30 Jahre Mauerfall - Rückblick und was man hätte tun sollen

in #deutsch2 years ago

Liebe Steemitgemeinde,
liebe Freiheitsfreunde,
liebe Freiheitsfeinde,
liebe DDRler,
liebe BRDler,
liebe Gesamtdeutsche,

morgen jährt sich der Tag des Mauerfall zum dreißigsten Mal.
Zeit zurückzublicken und eine Alternativlösung zu präsentieren.

Wie ich es erlebte

1989 war ich gerade auf das Gymnasium gekommen.
Gleich zu Beginn mussten wir für 48 DM einen Diercke Weltatlas kaufen, der nach zwei Monaten im Prinzip schon wieder überholt war (endgültig überholt dann ein Jahr später).
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Ein paar besonders eifrige haben sich dann im nächsten Jahr einen neuen gekauft, den man dann praktisch fast mit dem Ende der UdSSR, CSSR, Jugoslawien fast jedes Jahr wegschmeißen hätte müssen.
Ich habe mir das viele Geld gespart und besitze meinen bis heute.

Die Geschichte die man aus der DDR zu hören bekam waren für uns Kinder ganz unglaublich, führten aber dazu, dass man sich plötzlich als Angehöriger der BRD Unterschicht furchtbar wohlhabend fühlen konnte.

Auch die erste Fahrt mit meinen Eltern über die 10km entfernte Grenze der CSSR trugen dazu bei.
Der Braunkohlegeruch (der „Gestank des Sozialismus“) in Klattau war so beißend, dass man das Gefühl hatte, nicht atmen zu können.

Den ersten wirklichen Kontakt mit Ex-DDR Bürgern gabs dann erst 10 Jahre später bei der Bundeswehr.
Damals hatte man ganz stark darauf geachtet, Ossis und Wessis zu mischen.

Natürlich verbrachte man während der Zeit des Mauerfalls jeden Abend mit der ganzen Familie vor dem Fernseher (drei Programme, schwarz-weiß).

Die singenden Bundestagsabgeordneten:


Günther Schabowski:




Genscher in Prag:


Helmut Kohl in Strickweste im Kaukasus:



Alles noch präsent.

Was mir auch noch im Gedächtnis geblieben ist, sind die Tiraden der Erwachsenen in den Folgejahren aufgrund der immer weiter ausufernden Kosten.

Auch werde ich nie vergessen, wie sich Helmut Kohl die eierwerfenden Demonstranten schnappen wollte.



Und natürlich die Treuhandanstalt und das viele Geld was plötzlich in der berühmten Portokasse fehlte, um die blühenden Landschaften zu finanzieren.

Wie ich es aus heutiger Sicht gemacht hätte

Privatisierung der DDR Wirtschaft:

  1. Alle DDR Betriebe werden in eine Aktiengesellschaft verwandelt und diese Aktien zum symbolischen Preis von 1 Mark an die Mitarbeiter verkauft. Die Anzahl der Aktien richtet sich nach den Jahren der Betriebszugehörigkeit. Man hätte endlich echte volkseigene Betriebe gehabt und die DDR Bürger hätten sich über Nacht in Kapitalisten verwandelt.
  2. Sämtliche Wohnungen werden zum symbolischen Preis von 1 Mark an die Mieter verkauft.
  3. Das DDR Straßen- und Reichsbahnnetz und sonstige öffentliche Einrichtungen werden in eine Aktiengesellschaft verwandelt und jeder DDR Bürger erhält gestaffelt nach Lebensjahren Anteile (wieder zum symbolischen Preis von 1 Mark).
  4. Es gilt eine Sperrfrist von 10 Jahren, in der die Aktien nur zwischen DDR Bürgern verkauft werden können.
  5. Die DDR wird für mindestens 10 Jahre in eine Sonderwirtschaftszone verwandelt, in der es weder Unternehmens- noch Einkommenssteuern gibt (die 10 Jahresfrist hätte ich nur für die Westpolitiker eingeführt. Selbstverständlich wäre es für immer dabei geblieben).
  6. Die Bürger der DDR entscheiden frei, wie sie die Kosten für die öffentliche Sicherheit bestreiten wollen.
  7. Investitionen aus dem Westen bleiben natürlich auch für mindestens 10 Jahre steuerfrei.
  8. Die Währungsunion hätte ich auch gemacht (Umrechnungskurs 1:1), so hätten die 16 Millionen neuen DDR Unternehmer das nötige Startkapital bekommen.

