Was wollen Anarchisten?

in #deutsch8 years ago (edited)

Screenshot (8).png
Netzfund

Sie wirken allgegenwärtig. Hollywood portraitiert sie gerne, von „Fight Club“ bis hin zu „The Purge“. In den Städten hinterlassen sie gerne ihre Signatur, das A im Kreis. Berüchtigt als vermummte Aggressoren und Brandstifter auf den Strassen, werden sie gefeiert und gefürchtet. Weniger diskutiert bleibt jedoch, welche wirtschaftlichen Ideen dahinterstecken und vor allem, ergeben diese überhaupt Sinn?

Ziel der Anarchisten ist es, die Gesellschaft auf ein Minimum zu reduzieren, gegebene Strukturen sollen zerstört werden, sprich, es gibt keinen Staat, kein Eigentum, keine Unternehmen. Alle sollen gleich sein, es gibt keine Diskriminierung.

In einer systemlosen Welt ohne Richter wird die Natur sprießen. Geht man vom Nichts aus, ist die erste Wirtschaftsform, die auf natürliche Art und Weise entstehen wird, der Kapitalismus. Kapitalismus „diskriminiert“, weil er Menschen als Kapital wertet. Im Kapitalismus ist ein gut studierter junger Mensch mehr Wert, als ein alter Mensch mit einer Behinderung. Im Kapitalismus, wie auch in der rohsten Naturform, dem Zusammenleben von Tieren, gilt das Recht des Stärkeren, bis der Staat eingreift.

Staatliche Eingriffe im Sinne von Umverteilungsmaßnahmen, Subventionen oder Steuern, bedeuten aus der Sicht der Ökonomik immer Wohlfahrtsverlust. Sobald der Staat eingreift, profitieren aber bestimmte Personengruppen (Arbeitslose, Pensionisten, Arbeitsunfähige…) die in einem rein kapitalistischen System nicht überlebensfähig wären. An dieser Stelle seien Anarchisten aufgerufen, Parolen wie „Kein Gott, kein Staat, kein Mietvertrag!“ oder „no border, no nation“ zu überdenken.

„Aber das ist doch rechter Anarchismus!“

Nein und ja, denn es gibt nur eine Form von Anarchismus. Es gibt keinen rechten oder linken Anarchismus, denn dieser impliziert an sich Systemlosigkeit. Die Entwicklung weg vom Anarchismus, könnte ein Naturgesetz sein, denn dort wo nichts ist, finden Natur und Mensch meistens eine Lösung. Nachdem sich eine Reinform des Kapitalismus entwickelt hat, wandelt sich dieser schnell und sicher in eine Form von Korporatismus um. Konglomerate und Kartelle bilden sich heraus, die zu Wohlfahrtsverlusten führen können und an dieser Stelle wird der Eingriff eines Staates noch wichtiger, um den Schutz seiner Bürger zu gewähren.

Wer sind die wahren Anarchisten? Die Gesetzlosen sind die, die so reich sind, dass sie Gesetze umgehen können. Große Konzerne oder die Finanzelite sind Anarchisten, die Menschen als Ware sehen und dieses Humankapital beliebig durch „Migration“ verschieben. Es sind genau diese milliardenschweren Konzerne, die die Macht haben im „no border, no nation“-Stil zu leben, in dem sie in rechtlichen Graubereichen wirtschaften und Kapital von Staat zu Staat verschieben um Steuer zu umgehen.

Welches System ist erfolgreich?

Blicken wir in die Geschichte! Es waren immer die freiheitlich orientierten Systeme erfolgreich, die die Bildung eines wohlfahrtseffizienten Marktgleichgewichtes sich selbst überlassen und mitunter minimale staatliche Eingriffe zulassen. Die „Grand Prosperity“, der „American Way of Life“, die „Wirtschaftswunder“, die technischen Möglichkeiten, und die Möglichkeit zum Eigentum wie wir sie heute haben, wären nie möglich gewesen ohne den Liberalismus und die freie Marktwirtschaft. Allerdings hat sich unsere Gesellschaft veränderte und ist heute auf staatliche Hilfe für jeden Einzelnen mehr angewiesen als zuvor in der Geschichte. Ein System wird erfolgreich sein, wenn die Wirtschaft regiert, der Staat kontrolliert und es genug Motivation zur Leistung gibt.


Diesen und ähnliche Artikel von mir werdet ihr bald in der "Tagestimme" lesen können, ein neues österreichisches Onlinemedium, wo ich im Bereich Wirtschaft schreiben werde. Ich halte euch am Laufenden.

