Dominika Teil 6 - Unvergesslich! (16/16)

in #deutsch2 months ago

Abschied nehmen


Den Gedanken an unseren letzten Abend schiebe ich lange von mir weg. Irgendwann hat aber alles ein Ende und man soll ja bekanntliche gehen, wenn es am schönsten ist. Wir wollen uns von all unseren Freunden und liebgewonnenen Menschen verabschieden und laden zum BBQ an den Strand ein. Die Wahl fällt dieses Mal auf Jardis Carebean Vibes Bar, mir ist es inzwischen egal, wem wir damit auf den Schlipps treten. Die Leute, denen wir wichtig sind, kommen auch so. Noch dazu ist Jardi die Ruhe in Person, scheinbar nichts bringt ihn aus der Ruhe, nie hat er sich in diesen Nachbarschaftskleinkrieg reingehängt. Direkt am Strand, das Meer vor Augen, karibische Musik vom Feinsten. Joanna und Andy, Jan und Maggi, Kenny, Spesh, Edison, Jackson, selbst Titus kommt vorbei. Für 45 EC habe ich heute morgen ein Tunfischsteak, wohlgemerkt EINS von ca 8.5lbs gekauft und mariniert, die anderen bringen Salat, Brot, Früchte und Rum mit. Mehr braucht man nicht. Über die Dauer des Grillvorgangs gibt es eine kleine Meinungsverschiedenheit. Spesh hat sich bereit erklärt, den Grillmeister zu geben. Die Hitze reicht aus, dass ich nach 3 Minuten anfange, die 5 cm dicken Thunfischsteaks zu wenden, wir mögens halt innen roh. Bei der Qualität des Fisches könnte man auch Sushi machen. Das stößt auf absolutes Unverständnis, wie eklig ist das denn! Na gut, wir machen zwei Varianten. Für uns die rosanen Stücken, für die Locals gegrillte Schuhsohle. Egal, geschmeckt hat‘s trotzdem. Aus den Augenwinkeln sehe ich Kenny mit Jardi an der Anlage rumfummeln und dann traue ich meinen Ohren kaum. Zu unseren großen Überraschung geben sich von dem Moment an die Jungs die Klinke bzw. das Mikrophon in die Hand und machen Free-Style-Musik: „This Song is dedicated to Claudia an Martin … „ Wie cool ist das denn! Joanna steht gerade neben mir und meint nur, dass soetwas hier nocht nie passiert ist. Dazu muss ich sagen, die beiden von der Bamba Maru sind schon viel viel länger als wir in Dominika, die 4. Saison glaube ich. Noch dazu engagieren sie sich mit einem eigenem Hilfsprojekt und über verschiedene Spendenaktionen für soziale Belange oder die Ausstattung von Schulen auf der Insel. Also wenn jemandem so ein Abschied bereitet werden müsste, dann den beiden. Ich bin wirklich gerührt. Kenny, der wohl auch irgendwie als Musikproduzent in seiner Freizeit arbeitet, gibt das Mic an Jackson weiter, dann zurück zu Kenny, Jardi macht auch noch mit, irgendwann darf Spesh dann auch, Edison trällert uns ein Lied, dann wieder Kenny. So geht das den ganzen Abend bis zum frühen morgen.

