Generation Y - Warum bleiben wir stehen?

in deutsch •  2 years ago

Wenn du stehen bleibst fühlst du dich sehr, sehr langsam.
Es ist faszinierend, wie unerwartet einen dieses Gefühl überkommt obwohl man denkt, in unserem Alter wäre das lächerlich. Wir befinden uns in der Ausbildung oder im Studium. Vielleicht haben wir einen geregelten Tagesablauf, vielleicht aber auch nicht. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Doch unserer pulsierenden Generation wird schnell langweilig.
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Über die neumodernen Medien werden uns, wie allseits bekannt, Schönheitsideale geradezu um die Ohren gehauen. Wir informieren uns stetig über die neuesten Food-Trends, die uns einen noch schnelleren Gewichtsverlust versprechen. Wir ernähren uns wie die Steinzeitmenschen, rennen in den McFit, den mittlerweile jeder um die Ecke hat um „uns selbst zu verwirklichen“. Dort nehmen wir die Menschen, die wie im Rudel um den höchsten Kalorienverbrauch radeln, gar nicht mehr wahr. Und dabei glotzen sie alle auf ihre Handys als würden sie in ihrer eigenen Welt leben. In dieser Welt umgeben sie sich mit Inspirationen für die Ziele, die sie erreichen wollen.

Ihre eigene Ziele? Heutzutage und grade uns, als schnell erreichbare und zugängliche Zielgruppe, werden einem aber lange nicht mehr nur Schönheitsideale präsentiert. Es sind „Lebensideale“. Menschen die viele Freunde haben, viel unterwegs sind und natürlich reisen.
Es ist Paradox: Ihr Freigeist gestaltet den Instagramfeed, der so young and wild and free ist, wie noch nie. Gott, sie sind alle so individuell. Wir versuchen in ihre Lebensweisen einzutauchen und uns von ihrer Philosophie anstecken zu lassen. Wir denken diese Menschen seien glücklicher als wir. Wegen ein paar bearbeiteten Fotos aus den Sternstunden ihres Lebens?

Wir eifern ihnen nach und wollen ein genauso abwechslungsreiches und spannendes Leben wie sie. Wir denken diese Menschen motivieren uns ein einzigartiges Hobby zu finden, uns auszuleben. Und genau das ist der Punkt an dem wir das Gefühl haben stehen zu bleiben. Seien es eine neue Haarfarbe oder ein neuer Freundeskreis, wodurch wir versuchen diesem Stehenbleiben zu entkommen. Es gelingt uns nicht.

Wir wollen uns selbst finden. Aber wie soll das funktionieren, wenn wir uns kaum mit uns selbst beschäftigen? Und damit ist nicht gemeint die kindliche Depression, die in uns allen steckt, auszuleben und über all das Schwierige nachzudenken, was um uns herum geschieht. Es geht um dich! Wer bist du? Was kannst du gut? - Unbeachtet ob du damit einzigartig bist oder nicht. Was gefällt dir? Wir versuchen uns selbst durch temporäre Variablen wie Aussehen, Besitz und einer Lebensweise, die in den Bewerbungsunterlagen hoffentlich gut aussieht, zu werten und in der Gesellschaft einzuordnen.

Doch eine Frage, die wir uns immer vor Augen halten sollten, ist:
Was macht mich glücklich?

Nehmt den Text nicht zu negativ auf. Vielleicht kann ich zum Nachdenken anregen.
Habt einen wundervollen Tag und genießt das Wetter

(Das Bild habe ich vor einiger Zeit gemalt)

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Liebe Celina, das ist ein Hammer–Text. Ich meine, der ist weder besonders raffiniert, noch so ungewöhnlich dass man sagen könnte, das wäre noch nie geschrieben werden. Nein, das nicht. Aber er ist verdammt ehrlich und lässt gaaaanz tief blicken in Probleme, die wir einfach nur sehr schwer los werden können.

Du hast einige gute Hinweise verpackt, dass deine Generation erstens überhaupt kein bisschen anders tickt als meine, obwohl da schon mindestens eine dazwischen liegt. Zweitens, dass noch immer nicht genug Vernunft nachgewachsen ist, all dem kranken Marketing–Geplärre den ausgestreckten Mittelfinger entgegen zu recken. Warum ist das nur so schwer? Weil ihr keine Hippies seid. Wir haben uns selbst genügt. Es ist einfacher, die Scheinwelt zu erkennen, wenn man lieber gar nichts auf der eigenen Agenda stehen hat, als den Stoff der Arschkneifer, die ihrem System vertrauen. Es ist besser, ein Risiko einzugehen, als sichere Wege zu latschen. Aber bringe das einem Hosenscheisser mal bei. Unmöglich, der sagt nur: „Wer baut, der schaut.“ Vielleicht sogar auf schwäbisch. Dann fällt er eines Tages in seinem Bunker um und hat kaum Spaß gehabt. Nur geschaut.

