Australia4Dummies #2: Alles verboten

in #deutsch8 years ago

 Im Skatepark Skaten verboten; im Schwimmbad Schwimmen verboten; in der Bar Alkohol verboten; im Leben Spaß verboten.
 


Zugegebenermaßen ist es noch nicht ganz so extrem, aber diese Verbote würden wunderbar zur australischen Verbotskultur dazupassen. Kommt man irgendwohin – vor allem an Strände – darf man erstmal die Verbotsgallerie studieren. Schauen wir uns doch mal ein paar an: 



Slums und gute Freunde

Hier haben wir beispielsweise ein übliches Schild für Parkplätze besonders in Strandnähe. Diese Art von Schildern gibt es vor allem in den Orten, in denen es einen Campingplatz gibt, der Monopolstellung hat und entsprechend teuer ist. Man könnte fast auf die extrem krude Verschwörungstheorie kommen, dass der Campingplatzbetreiber und der Bürgermeister der Kaffgemeinde gute Freunde sind.   


 Mir ist schon klar, dass man verhindern will, dass stinkige Work&Traveller ein Slum errichten und die Gegend zumüllen. Doch klare Verbote wie "staying overnight permitted" sind gleichzeitig so hohl, dass es rein logisch einfach wäre, sie als völlig absurd zu bezeichnen. Denn darf ich nachts auf diesen Parkplätzen parken? Ja! - Darf ich währenddessen im Auto sein und ggf. dabei schlafen? - auf gar keinen Fall!! Wo ist der Unterschied? In welcher Form entsteht dadurch ein Schaden für Personen oder Umwelt? Im Normalfall keiner. Im Gegenteil.
 Als Camper in einem Van nehm ich nicht mehr Platz ein als ein normaler PKW. Ebenfalls ist nach außen nicht ersichtlich, ob darin jemand schläft oder ob der Van nur geparkt wurde. Jetzt kommt aber die große Ironie: An einem der Parkplätze, an dem es verboten war, zu übernachten, waren wir diejenigen, die Neighbourhood Watch gespielt und den Notruf gewählt haben, als auf dem selben Parkplatz ein Auto explodierte und in Flammen aufging. Wir waren die einzigen Zeugen, die Hinweise gegeben haben. Wir waren auch diejenigen, die an einem anderen Parkplatz vandalierende Teenager gemeldet haben. Wir waren und sind die fucking Neighbourhood Watch. Man müsste uns dafür bezahlen, dass wir da sind! :D


 Ich bin seither öfter auf Camper getroffen, die in ähnlichen Vans unterwegs waren. Kein einziges mal hab ich erlebt, dass dadurch ein Schaden für irgendwen entstanden ist: Kein Vandalismus, keine Umweltverschmutzung, keine Ruhestörung. Trotzdem gibt es allein für (bzw. gegen) dieses Klientel extra ausschweifende Verbotsschilder.
 


 Strand mit limitiertem Spaßfaktor


 Was mir schon letzten Jahr aufgefallen ist, sind die Verbotslegenden für Badegäste an Stränden. Man könnte denken, man kann seine Badehose und das kleine Schwesterlein einpacken und dann geht es raus zum Wannsee... ehm Strand. Aber weit gefehlt. Strände habe dünenbedingt begrenzte Zugänge und an jedem davon ist eine Verbotsgallerie.   



Rauchverbot, Alkoholverbot, Umweltverschmutzungsverbot... 


Frage am Rande: Wo ist Umweltverschmutzung eigentlich erlaubt? Logisch gedacht fallen mir jetzt Gründe ein, warum diese Verbote Sinn machen: Als Badegast will man weder in Kippenstummel liegen noch Barfuß auf zerbrochene Glasflaschen treten. Nun, würde da aber nicht das Verbot der Umweltverschmutzung reichen? Eigentlich schon, wenn man logisch denkt. Aber was ist an einem Staat und seinen Entscheidungen schon logisch? Ich als renitenter Raucher lass mir von irgendwelchen irren Verbotsfanatikern meinen Strandspaß natürlich nicht versauen. Also rauche ich dort nach dem Surfen und abends gehts mit Wein, Bier oder Cider mit Schachbrett und Freundin im Gepäck zum Strand.   


 Manchmal frage ich mich auch, ob sich überhaupt jemand um die Verbote schert und sie denn durchgesetzt werden. Oft juckt es keinen – manchmal dafür aber auch, obwohl es kein Verbot gibt.   


