Banja statt Sauna! Russland im Winter

in #deutsch10 months ago

[caption id="attachment_1116162" align="aligncenter" width="1136"] Der Text ist von 2016, die Fotos von gestern :-)[/caption]

Ich bin mit Elena in die Bania! Endlich! Das wollte ich schon immer Mal machen: mit Russen in die Bania gehen! Elena geht jeden Mittwoch vier Stunden mit ihren Freunden in eine private Bania. Diese hier befand sich im Keller des Schwimmbades einer Fakultät der technischen Uni und etwa 30 Personen treffen sich dort, um die Bania samt „Baniameister“ für vier Stunden zu mieten. Man zahlt umgerechnet etwa 11€ Eintritt und bekommt dafür so einiges geboten.

Die Bania selbst bestand auch im Uni-Keller aus dicken, duftenden Holzbalken, die Sitzgelegenheiten waren ungewöhnlich schmal (weil man sitzt und nicht liegt!) und auch sonst war so ziemlich alles anders als in einer deutschen Sauna. Zunächst wurde ich wieder aus der Bania geschickt, weil ich keine Strickmütze und auch keinen Filzhut aufhatte. Komischerweise ist die Kopfbedeckung hier wichtiger als der Rest der Bekleidung. Entgegen deutscher Vorschriften saßen die Baniagäste hier zum Großteil nackig, aber auch in Badehose, Unterwäsche oder Bikini in der Bania. Wichtig war also ein Textil auf dem Kopf. Ich hatte wie Handt+ücher und so wurde eins einfach zum Kopftuch. Der ursprünglich befürchtete Hitzestau unterm Handtuch blieb aus. Im Gegenteil: es war mit „Hut“ deutlich angenehmer als ohne! Statt auf einem Handtuch sitzen die Russen auf dünnen Holzbrettern. Jeder sein eigenes. Ich hatte keins, weswegen Handtuch nummer zwei dann sofort bnass wurde, denn die Bania ist eine nasse Angelegenheit. Der erste Saunagang ist trocken, nur zum Aufwärmen. Dann geht es los: Der „Baniameister“ wirft mit einer Suppenkelle schwungvoll Kvas (fermentiertes Brotgetränk) auf die heißen Holzwände. Das duftet super, schön würzig und süßlich und sorgt für eine gewisse Grundfeuchte. Auch auf den beiden Handtüchern (auf dem Kopf und unterm Po). Anschließend wird aus der Bütte, in der die Zweige einweichen, das Wasser großzügig auf den Ofen gegossen, sodass so viel Dampf in der Luft ist, dass man kaum auf die andere Seite des Raumes gucken kann. Mit dem Zweigen (in meinem Fall: Eichenblätter) wedelt dann der „Baniameister“ die heiße feuchte Luft auf die Gäste. Die Gäste verhalten sich ganz anders als in deutschen Saunen: es wird grundsätzlich erzählt, gequasselt, gelacht, vor Hitze gestöhnt, sogar spontan gesungen. Bania ist ein gesellschaftliches Ereignis, die Vorkommnisse der letzten Woche werden erzählt, man sitzt Po an Po, Schulter an Schulter und schwitzt sich gegenseitig voll.

Dann geht das Hauen und Schlagen los: der „Baniameister“ haut seine Gäste mit den Zweigen auf Beine, Rücken, Brust und Arme, zum Schluß wird einem das Zweigenbündel aufs Gesicht gedrückt. Und immer wieder werden die Blätter im Bottich nass gemacht, sodass am Ende der „Geschichte“ die Sauna pitschnass ist, das Handtuch natürlich auch (daher das Holzbrett!) und überall sind Blätter, natürlich kleben die auch an den Leuten, die dann in den Eiskübel hüpfen. Brr!!! Das mit dem Eiskübel wollte ich mir eigentlich sparen, aber der „Baniameister“ sitzt selbst seelenruhig darin und besteht darauf, dass jeder auch wirklich drei Mal mit dem Kopf unter Wasser geht. Beim ersten Tauchgang blieb mir die Luft weg. Ausatmen beim Eintauchen, sollte ich. Aha. Noch zwei Mal und so klappt das auch ohne schockgefrorene Atmung.

Der deutsche Saunagänger würde jetzt eine Liege aufsuchen und ausruhen. Der Russe nicht. Die Prozedur mit dem Brottrunk, dem Aufgusswasser, dem Hauen und Schlagen und dem Eiskübel muss drei Mal hintereinander nonstop durchgeführt werden, bevor man Pause macht. Nach dem dritten „Baniagang“(eigentlich vierten, zählt man die „Trockensauna“ mit), hocke nicht nur ich etwas kreislaufmüde im Eiskübel. Pause!

Die Pause ist hier aber nicht „rumliegen und rumdösen“, sondern weiterhin ein geselliges Beisammensein: es wird Birkenblättertee in rauen Mengen getrunken und frisches Obst nonstop geknabbert. Dazu sitzen alle pitschnass am Tisch (Handtücher werden immer noch völlig überbewertet), es wird gelacht, erzählt und sogar Billard gespielt. Ruheliegen gibt es gar keine. Meine roten Flecken auf dem Oberkörper (von den Schlägen mit Zweigen und Blättern) werden bewundert, das sei toll, so eine gute Durchblutung!

Nach etwa einer halben Stunde ruft der „Baniameister“ in die Runde „noch zwei Minuten!“ und alle schlittern über den überall völlig nassen und mit Blättern verschmutzen Boden barfuß Richtung Bania. Dort wiederholt sich die Prozedur: 3x schwitzen, 3x Eiskübel, erst dann wieder Obst und Birkenblättertee. Nach der zweiten „Runde“ (also insgesamt 7 Saunagängen) steigen die meisten aus, auch ich. Wer mag, hängt eine dritte Runde dran. Am Ende gibt es eine „große Teerunde“ für alle und dann wird geduscht und angezogen. Die ganzen vier Stunden wurde viel gelacht und erzählt, es sind Frauen und Männer aller Altersklassen dabei, auch ein Kind, ein 3-monatiges Baby und eine ziemlich Schwangere.

Der Beitrag ist eine Ergänzung zum Blogbeitrag, an dem ich gerade tippe. Vielleicht schaffe ich es heute noch, ihn einzustellen. :-) Bis später!

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