Sort:  

Die selbsternannten "linken" Anachisten, die beispielsweise beim G20 Treffen in Hamburg gewalttätig in der Stadt gewütet haben, sind keine Anachristen im Sinne der philosophischen Lehre über den Anarchismus (https://de.wikipedia.org/wiki/Anarchismus).
Echte Anarchisten leben strikte Gewaltfreiheit und respektieren die persönliche Freiheit anderer Menschen. Sie lehnen machtausübende Strukturen strikt ab. Somit ist jeglicher Sozialismus mit dem Anarchismus unvereinbar, da Sozialismus kollektive Gewaltausübung benötigt, um eine Umverteilung von Gütern bewerkstelligen zu können. Die Steuerpflicht ist ja auch eine Machtausübung durch die Scheinlegitimation der demokratischen Mehrheitsbildung.

Im weitesten Sinne würde ich mich als Anarchokapitalisten bezeichen. Allerdings gibt es kein einziges real existierendes anarchistisches Gesellschaftsmodell, so dass man bislang keinen Praxistest durchführen konnte. Theoretisch gibt es dazu aber Bücher, z.B. von Oliver Janich.

Die Kryptowährungen sind eine anarchistische Herausforderung des etablierten "archistischen" Geldsystems. Deswegen machen sie mir so viel Spaß!

Ich sehe das Problem, dass bestimmte Personengruppen selbst nicht wissen, was sie wollen. Unter https://www.anarchismus.at/ kam ich auf eine Gruppe von Menschen, die sich öfter in Wien treffen, die von sich selbst vorgeben gebildet zu sein, die sogar berühmte Vertreter lesen und auf ihrer Seite vorstellen. Das Problem dabei: Ein paar Klicks weiter, und ich sehe wieder gewaltbereite Inhalte, oder der Aufruf zu gewalttätigem Aktivismus.

Ich habe mich selbst lange mit Anarchokapitalimus und Libertarismus beschäftigt, und denke ebenfalls, dass das die einzige legitime Form von Anarchismus ist. Ich gebe dir Recht, alles was vom Staat ausgeht ist ein Gewaltakt im Sinne des englischen Wortes "force" und nicht "violence". Diese Gewalt muss nicht umbedingt schlimm sein, und ein gewisses Maß an Umverteilung ist heute nötig.

Früher war die Familie Lösung vieler Probleme. Es gab so gut wie keine alleinerziehenden Mütter und ältere Menschen lebten bei der Familie und wurden von ihr versorgt. Heute ist das allerdings anders. Was hält einen alten gebrechlichen Menschen am Leben, oder jemanden schwer Kranken, der nicht arbeiten kann, wenn nicht der Staat. Was wäre der Lösungsansatz der Anarchie? Die Leute sterben lassen, wie ein krankes Tier im Wald?

Was hält einen alten gebrechlichen Menschen am Leben, oder jemanden schwer Kranken, der nicht arbeiten kann, wenn nicht der Staat?

Meiner Meinung nach steckt da ein Denkfehler drin. Das ist nämlich ein klassisches Beispiel dafür, wie der Staat sich als die Lösung für Probleme verkauft, die es ohne ihn nicht gar gäbe: Vor hundert Jahren existierten Wörter wie "Altersarmut" oder "Pflegenotstand" nicht, geschweige denn "Pflegeversicherung". Das war alles nicht nötig.

Es kommt nicht von Ungefähr, daß die Alten und Kranken heute in Institutionen abgeschoben werden. Die Ursache dafür ist doch ganz eindeutig die Verlohnarbeiterung der Welt, was eine Folge staatlicher Eingriffe in die Vertragsfreiheit der Menschen ist. Zu einer Zeit, als diese ganzen Pflegeeinrichtungen überhaupt nicht nötig waren, war es auch nicht so, daß die Leute wie Tiere im Wald verreckt sind, sondern die Oma ist zuhause gestorben, bei ihren Kindern und Enkeln. Das geht heute nicht mehr, weil die Enkelin - wenn überhaupt vorhanden - als Pflegekraft am Existenzminimum in einer Abfertigungsanlage anpacken muß. Die bekommt demnächst vielleicht einen Brief, wo ihre Oma verscharrt wurde.

Früher war es üblich, daß einer, meistens der Mann, das Geld verdiente, und die Frau zuhause blieb und sich um ihre eigenen Kinder und um den Haushalt kümmerte. Dann mußten irgendwann beide arbeiten, und jetzt arbeiten beide und es reicht dennoch nicht. Kinder?
"Kann ich mir nicht leisten". Deswegen sind jetzt Kindertagesstätten nötig, und Pflegeheime, und Pflegeversicherungen, und Pflegezusatzversicherungen und dieser ganze Irrsinn. Die Ursache hierfür findet man im herrschendenverzinsten Schuldgeldsystem und der Staat ist die Einrichtung, die den Menschen dieses System aufzwingt. Es ist nämlich nicht so, daß alle kollektiv aber zufällig beschlossen haben, lieber zu arbeiten, als Kinder zu bekommen. Das wurde gezielt so gemacht.

