Der Startup Hoax

in deutsch •  2 months ago

Was ist der Unterschied zwischen einem Startup und einer Ich-AG? Ich-AG-Geschäftsführer bekommen Arbeitslosengeld, während Startup CEOs im Visier von Rechtsanwälten, Steuerberatern und sogenannten Investoren sind. Vom Finanzamt werden beide gestalkt.

Der Startup-Hype korreliert eng mit dem Blockchain-Hype. Leider gibt es nur vereinzelt Blockchain-Innovationen, die nichts mit Geld zu tun haben. Leider ist die Blockchain-Infrastruktur durch die 100 prozentige Redundanz der in ihr gespeicherten Daten und durch das aufwändige und teure Mining sehr ineffizient. Dafür bekommt man die Sicherheit, dass beispielsweise eine Währung, die man mit der Technologie herausgibt, sehr resistent gegen Angriffe aller Art ist. Dabei spreche ich weniger von den sogenannten Skript-Kiddies, sondern von übergriffigen kriminellen Organisationen, die in gar nicht so seltenen Fällen als Regierungen getarnt um die Ecke kommen und ihren Kritikern die Bankkonten sperren lassen oder sie unter fadenscheinigen Vorwänden mit kostspieligen Gerichtsverfahren überziehen. Meist in umgekehrter Reihenfolge…

Bitcoin war und ist so eine Art Workaround, der diesen Systemfehler elegant umschiffen hilft. Prominenteste Beispiele sind Julian Assange und Edward Snowden. Gerade auf der Flucht vor großen und mächtigen Organisationen helfen den Verfolgten die kleinen Spenden ihrer Unterstützer. Viele von euch haben vielleicht schon erkannt, dass eine Revolution ohne das nötige Kleingeld im Keim erstickt. Deswegen wurden vergangene (Farben-) Revolutionen meist von finanzstarken Geldgebern begleitet und getrackt. Das Tracking kennen alle, die selbst schon mal als Projektleiter oder Mitarbeiter tätig waren. Für wirtschaftlich denkende Menschen ist das die wichtigste Tätigkeit eines Projektleiters. Schließlich investiert keiner ohne Return on Invest (ROI) eine größere Summe in ein Vorhaben.

Bei Dingen, die mit Geld zu tun haben, geht es natürlich immer ums Geld. Das ist eigentlich eine Binsenweisheit, die der gestresste Mitarbeiter gerne mal übersieht. Vielleicht wird auch deshalb in allen Projekten eine fast ziellose Hektik an den Tag gelegt. Damit die Opfer gar nicht merken, dass ihr aktuelles Tun dem offiziellen Projektziel kaum dienlich ist. Man spricht hier gerne von einer "Hidden Agenda". Dass die inzwischen nicht nur das Management, der Projektleiter, sondern auch die Projektmitarbeiter haben, ist Stoff für einen anderen Artikel.

Blockchain hat definitiv mit Geld zu tun. Ich erinnere daran, dass Bitcoin als Währung konzipiert war. Nicht nur für Revolutionäre oder Kriminelle. Auch für den Normalbürger, um sich vor Übergriffen auf ihr sogenanntes Guthaben zu schützen. Schätzungen gehen davon aus, dass die offenen und versteckten Kosten einer Überweisung oder Kreditkarten-Zahlung etwa 20% des Betrages, den wir übertragen, ausmacht. Habt ihr euch schon mal gefragt, wie die Banken die Multi-Millionen-Gehälter ihrer Investment-Experten und CxOs finanzieren? Inzwischen geht das mit den Erträgen der Investment-Abteilung nicht mehr. Die haben sich verdünnisiert. Also die Erträge, nicht die überbezahlten Banker. Die zweite Funktion einer Währung ist das Aufbewahren eines Wertes. Das wird schwer, wenn die Zentralbanker mit Quantitative Easing (QE) ständig die Geldmenge aufblasen. Übersetzt heißt das Inflation. Bitcoin ist deflationär angelegt, wie ich hoffentlich schon mal erklärt habe. Das liegt aber nicht an der Blockchain-Technologie sondern an der Art, wie die Bitcoins ins System gebracht werden.

Wenn man mit der Blockchain-Technologie eine neue Währung herausgibt, heißt das ICO – Initial Coin Offering. Und diese Idee hat einige Berufsgruppen mit zweifelhaftem Charakter auf den Plan gerufen. Nach dem Motto: „Wenn die Eiche gefallen ist, macht ein jeder Mann Holz“. Doch dazu muss die Eiche erst mal gepflanzt werden. Dieser Gedanke führt uns zu den Startups.

