Details zu meiner Sucht...

in #fragen4 years ago (edited)

Trauriges Gesicht - Bild

Details zu meiner Sucht


Eure Resonanz zu dem Post über meine Sucht war wirklich gigantisch. Es sind auch weitere Fragen aufgekommen, welchen ich in diesem Post nun auf den Grund gehen möchte.

Ich gehe in dem Post auf die Fragen von koalafamily ein.

Wie bist du in die Sucht "reingerutscht"

Ich habe schon immer gerne Computer gespielt. In den Herbstferien der 7. Klasse hatte ich dann ein medizinisches Problem mit meinem Knie. Daher konnte ich auch in dieser Zeit kein Sport mehr machen. Das mit dem Knie hat sich sehr lange gezogen, daher habe ich auch nach den Ferien die Schule nicht besucht. Mir hat jeder Arzt gesagt, dass mit meinem Knie alles in Ordnung ist, ich war aber fest davon überzeugt, dass das nicht stimmt.

Ich hatte Schmerzen im Knie, ob diese echt waren oder nicht konnte ich nicht sagen. Wir sind also von Arzt zu Arzt gegangen. Bis mir irgendwann ein Arzt etwas an dem Knie gemacht hat. Im Nachhinein betrachtet hat es die ganze Sache aber eher verschlimmert als verbessert.

Mir wurde mein Knie für mehrere Wochen eingegipst. In dieser Zeit waren die Schmerzen viel besser. Als der Gips jedoch wieder abkam, war mein Knie steif. Ich konnte nicht mehr richtig laufen und selbst, wenn ich zuvor keine "echten" Schmerzen hatte, diese waren nun echt.

Ich musste daher zur Krankengymnastik, damit ich mein Knie wieder normal benutzen kann. Als das jedoch noch nicht ging, war ich zu Hause und habe mir die Zeit am Computer vertrieben.

Wie lief ein Tag bei dir ab?

Ich bin morgens aufgestanden und habe mich vor den Computer gesetzt. Abends habe ich mich wieder ins Bett gelegt. Das hört sich komplett übertrieben an, aber ich wünschte, dass es nicht so gewesen wäre. Ich hatte den Tag nicht wirklich Hunger, Durst oder andere Bedürfnisse. Ich war wie gefangen.

Als ich dann das 2. Halbjahr wieder die Schule besuchte hat sich auch nicht wirklich viel an diesem Ablauf geändert. Ich war dann halt morgens in der Schule, als ich nach Hause kam jedoch wieder sofort an den Computer... bis zum Abend.

Wie ging es dir während der Sucht emotional?

In der Zeit, als ich am Computer saß, ging es mir gut. Das änderte sich aber schlagartig, wenn mich jemand versucht hat davon abzuhalten. Dann bin ich ausgerastet... ich habe um mich gehauen.

Wie ging es dir in der Klinik emotional?

Die Zeit in der Klinik war am Anfang sehr anstrengend. Wenn man zuvor gewöhnt ist, dass man zehn oder noch mehr Stunden am Tag vor dem Computer sitzt, dann wird einem sehr schnell langweilig, wenn man in einer Klinik ist, ohne Computer und ohne Handy.

Wie ging es dir nach der Sucht emotional?

Das war natürlich auch keine einfache Zeit. Ich habe mir am Anfang sehr schwer getan. Ich habe mich aber immer noch einmal in der Woche ambulant mir meiner Psychologin getroffen, sodass mir der Einstieg einfacher gemacht wurde.

Hast du gewisse Regeln bezüglich Computer?

Jein, in der Klinik wurde in der Medientherapie ein Zeitplan erarbeitet. An diesen habe ich mich während der Zeit in der Klinik auch gehalten. Die ersten sechs Wochen war es mir gar nicht erlaubt etwas am Computer zu machen.

