Auf den Pudding gehau´n!
Liebe Steemit-Freunde!
Mit Maisstärke, Milch, Zucker und einer Vanilleschote hat meine Mutter die herrlichsten Nachtische gezaubert. Statt Vanille hatte sie manchmal Kakaopulver verrührt und leckeren Schokopudding serviert. Die Zutaten waren überschaubar, selbstausgesucht und kostengünstig. Und die Zubereitung geschah mit Freude und Liebe.
Heute greift die kluge Hausfrau zu einer kleinen Tüte, in der bis auf die Milch alle Zutaten fertig gemixt sind. Im lebensmittel-chemischen Labor in Bielefeld bei Dr. Oe. werden Farbstoffe, Natur identische Geschmacksstoffe, Zuckeraustauschmoleküle, Säuerungs- und Dickungsmittel, E-Zusätze und Gluten-Konstruktionen in einem unkontrollierbaren Konglomerat in kleine Tütchen gepackt und in den Vertrieb gebracht. Sehr oft mit fragwürdiger Gesundheitswirkung der Einzelkomponenten. Und zu einem ordentlich hohen Preis. Aber: es ist ja soooo praktisch! Es geht soooo schnell! Und es bedarf keiner großen Überlegung.
Erst wenn wir uns wieder erinnern, wie das Grundrezept von Vanillepudding eigentlich aussieht, dann können wir wieder auf die Fähigkeit zurückgreifen, selbst der Créateur für unsere Nahrung zu sein. Und es geht so leicht! Und man braucht sich einfach nur erinnern! Und damit sind wir heraus aus einem kleinen Teil der Abhängigkeiten. Und damit sind wir ein kleines Stückchen selbstbestimmter.
Ja, Vitamaiz sei Dank! Und, was für den Pudding gilt, gilt auch für´s Leben 😉.
Als Kind haben wir alle (!) die Fähigkeit, niemals aufzugeben. Wir lernen in frühestem Alter – aus eigenem Antrieb und mit Begeisterung! – zwei der komplexesten Abläufe überhaupt, die so in ihrer Komplexität und Schwierigkeit später nie wieder auftauchen und erforderlich werden – und das fast gleichzeitig:
Muttersprache und Laufen.
Und wir geben dabei niemals auf, egal, wie oft wir dabei hinfallen oder uns verplappern. Am Ende können wir alle laufen und sprechen! Es ist doch ein wahres Wunder! Dieses Durchhaltevermögen besitzen wir über die gesamte Kinderzeit hinweg! Es ist eine angeborene Gabe für jeden von uns! Erkennen wir es gebührend an!
Wir geben niemals auf, bis uns diese Gabe schließlich abtrainiert wird. Wir haben in unseren Um-Erziehungsanstalten von Kindergarten, Schule, Universität und Lehre keine Möglichkeit mehr, diese Fähigkeit selbstbestimmt zu verfeinern und zu erhalten. Es fehlen Ruhe, Muße und Raum für kreatives Sich-Ausprobieren. Man darf nur noch fertig gemixte "Tüten"-Konzepte benutzen und nach-"beten". Jenseits aller Freude und Hingabe. Und wo Freude fehlt – die Hirnforschung weiß es genau – kann kein Lernen stattfinden. Physiologisch unmöglich!
Statt dessen verlassen unsere Kinder diese Anstalten mit dem Bild des Versagens: das kann ich nicht – das bringt keinen Spaß – Sprachen lernen liegt mir nicht – andere sind eh besser als ich – nichts klappt auf Anhieb – Mathe kapier ich nicht – das schaffe ich nie und nimmer – die Zeit ist immer zu knapp … Die Liste ist unendlich lang. Dafür aber verlassen sie die Schule mit genormten Zutaten ("Wissen"), in kleinen Tüten und damit für jeden klugen Verbraucher (Arbeitgeber) soooo praktisch.
Hast du, lieber Leser, schon einmal einen Menschen getroffen – dich selbst eingeschlossen – der gerne die Schule besucht hat? Wieviele hast du im Gegensatz dazu getroffen – dich selbst eingeschlossen – die durch Schule angeödet und frustriert wurden? Was fällt dir dabei auf? Weshalb bleibt dann das "Konzept Schule" in dieser Form bestehen?
Damit ist dann diese Fähigkeit, niemals aufzugeben, in der Versenkung verschwunden (Amnesie). Sie ist auf dem Altar der Konformität, der Disziplin, Anpassung und des Gehorsams geopfert worden.
Cui bono? Wer braucht solche Menschen?
Später dann – beim Erklimmen der Karriereleiter – wird als neue Sensation in Coachings und Seminaren die geniale Erkenntnis verkauft : never give up. Das funktioniert als Werbe-Versprechen nur deshalb so gut, weil wir uns an diese Fähigkeit nicht mehr erinnern können. Die Erinnerung ist komplett unzugänglich gemacht worden. In der Realität bewegen diese neuen Coaching-Strategien eher wenig. So lange wir uns nicht erinnern können, daß es zu unserem ganz normalen Rüstzeug einmal gehört und unser Überleben gesichert hat, bleiben solche Trainings nur aufgesetzte Verhaltensänderungen mit Rückfallgarantie.
Es braucht uns eigentlich "nur" gesagt werden, diese Erinnerung an die frühe Gabe wiederzubeleben. Dann können wir sofort alle Fehlprogrammierungen – da habe ich wohl kein Talent; das ist zu schwierig für mich; das klappt ja sowieso nicht; andere können das, aber ich nicht usw.– los werden. Das "never-give-up-Programm" ist ja noch vorhanden, ich brauche also nur den Pfad dorthin durch die Erinnerung neu zu setzen (Neuroplastizität). Und ich brauche diesen Pfad nur mit der Freude – am selbst erwählten Tun – verknüpfen.
Die Erinnerung lautet dann: "Ich bin ein neugierig spielendes Kind, das dabei in höchster Freude lernt und niemals aufgibt."
Also: immer der Freude folgen - "An die Freude!" 🇨🇷



