🚨 𝗜𝗖𝗛 𝗪𝗢𝗟𝗟𝗧𝗘 𝗭𝗨 𝗥𝗢𝗟𝗔𝗡𝗗 𝗞𝗔𝗜𝗦𝗘𝗥

in #deutsch13 days ago

𝗨𝗡𝗗 𝗕𝗜𝗡 𝗝𝗘𝗧𝗭𝗧 𝗕𝗨𝗡𝗗𝗘𝗦𝗩𝗢𝗥𝗦𝗜𝗧𝗭𝗘𝗡𝗗𝗘𝗥 𝗗𝗘𝗥 𝗔𝗙𝗗! 😱

Es passieren ja manchmal wirklich merkwürdige Dinge im Leben. Aber dass ich zu einem Roland-Kaiser-Konzert fahre und wenige Stunden später als Bundesvorsitzender einer Partei wieder nach Hause komme, damit hätte selbst ich nicht gerechnet. Ich weiß ehrlich gesagt bis heute nicht genau, wie es dazu kommen konnte. Aber alles der Reihe nach.

Ich bin also am Samstag nach Erfurt gefahren und hatte mich schon seit Tagen auf das Roland-Kaiser-Konzert gefreut. Vorsichtshalber hatte ich bei einem Bratwurststand telefonisch 50 Thüringer Bratwürste vorbestellt, die pünktlich zu meiner Ankunft fertig sein sollten. Man weiß bei solchen Großveranstaltungen schließlich nie, wie lang die Schlangen werden, und ich wollte nicht riskieren, während „Santa Maria“ plötzlich mit Unterzuckerung zusammenzubrechen. Mein einziger Fehler war, dass ich den Bratwurstmann nicht gefragt hatte, wo das Konzert überhaupt stattfindet. Ich war nämlich fest davon überzeugt, Roland Kaiser würde in den Messehallen auftreten. Meine Freundin hatte mir das so erklärt, und wer sich auf seine Freundin verlässt, ist bekanntlich irgendwann verlassen. Frauen eben. Das Übliche.

Schon bei der Anfahrt wunderte ich mich über die vielen Menschen in gelben Westen. Einige trugen bunte Kleidung, hielten Fahnen hoch, hatten Mützen auf und saßen mitten auf den Straßen. Ich dachte natürlich, das seien alles Fans von Roland Kaiser. Ehrlich gesagt war ich sogar beeindruckt, wie viele junge Anhänger der Mann inzwischen hat. Manche winkten von Brücken, andere blockierten ganze Kreuzungen, und einige saßen einfach auf dem Asphalt. Ich dachte mir, die wollen wahrscheinlich verhindern, dass Roland Kaiser unbemerkt vorbeifährt. Wenn die Straße gesperrt ist, muss sein Auto schließlich anhalten, und dann können alle einmal durchs Fenster winken. Ich fand das etwas übertrieben, aber jeder verehrt sein Idol eben auf seine eigene Weise.

Mit viel Mühe fand ich schließlich einen Parkplatz an den Messehallen. Meine 50 Bratwürste hatte ich vorsichtshalber bereits abgeholt und in zwei großen Warmhalteboxen dabei. Dann lief ich einfach den vielen Herrschaften hinterher, die zielstrebig in Richtung Veranstaltungshalle gingen. Dass niemand meine Eintrittskarte sehen wollte, wunderte mich zwar, aber ich dachte, Roland Kaiser sei inzwischen so volksnah, dass man einfach jeden hineinlässt. Vielleicht hatte Herr Merz ja wieder ein Sondervermögen für kostenlose Konzertkarten beschlossen. Ich hätte allerdings auch einmal selbst auf meine Karte schauen können. Dann wäre mir aufgefallen, dass das Konzert bereits am Freitag stattgefunden hatte. Aber wer liest denn bitte das Kleingedruckte, wenn vorne groß „Roland Kaiser“ draufsteht?

In der Halle sah es dann allerdings etwas merkwürdig aus. Keine Bühne mit Musikinstrumenten, keine Lichtershow und weit und breit kein Roland Kaiser. Stattdessen saßen dort viele Menschen an langen Tischen, hielten Reden und diskutierten. Ich dachte zunächst, das sei vielleicht das Vorprogramm. Heutzutage muss man ja bei Konzerten mit allem rechnen. Also setzte ich mich in die erste Reihe, stellte meine beiden Warmhalteboxen auf den Tisch und begann erst einmal zu essen. Nach ungefähr zwölf Bratwürsten fragte mich der Mann neben mir, welchem Landesverband ich angehöre. Ich sagte: „Zum Landesverband der Bratwurstfreunde Thüringen.“ Er schaute mich kurz irritiert an, nickte dann aber anerkennend und schrieb etwas auf einen Zettel.

