Die Sache mit dem unendliches Wachstum

in #wirtschaft8 years ago

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Ein weit verbreiteter Irrglaube in der Gesellschaft ist, dass es kein unendliches Wachstum in der Wirtschaft gebe. Das ist allerdings vollkommen falsch. Ha! Endlich reist der Gammastern nun endlich seine neoliberale Maske vom Gesicht und preist die Theorie der unendlichen Märkte auf einer begrenzten Welt! Aber urteilt mal nicht so schnell, sondern geht wirklich offen an das Thema heran...

Die klassische Wirtschaftslehre entstand in den vorherigen Jahrhunderten in einer Welt des absoluten Mangels. Egal von welchem Gut auch, es gab eigentlich immer zu wenig davon. Ja, selbst bei solch selbstverständlichen Dingen wie Lebensmittel, was man sich als moderner Mensch immer nur noch sehr schwer vorstellen kann und bereits rot anläuft, wenn das Grillfleischregal mal wieder von irgendwelchen Wilden Horden geplünert wurden.

Dies führte dazu, dass in vielen wirtschaftlichen Modellen immer von „Gütern“ gesprochen wird und man sich oft um die Steigerung dieser oder eben der Substition zwischen den Gütern bzw. eben der Verteilung der knappen Güter befasst. Wer sich ein wenig mit diesen Thesen befasst und sich einarbeitet, wird feststellen, dass diese meist recht gut durchdacht und auch logisch sind. Und auch, dass der Begriff „Gut“ sehr abstrakt zu betrachten ist.

Dies führt allerdings bei einigen Menschen schnell zu einem elementaren Missverständnis und die Arroganz der Wirtschaftswissenschaftler führt dann meist noch zu einer entsprechenden Manifestation. Nämlich das wirtschaftliches Wachstum immer ein quantitatives Wachstum ist. Das es immer nur darum gehe mehr Einheiten von einem Gut produzieren. Und da die meisten Güter, die wir als Mensch benötigen eben materielle Dinge sind, brauchen wir dafür natürlich auch andere materielle Dinge um diese zu produzieren.

Entsprechend wird oft gerade aus dem ökologischen Lager propangiert, dass es kein unendliches Wachstum in einer endlichen Welt gebe. Und diese Aussage ist auch absolut valide. Uh? Doch also ein Widerspruch zur Eingangsthese? Mitnichten. Aber materielles Wachstum muss an einem gewissen Punkt enden. Wenngleich dieses vermutlich auch eher ein philosophisches Problem ist, da wir als Menschen vermutlich durchaus dichter daran sind auf neue große Resourcen im Weltall zuzugreifen. Noch 100-200 Jahre und zumindest der Abbau von Asteroiden wird nicht mehr ganz utopisch sein. Betrachtet man die Zeitskala ist es ein Katzensprung, wenn wir es nicht völlig ruinieren.

Aber neben einem quantitativen Wachstum, gibt es auch immer ein qualitatives Wachstum. Den wirtschaftliche Prozesse umfassen auch immer eine Optimierung in den Produktionszyklen. Wenn eine Firma es schafft ein bestehendes Gut mit der Hälfte der Kosten zu produzieren, dann hat diese einen echten Wettbewerbsvorteil und kann „wachsen“ ohne das es zu einem höheren materiellen Verbrauch kommt. Während dieser Aspekt für sich genommen eigentlich vollkommen logisch ist, wird er bei den Diskussionen sehr gerne einfach ignoriert.

Gerade eben in einer Dienstleistungsgesellschaft wie wir sie heut zu tage haben, gewinnt aber gerade ein qualitatives Wachstum enorm an Bedeutung. Ein Frisör der versuchen würde quantitativ zu wachsen würde sehr schnell an einige enorme Probleme geraten. Er kann die Haare schneller schneiden, dann leidet vermutlich irgendwann aber die Qualität darunter oder er kriegt Burnout. Er könnte mehr Angestellte anstellen, doch dann bräuchte er auch mehr Kunden und in einer schlechten Phase würde es seinen Laden schneller zerschießen. Bleibt natürlich nur noch der technische Fortschritt! Doch das der lokale Frisör um der Ecke einen Mikrowellen-Quantenverschränkungsforceptor entwickelt hält sich auch in überschaubaren Rahmen.