Also im Prinzip hätte ich den DDR Schwarzmarkt, der ja sowieso schon sehr gut ausgebaut war, in einen weißen Markt verwandelt.

Wer noch bessere Vorschläge hat, kann sie ja in die Kommentarspalte schreiben.

Schönes Wochenende
Stephan Haller

Sort:  

Interessante Gedanken - eine echte Privatisierung des volkseigenen Eigentums in volkseigenes Privateigentum. Niemals!! :D

sind die Tiraden der Erwachsenen in den Folgejahren aufgrund der immer weiter ausufernden Kosten.

Ich nehme stark an, die meinst du Wessis?
Wenn man bedenkt, dass die (menschlichen) Kosten vor allem vom Osten zu tragen waren und die Wiedervereinigung für den Westen vor allem Wirtschaftsförderungsprogramm war, dass die BRD (und Kohl) vor einer Wirtschaftskrise gerettet hat...
Was haben die West-Unternehmen nicht alles für Reste auf den Absatzmarkt Ost geworfen... und leider waren die Menschen so dumm (oder besser. unwissend), das Zeug zu kaufen.

Ja, ich meine Wessis. Mit Ossis hatte ich die ersten 20 Jahre meines Lebens keinen Kontakt.

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Was bitte ist der Unterschied zwischen volkseigenem Eigentum und volkseigenem Privateigentum???

Das hab ich oben erfunden. So kam mir das vor ;)

Bei Volkseigenem Eigentum besaß jeder alles (ideologisch), also nichts (Realität). Was zur privaten "Sozialisierung" führte (aka aus unseren Betrieben ist noch mehr rauszuholen, zum Beispiel Holzlatten für meinen Gartenzaun).

Bei volkseigenem Privateigentum hat jeder nur einen kleinen Teil, den aber zumindest wirklich im Sinne von verkaufbar. So wie eine Mischung aus Genossenschaft und Aktien, du behältst deine Anteile (die bei der Wende nach Betriebszugehörigkeit aufgeteilt worden wären) auch nach dem Austritt (nicht mehr im Betrieb arbeiten) ;)
Damit wäre das Volksvermögen tatsächlich Volkseigentum geworden, und nicht Eigentum "reicher Wessis".

btw. heute 20:15 Die Anstalt über die Treuhand, habe ich gerade gesehen.

Lasst doch bitte mal diese Ossi und Wessi- Begriffe. Das ist 30 Jahre her und wir sind mittlerweile alle stolze Europäer! :D
Schönen Freiheitstag :)

Das magst du so sehen. Ich möchte es auch so sehen.
Die Realität ist aber anders. Schon mal auf das AfD-Wahlergebnis geschaut?
Das kommt auch von solchen Sachen.

Der Braunkohlegeruch (der „Gestank des Sozialismus“) in Klattau war so beißend, dass man das Gefühl hatte, nicht atmen zu können.

Das fiel mir erst auf, als ich das erste mal wieder zurückfuhr und es war tatsächlich so schlimm, auch in Erfurt. 😎

Grüße

Die Vorschläge zur Privatisierung finde ich gut.
zB. könnte man die Großbanken (falls im Plus) mit günstigen Aktien an das einfache Volk verkaufen.
Nach 1990 gab es starke Mißstände, da wurden Banken für 250 Mio. verkauft, die von ihren Kreditkunden 7 Mrd nach und nach zurückforderten.
In der Schönhauser Allee wurde ab 1994 10 Jahre lang der gesamte Untergrund Röhren, Leitungen etc. repariert, weil alles (nicht nur dort) marode war.
Instandhaltung der Infrastruktur und Bauten, Straßen war im Sozialismus anscheinend problematisch.

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Ich hätte die DDR-Mark als Konkurrenzwährung an Gold gebunden (30-60 Tonnen hatte man), mit jährlich steigender Deckung aus den Steuereinnahmen, mit allem anderen wär ich einverstanden:), nur wird leider kein Staat jemals derart bürgerfreundliche Entscheidungen zulassen.

