#6 Handlungssituation PPH
Servus Leserschaft, als nächstes möchte ich euch meine Hausarbeit vom Dezember 2017 vorstellen. Die Aufgabe war es eine fiktive Handlungssituation zu erstellen und diese dann aus theoretischer Sicht (PPH) auseinander zu nehmen. Aufgabenstellung war dabei das man die Prüfungsrichtlinen an Bayrischen Fachakademien berücksichtigt. Ich hoffe es ist mir gelungen. Laut Lehrerin war es nicht so schlecht :D
Handlungssituation (mussten wir uns selber ausdenken)
Sie sind Erzieher im evangelisch - lutherischen Kindergarten Sonnenschein und haben im vergangenen Kindergartenjahr an einer Weiterbildung im Kikus (Kinder n Kultur und Sprache) teilgenommen. Dort arbeiten sie zusammen mit einer Kinderpflegerin und einer Berufspraktikantin in der Bärengruppe. Der Kindergarten hat insgesamt 3 Gruppen. Die Bärengruppe hat einen Gruppenraum, sowie einen kleinen Nebenraum. Der inklusiv arbeitende Kindergarten ist in Puchheim einem kleinen Ort in der Nähe von München. Die Einrichtung grenzt an die benachbarte evangelische Kirche, dessen Räumlichkeiten nach Anmeldung für diverse Aktivitäten genutzt werden können. Als Kooperationspartner stehen der Einrichtung nicht nur die Kirche zu Verfügung, sondern auch noch eine Logopädin sowie ein Ergotherapeut. Die Bärengruppe besteht aus 25 Kindern von denen 13 Mädchen und 12 Jungen sind. Die Kinder sind im Alter von 3 – 6 Jahren und stammen aus 13 Nationen. Dreiviertel der Kinder werden im Kindergarten Sonnenschein ganztägig betreut. In der Bärengruppe haben 21 Kinder einen Ganztagesplatz. Die Einrichtung orientiert sich an den pädagogischen Grundsätzen des bayerischen Bildungs- und Erziehungsplans (BEP).
Allegra ist 3,1 Jahre alt, halb Argentinierin, halb Italienerin. Sie besucht den Kindergarten ganztägig. Allegra ist jetzt sechs Wochen seit Beginn des neuen Kindergartenjahres in der Einrichtung. Mit ihr zusammen sind fünf weitere Kinder im Alter von drei Jahren in die Bärengruppe und somit neu in die Einrichtung gekommen. Durch Beobachtungen und dem täglichen Umgang mit Allegra zeigte sich, dass Sie Schwierigkeiten bei der Verständigung mit den anderen Kindern und den Erziehern hat. Allegra spricht nur wenige Wörter. Die meiste Kommunikation findet nur über Gesten statt. Trotz der geringen verbalen Kommunikation ist Allegra sehr interessiert, wenn andere Kinder spielen und spielt meist mit ihnen mit. Beim Spielen kommt es zwischen Allegra und den anderen Kindern oft zu Missverständnissen, weil die anderen Kinder meist nicht verstehen was sie von ihnen will. Darauf reagiert Allegra mit lautem „NO“ rufen und wird teilweise handgreiflich, zieht anderen Kindern an den Haaren, schubst oder tritt manchmal sogar mit den Füßen zu.
Das Team reagiert auf Allegras Verhalten einheitlich, indem ihr erklärt wird, was sie falsch gemacht hat. Sie zeigte Verständnis für Sache, da sie die deutsche Sprache versteht, aber nicht spricht. Allegra ist ein sehr hilfsbereites Mädchen. Sie übernimmt gerne Aufgaben, wie Tischdienste oder den Gruppenraum kehren. Sie ist in Ihrem Tun sehr selbstständig, zieht sich bereits selbst ohne Hilfe an. Allegras aggressives Verhalten tritt nur in Situationen auf, in den sie sich scheinbar nicht verstanden fühlt. Ansonsten zeigt Allegra sehr viel Mitgefühl gegenüber den anderen Kindern. Dies äußert sich beispielsweise dadurch, dass sie weinenden Kindern sofort Trost spendet. Wenn man Allegra fragt ob sie Kehren möchte oder etwas trinken oder Essen und sie stimmt dem zu, kommt von ihr ein „Ci“. Lässt man sich von Allegra etwas zeigen, zum Beispiel was sie trinken mag, zeigt sie es mit dem Wort „kik“. Ansonsten zeigt Allegra sehr viel Mitgefühl gegenüber den anderen Kindern. Dies äußert sich beispielsweise dadurch, dass sie weinenden Kindern sofort Trost spendet.
