Der Hund Teil 2/2

in #deutsch8 years ago

  Im Gegensatz zu allen anderen domestizierten Tieren, haben Hunde eine Vielzahl von Aufgaben übernommen. Ihre Anpassungsfähigkeit an den Menschen, macht sie diesbezüglich einzigartig. Gleichzeitig spiegeln Hunde, die sich wandelnde menschliche Gesellschaft der letzten Jahrhunderte wider. 

Da im ersten Teil die Abstammung des Haushundes geklärt wurde, kommen wir nun im zweiten Teil dazu, wie der Hund sich im Laufe der Zeit an den Menschen angepasst hat und welche Stellung er in unserer Gesellschaft hat.     

Jäger ,Wächter und Hüter 


Zwei seiner ersten Aufgaben waren das Unterstützen bei der Jagd und das Bewachen des Lagers. Vermutlich wurde der Hund in seiner frühen Phase der Domestikation als Jagdhelfer verwendet. Dabei ging es aber nicht darum das Wild aufzuspüren, sondern man machte sich seiner Instinkte zu Nutze und ließ ihn die Beute hetzen, um sie dann selbst erlegen zu können.  

Dank seines unglaublichen Gehör- und Geruchssinns, entgeht ihm so gut wie nichts in seinem Umfeld und somit war er natürlich der perfekte Bewacher für das nächtliche Lager.  

Als immer mehr Menschen mit Viehzucht und Ackerbau begannen, wurde der Hund nach und nach zum Hüten und Bewachen von Viehherden eingesetzt.  

Neue Stellung in der Gesellschaft


Bis zum 19. Jahrhunderts, gab es keine Hunderasse als solche wie wir sie heute kennen. Vielmehr gab es Hunde, die entsprechend ihrer Aufgaben besondere Fähigkeiten und Eigenschaften entwickelten. Im späten 19. Jahrhundert machte der Hund seinen wohl größten Wandel durch. 

Mit zunehmender Industrialisierung in Nordamerika und Europa, entwickelte sich unter den Menschen eine wachsende Mittelschicht mit mehr Wohlstand und Freizeit. Dank der Darwin’schen Evolutionstheorie, war es auch die Zeit der selektiven Züchtung von Tieren und Pflanzen. Die Ergebnisse dieser Züchtungen konnte man im Laufe der Zeit auf diversen Ausstellungen und Schauen, wie man sie auch heute noch kennt, bestaunen und bewundern.   

Es entwickelten sich parallel zueinander  zwei verschiedene Zuchtsystematiken: 

Die Haushunde  


Hier lag das Hauptaugenmerk auf der zweckbezogenen Verwendung. Hunde wurden gezüchtet, um später bestimmte Aufgaben erfüllen zu können. Hunde die am geeignetsten waren ihre Aufgaben zu erfüllen, wurden auch für die Zucht verwendet.  Daraus entwickelten sich Hundetypen, die man wie folgt unterscheidet:

 Herdenschutzhunde (z.B. Kangal, Pyrenäen Berghund

Wie der Name schon sagt sollen diese Gruppe von Hunden, „ihre“ Herde vor allen möglichen Feinden und Räubern beschützen.   

Hirten- und Hütehunde (z.B. Border-Collie, Anatolischer Hirtenhund

Gerade in unwegsamen Geländen sind Hütehunde unabdingbar für die Viehhirten. Dank ihrer erstaunlichen Kondition und überragender Intelligenz, schaffen sie es den Bewegungen von Herdenvieh zuvorzukommen und können entsprechend reagieren. 

Jagdhunde: Lauf- und Windhunde (z.B. Azawakh, Beagle) 

In dieser speziellen Untergruppe der Jagdhunde, unterscheidet man zwischen Sichthunde (Windhunde) und Spürhunde. Während die Sichthunde dank ihres schlanken, hochläufigen und eleganten Körpers ihre Beute nahezu lautlos auf Sicht jagen können, setzen die kleineren Spürhunde auf ihre sensible Nase und wenn sie ihre Beute entdecken wird sie lautstark gehetzt, dass der oder die ihm begleitenden Jäger am Ende die Beute erlegen können. 