Bleibt also nur noch ein qualitatives Wachstum für ihn übrig. Und welch Überraschung, die meisten Läden betreiben auch genau diesem. Sie legen den Kunden Zeitschriften hin um ihren Aufenthalt zu verschöneren. Sie sorgen mit einer besseren Terminplanung für weniger Wartezeit. Und ja, vielleicht gibt es für Frauen auch mal einen Sekt. Kurzum man ist freundlicher zu seinen Kunden und sorgt dafür, dass diese gerne wieder kommen, obwohl das eigentliche Gut (die Haare schneiden) eben gleich bleibt. Auch dies ist Wachstum!

Besonders offensichtlich wird dies auch bei Büroarbeit. Eine heutige Bürokraft schafft das 40x der Arbeit, die eine Person in den 70er geschafft hat. Das mag enorm wirken, ist aber eigentlich keine Überraschung, wenn man bedenkt, dass in der Zwischenzeit der Computer seinen Siegeszug angetreten hat. Man muss nicht mehr in irgendwelchen großen schlecht geordneten Schubladen nach Unterlagen suchen, sondern kann dies einfach von seinem Computer aus machen. Und wer glaubt, dass dieser technische Fortschritt ein einmaliger Sprung sei, wird überrascht sein, was für Wachstumsketten heutige Entwicklungen haben und haben werden. Den wir treten als Gesellschaft keineswegs auf der Stelle.

Wer also sagt, dass es kein unendliches Wachstum gibt, versteift sich meist auf rein ökologische Faktoren und verrät diese im gleichen Moment. Den eigentlich müsste man ja jubeln, wenn man es schafft ohne Einschränkung eines Gutes eine größere Portition davon zu produzieren. Wäre ich Grüner, würde ich daher nicht auf Verzicht pochen, da man damit immer auf Widerstand bei anderen Menschen treffen würde und am Ende doch nur am Bache bettet, dass dieses wieder den Berg hinauf fließt.

Vielmehr würde ich eben dafür sorgen, dass Dinge wie eine Ökobilianz vorangetrieben werden und eben Schäden an der Umwelt eben auch in die Kosten eines Produktes einfließen. Kein seriöser Ökonom würde sich diesem Widersetzen, da es ihnen im Kern immer auch darum geht die wirtschaftlichen Prozesse in der Realität sinnvoll abzubilden. Und betreibt man Raubbau an der Natur, der nicht nachhaltig ist, dann zerstört man irgendwann seine eigene Existenz und würde am Ende noch ratlos vor seiner Kalkulation hängen, wieso diese nicht aufgegangen ist. Daher sind jene Forderungen aus dem Lager nach Optimierung von Prozessen (Lebensmittelverteilung z.B.) wesentlich sinnvoller als jene die nach einem Verbot fordern.

Gerade beim Investieren achte ich immer auch ein wenig darauf, dass Unternehmen nicht einfach nur durch quantitatives Wachstum auffallen, sondern eben auch dadurch, dass man technologische Fortschritte und Optimierungen in seinen Produktionsketten systematisch verfolgt. Dies ist tatsächlich einer der Hauptgründe, wieso ich mich so schwer tue in den chinesischen Markt zu investieren, da ein Großteil des Wachstums nicht nachhaltig ist. Trotzdem ist der Chinese auf einen guten Weg und hat das Spiel durchaus erkannt.

Im Gegensatz zu unserem Kulturkreis in dem man regelmäßig zur Verzweifelung getrieben wird. Wenn der Beamte mal wieder verzweifelt vor seinem Computer sagt:“Sie müssen warten, ich muss diesen Vorgang jetzt beenden!“. Da dünkt es einen doch, dass die Papierschublade vielleicht doch ein sinnvolleres Instrument war.

