Die Steckrübe, lebensrettendes Nahrungsmittel in den Hungerwintern 1916/1917 und selbst erlebt 1946/1947 wurde nun das Gemüse der Jahre 2017 und 2018

in #deutsch3 years ago (edited)

Gehört zur Gattung Kohl und ist eine Unterart des Raps. Die Steckrübe war in der Vergangenheit als Gemüse nicht beliebt. In den Hungerwintern 1916/1917 und 1946/1947 war sie lebensrettendes Nahrungsmittel. Sie stammt aus dem nördlichen Europa. Man nennt sie auch Erdkohlrabe, Bodenkohlrabe oder Wrucke. Sie wird in allen gemäßigten Klimazonen angebaut und von November bis Mai geerntet. Das Fruchtfleisch ist weiß bis gelblich. Die Form ist kegelig bis rund. Als Gemüse verwendet man die gelbfleischigen Exemplare mit einem Durchmesser unter 15 cm. Die Dickeren können schon mal holzig sein, was man auch von Kohlrabi kennt.
Auf dem Foto sieht man die Steckrübe mit den Hauptzutaten für ein Eintopfgericht, Kartoffeln, Zwiebeln, 1 Mohrrübe und Mettwürstchen. Eine Normale und 3 kleine. Dazu den Schnellkochtopf den ich für Suppen und Eintöpfe bevorzuge.

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Die Steckrübe war in früheren Zeiten als Nahrungsmittel nicht sehr beliebt, war aber in Notzeiten die letzte Nahrungreserve. Ich kenne sie aus dem oben genannten Hungerwinter 1946/47. Damals waren Hamsterfahrten Gang und Gäbe. Mein Onkel war Schuhmacher und er konnte Schuhe gegen einen Sack Rüben eintauschen. Die Rüben waren einige Wochen unser Hauptnahrungsmittel. Morgens eine Scheibe roh, mittags meistens in Form einer Wassersuppe, in der außer Salz nichts drin war. Kartoffeln, Zwiebel, Fett, alles war totale Mangelware. Da ich diese Zeiten erlebte, habe ich sehr viel Verständnis für foodsharing in jeder Form. Seit einigen Jahren ist die Steckrübe auch von der „Feinen Küche“ entdeckt worden, allerdings in Verbindung mit entsprechenden Zutaten. Sie hat es auch verdient, mit ihren Inhaltstoffen, die hervorragend sind. Wenig Kalorien, wir haben eher zuviel davon, dafür Vitamine A, C, B1, 2 und 3, sowie die Spurenelemente Kalzium, Kalium, Magnesium, Eisen und angemessen, Ballaststoffe und Kohlenhydrate. Aus diesem Grund eignet sich die Steckrübe hervorragend für schmackhafte und gehaltvolle Eintöpfe.
Hier mein Rezept dazu, von der Mutter übernommen.
Die Zutaten:
1 mittelgroße Steckrübe ca. 750 g
4 Kartoffeln 650 g
Zwiebeln 150 g
Karotten 100 -200 g
2 Mettwürstchen
5 – 10 Eßlöffel Raps,-oder Oliven,-oder Sonnenblumenöl
je 1 Teelöffel getrocknete Kräuter, Basilikum, Bohnenkraut oder Thymian
Salz, Pfeffer, 2 Tassen Gemüsebrühe

Es passen auch sehr gut, Sellerie, Lauch, oder Rosenkohl in den Steckrübeneintopf, aber das ist Ggeschmacksache, wie man auch die oigen Zutaten im Mengenverhältnis variieren kann.

Zubereitung des Eintopfgerichtes:
Karotten in passende Stücke geschnitten,

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In einem Topf (4 Liter Vol) das Speiseöl mit den feingewürfelten Zwiebeln goldgelb anschwitzen, die Würstchen zugeben mit schmoren. Steckrübe, Kartoffeln, Karotten schälen, in Würfel schneiden (Beispiel Karotten s.o.) und auch kurz anschmoren. Die 2 Tassen Gemüsebrühe sowie ½ Teelöffel Salz und aus der Pfeffermühle einige Umdrehungen Pfeffer zugeben. Mit heißem Wasser auffüllen, daß alles etwa 1 cm hoch im Topf bedeckt ist. Mit dem Deckel verschließen und im Drucktopf noch ca. 10 Minuten kochen. Im normalen Topf ca. 30 Minuten. Die gesamte Zubereitungszeit beträgt nur 40 bis 50 Minuten bei Verwendung eines Drucktopfes. Anschließend rührt man noch die Kräuter unter, schmeckt mit Salz und Pfeffer ab und läßt den Eintopf noch einige Minuten ziehen, damit die Kräuter ihr Aroma entfalten können.
Dieser Eintopf ist schmackhaft und sooo gesund. Die Menge reicht für 4 Personen. Probiert es mal aus. Viel Spaß dabei. So sieht er, fertig gekocht, aus:

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oder so, wenn er nochmal aufgewärmt wurde (das ist ein Kleks Mozzarella, kein Schimmel)

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Es heißt ja, Eintöpfe schmecken immer besser, wenn sie nochmal aufgewärmt wurden, frei nach Wilhelm Busch, dem wunderbaren, Geschichtenschreiber, der die Witwe Bolte sagen läßt:
Daß sie von dem Sauerkohle, eine Portion sich hole,
von dem sie besonders schwärmt,
wenn er wieder aufgewärmt.
Besser kann man es eigentlich nicht ausdrücken. Es gilt für die meisten Eintopfgerichte oder Wintergemüse wie Grünkohl, Weißkohl, Wirsing oder Irish Stew. Zu Letzterem möchte ich in Kürze etwas schreiben.

