Schulreife / Schulfähigkeit

in #de-stem8 years ago

Servus liebe Steemit Gemeinde!!!!

Heute am späten Abend geht es mal einmal um das Thema Schuleintritt.

Früher gab es dazu das tolle Wort Schulreife, tja weit hergeholt. Man dachte ja schließlich auch das ein Kind reifen muss wie eine Pflanze. Abstrakt sowas heute noch zu denken.

Was aber genau ist die Schulreife?

Die Schulreife bezeichnet sich als Abschluss eines Prozesses in dem das Kind die körperliche Reife erreicht hat in die Schule zu gehen. Sagt aber nix darüber aus ob das Kind auch kognitiv/ emotional/ sozial und motorisch dazu in der Lage ist. Deswegen ist der Begrisf Schulreife auch schon lange überholt. Dennoch ist er weiterhin im Sprachgebrauch gängig.

Jedoch ist heute die Schulreife als Schulfähigkeit zu verstehen.

Was ist die Schulfähigkeit?

Die Schulfähigkeit ist eine Kombination aus Emotionalen - Kognitiven - Sozialen - Motorischen Kompetenzen die ein Kind bis zum Eintritt in die Grundschule besitzen sollte.

Eine allgemeine Definition gibt es dazu nicht wirklich. In Erzieherbereich nutzen wir sehr gerne die Erklärung von Prof. Gerhard Witzlack.

Dieser sagt:

die Summe ganz bestimmter Verhaltensmerkmale und Leistungseigenschaften, die notwendig sind, um im Anfangsunterricht und der weiteren Schulzeit Lernimpulse wahrzunehmen, aufzugreifen und im Sinne einer aktiven Lernauseinandersetzung zu nutzen.

Was ist nun wichtig?

Emotionale Schulfähigkeit

  • sollte Belastbarkeit besitzen
  • kann bei Misserfolgen auch mit Enttäuschungen umgehen
  • Vertrauen in die eigene Person
  • Angstfrei mit neuen Situationen umgehen können

Soziale Schulfähigkeit

  • kann aber Arbeitsaufträgen in einer Gruppe erkennen, wenn man ihn anspricht und dies auch umsetzen
  • von seinem Sicheren Umfeld lösen können
  • gängige Gesprächsregeln einhalten
  • Regeln und deren Bedeutung erkennen und diese auch einhalten.

Motorische Schulfähigkeit

  • Hand - Auge Koordination
  • Übernahme Selbständig zu tätigender Arbeitsaufgaben
  • eigene Belastung erkennen und diese selbst ändern können
    -Gleichgewichts- wahrnehmung besitzen, um aus einer Innenwahrneh- mung eine Konzentration auf eine Außenwahrneh- mung zu richten

kognitive Schulfähigkeit

  • konzentration
  • Ausdauer
  • zielgerichtet arbeiten können
  • selbstmotivation für Lernaufgaben
  • folgerichtiges und logischens Denken
  • Merkfähigkeit

So das war es auch schon. Oh man, ganz schön viel was auf einen kleinen Knirps so zukommt. Als Erzieher hat man die Aufgabe diese Prozesse zu begleiten, aber eigentlich nix im Vorfeld für die Schule zu tun. Ich finde manchmal sind bereits Schulfähige Kinder dennoch sehr überfordert mit dem ganzen Anforderungen. Gerade in Anbetracht des Überganges des Kindes von der Kita in die Schule.

Es gibt dazu ein interessantes Übergangsmodell, welches im Moment noch in der Findungs und Testphase ist. Das Modell nennt sich „Die Brücke“

https://www.offensive-bildung.de/p05/engagement/de/content/projekte/die-bruecke/index

Ich könnt gerne mal reinschauen, falls Interesse besteht.

So nu aber bis Neulich

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Interessanter Aufsatz. Ja definitiv gerne mehr Infos!