Aber in der heutigen Welt kommt man ohne Computer nicht weiter. Bei einer Alkoholsucht könnte man sagen, dass man dem Suchtkranken "einfach" den Alkohol verbietet. Das geht bei einer Computersucht jedoch nicht... Die Zeiten waren am Anfang stark reduziert und ich habe keine Gelegenheit unversucht gelassen etwas an diesen zu verändern.

Ich muss auch sagen, dass ich in manchen Zeiträumen nach der Klinik nicht immer strikt nach dem Plan vorgegangen bin. Jetzt habe ich keinen Plan mehr. Dieser ist aber auch nicht mehr nötig, da ich sowieso nichts mehr spiele.

Aber die Gefahr wird immer da sein...

Wie hat die Therapie in der Klinik ausgesehen?

Das kam logischerweise ganz auf die Art der Therapie an.

Laufgruppe

Das war eine Therapie, die ich am Anfang wirklich sehr gehasst habe. Diese fand zweimal in der Woche statt und wir haben in einer Gruppe mit Jugendlichen und einem Therapeuten gejoggt. Mit der Zeit hat mir diese Therapie jedoch Spaß gemacht, da ich meine Erfolge gesehen habe.

Sportgruppe

Die Sportgruppe fand ein mal in der Woche statt, es wurde immer in einer großen Gruppe Fußball gespielt.

Musiktherapie

Das war ein Ort, wo ich Musikinstrumente ausprobieren konnte. Das war eine Therapie, wo immer das gemacht wurde, worauf ich Lust hatte. Diese Therapie war immer sehr angenehm.

Medientherapie

Das war sozusagen meine "Haupttherapie", da sich diese mit meinem eigentlichen Problem beschäftigt hat. Dort haben wir Computerzeiten erarbeitet, aber auch Projekte zusammen durchgeführt. Es gab auch Stunden, wo man mit dem Therapeuten zusammen Fotos gemacht hat oder diese zusammen an dem Computer bearbeitet hat.

Einzelgespräch

Das war das Gespräch, was einmal in der Woche mit der "eigenen" Psychologin gemacht wurde. Dort wurde der Fortschritt besprochen und wie es in der Zukunft weiter geht. Man konnte auch über Probleme reden, falls man darauf Lust hat.

Abschluss

Ich hoffe, dass ich mit diesem Post die meisten Fragen klären konnte. Falls ihr noch weitere Fragen zu diesem Thema habt, dann schreibt mir diese doch einfach in die Kommentare.

Falls ihr Themenvorschläge für einen weiteren Satirepost habt, dann schreibt mir diese gerne mal in die Kommentare!

Bis zum nächsten Post!

Grüße,
MarcT

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Auch ich hatte früher damit zu kämpfen das ich ein ungesundes Verhalten mit dem Computer oder Games im allgemeinen hatte. Besonders gefährlich wird es wenn man beginnt seinen eigenen Selbstwert an Computerspielen festzumachen.

So absurd wie es klingt aber ich habe mich früher wertlos gefühlt weil ich in League of Legends nicht so gut wie meine "Freunde" war. Wenn das Leben nur aus Computerspielen besteht dann fällt man schnell in diese Falle.
Erst als ich beschlossen habe mein Leben zu verändern und mit dem Kraftsport begonnen habe bemerkte ich was ich früher für ein gestörtes Verhalten an den Tag gelegt habe, da ich ab diesen Zeitpunkt drastisch meinen Computerkonsum reduziert habe.

Soviel zu mir. Respekt nochmal an dich das du dich durch diese ganzen harten Erfahrungen gekämpft hast und nun stärker und klüger bist.

Danke für deinen Einblick. Ich denke, dass es vielen Leuten so geht, aber nur wenige lassen sich helfen.

Ich finde es stark, dass du das alleine wieder in den Griff bekommen hast!

Mist, dass ich den Post erst jetzt gelesen habe. Danke, für den Einblick! Ich habe immer noch so viele Fragen😂. Aber das würde hier den Rahmen sprengen. Danke, danke, danke😘