Wer war Fiete?

in #deutsch7 years ago

Vor langer, langer Zeit sah ich die NDR Dokumentation "der Frauenmörder von St Pauli - Fritz Honka". Als ich vom Kinofilm "Der goldene Handschuh" hörte war klar das ich mir den Film ansehen werde. Entgegen der teils schlechten Kritiken fand ich den Film nicht schlecht - wenn man betrachtet um was es geht: Um die Geschichte Fritz Honkas. Danach habe ich mir Heinz Strunks Buch "Der goldene Handschuh" durchgelesen.

Wer war Fritz Honka? Was hat dazu geführt das er Frauen ermordete und in seiner Wohnung versteckte, jahrelang mit 4 Leichen die verwesten wohnte? Kann und will man sich überhaupt damit auseinandersetzen oder tut man einen solchen Menschen schnell als Bestie oder bestenfalls Psychopaten ab? In meinem Beitrag will ich nichts beschönigen, aber versuchen zu zeigen wer Fritz Honka war.

Unglückliche Kindheit in Leipzig

Honka kam 1935 in Leipzig zur Welt. Aufgrund der sympathie und das Engagement für die KPD von Vater Fritz Honka sen. wurde dieser in einem Konzentrationslager inhaftiert. So kam auch Fritz Honka in ein Jugend KZ bis er von den Russen befreit wurde. Laut eigenen angaben "...war danach nicht mehr viel mit Schule…" 1946 verstarb der Vater an den Folgen seines Alkoholmissbrauches.

Da Fritz Honka noch neun Geschwister hatte soll die Mutter, Else Honka, mit der Erziehung der Kinder überfordert gewesen sein. So verbrachte Fritz Honka seine Kindhet vorwiegend in Kinderheimen bis er Anfang der 50er Jahre eine Lehre als Maurer begann. Aufgrund seiner Gesundheit musste diese jedoch früh abgebrochen werden. Honka litt unter Zementkrätze.

1951 floh Honka dann nach Westdeutschland und schlug sich als Hilfsarbeiter auf Bauernhöfen der Lüneburger Heide durch. Dort soll er von einem Bauern mißhandelt und gequält worden sein. In dieser Zeit soll er auch eine Affäre mit einer Frau gehabt haben wodurch sie schwanger wurde. Es wurden Alimente in einer höhe von 3000 DM eingefordert - möglicherweise war Honka jedoch gar nicht der Vater des Kindes.

Hamburg, Alkohol, scheitern, Unglück

Im Jahre 1956 machte er sich auf in Hamburg sein Glück zu versuchen und fand Anstellung als Werftarbeiter. Bei einem Unfall erlitt Fritz Honka schwere Kopf- und Gesichtsverletzungen die dafür sorgten das Honka Zeit seines Lebens entstellt war. Die Nase war völlig zertrümmert, stand schief, er schielte auffällig und seine Zähne waren ausgebrochen. Dadurch behielt er zudem einen Sprachfehler zurück.

Trotzdem heiratete Honka 1957, jedoch verlief die Beziehung auch alles andere als gut. Seine Frau Inge war Alkoholabhängig und so konsumierte auch Fritz Honka immer mehr und immer regelmäßiger Alkohol. Trunkenheit und Streit sorgten für anhaltende Turbulenzen in der Beziehung. 1960 ließ man sich scheiden, heiratete jedoch kurz darauf erneut. Der exzessive Alkoholkosum blieb und sorgte dafür das die beiden Ihre Wohnung verloren und seither in Notunterkünften hausen mussten. 1967 wurde die Ehe endgültig geschieden. In dieser zeit beging er auch einige kleinere Diebstähle wodurch er durch die Polizei erkennungsdienstlich erfasst wurde.

Fiete im goldenen Handschuh

Fritz Honka fand wieder eine Anstellung als Nachtwächter und konnte die Wohnung in der Zeißstraße 74 - in der später die Leichenteile gefunden wurden - beziehen. Aktenkundig wurde erst wieder im August 1972 ein Vorfall in dessen Verlauf er eine Freundin seiner damaligen Mitbewohnerin Irmgard A. zu gemeinsamen Sex zu dritt nötigen wollte. Ruth D. floh nackt aus der Wohnung und musste im Krankenhaus behalndelt werden.