Irgendwann wurde auf der Bühne gefragt, ob es weitere Vorschläge für den Bundesvorsitz gebe. In diesem Moment hob ich die Hand, weil ich wissen wollte, ob während der Veranstaltung noch jemand Senf verteilt. Plötzlich drehten sich alle zu mir um, es wurde geklatscht, und ein Mann rief: „Endlich jemand aus der Mitte des Volkes!“ Bevor ich erklären konnte, dass ich lediglich mittelscharfen Senf wollte, wurde ich bereits nach vorne gebeten. Die Warmhaltebox nahm ich selbstverständlich mit. Man lässt 38 Bratwürste schließlich nicht unbeaufsichtigt zwischen fremden Menschen stehen.

Auf der Bühne drückte man mir ein Mikrofon in die Hand und bat mich, meine politischen Ziele vorzustellen. Ich war darauf überhaupt nicht vorbereitet und sagte deshalb einfach, was mir spontan durch den Kopf ging: Die Versorgung voluminöser Menschen müsse endlich oberste Priorität erhalten. Es könne nicht sein, dass ein stattlicher Mann im Restaurant denselben kleinen Teller bekommt wie jemand, der von drei Salatblättern und einem Glas Leitungswasser satt wird. Außerdem müsse das Hänseln kräftiger Menschen künftig streng bestraft werden. Wer Wörter wie „dick“, „fett“ oder „Bauch“ in herabwürdigender Weise verwendet, sollte mindestens eine Woche lang nur trockenen Knäckebrotaufstrich essen dürfen. Das wäre abschreckend genug.

Danach stellte ich mein wirtschaftspolitisches Sofortprogramm vor. Menschen ab 150 Kilogramm erhalten künftig eine staatliche Versorgungskarte und mindestens 30 Prozent Rabatt auf Fleisch, Wurst, Käse, Süßigkeiten und Großpackungen. Ab 180 Kilogramm gilt der Großhandelspreis, ab 200 Kilogramm werden Einkäufe direkt auf Europaletten nach Hause geliefert. Zusätzlich soll jeder Supermarkt mindestens einen verstärkten Einkaufswagen mit breiterem Griff und einem zulässigen Gesamtgewicht von zwei Tonnen bereithalten. Restaurantportionen werden nicht mehr nach Tellern, sondern nach Körpergewicht berechnet. Wer doppelt so viel wiegt, bekommt selbstverständlich auch die doppelte Menge. Das ist schließlich echte Gerechtigkeit.

Meine Rede kam offenbar hervorragend an. Besonders laut wurde geklatscht, als ich forderte, dass an deutschen Autobahnraststätten rund um die Uhr warme Bratwürste verfügbar sein müssen. Kurz darauf wurde abgestimmt. Ich hatte keine Ahnung, worüber, und aß gerade meine 27. Bratwurst. Dann stand plötzlich der gesamte Saal auf, alle jubelten, und man erklärte mir, ich sei mit überwältigender Mehrheit zum neuen Bundesvorsitzenden gewählt worden. Einer überreichte mir Blumen, ein anderer steckte mir ein Parteiabzeichen an, und eine Dame fragte, wann ich mein Schattenkabinett vorstellen wolle.

Ich habe ihr erklärt, dass ich keine Schatten mag und lieber in der Sonne sitze. Mein erstes Kabinettsmitglied steht aber schon fest: Der Bratwurstmann wird Bundesminister für Ernährungssicherheit und Grillgutversorgung. Meine Freundin soll das Familienministerium übernehmen. Dort kann sie dann anderen Frauen erklären, wie man seinen Partner versehentlich auf das falsche Datum und an den falschen Veranstaltungsort schickt. Für den Bereich Finanzen brauche ich noch jemanden, der ausrechnen kann, was mein Rabattsystem den Staat kostet. Wobei Geld bekanntlich kein Problem ist. Dafür gibt es Sondervermögen, und wenn das nicht reicht, drucken wir eben Rabattmarken.

Nun sitze ich zu Hause, habe einen Blumenstrauß, einen Parteiausweis und 23 übrig gebliebene Bratwürste vor mir und muss ein Wahlprogramm schreiben. Eigentlich wollte ich an diesem Wochenende nur Roland Kaiser hören. Stattdessen soll ich nun eine Partei führen. Meine Freundin meint, ich solle das Amt ablehnen. Aber ganz ehrlich: Wenn ich schon einmal Bundesvorsitzender bin, werde ich doch wenigstens versuchen, das Land in die richtige Richtung zu lenken.

Und die richtige Richtung führt eindeutig zur Fleischertheke.

#lifestyle #satire #RolandKaiser #Bratwurst


Veröffentlicht mit Welako

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