02. - 08. Juli - Der Wochenrückblick in eigener Sache

Ohne politische Muskelspiele, Liebesbekundungen einer Kanzlerin an ihren Heimatminister und Elfmeter-Dramen kurz vor Stalingrad , bleiben zwei Ereignisse, die die Woche prägten und auf die es sich somit lohnt, einen genaueren Blick zu werfen.
- Die Erfindung geräucherter Mirabellen
- Der 92. Geburtstag – mit Fleisch und ohne Zähne
Geräucherte Mirabellen und ihr tragisches Schicksal
Jeder, dem nicht gerade das Wort Spaßbremse auf die Stirn tätowiert wurde, wird sie kennen im Leben, die Phasen, in denen es beziehungspolitisch nicht so recht rund laufen mag. Du baggerst und gräbst, schleimst, hoffst und wirst enttäuscht. Bereits die vierte Nacht in Folge teilst du dein Schlafzimmer lediglich mit einer Stubenfliege. Und dann, plötzlich und unerwartet, du hast bereits einen festen Termin bei deinem Lieblingswirt, der sich mit allem Psychologischen hervorragend auskennt, stürmen die Liebeswilligen dir geradezu die Bude ein.
Genau so verhält es sich mit den Mirabellen. Eigentlich steht die Motorsäge bereits seit einem halben Jahr in Bereitschaft, weil ich das Blattmonster ohne Früchte nicht länger auf meinem Grund und Boden ertragen kann. Doch, als hätte der Querkopf geahnt was ihm bevorsteht, schmückt er sich in diesem Jahr derart heftig mit Früchten, dass ihm die Ohren fast bis zum Boden hängen.
Nichts wie ran an die Ernte!
Da man sich bei dem Obst-Gesindel nie sicher sein kann, ob sie im kommenden Jahr auch noch Lust auf Befruchtung haben, gilt es zuzulangen so lange die Geschenke am Baum hängen.
Es standen auf dem Plan: Marmelade, Chutney und Relish.
Da die Grundlage für alle drei Vorhaben die gleiche ist, wurden zuerst die Mirabellen pur gekocht, püriert, gesiebt und so von den Kernen befreit. Dies geschah, wie immer bei solchen Massen, über dem offenen Feuer draußen vor der Tür. Kaum standen 8 Liter Mirabellenpüree bereit, erfolgte die erste Verkostung. Was folgte, war ein tiefer, intensiver Blick in die Augen meiner Frau, die auch an der Verkostung teilnahm. Es war ausnahmsweise nicht die unendliche Liebe, die unser Blickkontakt festigte. Es war vielmehr die Frage, seit wann Mirabellen ähnlich im Geschmack wie unser geräucherter Speck liegen?
Bevor ein falscher Eindruck entsteht: Die Produkte des englischen Pseudo-Kochs stehen nicht auf meinem Einkaufszettel.
Ich Hornochse hatte tatsächlich vergessen die Früchte mit einem Deckel vor dem Rauch des offenen Feuers zu schützen. Zwei Minuten später konnte beobachtet werden, wie ein betröppelter Marmeladenkoch seine Arbeit wieder an die Natur zurück gab.
Alles Geschehene streichen und alles auf Anfang!
Der 92. Geburtstag
Der Mittwochnachmittag stand ganz im Zeichen des Geburtstages unserer Nachbarin. Wie üblich auf dem dünn besiedelten Land, ein kleines Fest mit viel Jäbs und Trallala. Und dazu, zumal es sich ja auch um den letzten Geburtstag der Dame handeln könnte, müssen zumindest ein Lamm und ein Ferkel in näheren Kontakt zur Feuerstelle kommen. Nach Aussage der Jubilarin ein vollkommen überflüssiges Ritual, da sie sich bereits vor ein paar Jahren von ihren Zähnen verabschiedet hat.
Auf meine Frage, warum sie sich nicht um Ersatz bemüht habe, kam die logische Erklärung wie aus der Pistole geschossen.
„Ich habe die ganze Zeit gedacht, dass ich sowieso den nächsten Tag nicht mehr erlebe. Warum also noch Geld in den Mund stecken?“
Ich und die Tochter der betagten Frau hoffen jedoch inständig, dass auch im nächsten Jahr noch Kuchen gebacken, unfassbar schlechter Salat zubereitet und die Feuerstelle angeheizt wird. Jedoch aus ganz unterschiedlichen Gründen. Ich, weil ich von der Dame (da ich auch für sie den ganzen behördlichen Papierkram erledige) immer mit frischen Eiern bis zum Abwinken beschenkt werde und die Tochter, da ihr der Zugriff auf ein ganz bestimmtes Bankkonto zugesichert ist.
Das Fest an sich kann ich im Nachhinein nur als gelungen bezeichnen. Das Essen – na ja (vielleicht beim nächsten Mal), der Informationsaustausch lebhaft und die Stimmung beinahe nicht weiter ausbaufähig. Außerdem, aber das gehört zum Standardprogramm, wurde meine Frau erneut darauf aufmerksam gemacht, dass Spanferkel eigentlich kein richtiges Fleisch sei und somit auch von Vegetariern verspeist werden kann und daran außerdem außerdem noch keiner verstorben sei. Zudem ich (so wie sie sich ausdrücken) ihr bester Deutscher im Dorf seit 1945 sei. Da kann ich doch mit stolz geschwellter Brust den kurzen Heimweg antreten.
Außerdem hat mir das Geburtstagskind noch ein kleines Geheimnis verraten, das mich beim Verbrauch ihrer Hühnereier wohl noch länger verfolgen wird.
„In meinem Hühnerstall bin ich der Chef. Ich bestimme wann welches Huhn brüten darf. Wenn es mir nicht passt, schnappe ich mir die Glucke und sie bekommt von mir ein kaltes Vollbad im Regenwasserfass. Was denkst du, wie schnell die auf andere Gedanken kommt!“





Da hat der beste Deutsche im Dorf, mal wieder einen herrlich amüsanten Lagebericht abgeliefert, auch wenn mich die Zahnsituation der alten Dame etwas beängstigend in meine eigene Zukunft blicken lässt. 😎
Leicht nach Räucherspeck schmeckende Mirabellen, stelle ich mir dagegen gar nicht so übel vor.
Mit der Geschmacksache hast du absolut recht. Nur hätte ich dann mit zu den Mirabellen eine halbe Seite gepökelte Sau-Rippe, Zwiebeln, Rosmarin und Knoblauch geben sollen.
So ein sau- feines Chutney könnte zu Weltruhm gelangen!
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