𝗗𝗜𝗘 𝗚𝗘𝗟𝗕𝗘𝗡 𝗘𝗡𝗚𝗘𝗟 𝗨𝗡𝗗 𝗛𝗘𝗥𝗥 𝗡𝗔𝗧𝗔𝗦

in #deutsch4 hours ago

𝗗𝗘𝗥 𝗧𝗘𝗨𝗙𝗘𝗟 𝗛𝗔𝗧 𝗚𝗨𝗧𝗘 𝗞𝗢𝗡𝗧𝗔𝗞𝗧𝗘 𝗭𝗨𝗠 𝗔𝗗𝗔𝗖 😈

Wusstet ihr eigentlich, dass die gelben Engel vom ADAC offenbar Helfer des Satans sind? Ich wusste es bis gestern auch nicht, aber man lernt bekanntlich nie aus. Ihr habt ja mitbekommen, dass wir mit unserem Wohnmobil hinter Lübeck liegen geblieben sind. Ich trete während der Fahrt auf die Kupplung und zack, fällt das gesamte Kupplungspedal zu Boden, als hätte es beschlossen, ab sofort nicht mehr am Arbeitsleben teilzunehmen. Also irgendwie noch auf den Standstreifen gerollt und den ADAC angerufen. Oder besser gesagt: versucht anzurufen. Da geht nämlich niemand mehr ans Telefon, sondern man bekommt einen Link per SMS und darf seinen Schaden online melden. Wer unterwegs kein Internet hat, kann sich vermutlich schon einmal häuslich auf dem Standstreifen einrichten. Wir hatten zum Glück Internet und meldeten den Schaden. Nach ungefähr einer halben Stunde rief tatsächlich jemand an und erklärte, die Hilfe sei unterwegs und man könne alles online verfolgen.

Natürlich hatten wir zuvor mehrere Tage lang gefühlte 40 Grad im Schatten. Kaum bleiben wir auf der Autobahn liegen, ziehen genau über unserem Wohnmobil schwarze Wolken auf und es beginnt zu regnen. Nicht irgendwo in der Umgebung, sondern natürlich direkt auf uns. Am Tag zuvor hatten wir noch ein Handy mit Bargeld und Kreditkarten gefunden und dem Besitzer zurückgegeben. Da denkt man als anständiger Mensch, man hätte damit wenigstens ein paar Karmapunkte gesammelt. Offenbar wurden die aber auf dem Weg nach oben von einer anderen Abteilung abgefangen. Auf der ADAC-Seite stand erst „Hilfe wird organisiert“, dann „Hilfe ist unterwegs“ und nach über einer Stunde plötzlich „Fall abgeschlossen“. Abgeschlossen war allerdings überhaupt nichts. Wir standen immer noch im Regen auf dem Standstreifen und weit und breit war kein gelber Engel zu sehen. Mein Fall war höchstens insofern abgeschlossen, als mein Blutdruck inzwischen kurz vor dem Endgegner stand.

Und genau in diesem Moment hält vor unserem Wohnmobil ein Lamborghini. Die Tür geht auf und wer steigt aus? Ihr werdet es nicht glauben: Herr Natas. Der gut gekleidete Herr, der mir vor einiger Zeit im Rewe meinen Einkauf bezahlt hatte, weil mein Bargeld nicht ausreichte. Am selben Abend hatte er mich noch besucht und ich musste einen Kontrakt mit ihm schließen. Was genau darin steht, weiß ich bis heute nicht, aber bisher lief eigentlich alles bestens. Den damaligen Beitrag findet ihr, wenn ihr auf meiner Seite nach dem Namen des netten Herrn sucht. Kommt nur nicht auf die dumme Idee, seinen Namen rückwärts zu lesen. Manche Dinge sollte man lieber nicht wissen, besonders wenn man nachts allein im tiefen dunklen Wald wohnt.

Herr Natas stieg also aus seinem Lamborghini, rückte seinen Anzug zurecht und sagte: „Mensch Holger, schön, dich wiederzusehen. So lerne ich auch endlich einmal deine Familie kennen. Was ist denn passiert?“ Ich erklärte ihm mein Unglück und er meinte ganz gelassen: „Das bekommen wir hin. Ich habe gute Beziehungen zum ADAC. Die sogenannten gelben Engel stehen gewissermaßen auch unter meinem Einfluss. Ich war schließlich selbst einmal ein Engel. Zwar ein gefallener, aber meine Kontakte funktionieren noch.“ Und ihr werdet es nicht glauben: Genau in dem Moment, als er sagte, dass er mir helfen werde, kam tatsächlich ein Mitarbeiter des ADAC. Zwar nur mit einem Kombi und nicht mit einem Abschleppwagen, aber immerhin kam überhaupt jemand. Er fragte, was passiert sei, und meinte anschließend: „Kein Problem, wir schleppen Sie erst einmal von der Autobahn. Zwei Kilometer weiter ist ein Gewerbegebiet mit einem Parkplatz.“

