Quatsch auf youtube (TRIGGER WARNING: HITLER!)

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Ich schaute letztens das folgende Video über Okkultismus und der NS-Ideologie:

Es ist eine ganz gute Doku mit interessanten Infos. Jedenfalls bin ich ja ein dreckiger Lauch, der seine Zeit lieber damit verschwendet youtube Kommentare zu lesen, statt liften zu gehen oder sonst etwas sinnvolles zu tun.

Auffällig ist, wieviele Leute sich darüber beschwert haben, dass es sich bei den Experten in der Doku nicht um Deutsche handele oder um Zeitzeugen (man beachte auch die likes).

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Geschichte ist eine weiche Wissenschaft. Es gibt kein formales System hinter Historie, es gibt keine Zufallsexperimente bzw wiederholbare Tests. Das heißt man kann sich niemals sicher sein alle relevanten Fakten über ein historisches Thema zu kennen. Man kann sich niemals mathematisch begründet sicher sein, dass eine Hypothese vermutlich nicht unwahr ist.

Das heißt unser historisches Wissen ist abhängig von den bekannten Fakten und der Interpretation derjenigen, die diese Fakten durchgesehen haben. Sprich, nicht nur ist das faktische Wissen möglicherweise unvollständig, es ist auch noch gefärbt durch eine Voreingenommenheit (bias).

Das ist der Grund, warum man keine deutschen Historiker dazu befragen sollte. Es ist zu vermuten, dass ein deutscher Historiker eher voreingenommen ist als ein Historiker aus einem Land, das nicht so stark oder am besten garnicht involviert war.

Die Amis haben zwar im Krieg gekämpft, allerdings haben die Amis, gemessen am Ausmaß des Krieges, recht wenige Soldaten verloren und allgemein haben die Amerikaner nicht unter dem Naziregime gelitten, anders als beispielsweise Franzosen oder Niederländer durch die Besatzung, die Engländer durch Bombardierung ihrer Städte oder die Russen durch dreckig geführten Krieg.

Von allen größeren Kriegsparteien in Europa sind die Amis die Einzigen, die wenig Grund haben auf die Deutschen zornig zu sein. Ergo bieten sich US-Historiker besonders gut an, um über das 3. Reich zu reden.

Natürlich heißt das nicht, dass es keine objektiven, europäischen Historiker geben kann. Der 2. WK und der Holocaust sind recht gut aufgearbeitet worden. Das ist aber eine Ausnahme. Würdet ihr eher einem amerikanischen, einem türkischen oder einem armenischen Historiker trauen, wenn es um den Völkermord an den Armeniern durch die Osmanen geht?

Zeitzeugen sind auch sehr schlecht geeignet, um herauszufinden, was tatsächlich passiert ist. Erinnerungen verschwimmen schnell und unser Verstand bastelt die sich dann zurecht. Deswegen reichen Zeugenaussagen vor Gericht auch nicht aus. Man benötigt weitere Belege, um jemanden zu verurteilen.

Das heißt selbst wenn Zeugen denken sie würden die Wahrheit sagen, ist es vermutlich trotzdem Unsinn. Aber gerade bei dem Thema 3. Reich, Krieg und ähnliches kommen auch noch moralische und politische Überzeugungen dazu.

Nehmen wir als Beispiel meinen Opa. Der hat damals an der Ostfront gekämpft, hat aber nie darüber geredet, was er im Krieg erlebt hat.

  • Wollte er nicht an die Brutalität des Krieges erinnert werden?
  • Hat er geschwiegen, weil seine Kameraden Verbrechen begangen haben und er hat sich für sie geschämt? Wollte er nicht als Verräter dastehen?
  • Hat er geschwiegen, weil er selber Kriegsverbrechen begangen hat?
  • Wie war seine Haltung zum Regime? War er Anhänger des Regimes und schämte sich im Nachhinein dafür?
  • Hat er sich nicht zu dem Thema geäußert, weil er Repressalien fürchtete? Die Nazis haben auch nach dem Krieg Regimekritiker eingeschüchtert.
  • Hat er sich im Allgemeinen für das 3. Reich geschämt?

Selbst wenn mein Opa am Ende darüber gesprochen hätte wären seine Aussagen (abgesehen davon, dass seine Erinnerungen verschwommen gewesen wären) vermutlich stark emotional belastet gewesen. Und damit unbrauchbar aus Sicht der Geschichtserzählung.

Nehmen wir an jemand sagt im 3. Reich wusste jeder, was mit den Juden passierte. Es könnte eine tatsächlich gute Einschätzung der Lage im Land gewesen sein oder aber derjenige ist sauer, weil ein Freund ins KZ gebracht wurde. Oder derjenige will die Verantwortung von sich selbst abweisen. Oder derjenige hat vielleicht sogar Schuldgefühle und hat das Gefühl Verantwortung für die Schandtaten des Regimes übernehmen zu müssen. Oder derjenige hatte irgendwie fernen Kontakt zu einem KZ, wusste was da abgeht und projeziert nun, nach dem Motto, "weil ich es wusste muss es Ute auf dem Bauernhof 300km entfernt auch gewusst haben".

Historiker können voreingenommen sein, vor allem wenn die Geschehnisse moralisch aufgeladen sind und sie selbst direkt oder indirekt betroffen sind und Zeitzeugen sind in den meisten Fällen unbrauchbar.

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Sehr gut erklärt warum man die Forderungen der Geschichtsrevisionisten auf keinen Fall eingehen soll. Sie wissen ganz genau, dass solche Forderungen in ihre eigene Geschichtsschreibung zuspielt.

Servus,

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Danke, @austroboost
Wenn man Sex mit dir haben könnte wärst du vor mir nicht sicher ;-)