Honka versuchte in den Kneipen an der Reeperbahn gesellschaft zu finden. Zur damaligen Zeit waren viele Alkoholiker und Menschen ohne feste Bleibe in den Kneipen unterwegs. So hielt er sich viel im "goldenen Handschuh" auf - diese Kneipe hatte 365 Tage 24 Stunden lang geöffnet und so ging er oft nach seiner Schicht als Nachtwächter dort hin. Hier war er wer, hatte im Gegensatz zu vielen anderen eine Wohnung und geregelte Arbeit. Man gab Ihm dort den Spitznamen Fiete, er gab sich spendabel und gab gern Trinkgeld.

Eskalation eines Täters

Wie später rekonstruiert geschah der erste Mord im Dezember 1970. Honkas damalige Freundin Annie Wachtmeister nahm die damals 42 jährige Gertrud Bräuer mit in die Wohnung in der Zeißstraße. Nach viel Alkohol forderte Honka Sex zu dritt, jedoch weigerte sich Gertruf Bräuer. Honka erdrosselte Sie und versuchte die Leiche nach eigeben Angaben wegzuschaffen. Dies Gelang jedoch nicht, er stürzte im Treppenhaus und beschloss die Leiche wieder in seine Wohnung zu schaffen. Dort zerstückelte er die Leiche mit einer Säge.

Den Kopf, Beine, Hände sowie Brüste legte er auf einem stillgelegten Werksgelände in der Gaußstraße ab. Andere Leichenteile versteckte er in seiner Wohnung. 1971 fand ein Arbeiter die Leichenteile auf dem Gelände in der Gaußstraße. Honka entging den ermittlungen da man das nährer Umfeld des Fundortes überprüfte. Zwar lag seine Wohnung in diesem Kreis, aber da er nicht einschlägig bekannt war wurde er nicht weiter überprüft.

Jahre vergingen ehe Honka wieder mordete. Erst 1974 ermordete er die 54 jährige Anna Beuschel die er im goldenen Handschuh kennengelernt hatte. Abermals nach viel Alkohol wollte er Sex mit Ihr jeodoch entsprach der Sex nicht seinen Wünschen. Er ärgerte sich darüber das Sie nur wie ein Brett dagelegen hätte, so strangulierte er sein Opfer. Auch hier zerteilte er sein Opfer nach der Tat und versteckte die Leichenteile auf dem Dachboden.

Ende 1974 nahm er die Dienste einer 57jährigen Prostituierten in Anspruch. Nach dem Geschlechtsverkehr schlief Honka wohl ein und Frieda Roblick stahl Ihm 200 DM. Als er dies bemerkte erdrosselte er sie ebenfalls.

Im Februar 1975 ermordete er die 52 jährige Ruth Schut die bei Ihm eimngezogen war. Nachdem Sie von einen Schlag mit einer Kornflasche benahe bewusstlos war strangulierte er sie bis sie tot war. Auch diese Leiche wurde verstümmelt und in der Wohnung versteckt.

Im April 1975 fand dann der Prozess um die versuchte Vergewaltigung und Körperverletzung an Ruth D. statt. Eine versuchte Vergewaltigung konnte man Honka nicht nachweisen, so wurde er lediglich zu einer Geldstrafe von 4500 DM wegen der Körperverletzung verurteilt.

ein Brand fördert ungeheuerliches zu Tage...

Als dann im Juli 1975 ein Feuer in der Wohnung unter der Dachgeschosswohnung von Fritz Honka ausbracht musste die Feuerwehr alles darüberliegende auf Glutnester kontrollieren. Dabei stellten die engesetzten Feuerwehrleute starken Verwesungsgeruch fest. Der Sache wurde auf den Grund gegangen und man entdeckte die Leichenteile eines der Opfer.

Nun übernahm die Kriminalpolizei die Einsatzstelle und durchsuchte akribisch die ganze Wohnung. Nach und nach kamane die restlichen Leichenteile der Opfer zum Vorschein. Fritz Honka selbst kehrte zur Zeit der Untersuchungen heim und wollte seine Wohnung betreten. Als er gefragt wurde ob er dort wohne gab er wahrheitsgemäß an das es sich um seine Wohnung handelt. Honka wure daraufhin zu weiteren Befragungen auf die Polizeidienststelle gebracht und gestand einige Tage nach dem Brand seine Taten.

