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Wie sich Armut auf das Gehirn auswirkt

in de-stem •  7 months ago

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gezeichnet von mir, 28.02.2018


Schon seit Jahrhunderten wird eine Korrelation zwischen mangelnder Intelligenz und Armut gesehen.
Wer Cleverness und Willenskraft besitzt, findet auch einen Weg zum Wohlhaben und nur die dummen und faulen 'Hängemattebewohner' bleiben auf der Strecke. So sprach auch Francis Galton in 1869 als einer der Ersten die Idee aus, dass vor allem mangelnde intellektuelle Begabung zu Armut führt. Dagegen argumentierte 1979 die American Psychological Association mit der Ansicht, dass der soziale Status eines Menschen mit der Sozialschicht seiner Eltern korreliert und es somit schwer zu sagen ist, inwiefern die Intelligenz den Status beeinflusst. Der Spieß wurde umgedreht und die Überlegung aufgestellt, dass die Intelligenz eines Menschen erst durch Armut negativ beeinflusst wird und das aber wiederum zu Armut führen würde.


Es werden laufend Studien und Schuluntersuchungen (PISA) durchgeführt um unter anderem dieser These nachzugehen. Im Vordergrund steht die Gehirnentwicklung von Säuglingen bis hin zu Kleinkindern, da die meisten neuralen Verknüpfungen in den ersten Lebensjahren eines Menschen stattfinden und vor allem im ersten Lebensjahr wesentliche Gehirnteile geformt werden.
Und tatsächlich konnte bereits eine neurophysiologische Ungleichheit zwischen der Gehirnentwicklung von Kindern unterschiedlicher sozialer Klassen nachgewiesen werden.

Kinderarmut und Gehirnentwicklung

Internationale Schulleistungsuntersuchungen, wie die PISA-Studie von OECD, zeigen immer wieder, dass Schüler aus dem oberen Viertel der sozialen Schicht besser abschneiden als Schüler aus dem unteren Viertel.[4] Aber ist die Verbindung zwischen sozioökonomischem Status (SES) und niedriger Intelligenz auch aus wissenschaftlicher Sicht bewiesen?

Ergebnisse von neurowissenschaftlichen Studien suggerieren, dass sich SES tatsächlich auf die Gehirnentwicklung, besonders in den frühen Jahren, auswirkt.


Mehrere Studien ergaben, dass sich Kinder mit unterschiedlichen SES in der Dicke und Fläche der (Groß)Hirnrinde unterscheiden.
Bei Kindern aus ärmlichen Verhältnissen waren Areale der Rinde, die bei der mentalen Verarbeitung von Informationen eine Rolle spielen, dünner als bei anderen Kindern. Eine betroffene Region ist unter anderem der präfrontale Cortex, der wichtig für die Handlungsplanung und Problemlösung ist. [1][2][5][6]
Ein weiterer Unterschied ist die Fläche der Hirnrinde: Kinder die in Armut lebten, hatten eine um 6% kleinere kortikale Oberfläche (Fläche der Rinde) als Kinder die nicht in Armut lebten. Diese Assoziation trat vor allem in jenen Regionen der Hirnrinde auf, die zuständig für die Sprachverarbeitung (Sprachzentrum) und Impulssteuerung sind.[1]

Andere Studien zeigten, dass der Hippocampus, der bei der Informationsverarbeitung und der Überführung dieser Informationen in das Kurz- und Langzeitgedächtnis eine wesentliche Rolle spielt, bei Kindern aus der unteren SES-Schicht kleiner ist. [2][3][6][7]

Im Zuge dieser Entdeckungen wurden Studien durchgeführt, die die Leistungsfähigkeit genau dieser Regionen testen:

Mittels Kognitionstests untersuchte K. G. Noble in ihrer Pilotstudie , ob Kinder aus schlechteren Verhältnissen in den Bereichen soziale und sprachliche Intelligenz, Lang- und Kurzzeitgedächtnis und kognitive Steuerung schwächer sind.
Laut ihrer Studie wäre die Leistung eines Kindes (zumindest in diesen Bereichen) tatsächlich direkt proportional zum sozialen Status.


Conclusio:
Kinder die in Armut leben sind dümmer als Kinder die nicht in Armut leben. Oder?


All diese Studien deuten darauf hin, dass es eine Korrelation zwischen SES und der Intelligenz von Kindern gibt.
Korrelationen wie diese implizieren aber noch keine Kausalität.
Damit wir den Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Status und der Intelligenz eines Menschen besser verstehen müssen wir also den Fokus von der Wirkung auf die Ursache einer mangelnden Intelligenz bei Armut lenken:

Armut macht anscheinend dumm, aber warum?

