Der Reibekuchen samt seinen Brüdern und Schwestern.

in w74-rezepte •  17 days ago

Kartoffelpuffer, Reiberdatschi, Kartoffelpfannkuchen oder Daatschelcher - ganz am Ende muss es einfach nur schmecken!


Heute widme ich mich einem Gericht zu, das landläufig von kulinarischen Totalversagern als Beilage bezeichnet wird, was es selbstverständlich nicht ist (ohne den Begriff Beilage abwerten zu wollen), sondern mit Fug und Recht behaupten kann, auf dem Teller die Hauptrolle zu spielen.

Der Reibekuchen

Wie beliebt dieses Gericht auf unseren Tellern ist, beweist die Tatsache, dass es dafür von Norden bis tief in den Süden zig verschiedene Bezeichnungen gibt. Aber letztendlich gelangt immer das Gleiche in den Mund. Die Frage stellt sich dann nur noch: ... und was gibt es dazu?
Doch bevor ich darauf eingehe, wenden wir uns dem zu, was heute ganz vorne auf der Bühne stehen soll.

Zutatenliste für Reibekuchen:

  • 1 kg geschälte Kartoffeln
  • 1 oder zwei Zwiebeln (je nach Größe)
  • Salz
  • Pfeffer
  • 2 oder 3 Eier
  • gehackte Petersilie (je nachdem, was dazu gereicht wird)
  • Butterschmalz oder Kokosfett zum Ausbraten



Die Zubereitung:

Die geschälten und gewaschenen Kartoffeln und die Zwiebeln werden auf der Küchenreibe oder mithilfe der Küchenmaschine ganz fein gerieben. Direkt im Anschluss gebe ich die Kartoffel/Zwiebel-Masse in ein Haarsieb. Der ablaufende Kartoffelsaft fange ich in einem Gefäß auf. Auf keinen Fall weggießen, da alles seine Verwendung finden wird.

Ist der Großteil des Kartoffelsaftes abgetropft, gebe ich die Masse in eine saubere Schüssel und würze sie mit Salz und Pfeffer. Am Salz sollte nicht zu sehr gespart werden, da rohe Kartoffeln sich als ein wahrer Salzzehrer erweisen. Dann füge ich noch die Eier dazu.

Wenn der aufgefangene Kartoffelsaft vorsichtig in ein Glas gegossen wird, erkennt man, dass sich unten am Boden die Kartoffelstärke abgesetzt hat. Auch die folgt den Eiern in die Masse, die nun gut vermengt wird. Hat jemand vor die Puffer nachher mit etwas Deftigem zu genießen (so wie ich es mag), der tut gut daran noch gehackte Petersilie oder frischen Schnittlauch mit einzuarbeiten.

Bevor es an das Ausbacken geht, noch ein Wort zur Konsistenz der Kartoffelmasse. Manchem mag es vielleicht erscheinen, als wäre die Kartoffelmasse zu flüssig. Doch keine Angst. Die Kartoffelstärke und die Eier sorgen für genügend Bindung. Ja, es stimmt, dass in vielen Rezepten der Masse noch Mehl beigegeben wird. Ich persönlich sehe dazu keine Notwendigkeit, zumal Mehl die Kartoffelpuffer nicht so lecker knusprig werden lässt. Aber, wer Mehl zugeben möchte (bzw. es für notwendig erachtet), den halte ich nicht zurück.

Die Reibekuchen werden in Butterschmalz oder Kokosfett ausgebacken. Achtung, es könnte zu Fettspritzern kommen.




Zum Schluss möchte ich noch ein paar Sätze zu dem, was sich neben oder auf die Reibekuchen verirren könnte. Wie bereits erwähnt, mag ich mehr die deftige Variante und habe mich in diesem Fall für ein mittelscharfes Paprika/Zwiebel/Zucchini-Gemüse entschieden.
Meine Frau greift dagegen eher zum Apfelmus und griechischem Joghurt. Geschmacksache halt.
Was aber auf jeden Fall probiert werden sollte, ist die Küstenvariante, bei der sich Crème fraîche an lecker gewürzte Krabben schmiegt oder es sich der graved Lachs gemütlich macht. In dieser Form übrigens ein gern gesehener Gast beim ausgedehnten Brunch. Es muss, um es mit Simmel zu sagen, ja wirklich nicht immer Kaviar sein.

Mir bleibt nun nur noch die Hoffnung zu verbreiten, das Nachkochen der Kartoffelpfannkuchen, Reiberdatschi, Kartoffelpuffer oder Daatschelcher (wie immer ihr sie auch nennen wollt) möge euch gut gelingen.