Das Gold hätte man natürlich auch an die Bürger verschenken müssen.

nur wird leider kein Staat jemals derart bürgerfreundliche Entscheidungen zulassen.

Das Risiko dass es funktioniert wäre einfach zu groß gewesen.
Stell Dir vor wie schnell dort blühende Landschaften entstanden wären und dann hätten die Bürger im Westen die selben Maßnahmen gefordert oder es hätte eine Republikflucht in umgekehrte Richtung eingesetzt.

Das es auch ohne Gold und Banken geht, siehst Du an folgendem Wikipedia-Eintrag:

Lieferanten- und Kundenkredite sind in Deutschland neben Konzernverbindlichkeiten die wichtigste Quelle der Fremdfinanzierung von Nichtbanken. Bezogen auf die kurzfristigen Fremdmittel nehmen sie sogar die Spitzenposition in der Finanzierungshierarchie ein. Handelskredite[5] sind der Deutschen Bundesbank zufolge mit 345,2 Milliarden € im Durchschnitt der Jahre 2002 bis 2009 neben den konzerninternen Krediten (399,4 Milliarden €) die zweitwichtigste – und in kurzfristiger Hinsicht sogar die wichtigste – Fremdfinanzierungsquelle der Nichtbanken in Deutschland.

Privatgeld ganz ohne Gold und Zentralbank.

Oder das hier:
https://www.bbc.com/news/business-40189959

Kann Dir kein Austrian mit seiner Geldtheorie erklären.
Auch kein Monetarist oder Keynesian.

Man muss endlich kapieren, dass man niemals Gold oder Geld, sondern indirekt immer Waren oder Dienstleistungen schuldet.
Wie diese Schuld dokumentiert wird spielt keine Rolle.

Als LKW Fahrer für eine Luxemburger Unternehmen mit Hauptsitz in Wien, durfte ich noch eine paar Wochen vor der Öffnung in den Großraum Berlin fahren um dort Reifen aus Österreich an zu liefern.

Als ich Abends gegen 17 Uhr dort ankam kamen 4 Männer zum LKW, spukten in die Hände und hatten den LKW in knapp eine Stunde entladen.

Die Öffnung selbst erlebte ich auf einer Fahrt nach Spanien und ich dachte mir nun kommen sie vom Regen in die Traufe.

Dann kurz nach der Öffnung durfte ich wieder mit Reifen aus Österreich nach Berlin fahren, also die gleiche Tour noch einmal.

Wieder kam ich gegen 17 Uhr in die gleiche Firma, wieder wurde ich von den gleichen Männern begrüßt. Doch diese Mal sagten sie mir, dass sie mich nicht entladen dürfen, da es ihnen die Gewerkschaft verboten hat.

Somit musste ich bis zum nächsten Morgen warten.

So viel zu den Verbesserungen.

Und mit dem vom Regen in die Traufe, das stimmt zwar aber gilt wohl eher heute für den Westen als für den Osten.

Es kam also alles anders als wir Alle dachten.

Treffender würde ich heute sagen; nie sind wir mehr verarscht worden als mit der BRD und DDR.

Sorry wenns a bisselr lang wurde, aber das war woran ich denken musste als ich diesen Post las.

Gruß aus Uruguay

Peter

Zustimmung! Bis auf Punkt 8. Eine Wechselkursfestsetzung ist in einem freien Markt nicht nötig. Die Bürger hätten sich ihre bevorzugte Währung selbst gewählt. Nämlich die für ihre Zwecke bessere.

Durch den von dir vorgeschlagenen Wechselkurs, wären auch den inhabergeführten auf Aktien basierten Betrieben die Märkte in Osteuropa weggebrochen, so wie es auch nach der Wende der Fall war, weil der Wechselkurs politisch instrumentalisiert worden ist. Eintausch von eins zu eins von Ostmark zu D-Mark ist völlig utopisch. Der Marktpreis lag irgendwo bei 1 zu 5 bis 1 zu 10.

Allerdings wird dieser Effekt gemildert durch die Einkommens- und Unternehmenssteuerfreiheit.