Man kann dieses falsche Marketing–Pack auch einfach ignorieren. Man kann doch längst wissen, dass jeder sich nur selbst verkaufen will und wie elend unwürdig das ist, weiß man doch auch schon längst. Niemand, keiner der in Flimmer und Hochglanz daher kommt, hat etwas zu verschenken oder wünscht gar, dass es Dir besser geht als ihm selbst. Du siehst um dich herum einen Haufen vollgekokste Egomanen, die jetzt sogar über das Smartphone in dein Hirn hinein kriechen wollen. Sie wollen sich als Bank, Versicherung, Automarke und all das Falsche, Hinterlistige in dir einnisten, wollen einfach nur von dir profitieren.

Ich habe das alles vollkommen aus meinem Leben ausgesperrt. Abgeschüttelt. Dicht gemacht. Willst du Versicherung? Leck mich! Brauchst du Auto? Leck mich! Brauchst du Haus, willst du Gesundheit und langes Leben? LECK MICH!!! Ich brauche dich nicht! Habe ich um ein Gespräch gebeten? Mach' dich vom Acker! So geht das. Wo ist das Problem?

Du willst dazu gehören. Deshalb bleibst du stehen. Lass das sein. Darum geht es nicht.

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Das ist ein sehr langer Text für einen Kommentar. Fast ein eigener Artikel. Upvoted. Aber was mich ein bisschen stört, ist folgendes: Man sollte sich nicht so pauschal und undifferenziert über andere moralisch erheben. Auch Leute mit gepflegter Kleidung und dicken Autos können gebildet, wohlwollend, gutherzig, verantwortungsvoll sein und eine lockere Einstellung zu ihrem Reichtum haben.

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Da bin ich ganz schmerzfrei. Aber ich erhebe mich nicht, @freiheit50, sondern bin einfach nur oben. Es ist nicht besser oder schlechter als unten zu sein. Man fühlt sich einfach nur besser. Punkt. Mehr nicht. Es ist ein ziemlich großer Unterschied zwischen unten und oben. Meistens mache ich mich extra klein, damit ich nicht immer oben raus gucke. So ähnlich, wie in Tokyo in der Ubahn. Danke für's Voten und ich weiß, für einen Kommentar war das zu lang. Aber ich muss das nicht auch noch in einem eigenen Artikel breit treten. Wenn ich das jetzt noch differenzieren würde, könnten sich viele Menschen zurück gesetzt oder gar Scheiße fühlen. Du merkst ja selbst, wie das bei dir ankommt. Da fängt man nicht noch differenziert an zu rösten, glaube mir. Eigentlich schweigt man besser und fühlt sich heimlich wohl.

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Tja, die Frage ist eben: was macht mich glücklich? ;-)

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Wie schön zu wissen, dass ich jemanden zum Nachdenken anregen konnte!
Ich verstehe den Vergleich unserer Generationen auf jeden Fall.
Ich hatte ja gar nicht von Werbung, sondern Freunden und Bekannten gesprochen und wie sie auf Instagram und Co. unterwegs sind.

Hast du schonmal von den Third-Person-Effekt gehört? Sehr interessante Theorie!

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Da freue ich mich schon auf deinen Artikel zum Third–Person–Effekt, liebe @celinavdl. Ich weiß, worüber du geschrieben und was du gemeint hast. Das gehört aber alles mit dem zusammen, was ich geschrieben und gemeint habe. Es geht um das gesellschaftliche Setup, womit wir in der Regel ziemlich mies vorbereitet dealen müssen..

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Das ist eine gute Idee! Da setze ich mich heute schon dran, denke ich.
Ich habe grade mein Facebook-Profil deaktiviert und fühle mich frei!
Artikel folgt im Laufe des Abends :)

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Das Facebook, @celinavdl musst du nicht deaktivieren, sondern es als Propagandamaschine für Steemit nutzen. Darüber kann man neue Steemians werben und das kommt uns allen zugute. Mehr Steemians, höherer STEEM–Kurs. So einfach ist die Gleichung. Einfach still legen bedeutet, das Kind mit dem Bade auszuschütten.

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So hätte ich es natürlich nutzen können. Aber ich wollte der Reizüberflutung entkommen und habe aus Langeweile zu viel Zeit dort verbracht, die ich produktiver nutzen kann, wenn ich nicht die Möglichkeithabe, dorthin zu flüchten.
War für mich persönlich die richtige Entscheidung

Toller Text, passt ja echt ganz gut zu meinem Gedicht :D

Ich denke Mensch findet am besten zu sich selbst, in dem er so viel wie möglich ausprobiert, denn jeder trägt Stärken in sich, die er noch garnicht entdeckt hat.

Followe dir mal. :)

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Dankeschön!
Ja da hast du recht. Ich habe glücklicherweise schon für mich entdeckt, dass ich allein für mein Glück verantwortlich bin. Aber haben manche noch gar nicht verstanden.

Danke! Ich dir auch bereits :)

Dieser Artikel ist sehr gut gelungen! Die zum Ausdruck gebrachten Gedanken teile ich. Das Bild ist auch schön. Ich kann überhaupt nicht zeichnen, daher bewundere ich die künstlerischen Fähigkeiten von anderen Menschen!

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Danke! Das ermutigt mich sehr :)