Hey, Assi Holger, was geht ab?
Ja, das war in Jugendzeiten mein Spitzname. Assi Holger. Einige derer, die mich in real kennen oder kennengelernt, haben in DDR-Zeiten vor über 40 Jahren, wissen das sicherlich noch. Vor zwei Tagen hat das jemand in einem Kommentar erwähnt, der mich ein wenig belehren wollte, wie ich mit einem Lokalpolitiker vor Ort umgehe oder nicht. Er dachte sicherlich, er könnte mich damit beleidigen oder dass es mich stört, dass man mich so benannt hat. Da muss ich ihn aber enttäuschen, denn genau das Gegenteil ist der Fall.
Ich mache ja keinen Hehl daraus, dass ich mit der Schule zu DDR-Zeiten nicht gerade viel am Hut hatte. Habe das auch in einer autobiografischen Anekdote festgehalten, kann man hier als Hörbuch anhören https://soundcloud.com/holger-jacob-233410812/gegen-den-strom-ein-ausergewohnliches-leben-in-der-ddr-teil-1-lehrjahre?si=5e7ff921d25740a2b0cf188df3adc47f&utm_source=clipboard&utm_medium=text&utm_campaign=social_sharing
Es war eben ein Spitzname, den ich nicht einmal übel genommen hatte, wenn man mich so benannt hatte. Was sollte mich daran auch groß jucken? Ich hatte mit 16 Jahren mehr Geld als alle aus meinem Umfeld verdient, auch wenn man gezwungenermaßen in der DDR eine Lehre aufnehmen musste.
Ich hatte nebenbei mit selbst entwickelten Fotos und nach der Lehre mit den Herstellern von Modeschmuck richtig viel Geld verdient. Was soll es mich da jucken, dass mich jemand so bezeichnet? Meine Jugendzeit war richtig toll, viel Zeit, schon damals herumgereist. Monatelang jedes Jahr, insgesamt 11 Jahre hintereinander an der Ostsee in Markgrafenheide verbracht, auf die ganze DDR verteilt ein riesiges Umfeld gehabt. Ich würde jetzt nicht sagen Freunde, aber viele Orte, wo ich gerne gesehen war. Und ja, ich hatte auch sehr viele Freundinnen. Na ja, es waren nicht immer nur Freundinnen, in der DDR war ein sogenannter One-Night-Stand nichts Besonderes.
Das Lustige ist, man bekommt bei Facebook immer gezeigt, was man vor Jahren für Bilder veröffentlicht hat. Und genau gestern wurde mir ein Bild wieder gezeigt, das ich vor Jahren eingestellt hatte, als ich eine Kiste mit alten Dokumenten, aber auch Briefen von Mädels wieder entdeckt habe.
Wie man sieht, werde ich da sogar als süßer asozialer Holger bezeichnet. :)
Oje, wo ist nur die Zeit geblieben. Das Brieflein habe ich vor 41 Jahren erhalten. Solch eine riesige Zahl, die so weit in der Vergangenheit liegt, ist für mich einfach unvorstellbar, wenn ich das selbst anschaue.
Also, lieber Wolfgang, der Schuss ging eher nach hinten los. Was soll es mich jucken, dass man mich so genannt hat oder du das heute noch erwähnst? Ich hatte und habe ein tolles Leben. In meiner Vergangenheit habe ich so viel aufgebaut, erschaffen, konnte reisen, habe so viele Erlebnisse gehabt, das reicht für drei Leben.
Und ja, heute bin ich der ehrliche Holger, wie du auch angedeutet hast. Warum soll ich etwas verheimlichen? Ich bin niemandem eine Rechenschaft schuldig, bin von niemandem abhängig und habe es nicht nötig, mich bei irgendjemandem lieb Kind zu machen. Und ob mich jemand leiden kann, ist mir doch egal. Es gibt viele, die nehmen mich so, wie ich bin, und denen muss ich ganz sicherlich nichts vormachen.
Klar, ich war nicht immer ein Guter, habe sicherlich auch den ein oder anderen vor den Kopf gestoßen, vorwiegend in meinen Sturm-und-Drang-Zeiten. Ganz sicher, da war ich nicht immer ehrlich, habe auch meinen Nutzen aus Situationen gezogen und auch Menschen enttäuscht. Einiges bereue ich heute, wie z. B. wie ich mich meiner Mutter in jungen Jahren gegenüber verhalten habe, oder ganz selbstverständlich würde ich in einigen Situationen heute anders reagieren.