Die Eltern von Allegra sind beide der deutschen Sprache mächtig, sprechen allerdings mit starkem Akzent und grammatikalisch nicht korrekt deutsch. Zuhause sprechen sie mit Allegra entweder italienisch oder spanisch oder english um ihrem Kind die Muttersprache zu vermitteln.
Michael Rie FAKS16 08.12.2017
I. Handlungsanalyse
- Analyse der beruflichen Handlungssituation
1.1. Struktur- und Rahmenbedingungen sowie deren Bedeutung
Der evangelische - lutherische Kindergarten Sonnenschein befindet sich in einem Vorort von München und grenzt dort direkt an die evangelische Kirche, deren Räumlichkeiten zusätzlich genutzt werden können. Der Kindergarten besteht aus drei Gruppen. Die Bärengruppe hat einen Gruppenraum und einen kleinen Nebenraum. Dort arbeiten drei Vollzeitkräfte, ein Erzieher, eine Kinderpflegerin und eine Berufspraktikantin. Es stehen noch ein Logopäde und Ergotherapeut zur Verfügung. Die Bärengruppe besteht aus 25 Kindern im Alter von 3 – 6 Jahren, von denen 13 Mädchen und 12 Jungen sind und aus 13 verschiedenen Nationen stammen. Dreiviertel der Kinder werden im Kindergarten Sonnenschein ganztägig betreut. In der Bärengruppe haben 21 Kinder einen Ganztagesplatz. Die Einrichtung orientiert sich an den pädagogischen Grundsätzen des bayerischen Bildungs- und Erziehungsplans (BEP).
Bedeutung der Rahmenbedingungen
Durch den hohen Personalschlüssel besteht die Möglichkeit, parallel zum pädagogischen Alltag, mit Kleingruppen verschiedene Aktivitäten durchzuführen und besser auf spezifische Bedürfnisse der einzelnen Kinder einzugehen.
Da die Räumlichkeiten der benachbarten Kirche zusätzlich genutzt werden können entsteht so weiterer Raum für Bewegungsangebote, kirchliche Feste und Feiern, sowie Andachten, an denen alle Kinder der Einrichtung teilnehmen.
Rechtliche Grundlagen
Seit 2005 das Bayrische Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz (BayKiBiG). Hier sind die Bestimmungen der Bildungs- und Erziehungsarbeit geregelt.
Weiter gibt das KJHG, Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) unter Abschnitt 3, ab §22 bis §26 Regelungen zur Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen vor.
Der BEP dient als Orientierungshilfe – für zeitgemäße Bildung und Erziehung von Kindern im Alter von 0 – 6 Jahren in Tageseinrichtungen.
1.2. Berufliche Aufgaben und offene Fragen
Ebene Allegra
Situation:
Allegra ist 3,1 Jahre alt, seit 6 Wochen in der Gruppe und besucht den Kindergarten ganztägig.
Problem:
Allegra spricht nur wenig. Die meiste Kommunikation findet über Gesten statt. Beim Spielen mit anderen Kindern kommt es oft zu Missverständnissen, weil die anderen Kinder meist nicht verstehen was sie von ihnen will. Darauf reagiert Allegra aggressiv wird teilweise handgreiflich.
Ressourcen:
Allegra versteht ihr Fehlverhalten und reagiert mit Einsicht. Sie ist ein sehr hilfsbereites und empathisches Mädchen. Allegra ist schon sehr selbständig. Allegra spricht die Wörter No – Si – Kik.