 Erstes Beispiel

Wir sitzen am Strand. Unter der Woche verteilen sich die Strandbesucher so, dass der nächste mindestens 10 Meter entfernt liegt. Wir rauchen, spielen Schach. Nachdem wir aufgeraucht haben, kommt einer dieser Sheriffs, der als Life Saver verkleidet ist an und erzählt uns, dass wir hier nicht rauchen sollen. Ich gucke ihn nur an, als wär er ein Geisteskranker, der mir erzählt, dass die Aliens jetzt aus der Hohlerde herausbrechen. Lasst uns mal diesen "Tatbestand" analysieren:



Er sagte nicht, wir sollen die Kippenstummel nicht in den Sand werfen, sondern nicht rauchen. Also ging es ihm um das Rauchen an sich. Wer schon mal aus seinem Amtsgebäude nach draußen an die Küste gewandert ist, hat vielleicht gemerkt, dass es ersten draußen frische Luft gibt, die den Rauch von Zigaretten nach spätestens einem Meter in der Luft ins Unmess- und Unriechbare verteilt. Am Strand herrscht dazu ein ständiges Lüftchen, dass eher zu Wind und Sturm ausartet als zu einer Hotbox. Der Rauch verteilt sich also schon direkt nachdem er aus dem Mund oder der Zigarette kommt ins Unwahrnehmbare. Demnach hier die schlussfolgernde Frage: Wen zum Fick juckt es, dass wir dort rauchen, solange wir den Müll mitnehmen?   
 Man muss dabei jedoch beachten, dass Australier gezielt und erfolgreich dazu hingezüchtet werden, Zigaretten, Rauch und Raucher als eine HIV-ähnliche Pest anzusehen. Raucher trifft man ab und zu mal in kleinen Raucherbereichen einzelner Bars. Viele, die man kennen lernt, sind Exraucher. Alle so gesund? Werden wir gleich erfahren. Hier noch ein..


 Zweites Beispiel 

Australia Day (auch super Aussie-mäßig Straya Day genannt – ow so Aussie and hip): Menschenmassen marschieren zu öffentlichen Veranstaltungen mit Musik ohne jeglichen Musikgeschmack (weder Zuschauer noch Musiker), machen Picnic und jubeln schlechten Bands um eine Zugabe zu. Der Ort, an dem wir waren, kann man sich als Wuhlheide Berlin in größer vorstellen. Also Freiluftgrastribüne. Mit unserer kurzzeitig anerzogenen Sklavenmentalität halten wir nach Verbotsschildern Ausschau. Doch wirklich gefunden haben wir keins (zumindest nicht gegen Rauchen). Wir sitzen  mit unseren Freunden auf der Wiese, als sich eine Frau vor uns (mindestens 2 Meter entfernt) umdreht und uns völlig empört verbietet, hier zu rauchen.   


 Wir hätten an der Stelle anfangen können zu diskutieren à la 

"dein dummes lautes Geschwätz nervt uns auch!" 

oder 

"das ist eine Freiluftveranstaltung, bei der du davon ausgehen musst, dass nicht alles in deinem Umfeld zu 100% auf dich ausgerichtet ist. Verklagst du auch Gott, wenn die Temperatur nicht auf 26,78 Grad liegt? Kommt darauf klar, du arrogantes Stück!" 

Doch wir waren einem gewissen Gruppendruck ausgesetzt bzw. wollten unseren Freunden nicht den oh-so-Aussie Straya Day versauen. Also haben wir uns von der Wiese entfernt und stießen auf die anderen traurigen Gestalten, die mit ihren Zigaretten an den Rand der Veranstaltung verdrängt wurden.



 Im Gespräch mit einem Bekannten fanden wir heraus, dass man als Mitarbeiter in einer Firma, vor allem in Büros, regelrecht gemobbt wird, wenn man Raucher ist. Raucher haben ein schlechtes Image und doch trifft man sie nicht so selten. Wie sind also die Umstände für Raucher? Fast überall Rauchverbote. Nicht nur an Stränden oder Parks, sondern auch in der Stadt gibt es No-Smoking-Areas. Besonders brisant, vor allem aus deutscher Perspektive ist, dass in Cafés, Bars und Restaurants nicht mal im Außenbereich geraucht werden darf. Es gibt ein paar Regelungen, die uns dabei bekannt vorkommen, aber auch noch viel geisteskrankere.