Sozial ist, was Arbeit schafft“ – ein altbekannter Slogan der SPD. Warum ist das eigentlich so sozial - bei funktionierenden Sozialsystemen? Weil das Kümmern um scheinbar Unterprivilegierte an Scheinheiligkeit nicht zu übertreffen ist. In Politik und Wirtschaft geht es nicht darum, den Wählern Arbeit zu beschaffen, damit denen nicht langweilig wird, sondern damit sich Politiker und Wirtschaftsbosse an deren Wertschöpfung laben können. Vielleicht ist die Beschäftigung der Massen auch ein Mittel, um die Wahrnehmung von Korruption und Vorteilsnahme etwas einzutrüben. Denn, wer kümmert sich um offensichtlich leistungslose Politiker- und Manager- Einkommen, wenn er gerade zwei Jobs machen muss, um seine Miete bezahlen zu können. Jedenfalls bringen Ich-Ag und Startups wieder Schwung in die Wirtschaft. Aber wie? Ich konzentriere mich jetzt mal auf die Startups.

Wer glaubt, dass man mit einer guten Idee und den zur Umsetzung nötigen Skills ein erfolgreiches Startup gründen kann, der hat sich geschnitten. Man braucht in erster Linie Geld. Warum? Das bringen doch die Investoren oder Venture Kapitalgeber! Weit gefehlt. Die machen nur mit, wenn man auch eigenes Geld investiert. Wer das im Vorfeld nicht angeschafft hat, dem traut man keinen wirtschaftlichen Erfolg zu. Das ist zumindest das vordergründige Argument. Vielleicht ist das auch ein Unterschied zu der eingangs erwähnten Ich-Ag, die eher ein Versuch ist, Arbeits- und Mittellose nochmal in den Wertschöpfungsprozess zu bringen. Kleiner Trick der Bürokraten: Die auf Arbeitslosengeld-Niveau liegenden Zahlungen, muss der Ich-Unternehmer natürlich ordnungsgemäß versteuern. Merkt ihr was? Also die Ich-Ag war wohl nicht so der Bringer. Startup klingt da besser. Und weil viele Geld-Besitzer nicht wissen, wie sie ihr Geld anlegen sollen, investiert doch jeder gerne in ein vielversprechendes Startup. Tatsächlich gibt es solche Investoren. Die sind sich aber schon der Tatsache bewusst, dass die Durchstarter zwar jede Menge Ideen haben - aber nicht immer Gute. Deswegen verlangen sie in der Regel eine Beteiligung des Geschäftsführers mit eigenem Geld. Dass er das besitzt oder sich irgendwie beschaffen kann, ist der Eingangstest. Damit aber nicht genug. Sogenannte Seed-Kapitalgeber verlangen in der Regel nicht eine Kapitalrendite von 8 oder 10% jährlich, sondern geben ihr Geld nur heraus, wenn der vorgelegte Businessplan ihren Einsatz in 5 Jahren mindestens verdreifacht. Think Big. Bei Businessplänen ist das Excel-Sheet geduldig. Man kann ja mal großzügige Verkaufszahlen planen. Danach läuft es in vielen Fällen so: Die Einnahmen wurden viel zu schnell und zu optimistisch geplant und die Einlage des Geschäftsführers ist ein Kredit. Sonst hätte man keine Investoren gefunden. Was dann passiert, könnt ihr euch ausmalen. Das Startup ist vom ersten Tag an unter einem enormen Druck. Jedes Quartal verlangen die Kapitalgeber die Vorlage der Zahlen – in manchen Fällen sogar Auszahlungen. Sobald sich geplante Einnahmen auch nur um ein paar Monate verschieben, ist das Startup zahlungsunfähig. Einige denken jetzt vielleicht, „Ok, dann machen wir es eben wie damals bei der dotcom-Blase. Wir zahlen uns als Geschäftsführer ein auskömmliches Gehalt, halten uns mit Entwicklungskosten zurück und machen so lange weiter, bis wir zahlungsunfähig werden“. Aber da sind die Investoren früher aufgestanden als die Startup-Smartboys. Die kennen diese Art von Geschäftsmodell schon und tracken die Ausgaben für Geschäftsführer-Gehalt, Dienstwagen oder Code-Camps in Luxusorten mit dem spitzen Bleistift. Wenn einer der Geschäftsführer mehr als 3000 Euro Monatsgehalt beansprucht, wird ihm mitgeteilt, dass er eigentlich gar kein Gehalt kriegen sollte, da er ja laut Businessplan mit seiner Einlage ein Vielfaches verdient. Das Ende ahnt ihr jetzt schon: Die Planzahlen werden niemals erreicht. Als kleines Schmankerl haben sich die Investoren von den Juristen in die Verträge schreiben lassen, dass ihre Rendite Vorrang hat. Das bedeutet in vielen Fällen, dass am Ende trotz hervorragender Geschäftsergebnisse die Einlage der Geschäftsführer für die Renditezahlungen der Investoren drauf geht und den Gründern neben der 80-Stunden-Woche nur noch das magere Gehalt und die Schulden für ihre anfängliche Einlage bleibt.