Jagdhunde: Apportierhunde (z.B. Labrador, Kooikerhondje)  

Wie der Name schon vermuten lässt, sind Apportierhunde dazu gezüchtet worden, um die erlegte Beute nach dem Schuss zu holen. Besonderes Merkmal dieser Rassen, ist ihr auffällig weiches Maul.  

Vorstehhunde (z.B. Irish Setter, Pudelpointer) 

Vorstehhunde dagegen zeigen durch eine bestimmte Körperhaltung an, dass sie z.B. Wild entdeckt haben. Der Jäger kann darauf hin seinen Schuss vorbereiten und muss das Wild aber selbst aufscheuchen, da Vorstehhund dies im Regelfall nicht tun. [3] [4] 

Terrier (z.B. Jack Russell Terrier, American Pit Bull Terrier)  

Der Name Terrier leitet sich von terre, dem französischen Namen für „Erde“ ab. Ihr ursprüngliches Aufgabengebiet bestand darin, Beutetiere unterirdisch zu jagen und aus dem Bau zuvertreiben, bzw. gleich zu töten. 

Gebrauchshunde: Wachhunde (z.B. Österreichischer Pinscher, Aidi) 

Egal ob Viehherden oder Haus und Hof, der Wachhund hat auf allem ein Auge was in seinem Revier passiert. Je nach „Ausbildung“, reichen seine Aktionen vom einfachen Anzeigen der Gefahr durch bellen, bis hin zum tatsächlichen Angriff auf Eindringlinge in seinem Revier. 

Gebrauchshunde: Rettungshunde (z.B. Bernhardiner) 

Ob in Schneelawinen, oder in eingestürzten Häusern verschüttete Menschen zu finden, stellt für die Hunde von Rettungshundestaffeln selten ein Problem dar. Die Einsatzgebiete von Rettungshunden reichen von: Rettung von Ertrinkenden, über das Suchen von Vermissten, bis hin zum Aufspüren von Leichen. 

Gebrauchshunde: Schlittenhunde ( z.B. Husky, Alaskan Malamute) 

Dank moderner Schneemobile, werden Schlittenhunde nur noch selten als direktes Arbeitsmittel gesehen. Vielmehr werden sie heutzutage verwendet um sich im direkten Wettkampf (Schlittenhunderennen) zu messen, oder für Schlittenhundefahrten als Atraktion angeboten. 

Begleithunde (z.B. Pudel, Zwergspitz)  

Hunde, die speziell nur für diesen Zweck gezüchtet wurden. Neben der Wegzüchtung von ungünstigen Eigenschaften wie Jagdtrieb, Aggression usw. wurden bevorzugt die Minivariationen ihrer großen Artgenossen gezüchtet. Inzwischen werden viele Hunde die früher als Nutztiere gehalten wurden, heute als Begleithunde gesehen.  

Gebrauchshunde: Polizeihunde 

Auch für die Polizei und andere Sicherungskräfte, hat sich der Hund als unentbehrlicher Kollege hochgearbeitet. Seine feine Nase ist einfach unverzichtbar wenn es darum geht, Drogen, Sprengstoff oder sogar Bargeld zu finden. Auch sein ausgeprägter Beschützerinstinkt, hat schon vielen Einsatzkräften die Haut gerettet.   

Die Zuchthunderassen


Hier ist der ausschlaggebende Faktor das äußere Erscheinungsbild. Jede Rasse soll durch ein bestimmtes Erscheinungsbild geprägt werden. Dabei machte man sich die Erkenntnisse über die Gesetze der Vererbung zu Nutze.  

Die Anerkennung von Hunderassen und ihr vorgegebenes Erscheinungsbild, obliegen den vier großen Dachverbänden: 

Fédération Cynologique Internationale (FCI) 

Der britische Kennel Club (KC) 

American Kennel Club (AKC) 

Canadian Kennel Club (CKC)   

Wobei die FCI der größte Dachverband ist. Die kynologische Idealbeschreibung einer Rasse, wird von der FCI als Rassestandard bezeichnet. Nach eigener Aussage werden die Merkmale Verhalten, Gesundheit und das Wesen als wichtigste Kriterien des Rassestandards gesehen.  