Ich kann gar nicht beschreiben mit wie viel Wehmut ich an diese Zeit zurückdenke und wie sehr ich diese Insel ins Herz geschlossen habe. Natürlich war nicht alles nur schön und auch im Paradies scheint die Sonne nicht immer. Den Ärger mit Jerome und Spesh hätte ich gerne vermieden, den Einbruchsversuch ebenfalls, oder den Kleinkrieg mit den Restaurantbetreiber. Auch der Ausgang unserer Spendenaktion und das verlorengegangene Vertrauen in Clement sind enttäuschend. Aber all das sind nur kurze Momentaufnahmen wenn in meinem Kopf unsere wunderbare Zeit auf Dominika in Spielfilmlänge abläuft. Es ist ganz normal und der Lauf der Dinge, dass es zu Konflikten oder Missverständnissen kommt, wenn man so lange wie wir an einem Ort bleibt und Teil der fremden Kultur wird. Natürlich muss man da hinein wachsen, sich hinein denken und fühlen, die eigenen Vorstellungen auch mal über Bord werfen und hinterfragen, warum Dinge anders laufen, als man es von zu Hause gewohnt ist. Aber ist nicht genau das der Reiz am Reisen? Auch um mit dem Kennenelernen anderer Kulturen oder Lebensweisen auch mal die eigene Sichtweise und Erwartung an das Leben zu überdenken? Kann man dankbar dafür sein wegen einer weltweiten Pandemie auf einer Insel festzusitzen? JA! Wenn die Insel Dominika heißt! Wir hatten so viele Freiheiten, waren im Gegensatz zu anderen Inslen so weing eingeschränkt und sind immer mit allem gut versorgt worden. Nie gab es einen Mangel an Essentiellem wie Essen, Wasser, Diesel oder Gas. Gastfreundschaft, Hilfe, Lachen und gute Kontakte gab's obendrauf im Überfluss. Wir hatten so viel Zeit, diese Perle der Antillen zu entdecken, konnten uns so oft an der wunderschönen und beeindruckenden Natur berauschen. Wir sind durch Täler und über Berge gewandert, in türkisfarbenes Wasser und den Regenwald eingetaucht, haben die Erde kochen und das Meer brodeln gesehen. Geräusche, Gerüche, Farben, Klänge und Geschmäcker sind mir inzwischen vertraut geworden, Dominika fühlt sich für mich ein wenig wie ein zweites zu Hause an. Den wichtigsten Anteil daran haben aber wieder die Menschen, die uns in dieser Zeit begegnet sind. Und nein, nicht nur begegnet! Die vielen liebenswerten Menschen, die uns anfangs nur unterstützt und Zuversicht gegeben haben, die gastfreundlich und hilfsbereit waren, die manchmal auch einfach nur zugehört und uns später aus der Patsche geholfen haben, auch die die uns eine Lektion für's Leben erteilt haben und alle die, die letztendlich zu Freunden geworden sind. Spesh, Kenny, Titus, Jerome, Joanna, Andy, Homti, Clement, Kish, Jeff, Jan & Maggi, Elvis, Edison&Silvia, Flanksy, Yellow, Levin ... danke für alles. Nur eine Sache nehme ich euch allen übel, ihr habt mich nicht davor gewart, dass ein großes Stück von mein Herz auf Dominika bleiben wird.

Video in Spielfilmlänge:

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Wow, damit habt ihr ja nun einen ordentlichen Posting-Marathon zum Abschluss gebracht - und selbstverständlich die unvergesslichen Momente auf Dominika nicht nur im Herzen festgehalten.
Ich habe (fast) jeden Teil eures Fortsetzungsabenteuers samt Höhen und Tiefen mit großem Interesse verfolgt, mich oft schon auf den nächsten Beitrag gefreut. Claudia hat eine wunderbare Art, eure Erlebnisse und Erfahrungen dem außenstehenden Leser ganz lebendig rüberzubringen! Diese Art der Reisedokumentation ist doch vor allem auch für euch eine ziemlich geniale Möglichkeit, selbst kleine Momente, die einem so nahe gehen, immer wieder in Erinnerung zu rufen.
Ich muss gestehen, dass ich mir den Spielfilm nicht anschaue - naja, vielleicht an einem langen Wintertag, wenn ich dran denke. Aber ich freue mich bereits jetzt, an weiteren Etappen eures Segelabenteuers teilzunehmen.

Alles Liebe und Gute,
Chriddi

Die tolle Reise geht zu Ende! Bin gespannt was als nächstes kommt. Freue mich sobald wieder von Euch zu hören.

LG Michael

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