Ich bin ein äußerst beeindruckender Mensch!

in #deutsch3 years ago

… und ich merke es nicht einmal!

Das wurde mir gestern erst wieder bewusst.

Stellt euch folgende Situation vor:* Ich sitze mit zwei Frauen, die ich zwar schon seit ein paar Jahren kenne, aber nur so 1-2x im Jahr sehe bei einem Erfolgsteamtreffen zusammen. Es herrscht eher schon Aufbruchsstimmung als mir die eine Frau ihr Baby zum Halten gibt, weil sie mal wohin muss.

Das inspiriert die andere Frau mir zu sagen: „Ich erinnere mich noch, wie du vor ein paar Jahren mal austreten musstest und ich dein Baby halten wollte. Du sagtest: „Nein danke, die nehm ich mit.“ – Ich war total erstaunt, aber du erklärtest mir, dass sie auch auf Toilette geht. Da war ich total baff.“ (Ein windelfreikind halt.)

Da fielen mir sofort noch ein paar andere Situationen ein, wo Menschen total beeindruckt über Dinge waren, die für mich ganz selbstverständlich, aber doch aus der Norm waren. (So wie ein dreimonatiges Baby im Stehen zu wickeln, weil der Wickelplatz versifft ist.) – Da lachte ich ganz spontan und sagte halb im Scherz: „Ja, ja manchmal bin ich wirklich ein beeindruckender Mensch.

###Und ja den Satz durfte ich dann gleich in mein Happy Journal schreiben, nur ohne das „manchmal“.

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Ich bin ein beeindruckender Mensch.

Ich meinte dann noch zum Scherz: „Gell, damit darf ich jetzt eine ganze Seite voll schreiben.“ - So wie man es aus den Geschichten kennt, wo die Kinder zur Strafe eine ganze Seite mit dem gleichen Satz vollschreiben müssen. A la „Ich warte, bis ich drankomme.“

Aber – meine Gesprächspartnerin ist ja auch ein beeindruckender Mensch in vielerlei Hinsicht – sie sagte: „Nein du machst jetzt ein Freewriting zu diesem Thema“. Und das tue ich hiermit.

Ok. Bis hier war es vielleicht noch nicht ganz ein Freewriting, weil ich die Geschichte erzählt habe. In Wahrheit weiß ich auch nicht ganz genau, was ein Freewriting ist. Aber ich werde es versuchen.

Also…

Freewriting...

Ich bin ein beeindruckender Mensch!

Es ist so wahr und trotzdem frage ich mich:Scheisse, warum kann ich das so oft nicht sehen?“
Immer stochere ich im Schlechten herum, in dem was nicht so perfekt ist.

Und ich bin so kontrovers. Einerseits passe ich mich oft an und will nicht auffallen und bin wahrscheinlich auch nahezu unsichtbar und dann liefere ich wieder irgendwelche Knaller, die den Leuten auf ewig in Erinnerung bleiben.

Ich meine ich habe im Jugendalter auf Kinder aufgepasst und mit ihnen gebastelt und 20 Jahre später kommen die Eltern auf mich zu und erzählen mir, wie beeindruckt sie davon waren, wie ich mit den Kindern gearbeitet habe und was ich mit denen gemacht habe und dass die Kinder so begeistert waren. – Also ich hatte diesen Teil eines Lebens schon komplett verdrängt.

Andere sagen mir, sie sind beeindruckt, wie viel ich weiß und wie bereitwillig ich mein Wissen weitergebe. – Ja was soll ich sagen… Mir fällt das gar nicht auf, denn ich merke immer nur, was ich alles noch nicht weiß und noch nicht kann. – Vielleicht sollte ich ernsthaft ein Inhaltsverzeichnis für mein Wissen anlegen. – Ob das wohl möglich ist?

Ich finde immer nur die Dinge an mir beeindruckend, die eher anstrengend sind. Was mit einer Selbstverständlichkeit oder gar unbewusst kommt, nehme ich gar nicht bewusst wahr und kann es daher nicht wirklich würdigen. Ich habe eine Webdseite erstellt und mich dabei richtig schön angestrengt und mit meinem inneren Schweinehund gekämpft. Das ist beeindruckend.

Ich habe irgendetwas gemacht, das schwierig und kompliziert und anstrengend war. Ja das kann ich mir merken und mich dafür loben.

Wahrscheinlich habe ich in meiner Kindheit meistens Lob bekommen, wenn ich mich angestrengt habe und selten für etwas, was mir ganz leicht gefallen ist und für mich selbstverständlich war. Auch habe ich immer versucht, mit meinem Großen Bruder gleichzuziehen. Was natürlich bedeutet, dass ich mich ganz besonders anstrengen musste, da er vier Jahre älter ist und auch ganz andere Begabungen hat.