 In einer Bar darf nur geraucht werden, wenn es einen Nichtraucherhauptbereich gibt. Demnach wird der Raucher irgendwo an den Rand in irgendwelche Hinterzimmer gedrängt. So kann die Bar von sich am Eingang behaupten, dass sie einen Raucherbereich hat, auch wenn es nur die Besenkammer ist. Interessant wird es, wenn das Rauchen mit Speisen in Verbindung steht. Diese Regelung ist so beschissen dämlich, dass man mit Kotze im Mund Lachkrämpfe kriegt:



 Wo gegessen wird, darf nicht geraucht werden. Von mir aus verständlich: Ich bin vielleicht etwas empfindlich, wenn ich Rauch einatme, während ich einen Koala kaue. Also gut. Aber was ist, wenn ich mich bewusst dazu entscheide, dort zu essen, wo ich nach dem Wombatbraten mit Kangaroogeschnetzeltem direkt auch eine rauchen kann? Das ist unmöglich, denn das ist gegen das Gesetz!!11! Die Regulierung funktioniert nämlich auch umgekehrt: Wo geraucht wird, darf nicht gegessen werden

  
 Ich als Individuum, darf mich also nicht bewusst dafür entscheiden, meine Speise dort zu essen, wo ich will.   
Nebenbei: es gibt McDonald's Parkplätze, die für die Polizei reserviert sind. Verbrechensbekämpfung oder Burgerpolizei? 


Coffee and Cigarettes - so no no no smoookeeeh

Ähnlich ist es auch mit Cafés. Gleiche Regelung auch im Außenbereich, der wohlgemerkt oft daraus besteht, dass ein paar Stühle und Tische vor das Café an die Straße gestellt werden, wo pro Minute gefühlt drölfzig Autos vorbeifahren (inklusive Oldtimern, schwarzen Rauchschwaden nach sich ziehend, Müllautos und mehr). Schon vor einem Jahr wurde mir deutlich gemacht, dass ich dort nicht, wie sonst für mich und jeden Europäer selbstverständlich, einfach zu meinem Kaffee eine rauchen könne. Ich müsse mich mindestens 4 Meter vom Café entfernen. Natürlich habe ich es damals noch öfter drauf angelegt und immer wieder das gleiche zu hören bekommen. Also bin ich dem nachgegangen und habe herausgefunden, dass es nicht die Cafébesitzer sind, die völlig hirnamputierte Hausregeln aufstellen, sondern das ganze auf einem Gesetz beruht, das seit 2015 besteht und schon damals einige Café-Besitzer in den Ruin getrieben hat, weil die Schnittmenge zwischen Rauchern und Kaffeekonsumenten eben nicht unerheblich ist. Viele dachten sich eben, wenn ich im Café nicht mehr rauchen darf, und mich mit einem Take-Away-Becher irgendwo an den Straßenrand setzen soll, trink ich lieber zuhause Kaffee und habs dafür gemütlich.   


Rauchergenozid


 Nun darf man aber nicht denken, dass alle Café-Besitzer nur Opfer des Staates sind. Es gibt nämlich durchaus überambitionierte Psychopathen. Im Umkreis von 100 Metern, von wo aus ich das ganze hier verfasse, gibt es zwei Cafés, die statt den gesetzlichen 4 Meter Mindestabstand am liebsten einen Rauchergenozid durchführen würden, wenn ein anderes Gesetz sie nicht davon abhalten würde. Beide nämlich, haben uns gesagt, wir sollen uns 20 Meter entfernen. Also viel Gebiet, was diesen Cafés weder gehört, noch auf das sie Einfluss haben dürften.   


Ein Vermögen für einen Bierkasten


 Raucher werden verdrängt, selbst wenn sie zahlende Kunden sind. Vermutlich gibt es noch viel mehr Regeln, die ich noch gar nicht kenne. Interessant sollte aber auch folgender Fakt sein. Kürzlich ging eine Tabelle umher, in der Deutschland weit unten war und Australien auf Platz zwei. Es ging um die liberalsten Länder der Erde. Diese bezog sich aber eben nur auf die Einkommenssteuer. Wie wir hier und in anderen Artikeln lesen, ist Australien alles andere als liberal – und die Steuerlast besteht eben nicht nur aus 26% Einkommenssteuer, sondern um zig Steuern mehr. Hier gibt es nämlich ebenfalls die Steuern, die wir aus Deutschland kennen. Dazu kommt aber eben der Wahn um die Hinerziehung zur kollektiven Gesundheit. Wir haben uns daran gewöhnt, dass man für einen Sixpack Cider keine 4€ bezahlt, sondern mindestens 15 Dollar; dass man für eine Packung Drehtabak nicht 4,50€ bezahlt, sondern mindestens 29 Dollar; dass ein 0,3L Bier in der Bar nicht 2,50€ kostet, sondern mindestens 7 Dollar.. und sicherlich gibt es noch viel mehr, was so extrem besteuert wird. Australien ein liberaler Staat – ich kotze vor Lachen.   