Handlungsbedarf:
Allegra muss lernen ihre Wünsche verbal zu äußern und ihr Verhalten gegenüber den anderen Kindern in Situationen, in denen sie sich nicht verstanden fühlt, zu kontrollieren.
Verhaltensänderung:
Tritt keine Verhaltensänderung auf, könnte es passieren, dass die anderen Kinder Allegra ausschließen um ihren unberechenbaren Reaktionen aus dem Weg zu gehen. Außerdem könnte es passieren, dass sie Kinder verletzt.
Ohne erlernen und benutzen der deutschen Sprache kann Allegra sich nicht in das Gruppengeschehen einbringen. Verbale Kommunikation ist ein essentieller Bestandteil um am Kindergartenalltag teilzunehmen.
Offene Fragen:
Will Allegra nicht sprechen? Hat Allegra Geschwister?
Ebene Erzieher
Situation:
Ich arbeite als Erzieher in einer Kindergartengruppe mit 25 Kindern im Alter von 3 – 6 Jahren zusammen mit einer Kinderpflegerin und einer Berufspraktikantin. Die Kinder haben Großteils einen interkulturellen Hintergrund. In meiner Gruppe befindet sich die 3,1 Jahre alte Allegra, die deutliche Probleme mit verbaler Kommunikation hat und in bestimmten Situationen aggressives Verhalten zeigt.
Probleme:
Ich konnte beobachten, dass Allegra Hauptsächlich über Gesten kommuniziert und sie aggressiv reagiert, wen die anderen Kinder sie nicht verstehen.
Ressourcen:
Ich bin staatlich anerkannter Erzieher und ich habe eine gute Beobachtungsgabe. Ich habe eine Weiterbildung besucht mit dem Thema Kinder in Kultur und Sprachen (KiKuS).
Handlungsbedarf:
Mein Handlungsbedarf ist, Allegra alternative Verhaltensweisen aufzuzeigen um sich Gehör und Beachtung zu verschaffen. Im Vordergrund steht hier die verbale Kommunikation um zu verhindern, dass Allegra aus der Gruppe ausgeschlossen wird.
Verhaltensänderung:
Tritt keine Verhaltensänderung auf, habe ich meinen Bildungs- und Erziehungsauftrag nicht erreicht und habe Allegra nicht in ihrer Entwicklung passend gestärkt.
Offene Fragen:
Wie ist meine Beziehung zu Allegra? Wie nehme ich Allegras Verhalten wahr? Ebene Eltern
Wie nehmen die Eltern Allegras Verhalten zuhause wahr? Besucht Allegra einen Deutschkurs oder ist es in Planung? Wie ist die Kommunikation mit Allegra im Allgemeinen?
Ebene Team
Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit im Team?
Wie nimmt das Team das Verhalten von Allegra wahr?
Hat sich das Team mit dem Verhalten von Allegra auseinandergesetzt?
Ebene Kindergartengruppe
Wie reagieren die Kinder auf Allegras Verhalten? Wie gestaltet sich die Kommunikation?
Wie nehmen die Kinder Allegra in die Gruppe auf?
- Bestimmen möglicher Fachinhalte aus Sicht der beiden Fachperspektiven
Fachperspektive Psychologie
- Urie Bronfenbrenner
- Entwicklungspsychologie
- Bindungstheorie (laut Stark Verlag in Psychologie)
- Resillienzkonzept
- Gruppenphasen nach Berstein/Lowy
Fachperspektive Heilpädagogik
- Sprachentwicklungsstörung - Aggressionen
- Beeinträchtigung
- Auswahl und Begründung eines Fachinhaltes pro Fachperspektive
Psychologisch:
Ich habe den Fachinhalt Gruppenphasen nach Bernstein und Lowy gewählt, da Allegra erst sechs Wochen die Einrichtung besucht und sich neu in einer noch ihr unbekannten Gruppe bewegt. Durch näheres betrachten der Gruppenphase kann man Allegras Verhalten erklären und sie dementsprechend unterstützen.