Aber dass es Leute beeindruckend finden, dass ich mich (mit Freude und ohne Angst) für ein komplett Englischsprachiges Schulungsprogramm anmelde, auf die Idee würde ich nicht kommen, wenn es mir nicht gesagt worden wäre.

Oh Mann ich möchte so gerne noch mehr Geschichten hören, was Menschen an mir beeindruckend fanden, damit ich mich endlich wirklich davon überzeugen kann, dass ich beeindruckend bin.

Ha, da fällt mir ein: Heute habe ich auch für einen beeindruckend großen Lacher gesorgt, als ich gesagt habe, dass ich endlich Weg vom Bildschirm will! – Das Lustige daran: Davor habe ich in Bezug auf ein Writing Program ganz ungläubig gefragt: „Und das ist offline?“ und „Die schreiben da wirklich mit Hand und auf Papier?“ – Sprich preisgegeben wie sehr mein Leben eigentlich an alle Bildschirme dieser Welt gebunden ist. Tja ich sorge eben mit meiner mir innewohnenden Gegensätzlichkeit gerne für ungewollte Komik. – Auch beeindruckend, oder etwa nicht?

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Meine Frage: Womit habe ich dich beeindruckt?

Hilf mir Licht in meinen Blind Spot zu bringen. Mit welcher Sache habe ich dich schon mal beeindruckt?

Meine zweite Frage: Weißt du, dass du auch ein beeindruckender Mensch bist? Nenne ein Beispiel!

Ab in die Kommentare! :D

Meine dritte Frage: Möchtest du wissen, womit du mich schon beeindruckt hast?

Schreibe mir einfach ein Kommentar und ich werde etwas finden! :D

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Wahrscheinlich habe ich in meiner Kindheit meistens Lob bekommen, wenn ich mich angestrengt habe und selten für etwas, was mir ganz leicht gefallen ist und für mich selbstverständlich war.

Ich denke, das war in unserer Kinderzeit einfach so. Zumindest kann ich es für meine Kindheit unterschreiben. Es gab Zensurengeld, das gestaffelt war, und ich als Älteste bekam immer weniger, weil meine Noten sich irgendwann im Dreierbereich einpendelten, die der anderen Kinder aber nicht.

Ich glaube, ohne hin und wieder über uns hinauszuwachsen, hätten wir uns die Achtung der anderen nicht verdient. Wobei ich das auch gar nicht so wahrnehmbar getan habe wie Du und deshalb auch bitte nicht unverdient gelobt werden will. ;)

Liebe @isarmoewe, bei uns bekam der Älteste immer am meisten, weil er sich doch immer den schwierigsten Lernstoff hatte. :D

Es ist interessant, dass du meinst, wir müssten über uns hinauswachsen, um uns die Achtung der anderen zu verdienen. Das meinte ich auch immer. Aber in Wahrheit ist es so, dass wir - und auch du - schon bemerkenswert sind, ohne etwas für uns außergewöhnlich Anstrengendes tun zu müssen. - Wie gesagt, die überraschensten und begeisterten Feedbacks habe ich für Dinge bekommen, die für MICH überhaupt nicht bemerkenswert, sondern ganz normal waren. - Hör mal genau hin, wenn dir jemand Feedback gibt, zu etwas was für dich ganz selbstverständlich ist und tu es nicht als "Ach das war doch nichts ab!" du wirst noch begeistert sein, wie beeindruckend dich andere Menschen finden!

Dich habe ich definitiv bermerkt, als du dir als Antwort auf einen meiner anderen Artikel kein Blatt vor den Mund genommen hast, sondern frei heraus meine Handlungsweise als inkonsequent kritisiert hast. - Du sagst also frei und unverblümt deine Meinung. - Auch das finde ich beeindruckend, da es etwas ist, was mir schwerfällt.

Ich führe ja nun schon länger mit anderen Menschen Diskussionen über den Wert bestimmter Fähigkeiten oder Unfähigkeiten (liegt ja im Auge des Betrachters, wie man etwas einordnet) und habe für mich (!) die Strategie, ehrlich zu sein, bei anderen kommt das dann z.T. beleidigend und unverblümt an. Die richtigen Worte in kritischen Situationen zu finden, kann ich schriftlich nach einigen Jahren Übung inzwischen, im realen Leben aber immer noch zuwenig. Wenn mich etwas sehr beschäftigt, werde ich auch schon mal laut. Ansonsten gelte ich aber als die Stille, der man dann auch im gleichen Atemzug Langsamkeit, fehlenden Biß usw. attestiert.
Vielleicht ist es jetzt verständlicher.

@isarmoewe nimm es einfach als kompliment, dass deine strategie aufgeht! :D

Hallo Sonja:

  1. Mit Deiner Offenheit.
  2. Ja, mir wurde bereits von mehreren Steemitsisterhood -Schwestern und auch in meinem persönlichen Umfeld gesagt, dass ich inspirierend bin
  3. Vielleicht, weil wir beide das Schreiben als unsere Leidenschaft entdeckt haben?