Der Hund - Teil 1/2

in #deutsch8 years ago




Wenn man nach der Häufigkeit in Haushalten geht, dann ist der Hund das beliebteste Haustier nach der Katze in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Aber nicht nur bei uns genießt der Hund als treuer Gefährte einen guten Ruf - weltweit weiß man seine bedingungslose Loyalität und die Bereitschaft sich in einem sozialen Umfeld z.B. durch Arbeit, zu integrieren wertzuschätzen.  

Ich werde diesen Artikel wieder aufteilen. Im ersten Teil geht es um die Abstammung des Hundes, bis zu seiner „Haustierwerdung“. Und im zweiten Teil werde ich über das Leben des Hundes bzw. über die Beziehungen zwischen Mensch und Hund schreiben.   

Abstammung des Haushundes


Früher gingen Wissenschaftler davon aus, dass der Hund von Hyänen oder Kojoten abstammen könnte. Dank moderner DNA-Tests, wurden diese Vermutungen später allerdings widerlegt. Vielmehr ist inzwischen wissenschaftlich gesichert, dass der heutige Haushund, einzig und alleine vom Wolf (genauer vom Grauwolf) abstammt. Hunde sind Wirbeltiere und gehören zur Klasse der Säugetiere. 

Säugetiere werden untergliedert, zum Beispiel in: Kloakentiere, Nagetiere, Raubtiere und Beuteltiere. Als Raubtiere wird die Familie der Hunde in Gattungen unterteilt. Zu diesen Gattungen gehören: Steppenfüchse, Löffelhunde, Mähnenwölfe, Rothunde, Afrikanische Wildhunde sowie Wolfs- und Schakalartike. Unser heutiger Haushund gehört zur Gattung der Wolfs-und Schakalartigen (Canis) 

Die Wolfs- und Schakalartigen lassen sich wiederum in verschiedene Arten aufteilen: Schakale, Wölfe und Kojoten. Zu der Art Wolf (Canis lupus) gehört der Haushund.  

[1] 



Unterschiede zwischen Wolf und Hund


Wenn man sich mal den Chihuahua anschaut, wird man wohl kaum noch den Wolf als seinen Urahn vermuten. So unglaublich wie es ist, er ist es aber auch bei ihm. Trotzdem gibt es viele Unterschiede zwischen beiden Arten. 

Die morphologischen Unterschiede:        

Ohren   

Der Hund hat z.B.: Kippohren, Stehohren, Rosenohren, Schlappohren oder Stehohren                                              Der Wolf hat im Normalfall immer Stehohren     

Rute   

Die Trageform beim Hund kann sein: eingerollt, senkrecht nach oben, hängend oder waagerecht.                       Die Trageform beim Wolf: leicht gesenkt bis waagerecht.     

Fell   

Beim Hund gibt es folgende Möglichkeiten: Rauhaar, Stockhaar, weiches Haar, langes Haar oder gar kein Haar. Der Wolf hat Stockhaar.    

 Arten   

Inzwischen gibt es weitaus mehr als 400 verschiedene, offiziell anerkannte Hunderassen, so wie unzählige Unterrassen.                                                                                                                                                                                 Beim Wolf kennt man etwas über 20 Unterarten, von denen bisher schon zwei ausgestorben sind.      

Neben den Unterschieden des äußeren Erscheinungsbildes (Morphologie) gibt es auch zahlreiche 

anatomische Unterschiede

  

Diese können z.B. sein: Wolf und Hund haben unterschiedlich geformte Unterkiefer und verschiedene Augenhöhlenwinkel. 

Die Gebissstellung des Wolfes nennt man Zangengebiss (das heißt, die Schneidezähne des Ober- und des Unterkiefer treffen exakt aufeinander) während Hunde oftmals ein Hechtgebiss (Vorbiss), Karpfengebiss (Überbiss) oder ein Scherengebiss haben. 

Wölfe haben eine Violdrüse an der Rute, Hunde meistens nicht. Bis heute ist nicht 100%ig, wissenschaftlich gesichert, welche genaue biologische Funktion die Violdrüse hat.