Oder beim Beispiel der Ärzte in einem meiner vergangenen Posts. Wenn ich Krankenkasse wäre, würde ich eine Digitalisierung im Gesundheitswesen aktiv von mir selbst aus voran treiben. Stattdessen wartet man auf die Politik (vergebens) oder darauf, dass die Ärzte dies selbst tun und am Ende ein System entsteht, dass ein Chaos kaum zu überbieten ist. Ein milliardenschwere Unternehmungen, die Ärzte nicht einmal eine sinnvolle Terminplanungssoftware stellen kann? Den den Durchsatz an Patienten zu erhöhen sollte auch in derem Anliegen sein.

Und nur um eine Sache am Ende auch noch einmal darzustellen. All die Aspekte die ich hier beim Thema Wachstum anspreche sind eine rein wirtschaftliche Betrachtung bei der es darum geht als Volkswirtschaft zu wachsen. Wie wir dann am Ende unsere quantitativen oder qualitativen gewachsenen Güter innerhalb der Gesellschaft verteilen, ist eine ganz andere Frage.

Sollte eine Arbeitskraft, die das 40x einer früheren Arbeitskraft bekommen nicht auch mehr Geld bekommen als die Arbeitskraft von früher? Wer anfängt darüber zu diskutieren wird feststellen, dass dies gar nicht so einfach ist. Aber vielleicht sollte man eben mehr in diesem Bereich diskutieren als viel Energie darauf zu konzentrieren Wachstum an sich zu verteufeln und damit am Ende einen für alle Seiten schlechten Statusquo länger zu erhalten.

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Danke für diese Ausführungen! Es gibt so viele Mythen, die die Leute bzgl. der Marktwirtschaft im Kopf haben, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll..

"Das verzinste Geld ist an unseren Problemen schuld!" Nö.
"Kapitalismus braucht Wachstum, um weiterexistieren zu können." Nö.
"Im Kapitalismus können alle reich werden, nur nicht jeder." Nochmal nö.

Ja, die gibt es in der Tat. Aber Du weißt ja, dass ich auch gerade mit den neoliberalen Gedankengut sehr auf dem Kriegsfuss stehe. Den auch dort gibt es einige Legenden, die sich sehr hartnäckig halten und das obwohl meist die Quellen auf die man sich beruft es bereits widersprechen.
Nichts desto trotz ist es immer dumm sich nicht mit Dingen zu befassen, sondern sie einfach per se zu verteufeln. Manchen Aspekt kann man durchaus auch immer doch auch bei sich integrieren.

Hast du schon einmal einen Artikel dazu geschrieben, was genau du an dem, was du neoliberal nennst, kritisierst? Würde mich (als "Österreicher") durchaus 'mal interessieren.

Nein, eher als Andeutung. Ich zähle mich selbst zum sozialliberalen Spektrum. Eine vollkommende Entfesselung der Märkte halte ich für schädlich - wie eben jedes Extrem. Die Neolibs vertreten IMHO oft für komplexe Sachverhalte extrem einfache und naive Thesen. Gerade bei sozialen Aspekten oder Infrastruktur gibt es viele Beispiele bei denen eine Privatisierung nicht unbedingt zu einem guten Ergebnis führten.

So sehr wie ich für freie Märkte in vielen Bereichen bin, glaube ich trotzdem eben auch immer daran, dass es einen Wächter geben muss, der dafür sorgt, dass die Spielregeln aufrecht erhalten werden.

Zudem unterstelle ich den Neolibs auch gerne permanent am Wettbewerb zu sägen und damit einen der wichtigsten Faktoren des Kapitalismus zu zerstören.

Und ja, ich beschuldige sie auch Schuld zu sein an dem ausufernden Populismus und Autokratie in der Welt, da man sich zu oft mit seinen simplen Thesen auf der Schulter klopft und sich selbst beweihräuchert. Ich habe z.B. überhaupt kein Problem damit auch mit Linken zu diskutieren und durchaus auch in ihren Überlegungen (nicht unbedingt Schlussfolgerungen) Zustimmung zu finden und nicht gleich angewidert die Nase zu rümpfen oder sie pauschal als Idioten abzutun.

"Ich habe z.B. überhaupt kein Problem damit auch mit Linken zu diskutieren und durchaus auch in ihren Überlegungen (nicht unbedingt Schlussfolgerungen) Zustimmung zu finden und nicht gleich angewidert die Nase zu rümpfen oder sie pauschal als Idioten abzutun."