Tschüss, bis zur nächsten Ausgabe von #w74-rezepte

P.s.: Der Kartoffelsaft darf getrost getrunken werden. Er ist ein wahrer Heiltrank für den Magen!

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BRenNgLAS

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Schlagartig wird mir bewusst, das ich seit über 15 Jahren keinen Kartoffelpuffer mehr gegessen habe.
Das wird sich Dank Dir noch diese Woche ändern! 😎

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Und vergiss nicht - das ist kein Punk! Wir genießen hier die edelste Stufe der Blasmusik!

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Ach du liebe Zeit, es scheint ich mache mich ganz unbewusst auf zu neuen Ufern.

das sieht schon verlockend aus.... ich liebe Kartoffelpuffer

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Du bist doch eine gespaltene Persönlichkeit!
Reiberdatschi oder Kartoffelpuffer?

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im Grunde Kartoffelpufferdatschi :D

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Michael, stanze den Begriff für immer in die kulinarische Landkarte ein!!
Ich bastele gerade (dank deiner Eingabe) an einer kroatisch-saarländischen Bezeichnung.

Ich reibe da auch gerne noch eine ordentliche Portion Kürbis hinein. Und eine Karotte tut meistens auch nicht weh. Zum würzen empfehle ich dann auch ein wenig Muskat zu nehmen

PS das mit dem abtropfen muss ich mal probieren, ich Auto mich mal als einer der bisher immer Mehl dazu genommen hat.

Ich hoffe es hat gemundet!

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Hallo Roland,

brrrrh....
Handbremse ziehen.
Wenn du Karotten und Kürbis zugibst, dann macht das Mehl wieder Sinn, da beide Gemüsesorten keinen natureigenen Binder mit in die Geschichte bringen.
Ich mache im Sommer die Kombination Zucchini und Kartoffel und gebe dann als Binder Haferflocken bei. Mit dem Muskat bin ich immer vorsichtig, da er, wie Paprikapulver, beim Braten schnell bitter werden kann.
Grüße in das Land der Feinschmecker
Wolfram

Eine wahre Delicatesse... (hihi) wer kann schon von sich behaupten sowohl mit süßen als auch herzhaften Beilagen zu harmonieren? Ich mag sie mit Apfelmus/Zimt und Zucker oder mit Lachs! In einem Lübecker Kartoffelkeller gibt es zum Klaren (Schnaps) ein kleines Stückchen Kartoffelpuffer mit Leberwurst... auch lecker in der Kombi. Und damit sind wir dann doch wieder auf Kneipenniveau... (Ich nu wieder... ;-))

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Hallo Kadna,

Schnaps mag ich zwar keinen, doch das mit der Leberwurst muss ein Versuch wert sein!

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Der - in diesem Falle natürlich Kartoffelschnaps - wird durch den "Puffer" erträglich - wahlweise mit Apfelmus??? Hier werde ich unsicher, recherchiere und muss feststellen, dass ich doch älter als gedacht bin... es heißt jetzt Kartoffelwaffel und das Ambiente ist auch in eine andere Stilform übergegangen... und Kartoffelschnaps mit Kartoffelpuffer und Leberwurst ist nicht mehr zu finden... Times are a changin
https://www.kartoffel-keller.de/index.php

Danke, dass du mich wieder auf den Boden der (nackten) Tatsachen zurückgeholt hast... und das ausgerechnet vor meinem nächsten (persönlichen) Jahreswechsel... ;-)))) Also eine Extrareise für den Selbstversuch kann ich dir nicht mehr anraten, lieber @w74!!!

...sondern mit Fug und Recht behaupten kann, auf dem Teller die Hauptrolle zu spielen.

Kein Weihnachtsmarkt, kein Schützenfest oder eine sonstige Veranstaltung ist denkbar, ohne dass ich mindestens eine Portion dieser Köstlichkeit konsumiert habe!

Dein Geschmack hat auf meiner internen Reputationsskala gerade (auf hohem Niveau) einen Quantensprung gemacht!

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Da sieht man es mal wieder - auch mit den einfachen Dingen lassen sich physikalische Höchstleistungen erzielen.
Aber, das kann ich dir ja ruhig verraten (hört ja keiner zu), die komplizierten Sachen kann ich glaube ich überhaupt nicht. Wenn ich mich mal an so etwas traue, darfst ganz sicher sein, mir beim Scheitern zuschauen zu können.

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Aber, das kann ich dir ja ruhig verraten (hört ja keiner zu), ...

feind.jpg

...die komplizierten Sachen kann ich glaube ich überhaupt nicht.

Wer braucht auch komplizierte Sachen?
KISS ist, wenn auch ein Anglizismus, eine der weisesten Platitüden, die man verbreiten kann!

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