Was ist METAPOLITIK?
Diesmal wird es politisch mit einem Blick nach Deutschland, denn ich habe beschlossen euch eine Streitschrift vorzustellen, die mehr Bekanntheit erlangen sollte.
„Wie Konrad Lorenz bei seinen Forschungen über Zugvögel herausgefunden hat, wird der Zeitpunkt, an dem der Vogelschwarm von vielleicht 300000 Tieren abhebt, dadurch vorbereitet, dass einzelne Vögel unter Abgabe bestimmter Schnattergeräusche wenige Meter vom Boden abheben, um danach sogleich wieder zu landen. Bei der nachfolgenden Wiederholung desselben Vorgangs heben auch neben diesen Pioniervögeln stehende Tiere ab und kehren dann wieder zur Erde zurück. Dieser – die Flugstimmung erzeugende - Prozess zieht im wahrsten Sinne des Wortes nach und nach seine Kreise und wiederholt sich bis zu zehnmal bis zu dem faszinierenden Moment, an dem plötzlich kein Vogel mehr zur Erde zurückkehrt, sondern stattdessen der ganze Schwarm gen Himmel fliegt und sich auf die Reise macht.“
-Thor v. Waldstein in „Metapolitik“
Von Waldstein kann sich zurückerinnern an die Wahlkämpfe die in seiner Jugend in den 70er Jahren in der BRD ausgetragen wurden. Ihm viel damals schon auf, dass nach dem ersten Wahlsieg der SPD 1969 merkwürdig schnell viele Lehrer der älteren Generation verschwanden und durch junge ersetzt wurden. Beim Wahlkampf 1972 erst, wurde dem jungen Von Waldstein bewusst, dass der gesellschaftlichen Wandel und die neue erfrischende, aber doch inhaltslose Art des Wahlkampfes („Willy wählen – Deutschland wählen“) den Wähler fast dazu zu drängen versuchte, bei der „richtigen“ Partei sein Kreuzchen zu setzten; überall gab es öffentliche Bekenntnis für Brandt. Bei den Gegnern fehlte jedoch jegliche Art des öffentlichen Bekennens zu ihrer Partei und verbunden mit den bereits rot gefärbten Berichten der Medien und des Rundfunks wurde eine Stimmung erzeugt, die anmuten sollte, dass jeder Brandt-Gegner im Geheimen etwas Böses im Schilde führte. Diese kulturelle Magnetwirkung zugunsten des Lebensgefühls, dass die SPD vermittelte, und die erfolgreiche Darstellung des Gegners als „knöchern, rückständig und potentiell gefährlich“ führten zu einem Wahlsieg, der die gesamte nachfolgende Politik prägte. Bis heute!
Daraus geht hervor:
„Politische Herrschaft stützt sich auf die psychologische Unterstützung durch die Massen, auf eine in der Masse zerstreute kulturelle Macht.“
Klar ist, dass die Herrschaft auf Autorität, der gesetzlichen Möglichkeit (physischer) Gewalt über den Bürger und der technischen Macht der Überwachung aufbaut. Wichtiger ist jedoch - das Geheimnis der echten Herrschaft liegt darin – den Willen des einzelnen Bürgers so zu beeinflussen, dass er völlig freiwillig der staatlichen Herrschaft zustimmt. Diese Formulierung stammt vom italienischen Marxisten Gramsci, der in den Dreißigerjahren inhaftiert unter Mussolini, die Metapolitik als die Politik hinter der Politik beschrieb. Nichts sei wichtiger, als der Einfluss auf das Denken und Verhalten der Zivilgesellschaft. Die kulturelle Hegemonie, die „Lufthoheit über die Köpfe und Herzen der Menschen“ sei weitaus wichtiger als die parlamentarische Mehrheit, die dann ohnehin früher oder später als Produkt auftritt.