"die Bereitschaft systemkonformen Bull-Shit zu verinnerlichen und sich ungerecht behandeln zu lassen". Schule nach der Grundschule war für mich Zeitverschwendung. Sich von Leuten erklären zu lassen, dass aus mir mal nichts wird, wenn ich dieses und jenes mache... Leute aus denen selber nichts geworden ist. Arm, x-fach-geschieden und ein Alkohol-Problem oder Burnout.

Lehrer sollten mal lieber psychologisch und körperlich auf ihre Lehrfunktion hin getestet werden.

Wenn ich sehe wie Kinder denen aufgrund von Tumoren das >>Sprach<<zentrum entfernt wird und diese trotzdem 2 Fremdsprachen sprechen und wir nicht mal englisch sprechen :D. Das Schulssystem ist alles aber sicher nicht wissenschaftlich.

Sehe ich ähnlich .... hatte mal in einer Schule hospitiert , mir hat es als angehender Erzieher die Haare aufgestellt. Wie dort mit den Kindern umgegangen wurde, spottet jeder Beschreibung

Gleich zu Beginn machst du die Misere deutlich: Durch die Umwandlung der Schul-Reife in Schul-Fähigkeit entsteht der (falsche) Eindruck, dass dies etwas ist, das man trainieren kann und nicht etwas ist, das sich "organisch" und natürlich bei jedem Kind entwickelt. (wie @isarmoewe schreibt ist es bei allen Kindern unterschiedlich).
Kleinkinder lernen Sprache, Gehen... ohne Lernplan, Konzepte und Trainingseinheiten (wenn, dann sind das ihre eigenen konzipierten). Die Erwachsenen haben leider ihre eigenen Ideen, was für ein Kind gut ist, und die Spielzeugindustrie verdient sehr gut daran.
Nachhaltiges Lernen setzt Neugier beim Kind voraus ... wie soll das funktionieren in einer Schule der heutigen Zeit??? Ich gehe noch weiter und sage, dass es nicht gewollt ist, lernfreudige, neugierige Kinder/Schüler/Erwachsene zu "bekommen"bzw. zu "behalten" - sind wir die doch alle schon bevor die Institutionen unsere Bildung übernehmen.
Ich habe kurz vor dem ersten Examen (Lehramt) hingeschmissen, es dann in den Kindergärten versucht gegen zu steuern und vor 10 Jahren auch das gelassen. Es ist traurig, was da an Pädagogik und Psychologie verkauft wird und wie Kinder bereits als Konsumenten aufgebaut worden sind und wie sie in ihrem freien Ausdruck beschnitten werden.

Es gibt genügend Experten, die all dies kritisieren - und es ändert sich nichts! Im Gegenteil, jetzt sollen Hebammen ein Studium machen - ein Beruf, der so viel Erfahrung, Intuition, überliefertes Wissen, Empathie ... braucht!!!! Haha, studier das mal - in Büchern und Tabellen, mit Powerpoint und Exkursionen.

Lieber @backinblackdevil, ich möchte dir den Beruf gar nicht ausreden. In meinen Augen ist es einer der wichtigsten und anspruchsvollsten Berufe überhaupt! Das Ansehen ist leider nicht da (wie bei Hebammen) und auch die Erzieherausbildung sollte schon mal an die Unis... Eine Aufwertung des Berufes wären andere Gehaltsklassen und Berufsbedingungen statt noch mehr zu verkopfen...

Oh weh, ich bin schon wieder dabei... ich wünsche dir viel Idealismus und Kraft für diesen wundervollen Beruf - mach DEIN Ding!
LG Kadna

Jetzt wäre ich ja mal auf die Meinung von @chriddi gespannt ...

Oh, @chriddi hat sich da bisher völlig rausgehalten.
Da gibt's mehrere Gründe für, unabhängig von Schulreife, Schulfähigkeit oder wie auch immer man das Ding nennen will. Alles nur Nomenklatur.
Ich schreibe im Jahr mehrere Gutachten, die sich auf den derzeitigen Entwicklungsstand eines Kindes in allen zu berücksichtigenden Entwicklungsbereichen (Sprache, Motorik, Sozialverhalten...) beziehen. Am Ende kommt heraus, nach welchen Anforderungen das Kind unterrichtet werden soll. Pädagogen sollten sich also um die Weiterentwicklung des individuellen Entwicklungsstands bemühen. Dass dies nicht funktioniert, liegt weder an Kind noch Lehrer und damit lehne ich mich nun schon deutlich weiter aus dem Fenster, als sinnvoll.
Als Grundlage für solche Gutachten dienen standartisierte Tests, lange Gespräche mit vielen Beteiligten, in erster Linie natürlich Eltern und Erzieher, sowie Erfahrung.