Um als anerkannte Rasse aufgenommen zu werden, müssen zwei Phasen durchlaufen werden. Die erste Phase ist die vorläufige Anerkennung und in der zweiten Phase werden dann die Rassestandards auf der Generalversammlung der FCI veröffentlicht und die Anerkennung offiziell ausgesprochen. Mit Stand 2016, gibt es 345 anerkannte Rassen. Alle anerkannten Hunderassen werden nummeriert und einer der Zehn Gruppen und ihrer passenden Sektion zugeteilt. [5]     

Gruppen und Sektionen


Der folgende Absatz ist aufgrund der Festlegung der Gruppen und Sektionen, 1 zu 1 von der Website der FCI übernommen und ist auf Wikipedia in ähnlicher Form vorhanden!    

Gruppe 1: Hütehunde und Treibhunde (ohne Schweizer Sennenhunde) 

Sektion 1: Schäferhunde  

Sektion 2: Treibhunde 

Derzeit 45 registrierte Rassen   

Gruppe 2: Pinscher und Schnauzer – Molossoide – Schweizer Sennenhunde und andere Rassen Sektion 1: Pinscher und Schnauzer 

Sektion 2: Molossoide 

Sektion 3: Schweizer Sennenhunde 

Sektion 4: Andere Rassen 

Derzeit 53 registrierte Rassen   

Gruppe 3: Terrier 

Sektion 1: Hochläufige Terrier 

Sektion 2: Niederläufige Terrier 

Sektion 3: Bullartige Terrier 

Sektion 4: Zwerg-Terrier 

Derzeit 36 registrierte Rassen   

Gruppe 4: Dachshunde 

Sektion 1: Dachshund 

Derzeit 1 registrierte Rasse (Dackel)   

Gruppe 5: Spitze und Hunde vom Urtyp 

Sektion 1: Nordische Schlittenhunde 

Sektion 2: Nordische Jagdhunde 

Sektion 3: Nordische Wach- und Hütehunde 

Sektion 4: Europäische Spitze 

Sektion 5: Asiatische Spitze und verwandte Rassen 

Sektion 6: Urtyp 

Sektion 7: Urtyp – Hunde zur jagdlichen Verwendung 

Sektion 8: Jagdhunde vom Urtyp mit einem Ridge auf dem Rücken 

Derzeit 43 registrierte Rassen   

Gruppe 6: Laufhunde, Schweißhunde und verwandte Rassen 

Sektion 1: Laufhunde 

Sektion 2: Schweißhunde 

Sektion 3: Verwandte Rassen 

Derzeit 71 registrierte Rassen   

Gruppe 7: Vorstehhunde 

Sektion 1: Kontinentale Vorstehhunde 

Sektion 2: Britische und Irische Vorstehhunde 

Derzeit 35 registrierte Rassen   

Gruppe 8: Apportierhunde – Stöberhunde – Wasserhunde 

Sektion 1: Apportierhunde 

Sektion 2: Stöberhunde 

Sektion 3: Wasserhunde 

Derzeit 22 registrierte Rassen   

Gruppe 9: Gesellschafts- und Begleithunde 

Sektion 1: Bichons und verwandte Rassen 

Sektion 2: Pudel 

Sektion 3: Kleine belgische Hunderassen 

Sektion 4: Haarlose Hunde 

Sektion 5: Tibetanische Hunderassen 

Sektion 6: Chihuahueño 

Sektion 7: Englische Gesellschaftsspaniel 

Sektion 8: Japanische Spaniel und Pekinesen 

Sektion 9: Kontinentaler Zwergspaniel 

Sektion 10: Kromfohrländer 

Sektion 11: Kleine doggenartige Hunde 

Derzeit 26 registrierte Rassen   

Gruppe 10: Windhunde 

Sektion 1: Langhaarige oder befederte Windhunde 

Sektion 2: Rauhaarige Windhunde 

Sektion 3: Kurzhaarige Windhunde 

Derzeit 13 registrierte Rassen   [6] [7]   


Ich persönlich halte inzwischen von diesen Zuchthunderassen sehr wenig. Nicht weil ich diese Hunde nicht wertschätze, sondern eher wegen moralischen Aspekten.  

