ST. Vincent & Grenadines – alte und neue Bekannte (10/14)

in #deutschlast month

Über Cora und Stan haben wir Daffodil kennengelernt. Die enorm geschäftstüchtige und gleichzeitig unglaublich großzügige Unternehmerin hat sich am Nordufer ein kleines Business, man kann schon fast sagen Imperium, aufgebaut. Angefangen hat sie vor über 20 Jahren mit einem Wäschereiservice für Yachties. Damals, als alleinerziehende Mutter von 2 kleinen Kindern, ist sie mit einem Ruderboot und den beiden kleinen Jungs auf den Knien zu den Yachten rausgefahren, um deren Wäsche zu waschen. Ihr Verdienst war minimal, aber ihr blieb keine große Wahl da sich der Vater der Kinder, wie leider sehr oft in der Karibik, aus dem Staub gemacht hatte. Jetzt, knapp 25 Jahre später, besitzt sie ein wunderschönes Haus direkt am Strand. Ihre Bar und die riesige Holzterrasse steht für jeden offen. Mehrere Frauen aus der Nachbarschaft hat sie inzwischen durch die Wäscherei in Arbeit gebracht. Ein wenig Genugtuung hört man heraus, wenn sie mit einem breiten Lächeln erzählt, dass selbst der untreue Vater der Kinder sie um Arbeit gebeten hat und nun ihr Angestellter ist. Dennoch, wie alle Unternehmer der Tourismusbranche hier, leidet auch sie unter der miesen Saison und macht aber irgendwie das beste daraus. Da zu wenig Gäste ihre schöne Lokalität aufsuchen und es sich für sie nicht lohnt, ständig präsent zu sei, hat sie uns kurzerhand die Bar und den Kühlschrank gezeigt. Wir sollen uns einfach bedienen und nur die Flaschenkappen aufheben, bezahlt wird dann nach Anzahl der Kronkorken. Sitzen wir Abends hier mit unseren Freunden von der Woiee (Stanek und Cora) sind meist noch Allen (USA) und Dean (CA) dabei. Daffodil schaut ab und zu mal vorbei und wenn ihre Arbeit im Haus erledigt ist, setzt sie sich auf ein Schwätzchen mit dazu. Vorher aber macht sie für uns alle Abendessen, wohlgemerkt unaufgefordert und ohne dass wir dafür bezahlen müssen. Sie sagt, kochen müsste sie sowieso für ihren verfressenen Sohn (O-Ton Daffodil) und außerdem mag sie es, wenn sie Gäste bzw. Freunde um sich hat – so lieb! Schon nach unserem ersten Abend bei ihr, lädt sie uns ein, die Terrasse, die Liegestühlen und die schattige Bar zu nutzen, wann immer wir wollen. Das Internet bei ihr ist schnell, es herrscht hier eine himmlische Ruhe und die Aussicht auf die Bucht ist traumhaft, wir haben also unseren neuen Lieblingsplatz gefunden. Um uns wenigstens ein kleines bisschen erkenntlich zu zeigen, hilft ihr Martin beim Einrichten eines Streaming-Netzwerkes, welches sie wiederum den Seglern zur Verfügung stellt. Mich bittet sie um ein paar Anregungen, wie sie ihren kleinen Strand, die Terrasse und ein paar Freiflächen noch ein wenig schöner gestalten kann. Es macht einfach Spaß gemeinsam mit ihr ein paar Ideen zu entwickeln, denn Daffodil sprüht nur so vor Elan und Geschäftssinn. Dankbar für unsere Hilfe lässt sie es sich wiederum nicht nehmen, uns am Tag vor unserer Abreise eine volle Ladung Frischwasser und unsere komplette Wäsche für umsonst zu liefern.

