Der Smartphone-Schwindel: Wie die Handyriesen lügen

in Deutsch D-A-CH2 months ago

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Sie protzen mit klassischen Kamaramarken, aber dahinter steckt meistens nur sehr viel dünne heiße Luft.

Als Neil Armstrong im Juli 1969 den Mond betrat, waren sie alle dabei: Der schwedische Hersteller Hasselblad lieferte die Kameras. Die waren ausgestattet mit einem Objektiv von Zeiss. Und Armstrongs Schnappschüsse wurden aufgezeichnet mit einem Spezialfilm der Traditionsfirma Kodak, den die Ingenieure in Japan eigens zu diesem Zweck entwickelt hatten.

Drei Unternehmen, gegründet 1841, 1846 und 1892, deren Namen nicht erst seit dem Mondabenteuer für höchste Qualität im Bereich der Fotografie stehen. Hasselblad, Zeiss, Kodak, aber auch Leica und Sony verbinden Tradition und Innovationsfreude, sie alle stehen aber auch unter Druck, weil der Siegeszug der Smartphones mit ihren eingebauten Kameras die Umsätze bei traditionellen Fotoapparaten seit Jahren beständig schrumpfen lässt.

Langsamer Tod der Kamera

Viele Hobby- und Gelegenheitsfotografen, die früher eine Spiegelreflexkamera oder wenigstens einen Apparat im handlichen Reiseformat mit in den Urlaub oder zur Familienfeier nahmen, sind heute zufrieden mit den Bildern, die das Handy macht. Für die Kamerahersteller bedeutet das sinkende Absatzzahlen, schrumpfende Gewinne und - wie im Falle des japanischen Kodak-Konzerns - im schlimmsten Fall die Pleite. Zwischen 2010 und 2019 schrumpften die Verkaufszahlen weltweit von 121,5 Millionen Stück auf nur noch 15,2. Mit der 1919 gegründeten Firma Olympus zog gerade einer der ältesten Anbieter Konsequenzen und trennte sich vom Kamerageschäft.

Rettung aber naht genau von dort, wo die Bedrohung herkommt. Ausgerechnet Smartphoneriesen wie Huawei, der chinesische Newcomer OnePlus, die nach China verkaufte Marke Nokia und der ehemals in den USA beheimatete Hersteller Motorola schmücken sich gern mit den Markennamen der Legenden aus der Frühzeit der Fotografie. Motorola arbeitet mit Hasselblad zusammen, auch Huawei darf den Namen der Schweden, die inzwischen ebenfalls in chinesischer Hand sind, nutzen. Der Aufdruck Zeiss schmückt dagegen Sony- und Nokia-Smartphones, „Kodak“ ziert Handys der Marke Realme und Huawei ist auch mit Zeiss im Geschäft.

Strahlkraft alter Marken

Für beide Seiten ein vielversprechendes Geschäft. Gerade Neueinsteiger auf dem Smartphonemarkt wie Realme, Oppo oder Oneplus profitieren von der Strahlkraft der über Jahrzehnte eingeführten Edelmarken. Die kassieren dafür Lizenzgebühren, was nicht zwingend einschließt, dass sie wirklich einen Beitrag zum gemeinsamen Produkt liefern. So soll Hasselblad-Technologie OnePlus zwar geholfen haben, die Farberfassung zu verbessern.

Huawei entwickelte sogar jahrelang zusammen mit Leica neue Kamera-Sensoren. Aber Oppo gab Gerüchten Nahrung, demnächst werde ein Handy mit Kodak-Kamera erscheinen. Dabei baut Kodak gar keine Kameras mehr. Sensoren für die Smartphone-Knipsen liefert zumeist Sony, so etwa an Apple, Nokia und OnePlus. Im neuen Xiaomi-Handy 12 Ultra steckt dagegen die Samsung-Kamera, die der südkoreanische Konzern schon in seinem S22 verbaut hatte. Eine gemeinsame Entwicklung mit Olympus, wie es heißt.

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Tja, das mit den Kameras in Handys war der Todesstoß für ganze Marktsegmente der Foto/Video Branche. Und zwar die großen Segmente, nämlich die der Gelegenheitsknipser. Man muß auch eingestehen, das die Kameras in Handys mittlerweile ziehmlich gut sind - angesichts dessen, das sie sowieso in jedem Handy sind was jeder immer dabeihat.
So bleiben den großen Kameraherstellern - und da würde ich mal zuerst Nikon und Canon nennen, eher als Zeiss oder Hasselblad - nur noch der Markt der Profis und ehrgeizigen Hobbyisten. Die haben noch höhere Ansprüche und sind auch bereit entsprechende Preise zu bezahlen. Aber die Anzahl ist natürlich wesentlich geringer.
Kodak hat ja schon seit längerem einen Bilderbuchniedergang hingelegt. Obwohl sie die - wenn ich recht erinnere - die Digitalkamera erfunden haben, hat ihnen der Niedergang des Analogfilms den Hals gebrochen. Das haben sie einfach verpennt.
Und die Nutzung von wohlklingenden Markennamen ist allgemein weit verbreitet. Besonders die Chinesen sind da recht umtriebig. Sie haben eine Menge Marken aufgekauft, in verschiedenen Branchen. Wie zB. AEG bei Haushaltsgeräten, Grundig bei Unterhaltungselektronik, oder auch schweizer Uhrenmarken wie Invicta. Aber das wird wohl nicht ewig nutzen, denn die jüngeren Leute kennen diese Marken ja nicht mehr als Qualitätsgarant. Und die Qualität heute ist bestenfalls durchschnittlich.

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