 Auch im Sexualverhalten findet man Unterschiede 


Z.B. werden kleine Hunde mit ca. 6 Monaten, mittelgroße Hunde mit ca. 8 – 9 Monaten und große Hundearten mit ca. 9 – 12 Monaten geschlechtsreif, während die Wolfsjungen sich bis zum 22. Lebensmonat Zeit lassen um geschlechtsreif zu werden.  

Bei Wölfen in freier Wildbahn gibt es keine Inzucht, bei Haushunden sieht es da leider schon anders aus, da oftmals der Mensch, den potenziellen Sexualpartner vorgibt (leider schon selbst mitbekommen), oder schlichtweg mangelnder Möglichkeiten.  

Weibliche Wölfe (Fähen) haben einen monoöstrischen Sexualzyklus und werden nur einmal pro Jahr paarungswillig. Da weibliche Hunde aber einen diöstrischen Sexualzyklus haben, können sich Ihre Sexualpartner dagegen zweimal im Jahr glücklich schätzen.  

Kommunikation 


Wölfe kommunizieren anhand von über 60 verschiedenen Gesichtsausdrücken und über ihre Körpersprache, dafür bellen sie so gut wie nie. 

Im Laufe seiner Domestikation hat der Hund einen Großteil seiner Mimik verloren, aber unterschiedliche Laute und verschiedene Arten zu Bellen entwickelt, um mit Artgenossen oder Menschen zu kommunizieren.    

Auch das Leben in einem sozialen Umfeld ist recht unterschiedlich. Der Hund lebt im Regelfall mit seinen Menschen zusammen (vorausgesetzt er ist ein Haushund), während Wölfe meist in größeren Rudeln leben.  [2,3]

 Trotz der ganzen Unterschiede zwischen Wolf und Hund, haben sie aber auch noch viele 

Gemeinsamkeiten


Um nur Einige aufzuzählen: 

- beide Arten jagen ihre Beute. Für Hunde ist es meist nur eine Art Spiel, in dem es auch zu Bissverletzungen kommen kann, der Wolf tötet sie jedoch gezielt 

- beide Arten sind extreme Verteidiger ihres Territoriums. Jedoch warnen sie vorher wenn ein Rudel-Fremder in die Nähe dessen kommt - Beide Arten machen eine Sozialisierungsphase durch 

- auch das Markieren ihres Reviers über das gezielte Absetzen von Urin und Kot ist gleich - was für uns Menschen meist auf Unverständnis stößt ist, dass sich der Hund ebenso wie der Wolf, in unangenehm riechende Substanzen wälzt (Parfümieren

- Hund und Wolf können sich untereinander paaren 

- das Drehen im Kreis bevor sie sich auf ihren Schlafplatz legen ist gleich 

- und natürlich ihr ausgeprägter Geruchs- und Gehörsinn sind identisch 

-desweiteren haben Beide, 42 Zähne und 13 Rippenpaare 

- und noch vieles mehr  

[2,4] 



Der Weg vom Wolf zum Hund


Bis heute ist es leider noch nicht geklärt, wie sich genau der Wolf zum Hund entwickelt hat. Man geht davon aus, dass die Domestikation ihren Ursprung im mittleren Osten hat, oder in Ostasien. Es gibt verschiedene Studien darüber, wann der Wolf begann, sich dem Menschen anzuschließen. Verschiedene Wissenschaftler schwanken zwischen 10.000 – 100.000 Jahren vor unserer Zeit. 

Die ältesten Knochenfunde die Anzeichen hatten, dass der Wolf sich zum Hund entwickelt, waren schwer einzuschätzen. Die phänotypischen Ähnlichkeiten zum Wolf waren zu Beginn der Domestizierung noch zu groß, um die ca. 40.000 Jahre alten Fossilen Funde, anhand ihrer anatomischen Merkmale sicher beurteilen zu können. 

Im Jahre 1975 fand man einen fossilen Wolfsschädel mit Merkmalen die dem heutigen Haushund gleichen. 38 Jahre später, nahm man von diesem Schädel DNA - Proben und untersuchte sie. Es kam heraus, dass der ca. 33.000 Jahre alte Wolfsschädel mehr Ähnlichkeit mit einem Hund als einem Wolf hat. 