Heilpädagogisch:
Ich habe den Fachinhalt Sprachentwicklungsstörung gewählt um die Ursachen für Allegras fehlende verbale Kommunikation zu verstehen. Dadurch bieten sich mir Möglichkeiten herauszufinden welche Handlungsplanung und Methoden für Allegra notwendig sind um ihre Sprachentwicklung zu fördern. Dazu sollte man den Schwerpunkt der Analyse auf individuelle Sprachentwicklungsprozesse und den Bereich der Sprachstörung legen. Um die in der Handlungssituation dargestellten Sprachstörungen einordnen zu können, sind neben theoretischen Erkenntnissen der Sprachstörung auch Kenntnisse über den Verlauf der kindlichen Sprachentwicklung von Nöten.
(Quelle: Stark Verlag: Fachakademie für Sozialpädagogik, 2014-7)
- Analyse aus zwei Fachperspektiven
Psychologie:
Saul Bernstein und Louis Lowy haben die Entwicklung einer Gruppe in fünf Phasen unterteilt, wobei über die Dauer und Tiefe der Beziehungen nichts ausgesagt wird. Es werden hier nicht nur der jeweilige Entwicklungsstand einer Gruppe, sondern auch die damit verbundenen Aufgaben der pädagogischen Fachkraft beschrieben.
Fremdheits- oder Orientierungsphase
Die Gruppe besitzt noch kein Zusammengehörigkeitsgefühl. Im Vordergrund steht die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse. Die Kinder sind aufgeregt, unsicher, aber auch neugierig. Es werden erste Versuche unternommen einander kennenzulernen.
Erzieher und Erzieherinnen unterstützen die Kinder, indem sie ihnen Freiraum sowie Struktur geben, eine entspannte Atmosphäre schaffen und das Verhalten der Kinder aufmerksam beobachten. Es ist wichtig darauf zu achten, dass kein Kind von den anderen ausgeschlossen wird und schüchterne Kinder ermutigt werden. Durch offene Angebote können sich die Gruppenmitglieder besser kennenlernen und Kontakte knüpfen.
Machtkampf- oder Rollenklärungsphase
Die Normen, Rollen und Funktionen innerhalb der Gruppe werden ausgehandelt. Es herrschen Spannungen und Unruhe und es kommt zu Machtkämpfen. Es können sich Untergruppen bilden, die sich gegeneinander abgrenzen. Ebenso kann es zum Ausschluss einzelner, oft schwacher Kinder, kommen.
Aufgabe der pädagogischen Fachkraft ist hier Aggressionen und Machtkämpfe zu klären und Grenzen zu setzen. Hierbei sollen schwache Kinder gestützt, stärkere Kinder evtl. gebremst und ausgegrenzte Gruppenmitglieder wieder eingebunden werden. Jedoch sollten kleinere Konflikte und Kräftemessen zugelassen werden,
solange sie nicht den einzelnen Gruppenmitgliedern schaden. Gemeinsam mit der Gruppe werden Normen und Regeln festgelegt.
Vertrautheits- oder Wir-Phase
Hier entsteht erstmals ein Wir-Gefühl. Die Rollen sind verteilt und die Gruppenstruktur stabilisiert sich, was ein Sicherheitsgefühl gibt. Die Gruppe grenzt sich nach außen ab. Neue Gruppenmitglieder haben es schwer jetzt aufgenommen zu werden.
In dieser Phase benötigt die Gruppe möglichst viele Freiräume, in denen sie sich als zusammengehörig empfinden kann. Die Kinder werden in ihrem Tun unterstützt und ihnen wird zunehmend mehr Selbstverantwortung übertragen.
Differenzierungsphase
Die Kinder haben inzwischen ein ausgeprägtes Wir-Bewusstsein entwickelt und es besteht ein großer Zusammenhalt innerhalb der Gruppe. Jedes Kind wird als eigenständige Persönlichkeit akzeptiert und Konflikte können sachlich gelöst werden.