 Echtzeitanekdote zum Schluss: 

Ich schreibe diesen Beitrag rauchend in einer No-Smoking-Area:
 


 Kleine Nachtrag zum Teil 1: Neulich auf Jobsuche, habe ich gesehen, dass man sogar als Putzfrau diverse Lizenzen aufweisen muss. U.a. Wurde die Lizenz für den Umgang mit Kindern erwartet. 


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Achtung

Du hast verstanden, dass Staat sinnlos, kontraproduktiv und unmoralisch ist, würdest aber gern noch mehr erfahren? Schau vorbei auf www.LibertarianBooks.net: 

Sort:  

lol und deutsche Libertäre solche Verbotsorgien gäbe es nur hier.

Deine Autokorrektur auch schon sehr libertär :D.. In AUS kriegt jeder Verbot(Schild)fetischist direkt bei Ankunft einen Dauerorgasmus. Ich hab heute ein Schild auf der Fahrersitz eines Buses gelesen: Don't enter the bus through window.

Looool, der wahrscheinlich lustigste Beitrag, den ich heute gelesen habe. Danke dafür.

Ja Straya, ein Land, in dem Rauchen am Strand verboten ist aber auf dem Highway dir ein Roadtrain bei 100 km/h bis auf 3 Meter Abstand auffährt und die Polizei scheint das nicht zu interessieren.

Ich liebe dieses Land und habe dort schon viel Zeit verbracht aber manchen Schwachsinn muss ich nicht verstehen. Ich kann mich noch an den Moment meiner ersten Sprachlosigkeit erinnern. Silvester in Brisbane. Polizei ermahnt uns, unser Bier wegzuschütten ansonsten werden wir gefined. WTF??!!

Danke :) dein zweiter Absatz fasst AUS perfekt zusammen

Ich bin beim Thema Rauchen ausnahmsweise mal nicht deiner Meinung. Ist es für Euch Raucher denn so schwer zu verstehen, dass ihr andere Menschen, die sich in Eurer Umgebung befinden, permanent belästigt? Ich will einfach diesen Gestank nicht in meiner Nase haben, weder im Innenberich noch im Außenbereich eines Cafes und schon gar nicht im Büro, wo ich viele Jahre unter dem Rauch der Kollegen leiden musste.

An besten du hörst mit diesem Unfug auf und kaufst dir vom eingesparten Geld Silbermünzen.

So, nachdem du nun meine Gegenrede erdulden musstest, bekommst du zur Entschädigung noch ein 50% Upvote.

Danke ^^ nun ist die libertäre Perspektive aber eindeutig, dass private Lokale selbst entscheiden können sollen, was ihre Hausregeln sind, was in AUS nicht der Fall ist. Und wie gesagt, man muss auch unabhängig von Rauchern viel ertragen, was einen nervt: dummes, lautes Geschwätz; Harleyfahrer und Trottel mit getunten lauten Autos, bei denen man sich regelmäßig erschreckt; Shisha-Bars, von deren Gestank ich fast kotzen muss. Kann ich mich drüber aufregen? Ja. Darf ich sie hassen? - ja. Hab ich das Recht, ihnen das per Gesetz zu nehmen? Nein. Die Außenwelt ist für niemand 100% angepasst. Es gilt, darauf klar zu kommen.

Haba das Thema aus aktuellem Anlass in einem eigenen Artikel behandelt:
https://steemit.com/deutsch/@freiheit50/die-fpoe-der-nichtraucherschutz-und-die-direkte-demokratie
Ist ja deine Heimat Austria, oder?

Scheint schon extrem aber gerade was das Rauchen angeht, so ziehen immer mehr Länder nach. Sicherlich kann man auch bedenkenlos im Freien rauchen aber wenn man darauf hingewiesen wird kann man es ja auch akzeptieren.

Frage mich nur wieso dann jeder nach Australien will. Mich selbst juckt das nicht, aber ich reise sowieso nur selten und wenn doch dann im
Radius von bisher maximal 3000 km, was gerade bis nach Portugal reicht. Aber für mich sind sich nicht die Strände, tropische Temperaturen und giftige Tiere wichtig, sondern ateamtive Städte, günstige Kosten für essen und trinken sowie ein bisschen Party.

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