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RE: Finanzexperten

in #deutsch7 years ago

Glaube ihr habt zwei verschiene Domänen von Zufall im Sinn. Stehaller bezog sich auf Zufall im Sinne der Variabilität bzw. "State of randomness" wie es Mandelbrot bezeichente, was dann zu thin-tailed oder fat-tailed Verteilungen führt. Du hast absolut recht, Märkte folgen keinem Randomwalk aber sie zeigen zufällige Sprünge oder strengenommen Sprünge mit zufällig verteilter Variabilität. Die Sprünge wie alles sind natürlich deterministisch, zufällig heist hier nur, dass ein 100k Bitcoin genauso wahrscheinlich ist wie ein 10k Bitcoin, da es im Tail eben keine Sigma-Erreignisse und Wahrscheinlichkeiten gibt.

Bleibt das Problem mit der Signifikanz von Druckenmiller und den anderen Quantum Fund Typen wie Soros. Dass sie außergewöhnlich reich sind, könnte man noch mit Ensemble Wahrscheinlichkeiten erklären, ein dicker Gewinn reicht aus. Aber dass sie kontinuierlich Gewinne machen? Bei einer 50/50 Chance sich beim Russisch Roulette eine Kugel zu fangen, so hast du ja gezeigt, deutet alles drauf hin, dass entweder der Prozess nicht zufällig ist oder sie garkeine Kugel in der Trommel haben. Märkte sind offensichtlich öfter am steigen als am fallen. Dennoch, setzten sie immer wieder ihr Leben aufs Spiel, müssten sie dennoch eine Absorbtions-Bariere treffen bzw. sich eine Kugel fangen. Also muss es an ihrer Exposition liegen (kleine Positionen (Kelly-Kriterium aka stay small), hedging, manipulation der Unternehmen und massiver Lobbyismus/ "Aktivismus" anders kann man es nicht erklären.

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Ich weiß nicht, ob Euch die random walk theory und die efficient market hypothesis was sagt. Aber diese beiden Theorien/Untersuchungen sind allgemein anerkannt und belegt. Natürlich haben Aktienmärkte einen positive drift. Das wurde im Black-Scholes-Model berücksichtigt. Hier kommt es dann natürlich wenn man einzelne Investoren zu Ausschlägen nach oben und unten. So lange man nur directional ohne Theta-Komponente investiert wird man langfristig den Index nicht schlagen. Die ganzen berühmten steigen entweder früh genug aus (Peter Lynch, Druckenmiller) bevor sie die Statistik einholt oder sie werden irgendwann deutlich underperformen (Buffett). Ich kenne auch einige Profis, die jahrzehntelang kein Verlustjahr hatten. Das sind aber alle option premium seller. Diese Erfolge lassen sich aber mathematisch begründen (implied volatility > realized volatility).
Hier gibts ein paar sehr schöne Charts:

https://www.tastytrade.com/tt/shows/market-measures/episodes/sp-500-daily-moves-magnitude-momentum-08-18-2017

Natürlich kenne ich diese Theorien.
"allgemein anerkannt und belegt" heisst jedoch nicht, dass sie korrekt sind. Und es gibt ja auch einige Kritiker. Und Nobelpreise wurden auch an den einen oder anderen Spinner vergeben.
Hinsichtlich EMH:

  • was bedeutet das, wenn "alle" Informationen eingepreist sind?
  • Wer weiss, was "alle" Informationen sind?
  • Ist der Marktpreis eines Guts nicht der (nach Kaufkraft der an diesem Gut interessierten Individuen gewichtete) durchschnittliche Preis (Schnittpunkt Angebot-Nachfrage)? D.h. es geht nicht um "alle" Informationen, sondern um alle Informationen, die diesen Invidividuen zur Verfügung stehen bzw. die sich diese beschaffen.
  • Wenn das so ist, dann kann es reichen, dass ich mir frühzeitig mehr Informationen beschaffe und mich intensiver mit diesem Thema beschäftige, um überzuperformen.
  • Beispiel Bitcoin: es sind sehr umfangreiche Informationen zu Bitcoin im Internet frei verfügbar, von Transaktionsvolumen, über technische Beschreibungen, wilde Bewertungsmodelle, usw. Der Grossteil der professionellen Investoren beschäftigt(e) sich jedoch kaum mit diesem Thema, weil sie es als Randphänomen betrachten, weil sie nicht in diesen Markt investieren dürfen, weil es zeitaufwendig ist, usw. Anders ausgedrückt: die Informationen sind vorhanden und sie sind von einigen (Klein-)Investoren berücksichtigt, aber von vielen anderen Investoren nicht.

Ganz allgemein finde ich, dass ein Markt die effizienteste (eigentlich die einzige) Methode ist, um Angebot und Nachfrage zusammenzubringen. D.h. Märkte sind effizient. Das impliziert jedoch nicht, dass im Marktpreis alle Informationen eingepreist sind.

Wenn Marktpreise deterministisch sind, dann geht es mir als Investor darum, die wichtigsten Determinanten (Einflussfaktoren) zu identifizieren und die kausalen Wechselwirkungen zwischen diesen Einflussfaktoren und der Zielgrösse (z.B. DAX am 31.12.2020) zu bestimmen.
Wenn ich über genügend gute mentale Modelle (z.B. Mikroökonomie, Spieltheorie, Korrelation) verfüge, dann ist die Wahrscheinlichkeit einer richtigen Einschätzung höher.

Mit Strategien wie dem Kelly-Kriterium kann ich grosse Risiken bzw. einen Totalverlust vermeiden. Aber das sollten gute Investoren so oder so tun.

Wenn Du einmal ein paar hundert earnings events oder Fed meetings getradet hast, wirst Du auch der Ansicht sein, dass markets random sind.
Ich habe es früher auch nie geglaubt.
Keiner der ehemaligen Floor Trader die ich kenne, hat sich je für irgendwelche Wirtschaftsdaten, Finanznachrichten oder Unternehmenszahlen interessiert oder Fed Berichte gelesen.

Du redest von Trading, ich von Investing.
Trading ist eher kurzfristig ausgerichtet, mit häufigen Trades. Kurzfristige Preisbewegungen mögen recht zufällig sein. U.a deswegen habe ich an Trading kein Interesse. Ich finde es auch intellektuell nicht herausfordernd und gehe davon aus, dass das mittelfristig durch Algorithmen übernommen wird.
Beim Investieren geht es um das Kaufen und langfristige Halten von Assets. Die langfristige Entwicklung von Unternehmen, Gold, Aktienindizes, usw. ist (wie beschrieben) deterministisch. Ich persönlich finde die Analyse von solchen langfristigen Marktbewegungen reizvoll.

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