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RE: Ist Rechtschreibung wichtig? Eine kleine Betrachtung.

in Deutsch Unplugged5 years ago

Oh je, ausgeschlafen nochmal durchgelesen. Viel durcheinander gewürfelt, viel fehlt. Z.B. das Eingehen auf die Rechtschreibprogramme, die Fluch und Segen zugleich sind. Auch hier kommt es immer wieder darauf an, wer sie wie nutzt.

Du siehst, lieber @ty-ty, dein Beitrag ist toll und bietet enorm viele Vorlagen.
Der Artikel ist auf Steemit entstanden, vielleicht sollte dies als Kontextvorlage reichen. Eine Blogging-Plattform, auf der man sein Geschreibsel auch noch verkaufen kann, was schon mal ein paar Adressaten voraussetzt (natürlich nur, wenn man überhaupt die Absicht hat, dass der eigene Beitrag gelesen wird... (wird ja oft behauptet, man kann machen, was man will, weil eh keiner läse)). Ich denke, man kann schon selbst die Richtung weisen, ob der Blog eher einem persönlichen Tagebuch (dann ist eh alles egal) dienen soll oder man sein Tun hier tatsächlich als "Veröffentlichung" sieht, die bitte möglichst viele anspricht, ohne sich dabei inhaltlich und sinngebend zu verbiegen.
Angebot und Nachfrage, Verfasser und Adressat, Inhalt und Stil, Norm und Rebellion, Kunst und Spleen...

Ds mnschlch Ghrn knn Wndrbrs lstn. lls st nr n Frg dr Whrnhmng.

hauptsache, der turmbau zu babel holt uns nicht irgendwan ein. ansonsten entscheidet jeder selbst. mus sich aber auch darüber bewust sein, das schriftsprache - auch ohne smileys - sehr viel mehr rüberbringt als nur inhalte. zum beispiel die wertschätzung der eigenen arbeit und den respekt vor adresaten.

Letzteren habe ich dir soeben gezollt, indem ich mich richtig angestrengt habe, den letzten Absatz zu korrigieren - das war wirklich schwer für mich, grenzte an innere Zerrissenheit... ;-)

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 5 years ago 

Ist es ein guter Stil, den Kommentarbereich eines Verfassers durch mehr Schriftzeichen als der Autor selbst benutzt hat, zu sprengen? Da gehen die Meinungen auseinander. Da der Drops in diesem Fall aber ohnehin gelutscht ist, lege ich frech nach:

Rechtschreibung und andere Stilblüten

Ich behaupte, orthographisch recht sicher durch die schriftliche Welt zu laufen und erwarte dies ganz bestimmt nicht von jedem. Ich halte es für ungerecht, dass die Rechtschreibnote in der Schule so eine starke Auswirkung auf die Bewertung eines Aufsatzes oder einer Referatsausarbeitung hat, wenn es letztlich um Inhalte geht, ebenso wie die Tatsache, dass Legastheniker nur bis zu einem bestimmten Alter einen "Freibrief" erhalten.

Es soll auch keinen wirklich interessieren, dass mir, die ich Wortbilder recht gut abgespeichert habe, so manch Wortvergewaltigung in den Augen weh tut. Rechtschreibfehler, Zeichenverdreher und Flüchtigkeitspatzer passieren jedem von uns, ich möchte aber behaupten, dass diejenigen, die einen Artikel verfassen können, auch dazu in der Lage sind, ihren Artikel gegenzulesen und einige Teufelchen auszumerzen. Das macht meine Wenigkeit mehrfach, wie man an den häufigen Editierungen erkennen kann, auch nach Veröffentlichung eines Textes.
Albert Einstein soll übrigens ein Legastheniker gewesen sein, aus dem ist ja auch etwas geworden. Ich denke aber, auch er hat einen Korrekturleser eingesetzt, bevor er seine wissenschaftlichen Ausarbeitungen unter die Menschheit brachte.

Der gute Albert verfügte noch nicht über eine Auto-Korrektur am Computer, auf die er sich vermutlich auch nicht verlassen hätte. Der Mensch weiß immer noch mehr als die Maschine, er kann ihr sagen, dass man tatsächlich den Konjunktiv benutzt, tatsächlich ein Umlaut des Wortes Vokal bilden soll. Und wenn der "Koch" zum "Bock" wird, wie mein Rechner es mir gern vorschlägt, wird es aberwitzig, sofern der Verfasser seine Niederschrift nicht noch einmal durchliest.