Ist es die Ernährung, das soziale Umfeld oder die Erziehung? Oder steckt da weniger die Erfahrung sondern mehr die Genetik dahinter?
Über die Gründe für die Assoziation zwischen SES und der Hirnentwicklung sind sich Forscher noch uneinig, aber es gibt Faktoren, die dazu beitragen (könnten):

Ernährung:
Kinder die in Armut leben ernähren sich oft ungesünder(=fertig verarbeitete Lebensmittel, die fett- und zuckerreich sind).[9] Es wurde aber bereits festgestellt, dass sich eine ungesunde Ernährung im ersten Lebensjahr sich auf die Intelligenz und die schulischen Leistungen negativ auswirkt. (Siehe da und da)
Auch die Ernährung der Mutter vor und während der Schwangerschaft trägt zur Gehirnentwicklung bei.[10]

Stress:
Eine weit verbreitete Tatsache ist die, dass der Stress von Eltern einen Einfluss auf die soziale und emotionale Intelligenz des Nachwuchs hat (anhaltender Stress kann dazu führen, dass die Amygdala [reagiert auf Stresshormone] alles Mögliche mit Gefahr und Angst assoziert). Aber mittlerweile wissen wir, dass Stress (zB Druck, Gewalt, Unsicherheit und Instabilität im Familienhaus) auch zu einer Veränderung der Volumen vom Hippocampus (Informationsverarbeitung) und generell der Grauen Substanz führt. Bei Menschen, die in ihrer Kindheit Stress und Trauma erlebt hatten, konnte beispielsweise ein geringeres Hippocampus Volumen festgestellt werden.[2][5][6]

Begrenzte Möglichkeiten:
Ein weiterer Faktor stellt natürlich die begrenzte Anzahl an Möglichkeiten für Bildung und Förderung dar.




Intervention und Prävention: Die richtige Kinderpflege

Interventionsprogramme werden schon seit Jahrzehnten in vielen Ländern durchgeführt, um die Auswirkung vom sozialen Status so weit wie möglich zu reduzieren. Es gibt Programme in den USA und in Argentinien, die Kinder aus ärmlichen Verhältnissen bereits ab ihrer Geburt hinsichtlich ihrer kognitiven Fähigkeiten unterstützen und fördern.[6] Angesichts der Studie von KG Noble sollte man sein Augenmerk auf die sprachliche und soziale Entwicklung der Kinder legen. Auch Gedächtnistrainings erscheinen mir wichtig.

Aus den zwei genannten Einflussfaktoren Ernährung und Stress können wir den Schluss ziehen, dass der richtige Umgang mit Kindern und die richtige Pflege der beste und für jeden zugängliche (bei der gesunden Ernährung wird es schon schwieriger) Weg ist, zur Prävention und Intervention von Defiziten, ausgelöst durch den sozioökonomischen Status.

Es gibt Interventionsprogramme, die jungen Eltern aus der niedrigeren sozialen Schicht dabei helfen, an ihrer eigenen Stressregulation zu arbeiten, um - trotz der Umstände- keinen Stress auf ihren Nachwuchs auszuüben und lernen, wie sie mit dem Kind richtig umgehen. Ihnen wird beispielsweise auch gezeigt, wie sie Wörter und Satzteile beim Vorlesen richtig betonen und Gefühle/Gedanken positiv vermitteln. Wichtig ist es, stets Positivität dem Kind gegenüber auszustrahlen und dem Kind mehr Aufmerksamkeit zu schenken.[2]

Auch wenn diese Interventions- /Vorbeugungsmethoden keinen Erfolg versprechen, haben Studien doch gezeigt, dass sie in den meisten Fällen sehr hilfreich sind und zu einer positiven Gehirnentwicklung beisteuern. [2][5]



Zu guter Letzt ein Silberstreif am Horizont:

Armut führt nicht immer zu niedriger Intelligenz. Es gibt Ausnahmen von dieser Regel. So zeigten etwa die Oakland Growth and Berkeley Guidance Studies keine signifikanten Auswirkungen von Armut bei Jungen aus der Arbeiter- und Mittelschicht. Arme Mittelschichtsjungen hatten einen Durchschnitts-IQ von 115.9, arme Arbeiterjungen einen Durchschnitts-IQ von 113.1. Die Ergebnisse dieser Studien, die sich mit Individuen beschäftigen, die zwischen 1920 und 1929 in Kalifornien geboren wurden, lassen sich nicht uneingeschränkt auf die heutige Zeit übertragen. Auch sind dies Jungen, die trotz Armut in einer relativ guten sozialen Umgebung aufwuchsen. Doch zeigen sie, dass nicht alles hoffnungslos ist. (Wikipedia)





