BaFin – des Investors Freund oder Feind?

in #deutsch2 years ago

Früher dachte ich, dass eine BaFin-Genehmigung eine gute Sache ist. Heute weiß ich es besser. (Die FMA ist übrigens die Österreichische Finanzmarktaufsicht – Pendant zur bundesdeutschen BaFin und Schweizer FinMA.)

Verzweifelte Frau von PixaBay|Jerzy Górecki

Aus meinen Kindertagen weiß ich – siehe Rotkäppchen – dass nicht Jeder, der vorgibt, mir Gutes zu tun, auch wirklich gut für mich ist. Insgesamt beobachte ich den Markt für Geldanlagen und Investments seit 30 Jahren. (Rotkäppchen kenne ich schon länger. Und nein, getroffen hab ich sie nicht persönlich.)

Vor kurzem traf ich einen aufgeschlossenen Investor, der mir gleich entgegnete, dass er keine BaFin-regulierten Geldanlagen wünsche. Was ich ihm erwiderte, entnimm bitte dem letzten Satz dieses Artikels.

Einige glückselige Aktionen der BaFin konnte ich aus nächster Nähe beobachten. Nachfolgend möchte ich etwas davon berichten.

Regulatorisches Betätigungsfeld 1

So begibt es sich seit mehreren Jahren, dass Finanzvermittler nahezu jedes Jahr mit neuen Regeln, Auflagen, Haftungen, Bürokratie und Einkommensminderungen konfrontiert werden. Das gewünschte Ergebnis ist, dass nur noch die Hartgesottenen und einige alte Hasen übrig sind. Der Rest hat das Handtuch geworfen und seine Genehmigungen nach §34 Gewerbeordnung zurückgegeben. Und Hurra, inzwischen sind endlich für diese Personengruppe auch die Experten von der bundesdeutschen Finanzaufsicht zuständig.

Prominentes aktuelles Beispiel für die weise Verfahrensweise der BaFin ist das (ehemalige) DAX-Unternehmen WireCard, was Investoren froh stimmte.

Regulatorisches Betätigungsfeld 2

Aber die Ausdünnung der freien Vermittler, die Produkte jenseits von Banken und Versicherungen anbieten, ist nur ein Zuständigkeitsfeld. Das Übel muss an der Wurzel angepackt werden!

Und so verwundert es nicht, dass es endlich auch die Produktanbieter reguliert werden. Genehmigte Prospekte und Produkte gelten meist nur ein Jahr. Prima, dass die BaFin kostenlos die Billigungen vergibt – dafür aber als Arbeitsvermittler für drei Berufsstände auftritt. Kickback gibt es über die Steuereinnahmen der für Prospektierung zu beauftragenden Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Der ahnungslose Kunde – solange er sein Wissen aus der für ihn vorausdenkenden Presse bezieht – glaubt, dass eine BaFin-Genehmigung ein Prüfsiegel für ein gutes und vielleicht sicheres Investment sei. Ein Glaubenssatz besagt:

Jede Geldanlage sollte unbedingt eine BaFin-, FINMA- oder FMA-Zulassung haben.

Würde jeder dieser potentiellen Investoren mehr Medienkompetenz haben und eine Suchmaschine seiner Wahl befragen, so stolperte er früher oder später beispielsweise mal über dieses Statement der BaFin über ihre Tätigkeit [Hervorhebung von mir]:

Im Rahmen einer solchen Billigung prüft die BaFin, ob der Prospekt die gesetzlich geforderten Mindestangaben enthält und ob sein Inhalt verständlich und kohärent (widerspruchsfrei) ist. Sie prüft die Prospektangaben jedoch nicht auf inhaltliche Richtigkeit. Ebenso erfolgt weder eine Überprüfung der Seriosität des Emittenten noch eine Kontrolle des Produkts.

Danke, BaFin, dass Du mir auch noch das letzte selbstständige Denken abnimmst! Aber das, was wichtig ist – nämlich, ob das Geschäftsmodell des Investments zukunftsfähig und solide ist, ob es die Personen dahinter auch wirklich gibt und diese kompetent sind, das prüfst Du nicht.

