Der Feldweg
Feldweg, Photographie von Kai Hormann
„Immer noch sagt es die Eiche dem Feldweg, der seines Pfades sicher bei ihr vorbeikommt. Was um den Weg sein Wesen hat, sammelt er ein und trägt jedem, der auf ihm geht, das Seine zu. Dieselben Äcker und Wiesenhänge begleiten den Feldweg zu jeder Jahreszeit mit einer stets anderen Nähe. Ob das Alpengebirge über den Wäldern in die Abenddämmerung wegsinkt, ob dort, wo der Feldweg sich über eine Hügelwelle schwingt, die Lerche in den Sommermorgen steigt, ob aus der Gegend, wo das Heimatdorf der Mutter liegt, der Ostluft herüberstürmt, ob ein Holzhauer beim Zunachten sein Reisigbündel zum Herd schleppt, ob ein Erntewagen in den Fuhren des Feldwegs heimwärtsschwankt, ob Kinder die ersten Schlüsselblumen am Wiesenrain pflücken, ob der Nebel tagelang seine Düsternis und Last über die Fluren schiebt, immer und von überall her steht um den Feldweg der Zuspruch des Selben:
Das Einfache verwahrt das Rätsel des Bleibenden und des Großen.“
– Martin Heidegger
Ein Text der Ruhe ausstrahlt, die Natur in ihrer Einfachheit.
„Was um den Weg sein Wesen hat, sammelt er ein, und trägt jedem, der auf ihm geht, das Seine zu.“
Spätestens jetzt wird man erkennen, dass der Feldweg eine Metapher ist. Der Mensch wurzelt in der Erde und kann sich in die Weite des Himmels und der Ideen, öffnen.
Der Feldweg ist wenige Seiten lang, eine kurze Erzählung, aber trotzdem mein liebster philosophischer Text, nicht zuletzt wegen der organischen Ruhe, die er ausstrahlt.
"Wenn die Rätsel einander drängten und kein Ausweg sich bot, half der Feldweg." Wenn der suchende Mensch, der nach Lebensfragen giert, in eine Sackgasse gerät, dann hilft der Feldweg.
Mir ist es oft schwergefallen Heidegger ganz zu verstehen. In „Sein und Zeit“ bin ich oft stecken geblieben. Ich sehe den Feldweg aber auch als den Schlüssel zur Lektüre Heideggers, wie eine philosophische Formelsammlung, die einem den Weg weist.
Der Feldweg belehrt uns auch.
„Aber der Zuspruch des Feldweges spricht nur so lange, als Menschen sind, die, in seiner Luft geboren, ihn hören können. (…) Die Gefahr droht, dass die Heutigen schwerhörig für seine Sprache bleiben. Ihnen fällt nur noch der Lärm der Apparate, die sie fast für die Stimme Gottes halten, ins Ohr.“
Ich denke, es ist klar, was Heidegger hier meint.
Heideggers Feldweg gibt es wirklich, er befindet sich in Meßkirch.
Hier könnt ihr euch den Feldweg anhören. Ich plane auch einen großen Beitrag zur „Konservativen Revolution“ zu schreiben, zu der sich Heidegger einordnen lässt.
SErvus liebes,
Mit solch poetry kriegst mich ja.
Schöne Metapher!
Starte gut in den Sonntag.
Bleib auf deinem individuellen Weg...;-)
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Interessant. Ich würde ein gegenseitiges Follow begrüßen, da wir wohl auf ähnlichem Weg zugegen sind. Mein Follow hast bereits;) LG @trye