Über die Definiton von Intelligenz lässt sich streiten. Viele sehen den Intelligenzquotienten als Maßstab der Intelligenz eines Menschen. Ich persönlich (so wie viele andere auch) sehe mich mehr als Anhänger der mehrdimensionalen Modelle und auch der sieben Primärfaktoren. Diese Modelle beinhalten einfach auch Kriterien die technisch nicht leicht zu ermitteln sind und weit über die bisher durchgeführten Studien hinaus gehen. Aus diesem Grund halte ich mich auch immer zurück, wenn es um die Beurteilung der 'Intelligenz' anderer Personen geht. Mit diesem Beitrag wollte ich lediglich interessante und teils relativ neue Erkenntnisse der Neurowissenschaft und der Soziologie mit euch teilen, da sie doch eine Relevanz haben und die Ansätze für die Prävention für den ein oder anderen hilfreich sein könnten.




Quellen:
[1] This Is Your Brain on Poverty, Scientific American, 2017
[2] The Effects of Poverty on Childhood Brain Development: The Mediating Effect of Caregiving and Stressful Life Events, 2013
[3] Association of Child Poverty, Brain Development, and Academic Achievement, 2015
[4] Armut macht dumm, 2016
[5] The impact of poverty on the development of brain networks, 2012
[6] Neuroscience of Childhood Poverty: Evidence of Impacts and Mechanisms as Vehicles of Dialog With Ethics, 2017
[7] Association between income and the hippocampus, 2011
[8] Poverty, Stress, and Brain Development: New Directions for Prevention and Intervention, 2016
[9] Gesundheit und soziale Ungleichheit, 2008
[10] Maternal dietary patterns during pregnancy and intelligence quotients in the offspring at 8 years of age: Findings from the ALSPAC cohort, 2018




TL;DR:
Es besteht eine Korrelation zwischen Armut und niedriger Intelligenz.
Neurowissenschaftliche Belege für die Ursache gibt es noch nicht, aber es wurden Theorien aufgestellt, die Familien aus ärmeren Verhältnissen dabei helfen könnten, diese 'negative' Gehirnentwicklung bei ihren Kindern zu umgehen.

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Wow richtig guter Beitrag!
War echt super zu lesen!

Echt interessant zu lesen, und gut recherchiert und v.a. auch gut beschrieben, dass es nicht so einfach ist, herauszufinden, was jetzt genau die entscheidenden Faktoren sind.

Darf ich ein bisschen Wissenschaftskritik machen?
Bei den Graphen die du zeigst, korrelieren die language skills ja noch ganz gut mit dem SES, das lass ich gelten. Aber die Korrelation bei den anderen schaut ja schon deutlich schwächer aus, v.a. bei "short-term-memory" und "cognitive control" ist das ja eigentlich nur mehr reines noise ohne Korrelation. Dass sich die da überhaupt noch Linien einzeichnen trauen, finde ich schon recht dreist ;-) Wird das in der Publikation wenigsten entsprechend diskutiert?
Oder sagen sie tatsächlich, dass sie da auch einen Zusammenhang gefunden haben?

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Wird das in der Publikation wenigsten entsprechend diskutiert?

nö!

Oder sagen sie tatsächlich, dass sie da auch einen Zusammenhang gefunden haben?

jop!

Die Grafik wurde für das Magazin erstellt und soll ja nur die Ergebnisse vereinfacht darstellen. Ich bezweifle stark, dass sie die tatsächliche Interpolation der Resultate widerspiegelt, da gehören sonst nämlich mehr Datenpunkte hin und im Normalfall würde da auch nur eine Funktion höheren Grades entstehen. Aber wie gesagt, für den Leser wurden die Ergebnisse anschaulich dargestellt.
Wie die Daten wirklich ausschauen, kann ich jetzt aber nicht genau sagen, da ich zu diesem Teil der Studie doch nichts finde.

Ich habe die Grafik entfernt, sieht jetzt alles ein büschen trockener aus, aber mein Gott. Ich bin sowieso kein Freund davon, Abbildungen/Fotos von anderen Personen zu benutzen.

