🍔 𝗜𝘀𝘁 𝗲𝗶𝗻 𝗕𝘂𝗿𝗴𝗲𝗿 𝟮𝟱 𝗘𝘂𝗿𝗼 𝘄𝗲𝗿𝘁?

in #deutsch19 hours ago

Wir waren ja vor ein paar Tagen im Peter Pane in Dresden, einem Burgerrestaurant, in dem der teuerste Burger 25 Euro kostet. Ich hatte aus Spaß geschrieben, dass wir nun unseren Urlaub abbrechen müssen, weil uns die Rechnung solch einen Schock eingejagt hat und wir die letzten paar Euro zusammenkratzen mussten, um sie überhaupt bezahlen zu dürfen.

Und wie das im Internet nun mal so ist: Viele haben natürlich nur die ersten fünf Wörter gelesen, drei Sekunden vom Video gesehen und dann sofort die geistige Motorsäge angeworfen. Da wurde kommentiert, ich könne nicht lesen, hätte vorher auf die Karte schauen müssen und überhaupt sei ich offenbar der erste Mensch der Geschichte, der freiwillig in ein Restaurant gegangen ist und danach wusste, was es kostet.

Nur damit es keine Missverständnisse gibt: Das Bild ist ein Originalbild von meinem Burger. Genau so sah er aufgeklappt aus. Es war ein Onion Jack für 19,90 Euro mit 180 g Black-Angus-Patty, Onion Rings, Landmilchkäse, Bacon und BBQ-Sauce. Also kein trockenes Brötchen mit einem Stück Traurigkeit dazwischen, sondern schon ein Burger, der auf dem Teller stand wie ein kleiner Immobilienkredit mit Käse.

Aber ist so ein Burger nun fast 20 Euro wert? Oder ist ein Burger für 25 Euro grundsätzlich schon Körperverletzung am Portemonnaie? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Ein Artikel ist immer so viel wert, wie Kunden bereit sind, dafür zu bezahlen. Das gilt für Burger, Schnitzel, Eisbecher, Schokolade, Autos und vermutlich auch für Duftkerzen mit Namen wie „Sommerabend in der Toskana“, obwohl sie am Ende riechen wie Oma Ernas Badschrank.

Natürlich kommen bei einem Restaurant auch Kosten dazu: Miete, Personal, Strom, Einkauf, Steuern und all die anderen Dinge, die viele gern vergessen, weil das Essen bitte frisch, lecker, schnell, günstig und am besten noch von einem lächelnden Engel auf Rollschuhen gebracht werden soll. Peter Pane ist eben kein kommunistischer Burgerladen mit sozialistischer Preisgestaltung und FDJ-Rabatt auf Onion Rings. Dort wird der Preis genommen, den Menschen bereit sind zu zahlen. Würde keiner diese Burger kaufen, würde sich die Preiskarte vermutlich sehr schnell an die Realität erinnern.

Und ja, in diesem Fall gehörten wir zu diesen Menschen. Ich gestehe es. Wir waren sogar schon zum zweiten Mal dort essen. Im Dezember letzten Jahres waren wir mit meinem Sohn und meiner Freundin in Dresden und sind dort ebenfalls gelandet. Es hat uns geschmeckt. Als ich die Freundin jetzt fragte, ob wir essen gehen wollen, sagte sie nur: „Gehen wir doch wieder dorthin.“ Und weil ich offenbar ein schwacher Mann bin, sobald Burger und BBQ-Sauce im Raum stehen, sind wir wieder dort gelandet.

Wir kannten die Preise vorher. Wir konnten lesen. Wir wurden nicht mit einem Baconstreifen in Geiselhaft genommen. Niemand hat uns gezwungen, diesen Laden zu betreten. Es war unsere Entscheidung. Und ja, ich arbeite teilweise sieben Tage die Woche, oft 12 bis 14 Stunden am Tag, und dann erlaube ich mir tatsächlich, im Urlaub mit meiner Freundin essen zu gehen. Ich weiß, skandalös. Zwei Erwachsene verdienen Geld und geben es dann aus. Wo soll das alles noch hinführen?