Insofern halte ich es für verfehlt, den Staat als einzige Hoffnung dieser Menschen zu verkaufen, denn er hat sie überhaupt erst in diese Situation gebracht. Das ist in etwa so, als würde man einem pyromanischen Feuerwehrmann einen Orden verleihen, weil er mitgeholfen hat das Haus zu löschen, das er vorher selbst angezündet hat.

Eben, du beantwortest die Frage selbst. Früher war es möglich ohne den Staat, heute ist es nicht möglich ohne den Staat. Aber wir sind selber daran Schuld. Menschen heiraten nicht mehr, bekommen keine Kinder. Früher war es die Aufgabe der Kinder Altenpflege zu betreiben, aber die Gesellschaft hat diese Aufgabe freiwillig dem Staat überlassen.

Naja, wenn jemand früher ohne Alkohol auskam und jetzt den Alkohol braucht, weil er sonst austickt, dann kann man ihn schon weiterhin mit Alkohol ruhigstellen. So gesehen hast Du schon Recht. Aber nachhaltig und im Sinne des Betroffenen ist das sicher nicht.

Ich verstehe nur nicht, woher diese große Ablehnung kommt. Du nennst einen Vergleich, den man denke ich so nicht bringen kann. Es ist und war immer ein kompliziertes Thema. Letztendlich bleibt uns doch die Meinungsverschiedenheit.

Nein, es ist nicht kompliziert. Es ist nur komplex. Wer sieben Kinder in die Welt setzt braucht sich nicht um Rente- oder Pflegeversicherungen scheren. Und wer kein Kind in die Welt setzt, sollte selber entscheiden ob er eine Rente- oder Pflegeversicherung abschließt. Allerdings nicht mit einem windigen Staat, der die Spielregeln willkürlich ändern kann, sondern mit einer Firma, die dann liefern muß.

Auf Versicherungen kann man sich auch nie verlassen... :(

"Früher war es möglich ohne den Staat, heute ist es nicht möglich ohne den Staat".
Das wäre ja so als hätten die Sklaven in Amerika gesagt: "Früher als wir noch in Afrika lebten, ging es ohne Sklavenhalter, aber heute geht das nicht mehr." Willst Du wirklich denjenigen, die die ganzen Probleme verursacht haben, die Lösung unserer Probleme überlassen? Wer hat den die ganzen Dinge erfunden, die unser Leben heute leichter machen? Bestimmt nicht der Staat. Der Staat hat immer nur zerstört. Glaubst Du wirklich, wenn es keinen Staat mehr gibt, gibt es keine Altenheime, Schulen und Straßen mehr. So lange es eine Nachfrage nach bestimmten Gütern und Dienstleistungen gibt, wird sich in einer freien Marktwirtschaft jemand finden, der diese Nachfrage billigst befriedigt. Auch kann es in einer freien Marktwirtschaft keine Kartelle und keinen Monopole geben, diese Machtkonzentration kann nur der Staat befriedigen. Glaub mir, der Staat ist niemals die Lösung, sondern immer das Problem.

Ich hätte es nicht schöner sagen können...

Ich auch nicht!! 👍 👌

Ich denke nicht dass Anarchismus prinzipiell Gewalt ablehnen sollte. Kommt eine organisierte Meute - also beispielsweise ein Staat - auf eine anarchistische Gesellschaft zu, muss sie selbstverständlich Mechanismen entwickelt haben um sich gegen diese Gewalt mit Gegengewalt zu wehren. Ähnliches gilt, wenn starke Einzelne oder kleine Gruppen sich zu kleineren Gruppen zusammen schließen, um gegen einen nach dem anderen zu aggieren. Gewalt zu verbieten ist in einer Anarchie auch gar nicht möglich. Wer sollte dieses Gesetzt durchsetzen ohne selbst Gewalt auszuüben.

Was du ansprichst, ist die einzig legitime Art von Gewalt, nämlich die abwehrende (Notwehr oder Nothilfe) als notwendige Antwort auf die stets illegitime initiierende Gewalt inkl. deren Androhung, ganz wichtig (z. B. in Form eines Steuerbescheids). Dagegen ist natürlich nichts einzuwenden.

Frauen die über Anarchie schreiben. Resteem-Potential.

Danke! Es ist wirklich ein kompliziertes Thema.

Nicht kompliziert. Die meisten wurden nur durch staatliche Schulen verhunzt.

Warum ist n eigentlich die 120db.info Seite down?

Hat ein bisschen Make Up bekommen. ;) http://www.120db.info/

Ah ich dachte schon ein Hack.

Kein Gott, kein Herr! Eine kleine Geschichte der Anarchie

Coin Marketplace

STEEM 0.04
TRX 0.32
JST 0.087
BTC 59880.51
ETH 1574.21
USDT 1.00
SBD 0.42