Ich könnte stattdessen theoretisch die Daten bzgl des Zusammenhangs zwischen SES und der kortikalen Oberfläche und Dicke interpolieren aber mir ist es jetzt um ehrlich zu sein zu viel Aufwand bei so vielen Daten.

Ich bin dir echt dankbar für die Unterstützung sco :)

In der Persönlichkeitspsychologie ist man sich recht einig darüber, dass epigenetische Faktoren einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Intelligenzentwicklung haben - gerade auch wenn man sich Aspekte wie Neuroplastizität anschaut.
Ist daher nur logisch, dass schlechte sozioökonomische Konditionen auch eher negativ mit der Intelligenzentwicklung korrelieren. Schöne Übersicht :)

PS: Bist du sicher, dass der eingefügte Graph bezüglich Copyright ok ist? SteemSTEM reagiert da mittlerweile recht empfindlich ;)

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Danke!

Falls das wirklich ein Problem sein sollte (Im looking at you @de-stem), immerhin habe ich für das Bild ja keine Erlaubnis vom Ersteller sondern einfach dem scientific american Magazin entnommen, kann ich, wenn ich dann wieder zuhause bin, das selber modellieren oder von mir aus auch löschen und das nur verlinken ^^

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kann ich, wenn ich dann wieder zuhause bin, das selber modellieren oder von mir aus auch löschen und das nur verlinken

wäre in der Tat besser, da auch wissenschaftliche journals in der Regel copyright geschützt sind, v.a. zu kommerziellen Zwecken (wie steemit).

Eine Verbindung zwischen Armut und geringer Intelligenz herzustellen, auf eine weise, dass die Armut die geringe Intelligenz herbeiführt und nicht umgekehrt ist auf jeden Fall interessant.
Erinnert ein wenig an die "broken Window" Theorie, nach der eine assoziale Umgebung assoziales Verhalten bestärkt.

Als Investor in Kryptowährungen kenn ich das Gefühl manchmal "Fiatpleite" zu sein, hoffentlich werde ich jetzt nicht auch noch blöd :D

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hahaha wie du diese zwei dinge miteinander vergleichst, finde ich lustig;
so quasi auf die Art: Armut muss verhindert werden, sonst führt es zu noch mehr Armut? :D

Super Artikel und tolle Zusammenfassung wichtiger Studien.

Kann dem auch so zustimmen. Das Problem ist so gesehen nicht die Armut, sondern die ganzen Begleitumstände, die sich negativ auswirken können.

Das passt auch ziemlich gut zum Grundgedanken der Resilienz, was beschreibt, warum bestimmte Menschen - trotz der schlechtesten Ausgangsbedingungen - ihr Leben erfolgreicher meistern als andere (Habe ich in meiner aktuellen Serie im ersten Teil grob beschrieben).

Sehr spannendes Thema!
Was meiner Meinung nach auf jeden Fall zutrifft, ist, dass in den niedrigeren Schichten "mehr" dumme Menschen gibt. Das hängt glaube ich viel mit dem Milieu zusammen - man wird da hineingeboren und das gesamte Umfeld bewegt sich auf einem ähnlichen Intelligenzlevel.
Ich denke, man braucht Menschen, die einem schon von klein auf zeigen, wie weit man sich intellektuell entwickeln könnte. (=Vorbilder) Ohne diese Vorbilder besteht aber oft garkein bestreben, "mehr aus sich" zu machen. Ergo, das "Lernen" verliert an Wichtigkeit und man ist sich dem "Sinn" von Intelligenz gar nicht so bewusst.

Natürlich gibt es aber auch genügend sehr intelligente Menschen, denen es leider oft an der Möglichkeit fehlt, aus diesem Sumpf der Armut zu entkommen.
Ohne die finanziellen Mittel ist es manchmal fast unmöglich aus seinem Milieu auszubrechen, um nach größerem zu streben.

Wäre interessant, sich mal darüber Gedanken zu machen, wie man speziell auf diesem Gebiet "helfen" könnte, um dieses Problem zu lösen.

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Seh ich auch so, danke für den Input Melvin!

Interessant wäre eine Zwillingsstudie durchzuführen.

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Auf jeden Fall!

Danke für diesen recht Interessanten Artikel, kommt man schon ins Grübeln wenn man diese zusammenhänge mal durchdenkt.