Sort:  

Weißt Du was @jochenpaul, deine Suppe sieht richtig lecker aus. Ich werde dieses Rezept auf jeden Fall ausprobieren. animierte-smilies-essen-trinken-190.gif

Mein Vater wurde 1935 geboren und bekam somit teilweise die schrecklichen Kriegsjahre (Hungerjahre) mit. Er hat mal davon erzählt, dass er in diesen Zeiten hauptsächlich Rüben zum Essen bekam, er kann sie bis heute nicht riechen.
Apropos Schuhe, zu der Zeit "arbeitete" mein Vater bei einem Bauern. Es war Winter und der Bauer hatte jede Menge Schuhe übrig. Ich schätze mal von seinen Kindern, die rausgewachsen waren. Naja, mein Vater hatte keine und so musste er immer barfuß zum Bauer und da die Kühe auf der Weide betreuen (Die Bremseneier aus den Kühen pulen usw.). Damit ihm nicht die Füße abfroren stellte er sich in die noch warmen Kuhfladen. War schon ne schlimme Zeit.

Vielen Dank kirstin für deinen ausführlichen Beitrag. Dein Vater hat ja noch Glück gehabt, daß man ihn nicht als Flackhelfer eingezogen hat. Aber auch so war die Zeit hart genug. Die Städte total zerbombt und Mangel an Allem. Uns ging es erst ein bißchen besser, als wir von Essen ins ländliche Kettwig, zu den Großeltern gezogen waren. Wir lebten eine Zeit lang als 15-köpfige Familie in einer kleinen Küche, einem Schlafzimmer und einer kleinen Kammer. Mein Vater war noch bis 1950 in russischer Kriegsgefangenschaft. Wir mußten uns allein durchschlagen. Mit der Ernährung wurde es langsam besser. Wir konnten abgeerntete Felder nachlesen. Getreideähren lesen (was liegen geblieben war sammeln) und Kartoffeln hacken, was die Maschinen nicht erfaßten. Das war langwierig, mühsam, wenig ergibig, aber eine riesige Bereicherung. Das kann man sich heute garnicht vorstellen. Aber gute Seiten gab es auch. Der Zusammenhalt der Menschen war bemerkenswert.

Hallo @jochenpaul Du hast so schön geschrieben, dass ich vieles von dem was Du erwähnt hast wiedererkannt habe. Mein Opa war ein kleiner Soldat im Krieg. Mein Vater und seine Geschwister haben damals auf dem Feld geholfen und durften sich dafür die Reste aus der Erde klauben. Mein Vater war nach dem Krieg so mager und geschwächt, dass er eine Lungenentzündung bekam. Ihm tut es heute noch weh, wenn er sieht, dass Lebensmittel weggeschmissen werden. Meine Mutter ist in Flensburg geboren und so bot es sich an, dass sie zu einer Familie nach Dänemark zum aufpäppeln kam.

Ja, den Zusammenhalt der Menschen, das gibts nicht mehr. Nur noch eine Ellenbogengesellschaft.

Wir leben Vegetarisch und die Steckrübe gibts auch in meiner Gemüsesuppe. Oder auch mal als Gemüsemix.

Danke diesimssuchties. Das kann ich mir auch gut vorstellen. Mit einem guten Speiseöl, Kartoffeln, Zwiebeln, Karotten, Sellerie und Kräutern und Gewürzen ist sicher eine gute Gemüsesuppe zu kochen. Es muß nicht immer Fleisch und Wurst dabei sein. Oder wie macht ihr das?

In meiner Gemüsesuppe ist immer etwas verschieden, aber Kartoffeln, Lauch (ganz wichtig) , Möhren sind immer dabei. Der Rest Variiert z.B. mit Brokkoli, Blumenkohl, Erbsen, Bohnen, Lauchzwiebeln, eben auch Steckrübe sehr oft. Gekocht wird in Gemüsebrühe. Aber nie Sellerie. Das ist eines der wenigen Gemüse, das ich nicht mag.

ja mit der Sellerieknolle ist das so eine Sache. Man mag sie, oder man kann sie nicht ausstehen. Mit Rote Beete ist das leider ähnlich, dabei sind beide Früchte so gesund. Auch ein Grund die Abneigung zu überwinden. Bei Gemüsesuppe fällt mir noch ein, daß wir sie früher "Queer durch den Garten" nannten. Das gibt sehr schön die große Vielfalt bei der Wahl der Gemüse wieder.

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Next time try eating this with a Lager by your side.

Mach ich, denn Bier paßt sehr gut zu Steckrüben

Sehr toller Beitrag! Liebe die Steckrübe auch, und werde deinen Eintopf gleich mal nachmachen. Hoffe, es gibt noch Steckrübe bei unserem Bio-Gemüsebauern. Dort gibt es immer nur das Gemüse, das aktuell geerntet wird oder im Keller gelagert ist, wie es jetzt im Winter bei manchen Gemüsen der Fall ist.

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