Durch die Prospekt-Genehmigung wird eine aufsichtsrechtliche Prüfung vorgegaukelt, die mir als Investor rein gar nichts bringt. Denn würde ich einen widersprüchlichen Prospekt lesen, läuteten bei mir die Alarmglocken. So werden einfache Widersprüche kaschiert und das Wort Totalverlust möglichst oft im Text untergebracht. Mir wird Zeit gestohlen und ich stoße erst bei tieferen Recherchen auf mögliche Ungereimtheiten. Aber eigentlich ist das nur Kleinkram.

Viel, viel schlimmer steht es um die Unternehmen, die sich einer Finanzmarktaufsicht unterwerfen: Hat die Finanzmarktaufsicht mal ein Geschäftsmodell abgesegnet und ändert nach Jahren die Regeln, führt das schnell zu einer Schieflage/Insolvenz. Aufgrund der bisherigen vertraglichen Konstrukte, die wegen der Aufsicht konstruiert werden mussten, ist eine Rettung oft nicht möglich.

So geschah es z.B. vor wenigen Jahren mit allen Anbietern von Investments in Holz/Edelholz. Mir ist ein gesunder Anbieter von Edelholz-Investments in der EU bekannt, bei dem eines Morgens die BaFin anrief:

Die Politik will, dass wir euch stärker regulieren. Ihr braucht ab sofort ein Prospekt! Das ist nicht rechtens. Ihr könnt dagegen klagen. Aber die Politik will es so.

Das Ganze wurde in drei Wellen ausgerollt, wobei mit der ersten Welle fast alle vom Markt verschwanden. Nur die Mutigen, die sich schnell ein Prospekt zulegten (Kosten 50.000 bis 150.000 €), sahen sich im Folgejahr mit weiteren Auflagen konfrontiert usw. Etliche der Hinweggefegten mussten Konkurs anmelden. Kundengelder gingen verloren. Gute Investments wurden abgewürgt.

Produkte, die nie ein Finanzprodukt waren, mussten so umgebaut werden, dass die BaFin zuständig werden konnte. Versteht sich, dass dies nur zum Vorteil der Investoren war, welche fortan weniger Rendite erhalten konnten, dafür aber solidarische Hilfe für drei notleidende Berufsstände leisteten.

Das ist kein Betätigungsfeld

Jenseits der Finanzmarktaufsichten haben sich zwei Unternehmungen mit einem interessanten Geschäftsmodell etabliert, die gern auch mal die Aufsichtsbehörden mit heißen Tipps versorgen. An deren lukrativen Geschäften kannst Du Dich als Investor leider nicht beteiligen. Das eine Unternehmen hat sogar einen Briefkasten in New York.

Deren Geschäftsmodell besteht darin, andere genehmigte und ungenehmigte Geschäftsmodelle zu diskreditieren, Prospektangaben zu verdrehen sowie hier und da einige Lügen/Verleumdungen einzustreuen. Schließlich wusste schon einer ehemaliger Chef eines amerikanischen Dreibuchstabendienstes, dass die beste Lüge mit einer Wahrheit kommt.
Als Druck- und reputationssteigerndes Mittel wird auch gern eine heiße Leitung zu den Finanzmarktaufsichten ins Spiel gebracht.

Geld kommt in diesen Fällen von Investoren und zwar von den Investoren in die Firmen oder deren Produkte. Diese Firmen mit Investorengeldern zahlen aufgrund der negativen Presse Gelder an diese zweifelhaften Unternehmungen, damit ihr Ruf im Internet wiederhergestellt wird, siehe Die eigentümlichen Geschäfte der Firma Gomopa und Bewertung von Diebewertung auf Trustpilot. Letzter Betreiber beglückt ahnungslose Investoren auch mit dem Verbraucherschutzforum.Berlin, obwohl er im übernächsten Bundesland wohnt. Ein Blick ins Impressum und etwas Nachdenken sollte die Interessen derartigen Herrschaften schnell verdeutlichen. Bei betreuten Denken ist es usus, negative Meinung zu glauben ...

Damit das nicht nach Erpressung riecht, läuft das Beraterverträge. Wobei das Wort „Erpressung“ in diesem Zusammenhang als hart eingestuft werden kann. Denn die Firmen mit Beratungsbedarf haben die freie Wahl zwischen externer Beratung oder mehr Kraft in die Gewinnung von Neukunden zu stecken.

Herzlich Glückwunsch!

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