Wer ist näher mit dem Neandertaler verwandt – der Drachenmensch oder der Homo Sapiens?

Der „Homo longi“ (Drachenmensch) könnte näher mit dem Neandertaler verwandt sein als der „Homo Sapiens“. Zu diesem Ergebnis müsste man eigentlich kommen, wenn man sich das Ergebnis der Analyse eines fast perfekt erhaltenen und auffallend großen Frühmenschenschädels ansieht. In drei Fachartikeln, welche im Fachjournal „The Innovation“ veröffentlicht wurden, berichtet Professor Quian Ji davon, dass der Schädel bereits in den 1930er Jahren in der chinesischen Provinz Heilongjiang, in der Stadt Harbin entdeckt wurde. Er befindet sich nunmehr im Geowissenschaftlichen Museum der Hebei GEO University.

Professor Quian Ji spricht davon, dass das Harbin-Fossil eines der vollständigsten menschlichen Schädelfossilien der Welt ist. Es hat zahlreiche morphologische Details bewahrt, welche für das Verständnis der Evolution der Gattung „Homo“ und des Ursprungs „Homo Sapiens“ entscheidend sind. Das Fossil ist in der Lage unser Verständnis für die Evolution, nachhaltig zu ändern. „Homo longi“ setzt sich übrigens aus den Wörtern „Homo“ (Mensch) und dem Epitheton „longi“ zusammen, welcher auf „Long Jiang“ hinweist. „Long Jiang“ (Drachenfluss) verweist wiederum auf den regional üblichen Namen der Provinz Heilongjiang, in welcher sich der Fundort des Schädels befindet.

Aus den Artikeln geht hervor, dass der riesige Schädel in der Lage war ein Gehirn aufzunehmen, welches mit der Größe eines modernen Menschen vergleichbar war. Die Augenhöhlen waren viel größer und beinahe quadratisch. Die Augenbrauen waren extrem dick und der „Homo longi“ hatte einen sehr breiten Mund, sowie übergroße Zähne.

Die Wissenschaftler*innen sind sich sicher, dass der Schädel von einem 50 Jahre alten Individuum stammt. Das ist schon sehr erstaunlich wenn man bedenkt, dass die durchschnittliche Lebenserwartung von Menschen, welche im Jahr 1900 geboren wurden, bei den Männern 40,6 Jahre und bei den Frauen 43,4 Jahre betrug.

Der Mitautor Xijun Ni, Professor für Primatologie und Paläoanthropologie an der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und der Hebei GEO University ist sich sicher, dass der Drachenmensch, genau wie der „Homo Sapiens“ Säugetiere und Vögel jagte, Obst und Gemüse sammelte und wahrscheinlich auch Fischfang betrieb.

Die Forscher sind einer Meinung, dass das „Harbin-Individuum“ auffällig groß war und auch der Fundort lässt vermuten, dass der „Homo longi“ an eine raue Umgebung angepasst war, sodass er sich wohl im gesamten asiatischen Raum ausbreitete.

Die geochemischen Analysen deuten darauf hin, dass das gefundene Fossil ca. 146.000 Jahre alt ist. Es würde damit in das mittlere Pleistozän hineinfallen. Dieses gilt als sehr dynamische Ära der menschlichen Migration. Für die Forscher ist es gut vorstellbar, dass sich der „Homo longi“ und der „Homo sapiens“ begegnet haben könnten.

Der „Homo longi“ ist einer unserer engsten Verwandten der Homininen. Er ist noch enger mit uns verwandt als der Neandertaler. Es wird angenommen, dass der Neandertaler zu einer ausgestorbenen Linie gehört, welche der nächste Verwandte unserer eigenen Art ist.

Die Entdeckung legt nahe, dass die neue Linie, welche nunmehr identifiziert wurde, zu jener der „Homo longi“ gehört, welche die eigentliche Schwestergruppe des „Homo sapiens“ ist.

Die nun vorgelegte Rekonstruktion des menschlichen Lebensbaums scheint darauf hinzuweisen, dass der gemeinsame Vorfahre, welchen wir mit den Neandertalern teilen, noch viel weiter zurückliegt.

Der Fund des Harbin-Schädels liefert uns zahlreiche Ansätze, welche uns helfen, die Homo-Diversität und die evolutionären Beziehungen zwischen den verschiedenen Homo-Arten und Homo-Populationen zu verstehen. Wir haben mit diesem Fund, unsere für lange Zeit verlorene Schwester-Abstammungslinie gefunden.

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