Eine Forschergruppe um Erik Axelsson von der Universität Uppsala, untersuchte das Erbgut von Haushund und Wolf, um mögliche Unterschiede zu finden. Diese fanden sie unter anderem in den Genen, die die Gehirnfunktion steuern und das könnte sich auch auf das Verhalten der Tiere uns Menschen gegenüber auswirken. Desweiteren fand sie genetische Veränderungen die dazu führen, dass der Hund stärkehaltige Lebensmittel besser verwerten kann.  

Als die Menschen sesshaft wurden und mit dem Ackerbau begannen, fingen sie auch damit an mehr Getreideprodukte zu essen. Wölfe die in der Nähe der Menschen lebten, könnten sich die zusätzliche Nahrungsquelle zu Nutze gemacht haben und sich aus den Abfällen menschlicher Siedlungen ernährt haben. Das würde wiederum bedeuten, dass es schon bevor die ersten Versuche unternommen wurden, Wölfe zu Haustieren zu machen, es eine Art natürliche „Vorauswahl“ gab. 

[5][6] 

Wann wurde der Hund zum Haustier?


Die ersten Indizien bieten Hunde, die mit verstorbenen Menschen begraben wurden. Das alte Doppelgrab von Oberkassel, gehört mit seinen ca. 14.000 Jahren zu einem der ältesten. Das  Grab von Ushki-1 in Kamtschatka, ist ein weiterer Beleg dafür und zählt mit seinen ca. 10.000 Jahren zu den etwas jüngeren. Weiter Fundorte waren: Vlasac und Lepenski Vir am Eisernen Tor in Serbien und im Natufien des Vorderen Orients. 

Auch die ersten bäuerlichen Kulturen in Mitteleuropa hielten sich schon ca. 5500 v. CH. Hunde, wie gefunden Grabstätten zeigten. Selbst im alten Ägypten, wurden neben Katzen auch Hunde mumifiziert. 

[6]   


Wer sich für das Thema Wolf interessiert, kann sich gerne meine beiden Artikel: 

Der Wolf – Seine Rückkehr Fluch oder Segen? Teil 1/2 

Der Wolf – Seine Rückkehr Fluch oder Segen? Teil 2/2 durchlesen.    


Teil 2/2 zum Thema Hund findet Ihr hier: is coming soon               


Quellenverzeichnis:   

[1] http://www.cell.com/current-biology/fulltext/S0960-9822(15)00787-3 

[2] „Hunde“ von David Alderon ISBN: 978-1-4454-8221-7 

[3] „Der Tierheimleitfaden“ von Bodo Busch ISBN: 978-3-7945-2689-5 

[4] https://www.tier.tv/hund/aufzucht-und-erziehung/wolf-und-hund-haben-viel-gemeinsam  

[5] http://www.imbim.uu.se/Research/+Genomics/axelsson-erik/ 

[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Haushund#Domestizierung  

Sort:  

Schöner Artikel, beschäftige mich viel zu wenig mit Hunden
hat ewig gedauert bis ich meine verstanden habe, eigentlich erst bis der zweite dazu kam. Wenn ich mal schimpfte dann gähnte mich mein Hund demonstrativ an (ich dachte immer damit untergraben sie Autorität), die kleine war noch demonstrativer. Dabei heißt es wohl nur, dass sie "verstanden" haben und die Situation beschwichtigen wollen.

Sind Bären nicht auch mit Hunden verwandt?

Hallo @lauch3d,
meines Wissens ist das "Gähnen" ein Übersprungverhalten, was bedeutet, dass der Hund eben NICHT versteht was du sagst und in dieser Situation einfach ein unnatürliches Verhalten an den Tag legt.

Laut der Taxanomie des Hundes ist es so:

Ordnung = Raubtiere

Unterordnung = Landraubtiere

Überfamilie = da gibt es die Marder- und Bärenartigen/ die Schleichkatzen, Hyänen und Katzenartige / und die Hundeartigen

Aus den Hundeartigen entwickelt sich dann die Familie der Hunde (Canidae).
Wie es bei dem Bären ab der Überfamilie weiter geht, kann ich dir gerade nicht sagen.

LG

Und natürlich vielen Dank für Dein Feedback

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