Sehr schöne wissenschaftliche Bearbeitung des Themas! :)
Forschung ist wichtig. Und dass über Forschungsergebnisse gesprochen wird. Auch wenn die Ergebnisse im ersten Moment unerfreulich erscheinen, können sie uns helfen.
Grüße :)

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In der Tat. :)

Vielen Dank fürs Lesen!

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Würd mich freuen wenn du bei mir auch mal vorbei schaust ;)
Grüße

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Selten hab ich so einen Scheiß gelesen! :)

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Dann lies dir mal deinen geistreichen Kommentar durch...

Zumindest ist meine Scheiße aber fundiert :)

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Fundierte Scheiße - ja! :)

Interessanter Artikel wo Arbeit drin steckt,merkt man.Danke fürs teilen.
Ich reibe mich bzgl. der Thematik und Studien im Allgemeinen an der direkten Übertragbarkeit.
(Über welchen zeitlichen Zeitraum wurden die Studien durchgeführt,
Zwillingsstudien,Blindstudien etc.)
Wie hier bereits erwähnt ist allein die Definition von Intelligenz nicht allgemeingültig und eindeutig.So gilt jedes Individuum bereits als intelligent welches selbstständig überleben kann und fähig ist auf Veränderunden der Umwelt zu reagieren um sich weiterentwicklen zu können.Natürlich sind die Voraussetzungen in ärmeren Schichten im Allgemeinen für die Persönlichkeitentwicklung weniger ausreichend.Die gute Nachricht ist ja das der Mensch sein Leben lang lernt und nicht "dumm" bleiben muss.

Richtig interessanter Beitrag.

Allerdings finde ich die Bewertung von Intelligenz relativ heikel.

Intelligenz ist ja ein sehr abstraktes Konstrukt dessen Definition sich zwangsläufig von Individuum zu Individuum unterscheidet.
Die Definition, was ist Intelligenz, ergibt sich durch die Methode der Messung, sprich die Messmethode IST die Definition der durch die Methode ausgewiesenen Intelligenz. Demnach gibt es auch so viele "verschiedene" Intelligenzen wie es unterschiedliche Messmethoden gibt.
Nun ist das Wort Intelligenz aber sehr stark in unseren alltäglichen Sprachgebrauch integriert. Die Vorstellung jedes Einzelnen davon, was Intelligenz ist, muss sich zwangsläufig unterscheiden und kann sich nicht mit einer einzelnen Messmethode decken. Aus diesem Grund gibt es wohl auch viele Vorbehalte gegenüber dem Gleichsetzen von IQ und Intelligenz. Wir spüren quasi, dass die Messmethode zu wenig oder andere Einflussfaktoren berücksichtigt , so dass sich diese "Definition" von Intelligenz nicht mit unserer eigenen Vorstellung davon deckt. Das Ausweichen auf mehrdimensionelle Modelle oder anderst gesagt, der Einbezug von noch mehr Einflussfaktoren in die Messmethode, mag für manche eine Linderung unserer Vorbehalte gegenüber dem IQ bringen, jedoch wissen wir aber eigentlich schon jetzt, dass auch neuere Messmethoden mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht der Komplexität unserer Vorstellung von Intelligenz gerecht werden wird.
Je mehr Einflussfaktoren wir in die Messung von Intelligenz aufnehmen, desto Chaotischer kann sich dieses "Konstrukt" verhalten und desto umfassender und komplexer müsste auch die Anleitung zur Interpretation des "Messergebnisses" gestaltet werden. Dies führt dazu, dass wir irgendwann zwar extrem komplexe Messmethoden haben werden, die Interpretation aber ebenso schwammig und komplex ist, dass aussagekräftige Studien für das selbe Mass an relevanter Aussagekraft tendenziell immer aufwändiger und umfangreicher werden müssen.

Die Nutzung des Wortes Intelligenz in wissenschaftlichen Abhandlungen finde ich aus diesem Grund gelinde gesagt heikel. Es müsste meiner Meinung nach viel stärker hervorgehoben werden, mit welcher oder welchen Definitionen von Intelligenz gearbeitet wurde, so dass Vergleiche überhaupt erst möglich werden.
Kurz gesagt wird es wahrscheinlich nie eine Definition von Intelligenz geben, die sich mit unserrer individuellen Vorstellung davon deckt. Aus diesem Grund sollte der Begriff in der Wissenschaft gar nicht erst genutzt werden.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die Korrelation zwischen Armut und Intelligenz auch daher kommt, dass wir diejenigen Eigenschaften einer höheren Intelligenz zuschreiben, welche vornehmlich zu einer höheren ökonomischen Leistungsfähigkeit führen. Intelligenz währe demnach eine Ableitung der Messung ökonomischen Erfolges und müsste deshalb konstruktionsbedingt mit ökonomischem Erfolg korrelieren. Aus der Korrelation Kausalität abzuleiten ist schon heikel, aus Ihr auch noch die Richtung der Kausalität ableiten zu wollen ist demanch noch heikler.