Am 20. Dezember 1976 wurde Fritz Honka wegen einem Mord und Totschlages in drei Fällen zu 15 Jahren Freiheitsstrafe mit Unterbringung in einem psychatrischen Krankenhaus verurteilt. 1993 entieß man Ihn aus der Psychatrie und brachte Ihn in einem Pflegeheim in Scharbeutz unter. Sein Körper galt aufgrund seines massiven Konsums von Alkohol und Nikotin um 20 Jahre älter. Zudem litt er unter Wahnvorstellungen und nahm Verwesungsgeruch in seinem Zimmer wahr. 1998 verstarb Fritz Honka im Alter von 63 Jahren an Organversagen.

Das Motiv

Fritz Honka schien ein Opfer seiner selbst zu sein und litt unter den Umständen seines Lebens. So ist es dem, mit 1,68m Körpergröße, kleinen, entstellten Mann mit Sprachfehler sehr schwer gefallen normale Frauen kennen zu lernen. Sexkontakte hatte er nur noch mit Prostituierten, ihm gelang es nur mit "Stadtstreicherinnen" aus dem Trinkermilieu der Reeperbahn in Kontakt zu kommen.

Dazu kommt seine schwere Alkoholsucht die einen normalen Tagesablauf unmöglich zu machen schien. Tag ein, tag aus Korn, Weinbrand und Bier. Nie einen klaren Blick. Im Roman heißt es das er sich schwer tat ins Bett zu gehen weil es Ihm manchmal, kurz bevor er schlafen konnte gut ging. Das wollte er auskosten. So wird er zeit seines Lebens umtrieben gewesen sein, von der Arbeit in die Kneipe, danach in die Wohnung in der Zeißstraße - viel größer war seine Welt nicht.

Psychisch stand er wohl im Konflikt mit sich selbst. Das was er war - ein herunterbekommender Trinker - schien er zu verabscheuen, die Huren ebenso, das ganze Milieu in dem er verkehrte. Er war wohl hin und her gerissen zwischen "etwas besseres" zu sein und genau das zu sein.

Die Psychologin Professor Dr. Elisabeth Müller-Luckmann gab an:

Der Angeklagte sucht im weiblichen Partner ursprünglich die saubere Hausfrau, die willige Bettgenossin und den guten Kumpel. Er hat ein starkes sexuelles Bedürfnis, aber gleichzeitig stoßen ihn Frauen ab, die ihm entgegenkommen. Es gibt da eine psychologische Sperre, die er nicht überwinden kann. Dass er sich älteren Frauen zuwendet, mag für sein Bedürfnis sprechen, sexuell bemuttert zu werden. Diese Frauen sind jedoch so heruntergekommen, daß Honka sich ihnen zu Recht oder zu Unrecht sozial überlegen fühlen kann. Er erwartet von ihnen, daß sie sich auf alle seine sexuellen Wünsche einlassen, und stößt auf Widerstand, weil gerade diese Frauen gewohnt sind, ihre Gunstbeweise zu rationieren.“

Die Verteidigung beschrieb Honka als "biografischen Krüppel, der an Alkohol, in Lebensumstände geriet und Situationen – in denen er allein aus der Situation heraus getötet hat“ Er selbst gab an Ihm seien die Morde von Jack the Kipper befohlen worden. Und auch sonst kamen teils skurrile Antworten auf Fragen der Richter im Prozess. Vermutlich folgen des exzessiven Alkoholkonsums.

Schlussendlich wurde Ihm eine verminderte Schuldfähigkeit zugesprochen und eine Unterbringung in der Psychiatrie ermöglicht. Ob die Therapie dort erfolgreich verlief vermag aufgrund seines Gesundheitszustands wohl niemand sagen.


Quellen:
True Crime Story: Fritz Hoka
Wikipedia: Fritz Honka
Heinz Strunk - Der goldene Handschuh (Roman)
Die größten Kriminalfälle: Der Frauenmörder von St Pauli

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