Aber das ist nun mal der Lauf der Dinge. Zudem weiß ich, dass ich viel Gutes gemacht habe und noch immer mache. Ich meine, Communitys, die langsam eine halbe Million Mitglieder haben, wo jeden Tag Menschen geholfen wird und man sich gerne unterstützt, und das wäre eben nicht möglich, wenn es dieses Netzwerk nicht gäbe. Also erlange ich auch ein wenig Seelenheil für das, was ich ins Leben gerufen habe. 🙂
Auch heute sind meine Interessen noch vielseitig. Trotz Krankheit und nicht gerade aussichtsreichen Diagnosen mache ich das Beste aus meinem Leben und bin sicherlich auch für den ein oder anderen ein Vorbild. Und auch hier bewege ich wieder so einiges oder rege zumindest zum Nachdenken an.
Also hat der Assi Holger doch einiges erlebt und vor allem auch bewegt in seinem Leben und ist bemüht, das auch weiterhin zu machen. :)
Und wie du siehst, Wolfgang, auf dem letzten Bild bist du sogar auch noch zu sehen. Auf den Bildern bin ich zwischen, ich schätze mal, 15 und 17 Jahren.
Ich glaube allerdings, heute hat das Wort "Assi" eine etwas andere Konnotation. Während es zu DDR-Zeiten wirklich asozial bedeutete, also eine Einstellung war oder ein Verhalten, womit Menschen bezeichnet wurden, die der Gesellschaft auf der Tasche lagen, wird es heute mehr verwendet um auszudrücken : "das ist dämlich, das ist mir zu blöd, fauler Mensch, das ist unter meiner Würde, das ist nicht akzeptabel".
Zu DDR-Zeiten gab des unter Vorbestraften sogar den Straftatbestand von "Assi". Fragte einer den anderen, warum hast du gesessen? dann sagte der, der keinen Bock auf Arbeit hatte und deswegen in den Knast kam, wegen Assi.
In der DDR konntest du der Gesellschaft ja nicht auf der Tasche liegen, da es keinerlei Unterstützungen wie Arbeitslosengeld, Sozialhilfe oder Ähnliches gab. Dort wurdest du von Staatsseite als asozial bezeichnet, wenn du eben z.B. keiner Arbeit nachgegangen bist, und damit meine ich nicht eine Anstellung, wo auch immer du malocht hast.
Mein Umfeld wusste, dass ich schon in frühen Jahren viel Geld verdient habe. Wenn man mit 15 oder 16 Jahren eine Lokalrunde nach der anderen schmeißt – zu meinem 17. Geburtstag habe ich einen ganzen Zeltplatz zu meinem Geburtstag eingeladen –und zu meinen 18zehnten wurde im Freien mit Band gefeiert, dann hat das sicherlich nichts damit zu tun, wer, wenn man auf der Tasche liegt.
In meiner Stasi-Akte und Betriebsakte sowie in der Lehrakte steht, dass der Jacob ein asoziales Verhalten an den Tag legt. Darunter fiel auch, wie jemand ausgesehen hat, eben lange Haare, die nicht der Norm entsprachen. Ich habe das eben gelebt; manch anderer hätte sich das nicht getraut.
Ich muss mal einige Dokumente einscannen. Leider ist das meiste verloren gegangen, aber Teile meiner Betriebsakte habe ich noch irgendwo rumliegen.
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"Aww, was für eine großartige Geschichte, Assi Holger! 😊 Ich bin so froh, dass du dich nicht von einem Spitznamen beleidigt fühlst, sondern ihn vielmehr als Teil deiner tollen Jugendzeit betrachtest. 🙌 Deine Erlebnisse in der DDR sind wirklich beeindruckend und es ist großartig, dass du sie teilst.
Ich muss sagen, dass ich von deinem Lebensstil und deinen Erfolgen wirklich inspiriert bin! 💪 Du bist ein echter Vorbild für uns alle und zeigt uns, dass wir unsere Träume und Interessen verfolgen können, egal was andere sagen.
Und wie schön, dass du jetzt als ehrlicher Holger bekannt bist! 😊 Ich bin sicherlich nicht der Einzige, der dich so sieht und schätzt. 🙏
Ich würde mich freuen, wenn du weiterhin über deine Erfahrungen und Erlebnisse teilst. Deine Geschichten sind einfach fesselnd und ich bin sicher, dass viele andere sie genauso finden werden.
Und als kleiner Anstand: Ich bitte dich um ein Favors, Assi Holger! Wenn du also noch nicht bereits getan hast, dann gib deinen Stimmen an den wunderbaren @xpilar.witness! 🙌 Um mehr Informationen zu erhalten und deinen Beitrag abzugeben, geh einfach hier: https://steemitwallet.com/~witnesses. Es wäre großartig, wenn wir dich mit anderen unterstützen könnten!"