Ihr habt vermutlich schon bemerkt, dass ich ein Freund des Genitivs bin und meinen Kumpel mit aller Kraft vor dem Aussterben bewahren möchte. Falls jemand diesem Gebilde lateinischen Ursprungs aber noch nicht begegnet ist, sollte er dem Rettungsfond nicht beitreten, es käme dem schmerzlichen Folgen eines Hauptsatzes auf die Konjunktion "weil" gleich.

Quelle

 5 years ago 

Ich benutze recht gern des Genitivs, auch wo er gerade nicht hin müsste, weil: das soll als Ausgleich wirken für die vielen fehlenden Verwendungen. Des Genitivs weist dem Dativ in den Akkusativ: J'accuse!

Und nach "weil" denke ich mir einfach einen Doppelpunkt, falls es danach ohne Inversion weiter geht. Denn: nach "denn" brauchen wir auch keine Inversion mit Verb am Ende und weil ich glaube, dass das in gewisser Weise im Fluss ist. Wir sprechen und schreiben ja auch nicht mehr wie vor zweihundert Jahren.

Auf jedensten vielen Dank für deine ausführlichen Kommentare! Ob diese in Summa der Worte länger sind als der Original-Post - wen interessiert's? Mich nicht. ;-)

Auf die in manchen Kommentaren anklingende - ich nenne es mal so - Überkreuzung von ästhetischen mit ethischen Kriterien komme ich vielleicht in einem eigenen Artikelchen zurück, in welchem ich dann Schulz von Thuns Kommunikationsquadrat in etwa so einzusetzen gedächte:
"aus dem Selbstkundgabe-Schnabel raus, aber in das Beziehungs-Ohr rein".
Das wird, scheint mir, zu:
"du mutest mir etwas Unangenehmes zu, also bist du mir nicht freundlich gesonnen".

 5 years ago 

Ist des Genitivs jetzt doch dem Dativ sein Freund?!
Tu du mal lieber den Quadranten von dem Schulze raussuchen!
Mist. An den blöden Beziehungsaspekt, der ein Rauschen in den Sender-Empfänger-Kanal gebracht hat, habe ich auch gedacht. Nur Schulz von Thun lag mir dabei nicht auf der Zunge. Hätte mir eventuell viel Geschwafel gespart... ;-)

 5 years ago 

"Rauschen", "Sender", "Empfänger", "Kanal"?
Eine derartige technische Verdinglichung liegt mir fern. Als Metaphern können sie bis zu einem gewissen Grad herhalten. Aber da diese Metaphern sich allzu gern verselbstständigen, vermeiden wir sie besser.
Meint
meiner-einer

 5 years ago 

Du kannst die Metaphern gern vermeiden, "wir" werden das nicht tun, denn ich benutze sie. Das ist ein durchaus gängiges Vokabular bei der Erklärung der hochkomplexen Kommunikation als rein formalen Aspekt - einen wechselseitigen Austausch von Nachrichten zwischen Sender und Empfänger über vereinbarte Zeichen (Lautsprache, Schriftsprache, Symbolsprache…). Ich finde diesen Ansatz sehr anschaulich. Ganz besonders, wenn es um Störungen in der Kommunikation geht. Z.B. kann der beste Redner einem gehörlosen Menschen keine Inhalte vermitteln. Wer ist "schuld"? Niemand. Der Übermittlungskanal ist falsch gewählt.

 5 years ago 

Gegen die Anschaulichkeit habe ich nicht argumentiert. Diese ist zweifellos gegeben.

Mir ist die Analogie zu oberflächlich und wie gesagt zu leicht in die Irre führend. Inwiefern ist die Lautsprache ein Satz vereinbarter Zeichen? Wer hat sie wann mit wem vereinbart - und vor allem: WIE?

Entspricht das Wort "Übermittlungskanal" tatsächlich der Dimension der menschlichen Sinnesorgane und Wahrnehmungsweisen? Ich habe da halt Zweifel...