Ein paar modernere Beispiele dieser metapolitischen Erscheinung in Deutschland:
• die Vergangenheitsbewältigung, ab 1960
• die marxistische Kulturrevolution, ab 1968
• die grün-alternative Bewegung, ab 1980
• Multikulti, ab 1990
• Gender-Mainstreaming, ab 2000
Diese Programme sind allesamt dadurch gekennzeichnet, dass sie die Deutschen dazu bringen, sich vermeintlich „freiwillig von der Lebensart, von den Grundüberzeugungen und von der Charakterhaltung ihrer Väter und Vorväter zu verabschieden und sich einem Lebensstil zuzuwenden, bei dem einstmals allgemein anerkannte Werte wie Nation, Volk, Familie, Glaube, Treue, Demut, Aufopferungsbereitschaft etc. bestenfalls der Lächerlichkeit preisgegeben, wenn nicht gar als profaschistisch o. ä. diffamiert werden.“
Obwohl Politik und Medien versuchen das „politische Wellnessgefühl“ in der Bevölkerung aufrechtzuerhalten und versuchen das „metapolitisch gesteuerte und ökonomisch mit Brot und Spielen unterfütterte BRD-Erfolgsrezept“ aufrechtzuerhalten, bröckelt die Fassade leicht (PEGIDA, Identitäre Bewegung etc., einzelne Mündige).
Was machen die Parteien?
Die alten Parteien sind gut unterstützt durch „sämtliche Einrichtungen, die für eine Einflussnahme auf das Wahlvolk relevant sein könnten, von den Rundfunkräten der Zwangsgebührenmedien über Zeitungsredaktionen, Kirchentage, Richterwahlausschüsse, Ethikbeiräte, Institutionsausschüsse, NGO-Vorstände etc. bis hinunter zu dem letzten Abwasserzweckverbandsposten in der niederbayerischen Pampa“. Überall sind die Repräsentanten der etablierten politischen Parteien, die einen fairen politischen Wettbewerb durch ihre Metapolitik verhindern.
Zu viele Fehler begehen auch die neuen Parteien, durch die allmählich „jene politische Karies“ heranwächst, „bei der nach und nach alle Zähne, die den Etablierten gefährlich werden könnten, von selbst herausfallen“.
Zusätzlich kommt es in den Parteien zu einer „charakterlichen Negativauslese“. Der Menschentypus der von der Massendemokratie nach oben gespült wird, ist der rhetorisch begabte mit der sonoren Stimme, dem es zwar an Denkvermögen und staatsmännischen Weitblick fehlt, der aber durchaus „die nötige Eitelkeit, Abgebrühtheit und Intrigenkompetenz“ mitbringen kann, um als Politiker allgemeinhin akzeptiert zu werden.
Was bedeutet Metapolitik im Aufstand?
Hölderlin beschrieb die Deutschen als „tatenarm und gedankenvoll“. Metapolitik soll nicht der Rückzug in eine bequeme und irrelevante Zone sein. Metapolitik soll „plakatives Bekenntnis nach außen und die spitze Feder, die versucht, weiteres geistiges Terrain zu erobern“ sein. Aktion auf der Straße und Klugheit am Schreibtisch sollen sich ergänzen im Kampf um die eigene Kultur und die eigene Sprache.
„Tatsächlich hat dieses Land nichts mehr nötig als eine solche neue Generation, die sich dem Machtanspruch der Moderne entzieht, die ab origine frei und unabhängig denkt, sich gegenüber den ideologischen Anmaßungen ihrer Zeit ihr Selbstbewusstsein, ihre Skepsis und ihre Widerstandsfähigkeit bewahrt und dann nach diesen Prinzipien vorsichtig, unnachgiebig und mit einem gesunden Mangel an Kompromissbereitschaft handelt.“
Nichts kennzeichnet die geistige Unfreiheit in Europa mehr als die Furcht des Bürgers, sich durch das Äußern seiner Ansichten zu isolieren. Wer jedoch schweigt, begibt sich in die Position des „nützlichen Idioten, der das Geschäft des politischen Gegners betreibt“.
Um zurückzukommen zur Anfangs erwähnten Flugstimmung im Vogelschwarm. Übertragen auf die metapolitische Ebene heißt das: „Mitreißendes Vorbild zu sein ist für denjenigen, der seine Landsleute für die Nation gewinnen will, viel wichtiger, als Recht zu haben.“
Es gilt, unter den Deutschen wieder so etwas wie geistige Gemeinschaft und seelische Verwandtschaft neu zu stiften.
Thor v. Waldstein: Metapolitik. Theorie – Lage – Aktion. Zweite Auflage, Verlag Antaios, Schnellroda 2017
Resteemed :-)
Willkommen im Talentschuppen!
Wie meinst du das @freiheit50? Stehe gerade auf der Leitung ;-)
Natürlich positiv! Die Autorin ist m.E. ein junges Talent. Und du bist genau wie ich darauf aufmerksam geworden.