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Warum sollten die Märkte wegbrechen nur weil ich ein anderes Wertmaß einführe?
Wird ein Auto teurer, wenn ich es in einer anderen Währung bewerte?
Wirst Du größer wenn ich dich in Fuß und Zoll messe?
Der Fehler war damals auch die Preise 1:1 umzustellen.
Die Gefahr bestünde in meiner Lösung nicht. Es gibt schließlich keine Mieten und auch keine Löhne mehr.
Alle Arbeiter sind jetzt Unternehmer und wollen Gewinn machen, sie werden die Preise für ihre Produkte dementsprechend gestalten. Bei 1:1 würden sie nichts mehr verkaufen, also werden die Preise entsprechend sinken.

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schade, dass unsere berufspolitiker nicht auf solche ideen kommen/ nicht kommen wollen oder vllt. sogar davon abgehalten werden? naja. ein versuch wäre es auf jeden fall wert gewesen.

Anders hätte man besonders den Umgang mit den Ex-Stasi und Politbüro Hackfressen machen sollen. Anstatt "Schwamm drüber" - wie übrigens bei den meisten Nazi Verbrechern auch - hätte ich die allesamt eingesperrt, und zwar in ihre eigenen Knäste, die sie ja so gut fanden. Nix mit TV und Fitness Raum usw. Und als nächstes hätte ich denen alle Rentenansprüche gestrichen. Das Geld das damit gespart wird hätte man in die Ermittlung der Verbrechen und Rekonstruktion der Stasiakten investieren können, egal wieviel tausend Leute dafür nötig gewesen wären. Arbeitslose gabs ja genug.

!invest_vote und !BEER

Gute Vorschläge.
Ich denke, dass die Wiedervereinigung etwas zu schnell und überhastet von statten gegangen ist. Vieles wäre besser und sozialer gewesen.



Hey @stehaller, here is a little bit of BEER for you. Enjoy it!

Ich bin ja zum Glück kein Deutscher. ;-P

Ich finde deine Ideen aber überraschend gut.

Punkt 1 finde ich sogar so gut, dass ich ihn als Blaupause für jegliche Privatisierung - auch außerhalb der DDR - andenken würde. Meine Hauptkritik an diesen Vorgängen ist ja, dass staatliche Anteile mithilfe von Korruption und/oder Freunderlwirtschaft sehr oft unter Wert verkauft werden, wodurch die Gesellschaft prinzipiell erstmal geschädigt wird (auch wenn die Betriebe dann á la long natürlich trotzdem besser laufen). Bekommt einfach jeder Bürger Aktien, ist dem vorgebeugt, das fände ich wesentlich fairer. Investoren könnten dann ja immer noch einsteigen, allerdings müssten die dann die Crowd finanziell überzeugen, und nicht nur irgend einen Bonzen.

Das einzige, was ich naturgemäß anders sehe, ist Punkt 3. Kritische Infrastruktur sehe ich dann doch lieber in gesellschaftlicher Hand, da diese zwar effizient gemanaged werden sollte, aber durchaus auch was kosten darf, und daher mMn nicht der rein profitorientierten Marktlogik unterworfen werden sollte.
Dass du das aber gaaanz anders siehst, ist mir schon klar, und ich will die Diskussion jetzt eigentlich nicht führen, v.a. da wir beide wissen, dass wir da eh auf keinen grünen Zweig kommen werden. ;-)

Also schnell zurück zum Positiven: Danke für die tollen Denkanstöße. Werde das in meinem Kopf noch etwas weiterspinnen.

Das einzige, was ich naturgemäß anders sehe, ist Punkt 3. Kritische Infrastruktur sehe ich dann doch lieber in gesellschaftlicher Hand, da diese zwar effizient gemanaged werden sollte, aber durchaus auch was kosten darf, und daher mMn nicht der rein profitorientierten Marktlogik unterworfen werden sollte.

Deshalb ja meine Sperrfrist:

Es gilt eine Sperrfrist von 10 Jahren, in der die Aktien nur zwischen DDR Bürgern verkauft werden können.

Damit nicht der reiche Onkel aus dem Westen kommt und alles aufkauft.

Kritische Infrastruktur sehe ich dann doch lieber in gesellschaftlicher Hand [...]Dass du das aber gaaanz anders siehst,

Nicht so schnell...

