Der Wille der Märkte

in #markt8 years ago

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Marktheorie ist manchmal eine sehr merkwürdige Angelegenheit. Ein eigentlich sehr einfacher Begriff ist für viele Menschen immer noch so abstrakt, dass sie sich keine Vorstellung davon machen können. Dies führt dann meist auf beiden Seiten zu Verwirrungen und Missverständnissen. So wurde ich neulich gefragt, was eigentlich ein "Markt" sei. Immerhin wird ja ständig davon gesprochen und "die Märkte" haben ja schon fast einen eigenen Willen, glaubten man die Mainstream-Medien ;)

Bei einer solchen Frage kommt bei mir immer sofort die marktwirtschaftliche Definition in den Sinn. Ein Markt ist das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage nach einem ökonomischen Gut! Danach kann man sich dann mit einem Grinsen in die Ecke setzen, da man solche Definitionen immer noch wie ein Mantra aufsagen kann. Doch Wissen ist etwas bei dem man nie arrogant werden sollte, gerade eben dann nicht, wenn das Gegenüber danach immer noch verwirrt ist.

In einem solchen Falle kommt dann der Laie meist in Versuchung in seinem Umfeld nach etwas vergleichbaren zu suchen und interessanterweise kommt oft die Nachfrage: "Was hat das den mit einem Supermarkt zu tun?" Wobei eine solche Frage dann den Ökonomen ein wenig verzweifelt darstellen lässt, da seine Definition doch eigentlich bereits präzise genug ist.

In der Tat gibt es auch nach der Ökonomie unterschiedliche Arten von Märkten. Der wirklich ideale Markt ist ein vollständig transparenter und vollkommender Markt. In einem solchen Markt wissen alle Marktteilnehmer stets den aktuellen Preis und sind in der Lage blitzschnell alle verfügbaren Angebote miteinander zu vergleichen. Dies ist insbesondere immer dann bei Gütern einfach, die auch wirklich gleichartig sind. Dies ist in der Praxis meist leider nicht der Fall. Den bereits das Gemüse vom Bauern zu Bauern kann eine durchaus unterschiedliche Qualität haben, die schwer sein kann zu bewerten. Und schaut man sich dann z.B. die Apple Produktpalette an, wird es noch schwieriger. Ist das aktuelle IPhone jetzt mehr oder weniger wert, wenn es rosa ist?

Alleine diese Frage in einer größeren Gruppe würde bereits zeigen, dass es extrem schwer ist aus dem Bauch heraus an einem Produkt einen Preis dran zu schreiben. Genau dies ist aber immer die Aufgabe eines Marktes, nämlich einen Preis zu ermitteln. Den erst dadurch, dass Nachfrager und Anbieter ihre Preisvorstellungen kund tun, findet man auch den tatsächlichen Wert eines Gutes.

Bleiben wir also beim Supermarkt, der ein sehr spezieller Markt ist. Der Anbieter hat eine Ausstellungsfläche, die er mit verschiedenen Produkten vollstellt und an jedem von diesem einen Preis klebt. Dieser Preis ist üblicherweise nicht zu verhandeln, sondern ist einer den er selbst festsetzt aus dem Glauben heraus, dass dieser Preis für beide Seiten fair ist. Der Kunde geht nun durch den Laden und trifft eine binär Entscheidung: Will ich! Oder: Will ich nicht! Stimmt er nämlich der Preisvorstellung des Ladenbesitzers nicht zu, kommt es nicht zu einem Kauf.