Die pädagogische Fachkraft kann und sollte sich in dieser Phase zurückziehen und nur noch die notwendigen Impulse und Anregungen geben. So bleibt Zeit sich auf die Persönlichkeitsentwicklung der einzelnen Kinder zu konzentrieren, die nun ihre Stärken und Schwächen nicht mehr durch Rollen überspielen. Beziehen zu anderen Gruppen können geknüpft werden.
Ablösungs- oder Trennungsphase
Die Gruppenbeziehungen lockern sich wieder. In dieser Phase kann Angst vor Verlust der Zusammengehörigkeit auftreten, andererseits allerdings auch die Freude über das Vergangene und die Hoffnung auf die Zukunft überwiegen.
In dieser Phase ist Zeit zurückzuschauen und die gemeinsame Zeit auszuwerten. Die pädagogische Fachkraft bereitet die Auflösung vor und unterstützt den Anschluss an andere Gruppen. Außerdem sollte sie die Wiederbegegnung nach der Trennung ermöglichen.
Quelle: Erzieherinnen + Erzieher Band 1, Cornelsen Verlag Seite236,237
Da Allegra erst seit sechs Wochen die Einrichtung besucht und sich neu in die Gruppe einfinden musste, befindet sie sich noch in der Fremdheits- und Orientierungsphase. Diese Phase ist eher von Unsicherheit und Zurückhaltung geprägt. Es ist wichtig für Allegra gerade in dieser Phase mit den anderen Kindern zu kommunizieren um ihren Platz in der Gruppe zu finden und nicht ausgegrenzt zu werden.
Um dies zu gewährleisten ist es wichtig Allegras Sprachentwicklung zu fördern.
Heilpädagogik:
Sprachstörungen haben Unterschiedliche Ursachen. Auslöser dafür können Schädigungen am Gehirn sein, durch diese wird die Sprachstörung hervorgerufen. Ein weiterer Auslöser sind Schädigungen des Gehörs, durch Schwerhörigkeit und Taubheit kann es zu Schwierigkeiten in der Sprachentwicklung kommen, da die Sprache differenziert – gar nicht wahrgenommen wird. Eine weitere Folge von Sprachstörungen können auch Erkrankungen des Sprechapparates sein.
Bei Allegra kann man von einer erworbenen Störung ausgehen. Aus der Handlungssituation geht hervor das Allegra die Wörter „No“ und „Si“ kann und auch auf Reaktionen der Fachkräfte reagiert und diese auch versteht. Um den Fachkräften zu zeigen was Allegra mag, deutet sie mit Gesten und dem Wort „Kik“ auf den gewünschten Gegenstand. Alle drei Wörter die Allegra spricht kommen laut der Handlungssituation nicht mit einem Stottern, es ist daher auch nicht davon auszugehen das es sich um eine Dyspemie (Stottern) handelt. Aus der Handlungssituation geht hervor, das Allegra in Ihrem Elternhaus mit drei Sprachen konfrontiert wird. Im Kindergarten muss sich Allegra durch die vielen Nationen mit noch mehr Sprachen auseinandersetzen, hauptsächlich aber der deutschen Sprache. Dies kann bei Kindern zu einer Unsicherheit führen, das sie Wörter nicht richtig sprechen können, oder das sprechen ganz verweigern.
Als Folge dieses Verweigerns, verstehen andere Kinder nicht sofort oder gar
nicht, was Allegra von Ihnen möchte. Dadurch resultiert das aggressive Verhalten
von Allegra. In Folge dessen wird Allegra immer mehr aus dem Gruppengeschehen ausgeschlossen. Dies kann zur Folge haben, dass der Aufbau von sozialen Beziehungen sehr stark erschwert wird. In der Handlungssituation wird Allegra als offen und emphatisch geschildert, diese Ressourcen könnten auf lange Sicht durch die Ausgrenzung verloren gehen, was zu einem sozialen Rückzug führt. Durch die Tatsache, dass Denken durch Sprache angeregt wird, steht zu befürchten, dass Kinder die wenig Sprechen zunehmend auch unter kognitiven Beeinträchtigungen leiden.