Mehr gesellschaftliche Hand als im Besitz aller Bürger zu sein geht ja wohl nicht mehr und die Sperrfrist verhindert auch hier, dass reiche Investoren aus dem Westen alles aufkaufen.
Der Vorteil bei dem AG Modell ist, dass richtig bilanziert werden müssen. Also auch Rücklagen für den Erhalt und die Renovierung der Straßen gebildet werden muss. Deshalb überlegt man sich in diesem Modell jeden Neubau von Straßen ganz genau.
Im Staatsmodell wird nur auf die Finanzierung beim Bau geschaut und um den Unterhalt kann sich ja dann der nächste Verkehrsminister Sorgen machen.

Ihr habt das mit eurer ASFINAG ganz schlau gelöst.
Da eine Autobahn sowieso immer ein Monopol darstellt, spielt es keine große Rolle, ob der Mehrheitseigner an der AG der Staat ist oder private Investoren. Aber das AG Modell sorgt dafür, dass wirtschaftlich vernünftig gearbeitet werden muss.

Wie Du siehst, liegen wir heute gar nicht so weit auseinander.
Erschreckend!

Deshalb noch extra für Dich um des Streites willen:
Ceterum censeo Klimawandel esse negarem!

Da eine Autobahn sowieso immer ein Monopol darstellt, spielt es keine große Rolle, ob der Mehrheitseigner an der AG der Staat ist oder private Investoren.

Sehe ich dann schon noch anders, da der Staat (zumindest auf dem Papier, dass das oft nicht so funzt ist eh klar) seiner Bevölkerung verantwortlich ist und auch non-profit arbeiten kann, bzw. manche Teile des "Geschäfts" auch durchaus mit roten Zahlen laufen dürfen, solange das Budget insgesamt ausgeglichen ist.
Private müssen natürlich Gewinn machen, und gerade in einem Bereich, der immer mit öffentlichem Interesse verquickt sein wird, kann das schnell in erpresserischen Situationen enden. Oder auch gefährlich werden, siehe die Brücke in Genua.

Deshalb noch extra für Dich um des Streites willen:
Ceterum censeo Klimawandel esse negarem!

Ich bin heute nicht so streitlustig eingestellt. ;-)

Wie ist das bei euch eigentlich genau?
Ich gehe davon aus, die ASFiNAG muss kostendeckend arbeiten und wird nicht vom Steuerzahler gestützt, also wie bei uns die Stadtwerke, die z.B. für die Wasserversorgung zuständig sind.

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Die Asfinag ist eine AG, die aber zu 100% im Besitz der Republik Österreich steht. Die Grundstücke an der Autobahn gehören ebenfalls der Republik, die Asfinag hat aber das volle Genußrecht. Das soll eine formal unabhängige Bewirtschaftung ohne die Gefahr des Ausverkaufs kritischer Infrastruktur an Private sicherstellen.
Sie ist vertraglich verpflichtet, für die Organisation und Instandhaltung der Autobahnen zu sorgen, muss aber kostendeckend arbeiten, d.h. der ganze Betrieb und die Instandhaltung muss aus den eigenommenen Gebühren (Vignette, km-abhängige KfZ-Maut, Maut auf speziellen Abschnitten wie die Brenner- und Tauernautobahn) finanziert werden.

Dachte ich mir. Genau das ist der Unterschied zu anderen Staatsausgaben bzw. Kosten die der Staat einem auferlegt. Zweckgebunden und sauber bilanziert. Gegen diese Art der Finanzierung gibt es nichts einzuwenden. Im Gegensatz zu dem “Blankoscheck” den man mit einer Steuerzahlung ausstellt und die per Gesetz nicht zweckgebunden sein darf.

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Man muss insgesamt sagen, dass eure Infrastruktur in einem schauderhaften Zustand ist - wird durchaus systembedingt sein. Direkte staatliche Verwaltung, aber auch die idiotische Kombination aus Schuldenbremse und Verweigerung der Einhebung direkter Gebrauchsgebühren mag da mitspielen.
Dann noch euer Verkehrsminister mit seinem Schmäh von der Ausländermaut! Dachte der echt, wenn es einen Weg gäbe, europarechtskonform nur Ausländer Maut zahlen zu lassen, hätten wir Österreicher das nicht zuerst erfunden?^^

Dagegen, zumindest einen Teil der Steuern zweckbinden zu können, hätte ich übrigens absolut nichts einzuwenden. Was da plötzlich an Geld für die Bildung und ähnliches da wäre!
Genauso wenig hätte ich gegen eine grundlegende Reform, für was genau wir Steuern zahlen. Steuern auf Leistung (Lohn, Umsatz) sind mMn nicht der Weisheit letzter Schluss, da braucht man kein Ancap sein, um das zu sehen.