Üblicherweise wird sich dies nicht im Preis niederschlagen, sondern der Ladenbesitzer wird ein Gut dann aus dem Sortiment nehmen oder mit dem Hersteller nachverhandeln. Für den Kunden ist ein solcher Markt Mist, weil er nicht seine Preisvorstellung abgeben kann, sondern nur annehmen oder nicht annehmen kann. Für den Anbieter ist es ein Problem, da der Kunde sehr leicht substituieren kann. Die Butter ist gerade so teuer, dann kauft der Kunde halt Magarine. Und ja, es soll auch andere Supermärkte in der Nähe geben, die dann über ihre Preise mit einem konkurrieren und ist man teuerhaft zu teuer, risikiert man, dass der Kunde gar nicht mehr vorbei kommt. Entsprechend gibt es eben so oft auch "Sonderangebote", um den Kunden bei Stange zu halten ;)

Was sind also Extremformen von Märkten? Der absolute Klassiker wäre es wohl, wenn man seinen Kühlschrankhandel am Nordpol eröffnet. Man selbst ist Anbieter eines Gutes, die Bewohner und Touristen sind die Nachfrager. Die meisten würden vermutlich belustigt mit einem Kopfschüttel daran vorbei kommen. Es gibt also ein hohes Angebot und eine sehr geringe oder gar nicht existente Nachfrage. Und vermutlich wird ein solcher Markt nicht lange Bestand haben, da er definitiv kaputt ist.

Ein Beispiel für einen sehr guten Markt ist eine Börse. Die Funktionsweise von dieser ist vielen Leuten ebenfalls unklar. Das liegt daran, dass in der Presse oft auch der Börse einen "Willen" zu gesprochen wird. Dadurch entsteht der Eindruck, dass die Börse die Preise für die Güter (z.B. Wertpapiere oder Rohstoffe) vorgibt und man dann ähnlich wie in einem Supermarkt zustimmen oder ablehnen kann.

Eine Börse ist allerdings nur ein organisierter Markt in dem Nachfrager und Anbieter zusammen kommen. Beide Seiten geben dann bekannt wieviel vom Gut sie zu welchem Preis sie handeln wollen. Die Börse registriert diese Positionen und schreibt diese öffentlich auf. "Person A will 5 Einheiten Gut 1 für 100€ verkaufen". "Person B will 10 Einheiten Gut 1 für 99,5€ kaufen". Die so abgegebenen Gebote werden "Orders" (Bestellungen) genannt. Würde unser Markt nun nur aus Person A und B bestehen, würde es nicht zu einem Handel kommen. Beide Akteure haben ihre Preisvorstellungen abgegeben und kommen nicht auf einem Nenner.

Dadurch, dass nun die Order allerdings im Raum stehen, könnte einer der beiden Seiten zu dem Schluss kommen, dass das Gut vielleicht doch ein wenig mehr Wert ist und der anderen ihm so ein wenig mehr entgegeben kommen. Einer könnte also sein Angebot korrigieren, so dass es zu einer gemeinsamen Schnittmenge kommt. Geschieht dies, erfolgt ein Kauf oder Verkauf der Ware. Beim Broker würde dies über ein typisches "Piep" gezeigt werden und an dem Gut, würde der aktuelle "Preis" erscheinen, den wir dann eben auch aus den Börsentickern her bereits kennen.

Üblicherweise sind die Märkte an den Börsen allerdings wesentlich größer und die Anzahl der Akteure und das bewegte Volumen ist größer. Somit treten die Verkäufer z.B. allesamt gegeneinander in Konkurrenz. Den jeder will ja seine Güter verkaufen und ist bereit eher mit seinem Preis ein wenig weiter runter zu gehen. Ansonsten verhungert man im schlimmsten Fall eben, weil ständig neuere Orders unter dem eigenen Angebot rein kommen. Erst dieses Gezerre um den Preis erzeugt eben die Bewegung, die wir dann anschließend in den Charts sehen.

Die Börse ist ein gutes Beispiel für einen sehr transparenten und gleichgeschalteten Markt bei dem Anfrager und Nachfrager in einem fairen Wettbewerb miteinander treten können. Keine Seite hat grundsätzlich ein stärkere Position und erst durch den Wettbewerb zueinander entsteht der Preis. " Ein Markt ist das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage nach einem ökonomischen Gut". Vielleicht wird auf diese Weise ersichtlicher, wie ein "Markt" im wirtschaftlichen Sinne funktioniert.