Ach naja den Idealismus hab ich gar nicht mehr. Mein Ziel ist auch nicht das Arbeiten mit Kindern, sondern ehr das Arbeiten mit Jugendlichen oder in einer HPT. Wo ganz andere Aansätze von Nöten sind. Ja nach der Ausbildung werd ich nebenberuflich auf jedenfall noch das Studium machen, um beruflich etwas weiter kommen zu können.

Na, da hast Du Dir ja was vorgenommen. Einfacher wird es mit Teenies ganz sicher nicht.

Mir will das Jobcenter ja die aktivierende Betreuung dementer Senioren schmackhaft machen - bei aller Liebe zum Menschen muß ich da dann doch sagen: nein danke.

Den Irrweg mit Studium, um aus der Misere rauszukommen, gehen einige Pflegekräfte auch, wirklich helfen tut es ihnen (glaube ich) nicht ...

Bitte keine Scheu vor längeren Artikeln.
Ich weiß nicht, ob Du im Zuge der Ausbildung auch Aufsätze schreiben mußt. Hier kannst Du es stressfrei üben.

😂 Öhm Aufsätze nein. Heine Handlungsanalyse und Planung... ist schlimmer ..

Ich möchte ergänzen, daß die einzelnen "Schulfähigkeiten" nicht zeitgleich auftreten müssen, was die Entwicklung eines Kindes angeht. Außerdem bleibt in Deinem Artikel außen vor, daß inzwischen nicht mehr alle immer gefordert sind (ein Kind, das auf den Rollstuhl angewiesen ist, ist nicht per se auch kognitiv eingeschränkt). Ich hoffe, in der Richtung ist zukünftig noch mehr Offenheit möglich.

Da hast du absolut recht ....

Ja die tolle Schule.

War für mich früher der absolute Horror.

Einzig meine Kumpels jeden Tag zu sehen war ein kleiner Lichtblick! Ich interessierte mich zwar für alles Mögliche, aber spätestens wenn ein Lehrer es einem 'beibringen' wollte, war es nur noch ätzend.

Der schönste Tag in meinem Leben war als ich da nie wieder hin musste und mein eigenes Ding machen konnte.

Mein Mitgefühl gilt all den Millionen von armen Kindern, die diesem täglichen Terror schutzlos ausgesetzt sind.

Ihr seit nicht allein!

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Hi,
cooler post. Ich war mal Lehrperson und verliess das Schulsystem, als ein neuer Lehrplan eingeführt wurde. Die Ziele und Kompetenzen (etc.etc.etc.) sind zu abstrakt und nicht erreichbar. Und auch nicht wünschenswert glaube ich. Wir institutionalisieren und verwissenschaftlichen des Wunder des Lebens, des Kindes und seine eigene Art, sich zurech zu finden in dieser Welt. Ich glaube Schulen täten gut daran, ein Kind dann aufzunehmen, wenn das Kind bereit ist. Ein Kind kennt sich im Endeffekt am Besten, nicht? Das mein Gedanke zur Schulreife. :)

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Danke für deinen sehr interessanten Artikel.

Wenn die Kinder
ihre Freude am Lernen,
das Entzücken, etwas Neues zu entdecken,
die Faszination, Unbekanntes zu erforschen,
das divergente Denken ausweiten wollen, ...
beibehalten können,
wird das Lernen keine Anstrengung sein.
Wenn die Kinder darin gefördert werden,
kann die Schulzeit gelingen.
(Dies gilt wohl auch für Erwachsene.)

Ein toller Bericht und ein sehr passendes Bild
dazu.
Viele Grüße.

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