Wann wird der Atommüll auf Runit Island den Pazifik verseuchen?

Entspricht dieser Anblick in Wahrheit nicht unserer Vorstellung vom Paradies? Ein Blick aus der Vogelperspektive auf Runit Island, welche eine von 40 Inseln des Eniwetok-Atolls ist und zum pazifischen Inselstaat der Marshallinseln gehört, zeigt uns ein türkisfarbenes Meer und weißen Sand. Es könnte hier alles so schön sein, wenn die USA nicht seit den 1970er Jahren, ihren Atommüll in einem Bunker auf Runit Island verstecken würde.

In diesem Bunker befinden sich ca. 85.000 Kubikmeter radioaktiver Abfall und dazu gehört auch Plutonium -239, eine der wohl giftigsten Substanzen unseres Planeten. Der Müll wurde einfach auf dem Boden der Insel hinterlassen und mit einem Betondeckel, welcher lächerliche 50 cm dick ist, zugedeckt. Aus der Vogelperspektive entspricht dieser Anblick unseren Vorstellungen eines UFOs, welches mitten im Paradies gelandet ist.

Warum gibt es auf dieser Insel eigentlich eine derartige hohe Menge an radioaktivem Abfall?

Die USA haben sich einst im kalten Krieg, welcher kurz nach dem 2. Weltkrieg stattfand, ordentlich ausgetobt und in den Jahren 1946 – 1958, 67 Atombombentests im Pazifik durchgeführt. Die Folge daraus ist, dass nunmehr zahlreiche von 1.200 Pazifikinseln verseucht sind.

Am 1. März 1954 haben die USA dann auch einen thermonuklearen Sprengkopf über dem Bikini-Atoll detonieren lassen. Diese Wasserstoffbombe setzte eine Sprengkraft von 15 Megatonnen frei. Das ist eine nette Zahl unter welcher man sich kaum etwas vorstellen kann und deshalb sei zur Erklärung dessen wie viel oder wenig dieses sei erwähnt, dass es sich dabei um knapp mehr als die 1.000fache Sprengkraft jener Atombombe handelt, welche über Hiroshima abgeworfen wurde. Die Explosion verursachte einen 80 Meter tiefen Krater. Die Folgen dieser Explosion und ihrer radioaktiven Strahlung war für mindestens eine Generation verheerend. Unzählige Krebserkrankungen, Fehlgeburten und Missbildungen waren die Folge. Die Missbildungen und Geburtsfehler waren binnen kürzester Zeit so häufig, dass die Menschen ihnen folgende Namen gaben: Marlins, Teufel, Quallenkinder und Traubenbabys.

Zahlreiche Menschen mussten einst umgesiedelt werden und bis zum heutigen Tag sind zahlreiche Inselbewohner, auf amerikanische Importe angewiesen. Die traditionelle Ernährung der Einheimischen mit Fisch und Kokosnüssen ist nicht mehr möglich. Immer noch sind diese für den menschlichen Verzehr, aufgrund der hohen Strahlenbelastung, für den menschlichen Verzehr nicht geeignet.

Der Klimawandel bringt nun die nächste Gefahr für die zahlreichen Inselbewohner. Durch den steigenden Meeresspiegel drohen nun tief liegende Inseln wie z.B. Runit Island, von den Fluten des Pazifiks überschwemmt bzw. versenkt zu werden. Bereits jetzt offenbart der Betondeckel zahlreiche Risse und die Wahrscheinlichkeit, dass der atomare Müll in den Pazifik fließt, steigt unaufhaltsam.

Bereits im Jahr 2013 hat das US-amerikanische Energieministerium auf diese Problematik hingewiesen. Der Klimaaktivist Alson Kelen sprach bereits damals davon, dass diese Lecks nicht nur Auswirkungen auf die Marshallinseln, sondern auf den gesamten Pazifik hätten. Spätestens 2019 offenbarte der australische Senders ABC in einer Dokumentation, dass es bereits gewaltige in der Betonschale gibt.

Laut einem Artikel der „Los Angeles Times“ wollen die USA für die Betonstruktur keine Verantwortung übernehmen. Die Präsidentin der Republik der Marshallinseln, Hilde Heine, sagt zurecht: „Wie können wir für sie verantwortlich sein Wir wollen sie nicht. Wir haben sie nicht gebaut. Der Müll drinnen gehört uns nicht.“

Der Nuklearhistoriker Alex Wellerstein vom Stevens Institute of Technology in New Jersey wurde in vielen US-Medien folgendermaßen zitiert: „Es ist schwer vorstellbar, dass die USA ihre Aktionen als ausreichend betrachten würden, wenn die Rollen vertauscht wären. Es ist eine Farce, dass die reichen USA nicht den politischen Willen finden könnten, einer kleinen, armen Nation, die viel für die nationale Sicherheit der USA geopfert habe, in dieser Situation zu helfen.“

Es ist gar nicht so lange her, dass die USA geholfen haben. Bei der Entfernung eines Graffiti. Ruck zuck waren sie dafür da! Auf dem Graffiti, welches auf dem Betondeckel gesprüht wurde stand: „„Nuklearmüll. Eigentum der US-Regierung. Bitte an den Absender zurückschicken.“

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