Nach drei Wochen, statt geplanter drei Tagen, setzen wir bei strahlendem Sonnenschein die Segel in Richtung Grenadienen. Unser nächstes Ziel ist Mayreau, reichlich 25 sm südöstlich gelegen. Sowohl Mustique als auch Canuan lassen wir backbords liegen, denn erstens sind die Liegegebühren für die „Schicky-Micky-Insel“ sehr sehr hoch (200 US$ für drei Nächte), zweitens haben wir Canuan schon gesehen und drittens warten die Cays auf uns. Stan und Cora sind uns mit ihrer schönen alten Woiee, einer Ketsch von stattlichen 72 ft Länge, 40 t Gewicht und guten 90 Jahren auf dem Buckel, einer knappe Stunde voraus. Traumbedingungen zum Segeln, der Wind bläst mit stetigen 15 – 18 kn aus Ost, kaum Seegang und mit vollem Tuch haben wir die Woiee nach ein paar Meilen eingeholt. So schön nach so langer Zeit den Wind im Gesicht zu spüren, die Bewegungen des Schiffes und die Fahrt durchs Wasser zu fühlen, dem Spiel der Wellen zu zu sehen - haben wir lange vermisst und genießen es heute um so mehr. Wir segeln den gleichen Kurs wie unsere Freund aber für Sie geht es heute in einem Schlag nach Carriacou. Dass sie dadurch am nächsten Tag bei ihrer Einreise den Jocker ziehen würden, konnte keiner wissen. Uns jedenfalls wird das noch lange auf die Palme bringen.

A propos Palme: Mayreau haben wir damals im Februar ausgelassen, was eindeutig ein Fehler war, denn das Inselchen ist zauberhaft! Die Salt Whistle Bay, in der wir am Nachmittag den Anker fallen lassen, ist ein wahr gewordener Karibiktraum. Die halbkreisförmige Bucht ist umrandet von einem schneeweißem Strand, das schillernde Grün der Palmen und Mandelbäume bildet einen herrlichen Kontrast zu den gemächlich dahin rollenden Wellen, das Meer schimmert blau, türkis, rosa, golden. An einer Stelle der Bucht ist der Strand nur wenige Meter breit, wodurch der dunkelblaue und grollende Atlantik zwischen den Palmen zu sehen ist. Nur eine handvoll Häuschen stehen nahe am Ufer. Die farbenfrohen Bars wirken einladend wobei auf den zweiten Blick zu sehen ist, dass alle verlassen wirken. Es dauert jedoch nur eine kurze Weile bis der erste Local mit seinem Bötchen vorbei kommt. Phillips Bar „The last Bar before the jungle“ ist geöffnet und wir sollen doch bitte zum BBQ kommen, Kostenpunkt 75 EC$ p.P. , Getränke extra. Im Gegensatz zu den Preisen, die wir z.B. aus Dominica gewöhnt sind, ist dies schon eine stolze Summe. Andererseits sind wir in den Grenadinen, wo alles teurer ist, da bis auf selbstgefangenen Fisch alles per Fähre aus St. Vincent angeliefert werden muss.

Wir folgen trotzdem seiner Einladung, denn heute gibt es was zu feiern: vor genau einem Jahr sind wir am 13.08. in Uckermünde aufgebrochen, unglaublich wie die Zeit vergeht. Seither haben wir gut 6.700 sm zurück gelegt, die Nordsee und den Ärmelkanal durchsegelt, südwärts die europäischen Küste passiert, zu den Kanaren und den Kap Verden übergesetzt und schließlich den Atlantik überquert. Wir haben 12 Länder besucht, an 21 Inseln haltgemacht, 362 Tage auf dem Boot und nur 3 Nächte an Land geschlafen. Wir haben unzählige wunderbare Begegnungen und Geschichten erleben dürfen, nur ganz wenige Enttäuschungen gehabt, ein Jahr voller Erlebnisse, die man sich nicht ausdenken kann. Wir sind unglaublich dankbar für die vergangenen 12 Monate und hoffen, dass die anschließenden genau so werden.

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