II. Handlungsplanung
- Ziele
Ebene Allegra:
-Sprachkompetenz
- Resilienz
-Motivationale Kompetenz
Allegra kann sich Ihrem Alter entsprechend verbal äußern.
Lang: Mittel: Kurz:
Allegra spricht mit den Kindern und Fachkräften und äußert Ihre Bedürfnisse verständlich.
Allegra lernt die deutsche Sprache im Kikus und besucht regelmäßig einen Logopäden.
Allegra beherrscht einige Wörter auf Deutsch und benutzt diese.
Begründung:
Die Förderung von Allegras Sprachentwicklung hilft Ihr dabei ihre Ängste vor dem Sprechen beizulegen. Dadurch ist kommt es zu weniger aggressiven Verhalten gegenüber der anderen Kinder, da diese Allegra jetzt besser verstehen können. Einher geht eine positiver Beziehungsaufbau mit der Gruppe.
Ebene Erzieher:
Lang:
Mittel: Kurz:
Ich biete bis zum Ende des Kindergartenjahres für mehrere Kinder den Sprachkurs Kikus an.
Ich bin in unterschiedlichen Situationen der Ansprechpartner für Allegra. Ich nehme mir für Allegra Zeit um einen positiven Kontakt herzustellen und Aufgrund meiner Weiterbildung habe ich Allegra einige deutsche Wörter beigebracht.
Begründung:
Um Allegra in ihrer sprachlichen Kompetenz zu stärken ist es unerlässlich eine gute Beziehung durch Wertschätzung und Empathie zu Allegra aufzubauen und ihr Sicherheit zu geben. Dies geht einher mit einsetzender Exploration, was Allegra hilft Wörter und Sprache tiefergehend zu erlernen.
Ebene Eltern:
Die Eltern unterstützen Allegra bei der sprachlichen Entwicklung.
Begründung:
Um Allegra Ihren Lernprozess voran zu bringen ist die Mitarbeit der Eltern unerlässlich, durch gestärktes Vertrauen in sich selbst, fällt es Allegra einfacher erlerntes wiederzugeben.
Ebene Team:
Das Team geht wertschätzen und emphatisch mit Allegra um und bestätigt sie in ihrem Tun
Begründung:
Allegra bekommt ein Gefühl von Sichicherheit von allen Anwesenden Fachkräften.
- Methoden
Ebene Allegra
Allegra kann sich Ihrem Alter entsprechend verbal äußern.
Ich nehme mir Zeit für Allegra und unterstütze sie, indem ich ihr Freiraum sowie Struktur gebe und eine entspannte Atmosphäre schaffe. Regelmäßig üben wir gemeinsam Wörter, die durch stätige Wiederholung eingeprägt und gefestigt werden. Ich achte darauf anfangs eher Aktivitäten durchzuführen, die weniger auf Sprache beruhen, um Allegra nicht zu überfordern und einen Rückzug ihrerseits zu vermeiden. Da Allegra gerne Aufgaben übernimmt, nutze ich dies um sie einerseits in ihrem Tun zu bestärken und gleichzeitig Alltagsgegenstände zu benennen und somit ihren Wortschatz zu erweitern. Im Rahmen des Sprachkurses „KiKuS“ arbeite ich mit Allegra zunächst alleine. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten Wörter zu üben, wie beispielsweise mit Memoryspielen, Bilderbüchern, Puppen oder Kuscheltieren, Naturmaterialien, oder ähnlichem. Wichtig ist es pro Einheit nicht mehr als zwei bis drei Wörter zu üben um Allegra nicht zu überfordern. Die neugelernten Wörter werden ständig wiederholt und in den Folgeeinheit mit einbezogen. Wenn Allegra Sicherheit gewonnen hat, ist es möglich weitere Kinder teilnehmen zu lassen. So wird die direkte Kommunikation zwischen ihr und den anderen Kindern gefördert und ihr soziales Umfeld gestärkt.