 5 years ago 

Das Modell ist doch zunächst einmal nur eine Basis ("technisch" ist dabei korrekt und absichtlich gewählt), auf die man die reine Sache herunterbrechen kann. Definitiv zu oberflächlich, wenn man "Kommunikation" in seiner Gesamtheit betrachtet. Das kann aber niemand in einem einzigen Modell, in keinem einzigen Buch. Kommunikation mit all seinen Facetten ist eine ganze Wissenschaft, die es von Anbeginn der Menschheit gibt. Sogar noch früher - jedes Lebewesen kommuniziert.
Aber da will ich auch gar nicht "streiten". Mich interessiert tatsächlich, warum du das Vokabular für irreführend hältst. Mich irritiert es gar nicht.

Inwiefern ist die Lautsprache ein Satz vereinbarter Zeichen?

Einzelne Laute, die du mit deinen Sprechwerkzeugen bildest, ergeben miteinander verknüpft z.B. ein Wort. Akkustische Zeichen in einer bestimmten Kombination erhalten Bedeutung. Das, was sich lautsprachlich wie Baum anhört, ist bei uns die Pflanze mit dem braunen Stamm und dem grünen Blattwerk.
Wer dies wann mit wem vereinbart hat, kann dir niemand beantworten. Wie? Kommunikation und Entwicklung. Auch Auseinanderentwicklung. Für tree muss mensch ganz andere Laute produzieren.

Entspricht das Wort "Übermittlungskanal" tatsächlich der Dimension der menschlichen Sinnesorgane und Wahrnehmungsweisen?

Nein. Natürlich nicht.
Gibt es ein Wort, dem dies gelingt? (Rhetorische Frage.)
Dafür gibt es auch kein umfängliches (einzelnes) Modell. Viel zu viele Facetten spielen dabei eine Rolle.

 5 years ago 

Ich habe es mir nochmal durch den Kopf gehen lassen.
Die Wörter "Sender" und "Empfänger" sind wohl viel älter als das technische Funken; sie können gut und gerne für Beschreibung der Brieftaubenpost und Nachrichtenübermittlung allgemein gelten. Meine Auffassung im Sinne der technischen Übermittlung kam von den "Kanal"-Wörtern.
Kennst du das sogenannte Organon-Modell der Sprache von Karl Bühler? 1934...!
https://de.wikipedia.org/wiki/Organon-Modell
Die zugehörige grafische Veranschaulichung von ihm sieht so aus:

image.png

Das in meinen Augen Spannende daran sind die unscheinbaren Stellen der "apperzeptiven Ergänzung" und der "abstraktiven Relevanz". Letztere hat mit deinem "Baum"-Beispiel zu tun und mit der Tatsache, dass es Sprachen gibt, die ein entsprechendes Wort nicht kennen oder zB kein Wort wie "Wald" (sondern nur Namen für einzelne Baumarten). In der entsprechenden Lebenswelt hätte das Wort "Baum" wohl einfach keine abstraktive Relevanz.

Außerdem wird Bühler so zitiert:
„Die Linienscharen symbolisieren die semantischen Funktionen des (komplexen) Sprachzeichens. Es ist Symbol kraft seiner Zuordnung zu Gegenständen und Sachverhalten, Symptom (Anzeichen, Indicium) kraft seiner Abhängigkeit vom Sender, dessen Innerlichkeit es ausdrückt, und Signal kraft seines Appells an den Hörer, dessen äußeres oder inneres Verhalten es steuert wie andere Verkehrszeichen.“
Ich denke, er kam und kommt mit diesem Modell und wie er es auffasst schon ansehnlich weit. (Auf die lebendige Energeia-Auffassung der Sprache durch Wilhelm von Humboldt weitere 100 Jahre zuvor gehe ich jetzt nur insofern ganz kurz ein, als dort schon klar gesehen wird, in welcher Wechselwirkung unsere Gliederung der Lebenswelt mit unserer Sprache steht: "Nach Humboldt [...] ist die Wirklichkeit oder zumindest unsere Auffassung von ihr wesentlich sprachabhängig." Es gibt, zugespitzt formuliert, also keine Bäume ohne Sprache. Wittgenstein formuliert es etwa so: "Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt." Daran schließt sich dann eine lange Diskussion über die Sprach(un)abhängigkeit des Denkens an...)

Aber mit Orthographie hat das alles natürlich nichts zu tun. Dort gilt, was du gesagt hast: Festlegungen (Verabredungen oder Verordnungen) über Schreibweisen, und Schluss.
;-)

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