Interessant wäre auch eine Untersuchung, ob die beobachteten Unterschiedlichen Entwicklungen innerhalb des SES aus evolutionstheoretischer Sicht zu einem Vorteil oder Nachteil führen. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass in einer von starkem Konkurrenzdruck geprägten Umgebung eine einfachere dafür schnellere (in Relation) Sprachverarbeitung und verminderte Impulskontrolle durchaus vorteilhaft sein könnten.

Das Überführen solcher Ergebnisse in Programme zur Intervention und Prävention (Die RICHTIGE Kinderpflege) finde ich dahingehend heikel, da damit das Stigma richtig/gut/intelligent = maximale ökonomische Leistungsfähigkeit gefestigt wird.
Eventuell sollten wir uns besser dahingehend hinterfragen, ob dies tatsächlich zu einem Mehrwert für die "Allgemeinheit" führt oder ob dies hauptsächlich den ökonomisch Leistungsfähigsten zugute kommt. (Mitunter eben jene welche wissenschaftliche Untersuchungen vornehmen) Überspitzt gesagt belegen die Intelligenten damit, dass die Intelligenteren intelligenter sind und mit dem RICHTIGEN Verhalten, alle so GUT oder zumintest BESSER werden.
Ich persönlich würde ja eher das als gut, richtig oder besser benennen, was möglichst viele, möglichst nachhaltig, glücklich und zufrieden macht. Ob da Intelligenz und ökonomische Leistungsfähigkeit das Mass der Dinge darstellt, könnte man ja mal untersuchen :-)

dass Schüler aus dem oberen Viertel der sozialen Schicht besser abschneiden als Schüler aus dem unteren Viertel.

Kein Wunder, man kann sich dann auch Haus- und Nachhilfelehrer leisten.

Armut macht anscheinend dumm

Sehe ich anders:

  • Dumme bleiben oder werden arm.
  • Unbildete sind durch Bildung "heilbar".
  • Bildung kann Freiheit, Mündigkeit und Wohlstand bedeuten, wenn man will und die Umwelt duldsam ist.

Weil Viele hier fehlen: Dummheit und Unbildung sind keine Synonyme.
Bildung bedeutet, daß man sich Bilder machen kann.
Dummheit ist der Mangel an Bildung und Lehrnvermögen.

Kinder die in Armut leben ernähren sich oft ungesünder

Kinder die in Armut leben werden oft ungesünder ernährt.

Wichtig ist es, stets Positivität dem Kind gegenüber auszustrahlen...

Also die Kinder belügen. Ich behaupte mal, daß nur dumme Kinder dieses nicht durchschauen werden. Ich sehe solches im Bezuge zu George Orwell als schwierig.

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Kinder von dummen oder klugen Leuten, können kluge oder Menschen sein.

Kinder von dummen oder klugen Menschen, können kluge oder dumme Menschen sein.

Und finanzielle Probleme sind ebenfallskein Synonym für Dummheit --> Lernvermögen schreibt man ohne h. Und meine Kinder ernähren wir gesund, weil dies auch günstig geht ohne Nestle und Fix und Fertig... das ist ein Mangel an Zeit zum Kochen und die massive Werbung für leichtgläubige Massen, die diese "Friss-dich-schnell-voll"-Mentalität fördert und ging einher mit dem Zerfall der Familien...

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Hallo @sabrinaswelt,

Lernvermögen schreibt man ohne h.

Huch, hast recht, wie konnte das denn mir geschehen dieses mit "h" zu schreiben? - Zu spät, unabänderbar.

Also, weil du deinen Kommentar noch ändern kannst, möchte ich dir raten, bevor ich darauf eingehe, diesen nochmal zu bedenken. Denn dein Kommentar ist schließlich auch noch mit Mängeln behaftet.

Beste Grüße

Hi, toller Artikel!

hier ein kleiner Tippfehler

zwischen mangelnde Intelligenz
mangelnder

Der Übersichtlichkeit halber würde ich den Part bei "Amygdala" mit verschiedenen Klammern einklammern([]).

Weiter so :)

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tatsächlich, danke :) beides umgeändert