Jetzt versteht ihr, dass eine gute Idee ein Fluch sein kann. Die „Investoren“ interessieren sich mehr für das Eigenkapital der Geschäftsführer als für die Substanz der Idee. Vor diesem Hintergrund erinnere ich nochmal an die sogenannten ICOs. Die Initial Coin Offerings. Die sind so eine Art Gegenschlag der Startups, die begriffen haben, dass Groß-Investoren nichts anderes als Schmarotzer sind. Blackrock ist so ein Konzern, der die Gelder seiner Kunden nutzt, um wertschöpfende Unternehmen auszusaugen. Ich erwähne das aus aktuellem Anlass, da der inzwischen gescheiterte Merkel-Nachfolger Merz Aufsichtsratschef von Blackrock war. Merz muss auf irgendeiner Abschussliste gestanden haben, da er bei Blackrock inzwischen auch rausgeflogen ist und durch Siggi Gabriel abgelöst werden soll.

ICOs scheinen eine Lösung zu sein, da mit diesem Finanzinstrument Kleinanleger angesprochen werden. Das Startup gibt eine Coin heraus, deren Wert und Anzahl das Startup willkürlich festlegen kann. Ob dieser Wert dann steigt, hängt vom Geschäftserfolg der Idee ab. Es ist schon klar, dass die Coin auch komplett wertlos sein kann. Damit hätte das Startup dann das Geld der Kleininvestoren verbrannt. Anders als bei dem Crowdfunding ist in der Regel mit dem Erwerb der Coin keinerlei Anspruch verbunden. Vielleicht ist das auch egal, wenn die Interessierten nur einen kleinen Betrag investieren. Die Blutsauger wird man damit leider nicht los. Man hat nur die Angriffsfläche verändert. Mit einem ICO hat man plötzlich Juristen aller Art an der Backe. Der Gesetzgeber hält diesen „Supportern“ mit Regelungen und scheinheiligen Warnungen den Steigbügel. Die Vorwände lauten: Schutz der Kunden (DSGVO), Schutz der Idee (Patentrecht), Investitionsschutz (ICO-Regulierungen), Steuerliche Regelungen für Coins und Token. Alles Dinge, mit denen sich Gründer scheinbar nicht auskennen. Die müssen sich nämlich schon mit Blockchains, Controlling, Recruiting, Marketing und Vertrieb und – fast hätte ich es vergessen – ihrer Idee und einem funktionierenden Geschäftsmodell und natürlich Projektmanagement auskennen. Deswegen bieten die Anwälte bereitwillig ihre Dienste an. Zu den üblichen Stundensätzen ab 200 Euro. Und glaubt mir, wenn ihr die erst engagiert habt, dann erkennt ihr deren Motto: „Leise und langsam treten“. Da geht unter 100.000 Euro gar nichts. Und weil ihr die natürlich nicht habt, schauen die sich erst mal für euch nach klassischen Investoren um. Vermittlungsprovision inklusive…

FAZIT: Bis auf wenige Ausnahmen haben Blockchain-Innovationen mit der Beschaffung, der Verrechnung oder dem Aufheben von Geld zu tun. Initial Coin Offerings (ICOs) dienen immer der Beschaffung von Geld. Inwieweit die Kunden an der Geldschöpfung beteiligt werden, hängt nicht an der Blockchain-Technologie, sondern an dem Mechanismus, mit dem die Coins ins System gebracht werden. Vorsicht ist bei sogenanntem Pre-Mining geboten, da hier ausschließlich die Herausgeber der Coin von der Geldschöpfung profitieren. Startups, die 100.000 Euro Startkapital brauchen, sind ein Hoax, da digitale Geschäftsmodelle auch mit wenigen Kunden und ohne Anwälte wirtschaftlich sein können. Haltet euch fern von Anwälten und Steuerberatern…

…dann klappt es auch mit dem ICO!

Jeanne
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