Mir ist vollkommen klar, dass sich nicht jeder einen Restaurantbesuch leisten kann. Das ist nicht lustig, das ist traurig. Heute ist man mit Getränken schnell bei 30 Euro pro Person oder mehr. Für viele Menschen ist das kein „Ach komm, machen wir mal“, sondern eine Entscheidung, über die man vorher nachdenken muss. Genau das ist ja das Problem: Die Schere zwischen denen, die sich so etwas leisten können, und denen, die jeden Euro zweimal umdrehen müssen, wird immer größer.

Aber das betrifft ja nicht nur Burger. Schaut euch doch Schokolade, Butter, Eis, Kaffee oder ganz normale Markenprodukte an. Die Preise gehen rauf, die Packungen werden kleiner, der Inhalt verschwindet heimlich wie gute Laune beim Blick auf den Kassenbon, und am Ende kaufen wir es trotzdem. Wir meckern, schimpfen, rollen mit den Augen und legen es dann in den Einkaufswagen. Der deutsche Verbraucher ist manchmal schon ein faszinierendes Wesen: rebellisch bis zur Supermarktkasse, danach wird bezahlt.

Würde eine Marke oder ein Restaurant konsequent boykottiert, würden die Preise wahrscheinlich schneller purzeln, als man „Shrinkflation“ sagen kann. Aber so läuft es meistens nicht. Man meckert ein bisschen, tritt nach unten gegen die Schwächeren und buckelt nach oben. Der deutsche Untertan lässt erstaunlich viel mit sich machen, solange er danach irgendwo im Internet jemanden findet, dem er erklären kann, dass dessen Burger zu teuer war.

Und genau da kommen dann solche Beiträge wie meiner ins Spiel. Ich schreibe aus Spaß, dass wir wegen der Burgerrechnung unseren Urlaub abbrechen mussten, und schon versammelt sich die Kommentarspalte zur öffentlichen Sondersitzung „Holger und der teure Klops im Brötchen“. Da wird analysiert, bewertet, belehrt und empört, als hätte ich nicht einen Burger gegessen, sondern die Bundesbank mit BBQ-Sauce eingerieben.

Das eigentlich Lustige daran ist: Mit den Beiträgen über diesen Burger habe ich am Ende mehr verdient, als mich die Burger überhaupt gekostet haben. Während also einige sehr fleißig kommentiert haben, wie dumm ich angeblich bin, haben genau diese Kommentare dafür gesorgt, dass sich das Essen praktisch selbst bezahlt hat. Das ist dann wieder diese moderne Internetlogik: Erst aufregen, dann Reichweite schenken. Vielen Dank für Ihren Beitrag zur Refinanzierung meines Abendessens.

Und ganz ehrlich: Es ist nicht meine Schuld, dass die Preise sind, wie sie sind. Und es ist ganz sicher mein gutes Recht, mir etwas zu kaufen, wenn ich Appetit darauf habe. Ich arbeite für mein Geld. Und auch wenn ich gesundheitlich nicht gerade als fabrikneues Modell durchgehe, bilde ich mir ein, dass ich ziemlich hart arbeite. Also darf ich im Urlaub auch mit meiner Freundin einen Burger essen, der 19,90 Euro kostet.

Und ja, haltet euch fest: Am nächsten Tag waren wir sogar noch in einer Eisdiele und haben einen Eisbecher gegessen. Am Abend haben wir uns dann auch noch etwas vom Bringdienst zum Wohnmobil liefern lassen. Ich weiß, moralisch kaum noch vertretbar. Zwei Menschen machen Urlaub, essen etwas und haben dabei auch noch Freude. Da kann man als ordentlicher Internetmensch natürlich nicht einfach ruhig bleiben.

Also mal ehrlich: Wo liegt bei euch die Schmerzgrenze? Was darf ein Burger höchstens kosten, bevor ihr sagt: „Für den Preis kaue ich lieber am Lenkrad vom Wohnmobil“?


Veröffentlicht mit Welako

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