge hatten. Sie nutzten auf dem Kindergarten-Spielplatz ihre Holz- und Plastik-Schaufeln und gruben sich Zentimeter für Zentimeter einen Tunnel unter dem Absperrzaun hindurch - ohne dabei die Aufmerksamkeit einer der Erzieherinnen auf sich zu lenken.
Die beiden Grubenarbeiter hatten genug noch den viel zu kleinen und dabei auch noch popligen Spielzeugautos in der Kita. Es musste endlich was Vernünftiges her.
Kaum waren die Erdarbeiten abgeschlossen, erfolgte auch schon der Weg (mit dem Kopf voraus) in die große Welt des Konsums. Der erste Erwachsene, der auf die beiden Tiefbauexperten richtig aufmerksam wurde, war der Verkäufer in einem pompös ausgestatteten Laden für Jaguar-Limousinen.
Er kam dem Wunsch der jungen Kundschaft gerne nach, eines der Objekte ihrer Begierde auch von Innen begutachten zu können. Kaum hatte man es sich bequem gemacht, unterbrach ein herbeigerufener Polizist die Verkaufsverhandlungen.

Also auch sie waren nur im letzten Moment gescheitert!



… und immer an den Winter denken!



Neben dem Einkochen und Einfrieren steht uns auch noch die Möglichkeit des Lufttrocknung der Haltbarkeitserhöhung zur Verfügung. Bei den momentan herrschenden Temperaturen zwischen 30° und 35° ist das dann auch kein großes Problem.
Während die Pflaumen nach dem Trocknen in Tüten oder Schachteln bis zu den Tagen am Kamin verschwinden, landen die Tomaten später in Gläsern und werden mit Olivenöl aufgefüllt.

Außerdem stellt sich dieser Tage die Frage, was mit der Vielzahl an Äpfeln angestellt wird?
Hier stehen ganz oben auf der Liste der Apfelsaft und natürlich der Apfel-Essig. Der Vorgang beginnt für beide Vorhaben gleich. Die Äpfel wandern durch den Häcksler, kommen in die Presse und erst dann trennen sich die Wege.

Während der Saft im Kupferkessel pasteurisiert und danach sofort in Falschen abgefüllt wird, muss für den Essig zuerst einmal ein Apfelwein hergestellt werden. Erst, wenn der klar und vollkommen ausgegoren ist, wird dem Wein die Essigmutter vom Vorjahr zugesetzt.
Und dann heißt es nur noch Geduld zu haben.


Was fehlt noch?


Das Album der Woche:

Heute habe ich mich mal wieder für einen absoluten Newcomer entschieden, dessen abgeliefertes Gesamtpaket ((bestehend aus Musik, Arrangement und Lyrics) mich nachhaltig fesseln konnte.
Das passiert nicht oft - aber manchmal doch!

Dan Owen - Stay Awake With Me


Mein Ratschlag: Reinhören und genießen!



Mit diesen Worten wird nun endgültig der Punkt unter die vergangene Woche gesetzt.
Ich hoffe, sie hat euch annähernd so viel Freude bereitet wie mir. Falls nicht, wendet euch vertrauensvoll an die Redaktion. Wir würfeln dann intern aus, wer in der kommenden Woche für das schöne Wetter und die die Laune mit Wegschrei-Effekt zuständig ist.
Mit Allem, was ihr euch in den vergangenen Tagen habt an Schicksalsschlägen aufquatschen lassen, habt ihr natürlich noch volles Rückgaberecht.
Macht einfach keinen Gebrauch davon. Im Lager liegt nichts nichts parat was das bereits Erlebte übertreffen könnte.

Liebe Grüße

Der Chefredakteur


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Sehr geehrter Chefredakteur,

bitte beteuern Sie mir, dass es sich bei der Kirmes-Geschichte nur um einen fiktiven Protagonisten handelt, alles andere würde meine sonntägliche Ruhe vor dem Sturm stören. Während meines Studiums musste ich mich zwar phasenweise der Kinder- und Jugendpsychiatrie widmen, doch muss ich zur Beurteilung frühkindlicher Traumata immer wieder in Fachbüchern blättern.

Ja, es war ein nostalgischer Moment des Innehaltens. Wie habe ich allmonatlich donnerstags um 19:30 Uhr Herrn Heck im ZDF bewundert. Der Mann konnte in einer Minute so viele Sätze unterbringen, wie es einem Norddeutschen maximal bei einer mehrstündigen Podiumsdiskussion in Podiumsposition gelingt.

Bezüglich getrockneter Pflaumen und Tomaten werde ich wohl irgendwann auf kroatische Produkte zurückgreifen müssen, dazu hat unser Jahrhundertsommer nicht gereicht. Jetzt, da die Früchte reif sind, herrschen wieder eindeutig zu tiefe Temperaturen vor. Die Anschaffung einen Trockenschrankes haben wir mal angedacht, uns aber aufgrund des Kosten-Nutzen-Faktors und der Stromverschwendung dagegen entschieden. Egal, wie man sieht, kennt man ja immer jemanden, der jemanden kennt.

Einen schönen Feierabend verbunden mit lieben Grüßen und Dank für die bislang unbekannte Musikempfehlung wünscht

Christiane

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Liebe Christiane,

die Chefredaktion lässt Ihnen mitteilen, dass der Mann am Griffel tatsächlich einen an der Waffel hat. Diese Tendenz mit seinen Aktionen auch bereits in frühester Kindheit bewies.

Wir drücken unsere tiefste Betroffenheit darüber aus, dass wir Ihnen auf dem Weg zur Erkundung
der geistigen Beschaffenheit unseres Chefredakteurs keine wirkliche Stütze ausleihen konnten.
Die sind hier im Haus nämlich ständig Mangelware.
Bleiben Sie uns aber bitte dennoch treu, da nur wir beim BRenNgLAS den Wahnsinn im Längs-Format verkaufen.

Wir hoffen Sie demnächst bei der offenen Redaktionskonferenz begrüßen zu dürfen.

Die Redaktion
i. V. Wolfram

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dass der Mann am Griffel tatsächlich einen an der Waffel hat.

Ist nicht so schlimm ;-)
Immerhin ist er ja ziemlich pfiffig und zielstrebig!
LG, Christiane

Sehr geehrte Redaktion,

wenn man das Format erst einmal kennt, dann kann man direkt zum Ausgaben-Ende scrollen und der Albumempfehlung während dem Lesen des Artikels von Beginn an lauschen, die btw. mal wieder sehr gelungen ist.

Um die benötigte Fettmenge für die Dorfkonservierung zu berechnen, fehlt noch die Einwohnerangabe. Dann könnte das ziemlich genau auf das Kilo Schweineschmalz funktionieren.

Mr Hitparades Bruder erzählt ja jetzt, wenn Herr Heckscher doch bloss früher mit dem Rauchen aufgehört hätte...

Nun ja - vielleicht hätte er einfach weitermachen sollen, statt aufzuhören. Schmidt´s Helmut ist schliesslisch fast 20 Jahre älter geworden.

Wie auch immer - ob mit oder ohne Stadtkirmes - die Hausproduktion bezüglich eigener "Produkte" und deren Haltbarmachung läuft ja erfreulicherweise auf Hochtouren. Da kann der Winter ja kommen. Auch ohne Obst und Gemüse aus Almeria.

Grüße über den Teich.

·

Das liest sich gut
Das liest sich flüssig
Du stehst ab sofort ganz oben auf der Liste zur Haltbarmachung!