Die Gedächtnis-DXpedition, die schiefging

in amateurfunk •  3 months ago

(Updated. Siehe ganz unten.)

Während wir in Deutschland schwitzen und uns nach Abkühlung sehnen, mußte gestern ein italienisches Segelschiff vor Spitzbergen aufgegeben werden, nachdem hohe Wellen es stark beschädigt hatten und ein Feuer an Bord ausgebrochen war.

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Doch von Anfang an:
Geplant war eine "Umberto Nobile Gedächtnis-Expedition". Vor 90 Jahren war der italienische Polarforscher Umberto Nobile zunächst erfolgreich in die Arktis aufgebrochen - mit einem Luftschiff. Es war seine zweite Luftschiff-Fahrt in der Gegend und zunächst wurde der Nordpol gut erreicht. Auf dem Rückweg kam es jedoch zu einem folgenschweren Unfall - Nobile selbst und weitere Expeditionsteilnehmer wurden schwer verletzt (und einen Monat später gerettet), andere gingen mit dem Luftschiff unwiederbringlich verloren. [1][2][3]

Auf Youtube finden sich Schnipsel von Videoaufnahmen aus der Zeit, z.B. hier:

Anläßlich des Jubiläums plante Simone Orlandini, mit Förderung durch die italienische Vereinigung der Marine-Funker (ARMI), deren Mitglied er ist, auf den Spuren von Nobile zu segeln und dabei von Spitzbergen oder sogar dem Nordpol aus zu funken. Für den Amateurfunk hat die 2. Arktis-Expedition Nobiles insofern Bedeutung, als daß ohne den Empfang des Notrufes durch einen russischen Funkamateur die Teilnehmer u.U. gar nicht hätten gerettet werden können.

Am 1. August brachen Orlandini und sein Team also in Tromsø in Richtung Nordpol auf. Geplant war, daß das Team den gesamten August in der Arktis verbringen sollte. Ab September war dann die langsame Rückreise über die Bäreninseln, Oslo und schließlich Rostock in Deutschland geplant. Für die Amateurfunk-Aktivierung war das Rufzeichen II0PN vorgesehen. [4]

Bereits in den frühen Nachmittagsstunden des 1. August meldete sich allerdings Orlandini beim Präsidenten der ARMI, Alberto Mattei, mit einem Notruf auf dem 20m-Band (14 MHz). Das Segelschiff war in einen Sturm mit hohen Wellen geraten, die das Schiff beschädigt hatten. Alle Besatzungsmitglieder konnten gerettet werden. Die auf dem Schiff installierte INMARSAT-Anlage war nicht mehr zu benutzen - in der Polregion war das Signal ohnehin schwach und das Schaukeln des Schiffes verhinderte eine Kommunikation über den Satelliten komplett. Der Anruf bei Mattei, der eigentlich den Funkverkehr mit dem Schiff hätte einleiten sollen, wurde zum lebensrettenden Notruf.

Ich habe von dem Vorfall nur insofern erfahren, als daß der Anruf auch von einer deutschen Station aufgezeichnet wurde - ursprünglich war die Aufnahme des ersten Funkspruches von II0PN aus der Arktis als Teil einer der nächsten Sendungen von Radio DARC vorgesehen war und die Nachricht deshalb per Mail weitergegeben wurde.
Da sie trotz der Bitte von Mattei um Weitergabe der Nachricht noch keine Verbreitung auf den üblichen Informationsseiten für DXer* gefunden hat, behalte ich mir die Änderung des Beitrages vor.

Ich hoffe, den Tag #amateurfunk zukünftig mit positiveren Nachrichten füllen zu können.

*DX = distance exchange = Weitverkehrsfunk [5]

Quellen

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Umberto_Nobile
[2] https://www.junkers.de/kalenderblatt/juli-1928-junkers-flugzeuge-retten-mitglieder-der-nobile-expedition
[3] https://www.br.de/themen/wissen/umberto-nobile-absturz-arktis-polarforscher-nordpol-luftschiff-100.html
[4] https://dx-world.net/ii0pn-mm-north-pole-expedition/
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/DXen

Update 4. August 2018

Hier wurde darüber berichtet:
https://www.funkamateur.de/nachrichtendetails/items/Notruf-Nobile.html

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