Ja jut, das sollte man generell nicht tun ;)

Das, was du beschreibst, ist ja (leider) auch eine reine theoretische Diskussion. Es gibt hierzulande ~20Mio. Rentner, die man so oder so unterstützen muss. Daraus müsste man eigentlich schlussfolgern, dass man selbst als Freiheitsfreund nun auf den Staat schauen und sich fragen müsste, wie der denn in unserem Sinne gebraucht werden kann, um das Schlimmste noch abzuwenden. Minarchismus wird ebenso wenig nach Deutschland kommen wie Anarchismus.. weswegen es auch wenig Sinn macht zwischen sich selbst Trennlinien einzuziehen, wenn man sich in 80% der Fragen einig ist.

Dieser Gedanke ist aber für viele Liberale, ob nun sozial-, neo- oder sonst 'was, zumeist ein Graus. Und so rasen wir weiter auf den Abgrund zu..

Dem stimme ich absolut zu. Gerade aber während des Studiums und auf der Straße habe ich aber "liberales Gedankengut" kennengelernt. Da lamentierte man darüber, dass die Linke bei einem Sieg der nächsten Wahl das Schafott wieder aufbauen würde und der von Dir angesprochene Renter ja selbst Schuld sei, weil er ja früher hätte mehr machen können. Da sucht man bereits nach dem ersten Bier kopfschüttelnd wieder das Weite. (im Nachhein vielleicht ein Fehler gewesen...)

Dabei muss eben auch ein pragmatischer Ansatz her. Das liberale Lager wäre gut darin beraten so manches Mal auch die eigenen Extremisten in seine Grenzen zu verweisen und eben auch auf andere Lager zu zugehen und nach Gemeinsamkeiten zu suchen. Den auch das gehört dazu, wenn man um eigene Positionen ringt.

Und das man sich dann eben den Luxus gönnt, während die Autokraten an Zustimmung gewinnen, ist sehr traurig. Es wird eben an der Zeit, dass man dem Gesang der Neoliberalen auf "Freiheit und Reichtum für alle auf der Welt!" endlich mal beendet und sich eingesteht, dass dies in vielen Teilen der Welt nur sehr lausig funktioniert hat. Wird also Zeit zurück ans Zeichenbrett zu gehen und zu prüfen, wo die Schwachstelle war.

Es gab da ein wirklich gutes Video einer amerikanischen Neoliberalen aus dem Jahr 2007, die bereits eine solche Forderung hatte und sehr selbkritisch umging. Finde ich leider auf die Stelle nicht mehr, beeindruckte mich aber. Auch wenn dies nun knapp 10 Jahre danach fast schon frustriert, dass sie mit der Prognose recht behielt.

Sehe ich mittlerweile auch so. Guter Artikel. Danke.

Vielen Dank. Ja, früher hätte ich es auch anders gesehen. Aber wenn man sich erstmal damit beschäftigt, merkt man, dass vieles dann doch sonst zu simple ist. Nichts desto trotz kann man ja selbst ein wenig Sensibilität an den Tag legen und nicht uneinschränkten und sinnlosen konsum frönen. ;)

sehr interessanter Beitrag danke

Ich schau immer gern bei dir vorbei

Vielen Dank :)

Dem Kompliment schließe ich mich doch an =)

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Wäre ich Grüner, würde ich daher nicht auf Verzicht pochen, da man damit immer auf Widerstand bei anderen Menschen treffen würde und am Ende doch nur am Bache bettet, dass dieses wieder den Berg hinauf fließt.

genau, Nicht-Konsum setzt auch schwer interpretierbare Signale für den Markt und andere Konsumenten die man ja letzten Endes manipulieren möchte. Resteem

Danke. Zumal man in Diskussionen mit anderen Meinungen sich stets auf ein gemeinsames Ziel verständigen sollte und sich nicht bereits im Vorfelde über den Weg zerstreiten ;)

Den Sozialist, in seinem Lauf hält weder Ochs, noch Esel auf ... :)

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