Also hing er mein fünfeinhalb Tonnen schweres Wohnmobil mit einem Abschleppseil an seinen Kombi und zog uns von der Autobahn. Herr Natas fuhr in seinem Lamborghini hinterher. Seltsamerweise wechselte der ADAC-Mitarbeiter kein einziges Wort mit ihm. Er schaute nicht einmal in seine Richtung. Fast so, als könnte er ihn überhaupt nicht sehen. Vielleicht sind gefallene Engel für gelbe Engel unsichtbar. Man weiß es nicht. Auf dem Parkplatz erklärte ich dem Mitarbeiter, dass meiner Meinung nach lediglich der Kupplungszug ausgehängt sei. Wenn er mich jetzt in eine Werkstatt bringen würde, würden sie mir vermutlich die komplette Kupplung, das Getriebe, den Motor und vorsichtshalber noch die Inneneinrichtung austauschen. Werkstätten müssen schließlich auch von irgendetwas leben.

Der ADAC-Mitarbeiter schaute auf sein Handy und meinte, er habe gerade vom Chef persönlich die Anweisung bekommen, mich besonders gut zu behandeln und alles zu versuchen, damit ich weiterfahren könne. So etwas habe er während seiner gesamten Zeit beim ADAC noch nie erlebt. Ich hätte wohl ausgesprochen gute Beziehungen. Ich schaute zu Herrn Natas hinüber, und der stand nur neben seinem Lamborghini und lächelte dieses freundliche, leicht teuflische Lächeln. Der Mitarbeiter legte sich unters Wohnmobil und stellte tatsächlich fest, dass der Kupplungszug ausgehängt war. Dann legte er sich ins Führerhaus, hängte den Zug am Pedal wieder ein, kroch erneut unter das Fahrzeug und befestigte alles ordentlich. Keine zehn Minuten später funktionierte die Kupplung wieder. Nach den ganzen Horrorgeschichten über Werkstätten, Abschleppdienste und mehrere Tage Zwangsurlaub auf irgendeinem Gewerbegebiet war das für mich fast wie Weihnachten, Ostern und die Rückzahlung einer Nebenkostenabrechnung an einem Tag.

Der Mitarbeiter nahm noch meine Personalien auf und ich drückte ihm einen Zwanziger in die Hand. In einer Werkstatt hätte ich vermutlich erst einmal eine neue Kupplung auf Kredit finanzieren müssen. Dann wandte ich mich an Herrn Natas und sagte: „Mensch, da hattest du doch wieder deine Finger im Spiel. Bin ich dir jetzt etwas schuldig? Möchtest du meinen Sohn mitnehmen oder lieber meine Freundin? Bedien dich ruhig, ich habe gerade einen Haufen Geld gespart und überlasse dir heute die freie Auswahl.“ Er winkte nur ab und meinte: „Nein, nein. Solange du weiterhin deine Geschichten veröffentlichst und die Menschen darunter so schön böse kommentieren, brauche ich nichts weiter. Allein die Hunderte Kommentare unter deinem Satirebeitrag über das angebliche russische Kriegsschiff vor Sierksdorf haben meinen Fünfjahresplan mehr als erfüllt. Wenn du weiterhin so fleißig für Nachschub sorgst, komme ich gelegentlich vorbei und tue dir einen Gefallen.“

Ich sagte ihm, dass ich das ausgesprochen großzügig finde. Allerdings war ich ein wenig enttäuscht, dass eine höhere Macht uns an diesem Tag offenbar nicht besonders wohlgesonnen war. Also fragte ich ihn: „Oder warst du etwa dafür verantwortlich, dass das Kupplungspedal heruntergefallen ist, der ADAC unseren Fall einfach geschlossen hat und es genau über uns angefangen hat zu regnen?“ Wieder kam dieses teuflische Lächeln. „Wer weiß, wer weiß“, sagte er, setzte sich in seinen Lamborghini und fuhr los. Nach wenigen Metern war das Auto plötzlich verschwunden. Nicht abgebogen, nicht hinter einem Lkw verschwunden, sondern einfach weg. Wie vom Erdboden verschluckt. Oder vermutlich eher vom Erdboden abgeholt.

Das war vielleicht ein Tag. Natürlich wollte ich euch diese Geschichte wieder absolut wahrheitsgetreu erzählen. Schließlich soll später niemand behaupten, ich hätte euch nicht davor gewarnt, dass beim ADAC nicht nur gelbe Engel arbeiten. Und falls ihr jetzt unbedingt etwas Böses kommentieren müsst: Gebt euch Mühe. Herr Natas liest mit und führt offenbar genaue Listen. In der Hölle bekommt schließlich jeder ein modernes Smartphone, aber das WLAN-Passwort gibt es erst nach der Probezeit.

#lifestyle #natas #satire #alterMannImWald


Veröffentlicht mit Welako

Coin Marketplace

STEEM 0.04
TRX 0.32
JST 0.087
BTC 60086.08
ETH 1574.84
USDT 1.00
SBD 0.42