Ach so :-) Ja das ist wirklich ein guter Inhalt über den viele mal überhaupt nicht Bescheid wissen :-)
Folge der Authorin :-)
Da werde ich ja rot... :)
Vielen Dank für diesen Beitrag! Die (noch) herrschenden Kräfte der Metapolitik konnte man vor einigen Wochen auf der Frankfurter Buchmesse beobachten, als es am Stand des Antaios-Verlags zu handgreiflichen Auseinandersetzungen kam. (Netz-Suche mit den zwei Stichworten "antaios" und "buchmesse" ergibt zahlreiche Artikel).
Dank des Internets gibt es aber bereits eine zunehmende Anzahl von Meschen, die sich dem faschistoiden Meinungsdiktat nicht mehr kampflos unterwerfen wollen, auch wenn diese Haltung zu Ausgrenzung und persönliche Nachteilen führt. Vielleicht gehören wir zu den ersten Vögeln, die irgendwann den Schwarm zum Abheben bringen und den Lauf der Geschichte in eine andere Richtung lenken. Hier in Wien konnte ich mich gerade an vielen Plätzen von der Größe unseres kulturellen Erbes überzeugen, das es zu verteidigen gilt. Ein besonders symbolträchtiger Ort ist der Kahlenberg.
Jawohl! Alles gesagt! Danke @freiheit50.
@melange Welcome back! Hab ich dir doch gesagt liebes...! Nun schreib darüber....es ist dein persönliches Talent! Mach wS draus🤙🏽
Genau! Ich hab natürlich von der Frankfurter Buchmesse gehört und ich finde es eine unverschämte Frechheit, dass der Privatbeseitz eines Verlages zerstört, beschmiert und entwendet wird. Das ist eine Sache, aber die erschreckende Wahrheit an der Sache ist wohl, dass genau diese Leute die heute Bücher (~ Gedanken und Ideen) zerstören Polizei spielen und Toleranz predigen.
Man stelle sich im Kopf die berühmten Bilder der Bücherverbrennungen in den 30ern vor, denn genau so tief ist die moderne Linke heute gesunken...
"Nichts kennzeichnet die geistige Unfreiheit in Europa mehr als die Furcht des Bürgers, sich durch das Äußern seiner Ansichten zu isolieren."
Oh ja, dabei kann es so belebend sein sich in kontroverse Diskussionen zu begeben. :D
Such a useful post!
Schön, mal wieder einen engagierten, durchdachten, weitblickenden Beitrag von dir zu lesen, @melange, bin beeindruckt!
Wie wahr, mit Ausnahme von Terrorregimes!
Äusserst wichtige Erkenntnisse, im 2. Satz noch mehr als im 1.! Beim ersten Satz wäre noch wichtig zu ergänzen, dass Herrschaft auf der Finanzierung der Herrschaftsstruktur (freiwillig durch die allermeisten, zwangsweise durch den Rest, sh. 2. Satz) durch die Beherrschten beruht und die gesetzliche Möglichkeit (physischer) Gewalt über den Bürger an erster Stelle darauf abzielt.
Eine weitere sehr bedeutende Erkenntnis.
Hier fehlen mir die allerwichtigsten Einrichtungen, die das Stimmvieh von klein an auf Spur bringen durch massive Indoktrination und Vermittlung von einseitigen, tendenziösen, verzerrten und verkürzten Weltbildern (und noch einiges mehr): Kindergärten, Schulen, Hochschulen und Universitäten, alle fest in staatlich-parteipolitischer bzw. kirchlich-staatlicher Hand!
Wusstest du, dass Deutschland eines von zwei Ländern auf der Welt ist (das sozialistische Schweden ist das andere), in dem Schulbesuchszwang besteht? Es gibt hier viele Beispiele von inhaftierten Eltern und Schulkindern, die von der Polizei entführt und in die Kinderkaserne, die Kinderverwahranstalt und das Teilzeitgefängnis Schule zwangsverbracht werden. Ich werde darüber noch schreiben.
Was würden/werden wohl deine KommilitonInnen und Profs dazu sagen? Ich habe mir sagen lassen, dass auch bei den BWLern und VWLern der Konformitätsdruck und die unkritische Staatsgläubigkeit sehr hoch im Kurs stehen.
Wie wahr!