Märkte werden gerne politisch von unterschiedlichen Seiten angegriffen. "Die Märkte" sind grundsätzlich etwas absolut böses und beuten die Menschen aus. Das ist hannebüchender Unsinn, den ein Markt ist nur ein Ort an dem Nachfrager und Anbieter zusammen treffen und ihre Vorstellungen von einem fairen Preis abgeben. Das ist erst einmal für alle Akteure nur eine Information, da niemand dazu gezwungen wird zu handeln. Eine Ausnahme dazu bieten Grunderzeugnisse des täglichen Bedarfs bei denen der Nachfrager aus der Not heraus gezwungen ist zu konsumieren. In einem solchen Fall kann es notwendig sein, dass staatlich eingegriffen wird, da der Markt sonst sich auf dauer zerstört.

Die geschichtliche Erfahrung zeigt, dass solche staatlichen Eingriffe meist aber in einer Katastrophe enden, da die eine oder andere Seite dadurch zerstört wird und die Situation dadurch noch verschlimmert. Immerhin kann ein steigender Preis ja durchaus dazu führen, dass neue Bäcker sich überlegen in den Brothandel einzusteigen. Kriege ich die Rechnung der Autowerkstatt und schaue auf den Stundenlohn, komme ich regelmäßig auch auf den Gedanken, dass es wohl ein Fehler war mit Computern zu arbeiten ;)

Die Presse hingegen schreibt über "Märkte" oft als hätten sie einen eigenen Willen oder seinen eine Institution. Das mag das Schreiben vielleicht erleichtern, ist aber semantisch absolut falsch. Den ein Markt ist höchstens der Wille aus all seiner Akteure. Das sehr oft so darüber geschrieben wird, liegt einfach daran, dass gerade große Märkte sich manches Mal sehr merkwürdig verhalten. Während es erst einen Überhang auf einer Seite gibt, bröckelt dieser schnell weg und kehrt sich ins Gegenteil um. Klar, dass so manch einer dort anfängt mit Hexenwerk zu argumentieren und an der Börse selbst der "Hexensabat" ein Begriff ist.

Aber eben auch solche Situationen bilden nur die aktuelle Marktsituation eben ab. Und dann gibt es eben noch die Analysten und Hellseher, die dann versuchen an Hand des Marktgeschehens die Zukunft vorher zu sagen. Gerade in einem leicht zu substituierenden Markt ist aber meiner Meinung nach auch das bereits im Bereich des Okkulten einzuordnen. Fast so als würden 20 Leuten an der Seite des Wochenmarktes stehen und darauf wetten, ob Oma Erna nun zur Käsetheke gehen wird oder doch zum Gemüsemann. Bereits in einem solchen Fall werden die Prognosen recht oft falsch sein ;)

Wer bereits länger mit solchen Themen befasst, wird vermutlich hier nichts neues gelernt haben. Wer bisher aber keine Vorstellung von einem Markt hatte, wird nun hoffentlich eine klarere Vorstellung davon haben. Und weniger mystisches darin sehen.

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Durch ansprechende Beispiele wieder einmal ein sehr interessanter Beitrag !
Dass es sich z.B bei einem Supermarkt um einen "Markt" handelt, ist natürlich klar dennoch ist man sich dem oftmals nicht so bewusst.

Naja, eine Tankstelle auch. Bei einigen bin ich mir nicht sicher, ob sie diese auch als Markt ansehen oder es nicht schon ein Tempel ist an dem man regelmäßig aus Pflichtbewusstsein hinpilgern muss ;)

Sehr gut und schön beschrieben was eigentlich ein markt ist. Der Wochenmarkt fehlt hier noch neben dem Supermarkt 😊 und der Marktschreier...

Cheers!

Good writing brother...
You are are always the best posting for my reading.

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