Führt uns aber alles schon sehr weit vom ursprünglichen Thema weg...

Über die Mineralölsteuer kommt ein Vielfaches von dem rein was für die Straßen gebraucht würde, nur das landet halt irgendwo. Leider sind zweckgebundene Steuern bei uns verboten. Im Gegensatz zu Gebühren und Beiträgen gibt es bei Steuern keinen Anspruch auf Gegenleistung. Zumindest in der BRD. Kommt alles in einen Topf und was nicht in der Verwaltung hängen bleibt wird mit der Gießkanne verteilt.
Warum das bei Euch so viel besser klappt ist mir ein Rätsel. Als ich in den 80ern mit meinen Eltern immer in den Sommerferien zu Freunden an den Wallersee gefahren bin, wart ihr das arme Land. Natürlich nicht so schlimm wie die DDR oder CSSR, aber die Unterschiede waren trotz der gleichartigen Stellung meines Vaters und des Vaters der österreichischen Familie (beide kleine Beamte) doch gewaltig.
In den 90ern und 2000ern hat sich das Ganze umgekehrt.
Es hat halt seine Vorteile, wenn man sich nicht als Großmacht aufspielen muss.
Ich beneide euch um euer Neutralitätsgebot und um das völlige Fehlen preußischer Großmannssucht.

...in gesellschaftlicher Hand...

Was bringt dich dazu, Staat und Regierung mit Gesellschaft gleichzusetzen oder zumindest sehr nahe beieinander zu sehen?

In einem demokratischen Rechtsstaat ist die Gesellschaft Eigentümer des Staates. Dass die Eigentümer sich gerne blenden und einlullen lassen und/oder auf ihre Stimmrechte dankend verzichten, weil ihnen die demokratische Teilhabe zu anstrengend ist, steht auf einem anderen Blatt.

Ein äußerst populäres Narrativ, aber wie so viele grundfalsch! Es hält nicht mal einer groben Überprüfung stand! Und dass es im ethischen Sinn von Recht keinen Rechtsstaat geben kann, ist nochmal ein großes Thema für sich. Ich werde dazu noch einiges schreiben.

Hier nur noch soviel: Wie siehst du diese Eigentümerschaft konkret und jederzeit wirksam ausgestaltet? Wie kann ich hier meine Eigentumsrechte jederzeit nach meinem freien Willen zur Geltung und Wirkung bringen, so wie ich z. B. mit meiner Butterbreze verfahren kann?

Ich antworte dir und @zeitgedanken hier simultan, da ihr in eine ähnliche Richtung argumentiert, dafür doppelt so knapp. ;-)
Vieles des Vorgebrachten ist eher semantischer Natur, und an Wortklaubereien, von denen viele noch dazu weit weg vom Ausgangspunkt der Diskussion führen, habe ich herzlich wenig Interesse.

Auf deine Frage bezogen:

„Besitz“ ist in dem Zusammenhang tatsächlich ein etwas irreführender Begriff. Wenn man darunter nur Dinge versteht, die man veräußern kann, so trifft er hier nicht zu. Ersetzen wir ihn vielleicht durch „Teilhaber“. Wenn man unser Verhältnis zum Staat betrachtet, gibt es tatsächlich viele Parallelen zu einem Verhältnis zwischen Aktionär und AG.
Sind wir im Besitz der Staatsbürgerschaft, stattet uns diese mit weitgehenden Stimmrechten sowohl aktiver als auch passiver Natur aus. Das geht soweit, dass theoretisch – sollte eine gesetzlich vorgeschriebene Mehrheit dafür erreicht werden (meist 66%) – auch die Liquidation des Staates beschlossen werden könnte.
Außerdem haben wir extensive Genussrechte auf Dienstleistungen, die Benutzung von Infrastruktur sowie auch finanzieller Natur.