Wenn man mal überlegt wie der Schäferhund sein Aussehen verändert hat in den letzten Jahren, dann ist das für mich äußerst fragwürdig, ob das Wohl der Tiere immer noch im Vordergrund steht. Zwei weitere Beispiele für Tierwohlversagen, bilden eindeutig der Mops und die Französische Bulldogge – Beide Hunderassen haben extrem unter Atemnot zu leiden, weil die Züchtungen in den letzten Jahren dahin gingen, besonders kurze Schnauzen zu kreieren.  

Ich gebe es zu, unseren Tschechisch-Slowakischen-Wolfhund haben wir damals, in der Absicht ihn als Zuchtrüden zu verwenden gekauft. Um Zuchtrüde zu werden muss der Hund allerdings einiges über sich ergehen lassen. Unteranderem sind mehrere Ausstellung notwendig, wo der Hund jeweils sehr gut abschneiden muss. 

Nach unserer ersten Ausstellung war für uns, trotz ersten Platzes in seiner Kategorie, Schluss mit der Idee. Stundenlanges Warten, über 2000 aufgeregte Hunde, stressige Menschen, Frauen die ihre Hunde frisiert und wie Püppchen behandelten und ansonsten totaler Stress für Tier und Mensch. Nicht meine Welt und nichts was ich einem meiner Hunde jemals wieder antuen würde, auch wenn da so viel Geld dahinter steckt, dass man davon Leben könnte. Meiner Meinung auch die Hauptmotivation der MEISTEN (nicht Allen) Züchtern.   

Zum Abschluss möchte ich Euch noch ein Zitat von Heinz Rühmann mit auf den Weg geben: 

„Man kann auch ohne Hund leben, aber es lohnt sich nicht.“    


Vielen Dank fürs Lesen! Freue mich über jeden Upvote, Follow und Resteem


Quellenverzeichnis:                                                                                                                                                                 

[1] „Hunde“ David Alderton ISBN:978-1-4454-8221-7  

[2] [3] [4] [5][6] [7]  

Sort:  

Ein interessanter Abschluss. Diese Überzüchtung und Inkaufnahme von rassespezifischen Krankheiten liegt leider in der Hand des "Konsumenten".

Auch die Maße von Hunden find ich fraglich. Haben neben an "Animal-Horder" mit Kampfhunden/Rottweilern anfänglich sind sie mit einem Sprung durch den Zaun gekommen, da habe ich mich noch getraut die festzuhalten und zu den Nachbarn zurück zu bringen bevor die armen Tiere auf der Straße rum irren.

Nachdem ich einmal gesehen hab wie ein Pittbull von den Assis (Sozialwohnungen) hier im Ort unsere Katze am Bein hatte und die zusammengeflickt werden musste, weis ich dass man nicht warten kann um zu sehen was passiert. Mittlerweile haben unsere netten aber "einfachen" Nachbarn einen Elektrozaun gespannt und lassen ihre Hunde nur selten raus aber das ist auch keine gute Lösung. Wenn sie sie wenigstens kastriert hätten. Es sind wirklich schöne Tiere aber kein Mensch kann so einen Kampfhund kontrollieren von daher find ich diese Proteste gegen die Stigmatisierung von "Liste-Hunden" leider etwas fraglich.

Danke für Deinen Kommentar!

Leider sehe ich hier das Problem eher am anderen Ende der Leine. Es ist immer eine Frage der Erziehung, auch wenn es sich anhört wie eine Phrase, es ist aber leider so!
Bin seit ca 8 Jahren aktiv in mehreren Hundesportvereinen tätig und habe in der Zeit unzählige Hunde und Halter kennengelernt. Meist sind es wirklich solche Modehunde wie Golden Retriever die erziehungsbedingt aggressiver daherkommen.

Am schlimmsten finde ich allerdings die kleinsten Vertreter ihrer Art wie Chihuahuas und Yorkshire Terrier. Keine Ahnung warum, aber irgendwie denkt die breite Masse an Besitzern, dass man diese Hunde nicht erziehen muss...
Auch wenn ein Biss dieser Rassen eher harmlos ist im vergleich zu einem Pittbull, bleibt ein Biss immer noch ein Biss.

Ich finde es schade, dass Du da so negative Erfahrungen machen musstest, ich selbst habe bisher nur familientaugliche "Kampfhunde" kennengelernt.

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