Ebene Erzieher
Um die gesetzten Ziele zu erreichen, ist eine pädagogische Grundhaltung essentiell. Das bedeutet den Kindern wertschätzend und empathisch sowie vorurteilsfrei gegenüberzutreten. Ebenso wichtig ist eine ganzheitliche Betrachtungsweise von Beeinträchtigungen. Wichtig ist hierbei, dass nicht die
Defizite in den Vordergrund gerückt werden, sondern ein ressourcenorientiertes
Handeln höchste Priorität hat. Um Kinder mit Sprachstörungen ausreichend unterstützen zu können, ist es notwendig dementsprechende Fortbildungen zu besuchen und das Erlernte mit dem Team zu teilen und zu reflektieren.
Kooperation
Für Allegra ist eine individuelle Sprachförderung unerlässlich, darum sollte man auch den Fachdienst des Kindergartens mit in die Arbeit einbeziehen. Eine Logopädin ist auf Sprachentwicklung spezialisiert und kann die Förder- und Entwicklungsmöglichkeiten genauer einschätzen.
Um die Förderung so erfolgreich wie möglich zu gestalten ist eine Zusammenarbeit mit den Eltern sehr wichtig, da die zu Hause die Sprachförderung unterstützen.
Auch meine Möglichkeiten mit der Sprachförderung Kikus sollte regelmäßig stattfinden und in Zusammenarbeit mit der Logopädin in Einklang gebracht werden. Eventuell kann auch über eine gemeinsame Gestaltung gesprochen werden.
Desweiteren sollten sich alle in der Förderung involvierten Personen regelmäßig austauschen um bisherige Erfolge und zukünftige Vorgehensweisen zu reflektieren.Evaluation
Das Ziel von Allegra ist es sich altersentsprechend verbal zu äußern.
Um dieses Ziel zu überprüfen gibt es verschieden Methoden. Zum einen sollte ein stetiger Austausch mit den Eltern sowie der Logopädin von Allegra erfolgen um die Erfolge dokumentieren zu können.
Eine gute Evalutionsmöglichkeit ist auch der Beobachtungsbogen BaSiK
Mit BaSiK (Begleitende alltagsintegrierte Sprachentwicklungsbeobachtung in Kindertageseinrichtungen) wurde in der Forschungsstelle Bewegung und Psychomotorik des Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe) ein Verfahren zur Beobachtung bzw. Feststellung der Sprachentwicklung konzipiert. Es handelt es sich um ein Verfahren, welches eine begleitende Beobachtung der kindlichen Sprachentwicklung in Kindertageseinrichtungen ermöglicht. Die Beobachtung erfolgt in authentischen handlungsrelevanten Situationen und hat das Ziel, den Sprachentwicklungsverlauf eines Kindes kontinuierlich zu dokumentieren. Dabei werden Sprachkompetenzen im weiteren wie im engeren Sinne einbezogen. Außerdem wird der Sprachentwicklung von mehrsprachig aufwachsenden Kindern besondere Beachtung geschenkt. Aufbauend auf den Beobachtungsergebnissen können Maßnahmen einer alltagsintegrierten Sprachbildung, die natürliche Sprachanlässe des pädagogischen Alltags aufgreifen, abgeleitet werden. Das Verfahren liegt in einer Version für Kinder unter 3 Jahren und einer Version für Kinder über 3 Jahren vor.“
Quelle:
https://www.bildungsserver.de/onlineressource.html?onlineressourcen_id=54705
Das Team sollte zusätzlich noch an Weiterbildungsmaßnahmen für die sprachliche Förderung teilnehmen. Auch Supervisionen können in regelmäßigen Abständen dem Erfahrungsaustausch dienen.
Quelle: Stark Verlag
Michael Rie FAKS16 08.12.2017