Natürlich gibt es auch diverse Unterschiede, allen voran natürlich die Unveräußerlichkeit und Unübertragbarkeit der „Aktie“ Staatsbürgerschaft, die Art und Weise, wie man zu ihr kommt (per Airdrop bei der Geburt, wobei die Stimmrechte erst ab einem gewissen Alter einsetzen), sowie die Kriterien, nach denen es zu Ausschüttungen kommt – wobei diese auch jederzeit von Mehrheiten geändert werden können.

Fazit:

Ich ziehe den Begriff „Besitz“ in dem Zusammenhang zurück, und ersetze ihn wahlweise durch „Besitzäquivalent“, „Besitz im erweiterten Sinn“ oder auch „Teilhaberschaft“.

Eigentum bedarf einer Rechtsgrundlage zum Eigentum. Eigentum kann man verschenken, verkaufen oder im Eigentum behalten. Wenn ich Eigentümer einer Sache bin, brauche ich niemanden zu fragen, was ich mit meinem Eigentum anstellen möchte, solange ich andere Menschen nicht schade. Wo ist in einem Staat mein Eigentumsanteil? Wo ist dokumentiert, dass ich Eigentümer an einem Fiktivum bin? Kann man Eigentümer an einer fiktiven Sache sein? Ich kann Eigentümer an einer Straße sein und dazu brauche ich einen Eigentumsnachweis. Ohne Nachweis bin ich kein Eigentümer einer Sache. Wenn ich nicht Eigentümer einer Sache bin, kann ich weder diese Sache verschenken, verkaufen, zerstören und um diese zu benutzen, muss ich den Eigentümer fragen. Am Staat kann man kein Eigentümer sein, da an einem fiktiven Gebilde kein Eigentum möglich ist. Ich kann auch nicht Eigentümer an einem Gott sein, ebenfalls fiktives Gebilde.
Also wo ist eine Gesellschaft Eigentümer an einem fiktiven Gebilde „Staat“. Was ist eigentlich eine Gesellschaft? Menschen vergesellschaften sich, aber es gibt keine eigenständige Gestalt namens Gesellschaft. Wir reden immer von „der Gesellschaft“ als wäre dies ein autonomes Wesen. Dem widerspreche ich entschieden. Bei „der Staat“ ist dies das Gleiche. Man ist im religiösen Glauben schon so weit, dass man den Begriff „Staatswesen“ als real betrachtet. Es ist schon etwas irre und krankhaft, von einem „Wesen“ Namens „Staat“ zu sprechen.
Also ich glaube an kein Wesen das sich Staat nennt.

Wie man es dreht und wendet - die Zeit im Sozialismus stets verschwendet.
Liebe, Lach und sei doch froh - schlimmer kommt es sowieso...!

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Bravo, hätte ich nicht besser ausdrücken können! 👍🏼👌🏼
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Statt 8. hätte ich vorgeschlagen, sich ein völlig unreguliertes Marktgeld im freien Markt herausbilden zu lassen.

Das hätte sich sowieso ergeben. Der Lieferantenkredit ist bis heute der größte Kreditposten der Nichtbanken. Ganz abseits des Bankensektors. Aber die ersten DM Guthaben wären wichtig gewesen, damit die Betriebe sich am internationalen Markt Rohstoffe kaufen können. Denn dafür wären sie anfangs noch nicht kreditwürdig genug gewesen.

Posted using Partiko iOS

Leider warst du damals noch zu jung, um gefragt zu werden. ;-) LGG

Ein klares marktwirtschaftliches Konzept, das zugleich den Menschen direkt zugute gekommen wäre. Volle Zustimmung!

Reine Marktwirtschaft wäre völlig konzeptfrei, da sie stets ungeplant (im Sinne von Zentralplanung), urwüchsig und spontan wäre!

Danke für den Erfahrungsbericht, die Eierbewerfungsszene war ja ein Wahnsinn, ist fast eskaliert, sagt auch einiges über die Unzufriedenheit aus und wie Kohl vermutlich später gesehen wurde, obwohl die Wiedervereinigung an sich ein großer Erfolg war.

@condeas denkt du hast ein Vote durch @investinthefutur verdient

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