Das Schicksal des Schlachtschiffes SMS Viribus Unitis // The fate of the battleship SMS Viribus Unitis

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Seemacht Österreich.

Es ist heute schwer vorstellbar, dass Österreich noch vor rund einem Jahrhundert Zugang zum Meer hatte und über eine schlagkräftige Flotte verfügte. In der abwechslungsreichen Geschichte der Habsburger Monarchie gab es mehrere Versuche, eine Kriegsmarine zu etablieren. Erste Ansätze reichen mit dem Aufbau der kaiserlichen Donauflottille bis in das 16. Jahrhundert zurück. Die österreichische Kriegsmarine wurde Ende des 18. Jahrhunderts gegründet. Zu Beginn des I. Weltkrieges zählte die k.u.k. Kriegsmarine zu den zehn größten Kriegsflotten der Welt.

Austria as a naval power

It is hard to imagine today that Austria had still access to the sea about a century ago and had a powerful fleet. In the varied history of the Hapsburg Monarchy there were several attempts to establish a navy. The first attempts date back to the 16th century with the establishment of the imperial Donauflottille. The Austrian Navy was founded at the end of the 18th century. At the beginning of the First World War, the Austro-Hungarian Navy was one of the ten largest naval forces in the world.

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Quelle / source

SMS Viribus Unitis

Die SMS Viribus Unitis war ein Großkampfschiff der österreichisch-ungarischen Kriegsmarine, das im Mittelmeer stationiert war. Der Name Viribus Unitis ist dem Wahlspruch des Kaisers Franz Joseph I. entlehnt und bedeutet "mit vereinten Kräften". Das Präfix SMS steht für "Seiner Majestät Schiff".

SMS Viribus Unitis

The SMS Viribus Unitis was a large warship of the Austro-Hungarian navy stationed in the Mediterranean Sea. The name Viribus Unitis is derived from the motto of Emperor Franz Joseph I and means "with united forces". The prefix SMS stands for "His Majesty Ship".

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Quelle / source

Im Herresgeschichtlichen Museum (HGM) in Wien ist ein originalgetreues Schnittmodell des Flaggschiffes im Maßstab 1:25 mit einer Gesamtlänge von sechs Metern ausgestellt.

In the Museum of Military History (HGM) in Vienna a original cutaway model of the flagshipon a scale of 1:25 with a total length of six metres is on display.

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HGM Wien

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HGM Wien

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HGM Wien

Die Pläne stammen vom Schiffbau-General-Ingenieur Siegfried Popper. In rund 25-monatiger Bauzeit wurde die SMS Viribus Unitis in der Werft Stabilimento Tecnico Triestino hergestellt. Die Länge betrug 160 Meter, die größte Breite 27 Meter. Die höchste Geschwindigkeit ist mit 20 Seemeilen pro Stunde angegeben, was rund 37 km/h entspricht. Ausgelegt war das Schiff für rund 1050 Mann.

The plans were drawn up by shipbuilding general engineer Siegfried Popper. The SMS Viribus Unitis was built in the Stabilimento Tecnico Triestino shipyard in a construction period of around 25 months. The length was 160 meters, the largest width 27 meters. The highest speed is given 20 nautical miles per hour, which corresponds to around 37 km/h. The ship was designed for around 1050 men.

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HGM Wien

Das gepanzerte Großschlachtschiff war mit diversen Schiffskanonen, Abwehrkanonen und Torpedorohren bestückt. Bei der Schiffstaufe in Triest im Juni 1911 war auch der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand anwesend. Drei Jahre später überführte die SMS Viribus Unitis seinen Leichnam von Metkovic nach Triest. Der Thronfolger und seine Frau waren in Sarajewo einem Attentat zum Opfer gefallen. Zwei verhängnisvolle Schüsse, die als Auslöser für den I. Weltkrieg gelten.

The armoured battleship was equipped with various ship cannons, defensive cannons and torpedo tubes. The heir to the throne, Archduke Franz Ferdinand, was present at the ship's christening in Trieste in June 1911. Three years later, the SMS Viribus Unitis brought his body from Metkovic to Trieste. Franz Ferdinand and his wife had been assassinated in Sarajevo. Two fatal shots which are considered the trigger for World War I.

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SMS Custoza, 1872-1920 (HGM Wien)

Die Viribus Unitis bildete mit drei anderen Schlachtschiffen (SMS Tegetthoff, SMS Prinz Eugen und SMS Szent István) das Rückgrat des Flottenverbandes im Mittelmeer. Die modernen Kriegsschiffe agierten nach dem strategischen Konzept einer Präsenzflotte. Der Grundgedanke beruht dabei darauf, dass eine Flotte auf die gegnerischen Streitkräfte auch dann einen Einfluss ausübt, wenn sie sich nur im sicheren Hafen befindet. Alleine die Anwesenheit zwingt den Gegner, Kräfte für den Fall eines Einsatzes bereitzuhalten, was ihn in seinem Aktionsspielraum stark einschränkt. Gefechte mit italienischen Schlachtschiffen wurden daher möglichst vermieden.

Together with three other battleships (SMS Tegetthoff, SMS Prinz Eugen and SMS Szent István), the Viribus Unitis formed the backbone of the Mediterranean Fleet Association. The modern warships operated according to the strategic concept of a presence fleet. The basic idea is that a fleet exerts an influence on the enemy forces even if it is only in a safe harbour. The presence alone forces the enemy to have forces available in the event of a mission, which severely limits its scope for action. Battles with Italian battleships were therefore avoided as far as possible.

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Relikte aus gehobenem U-Boot "U20" / Relics from "U20" submarine (HGM Wien)

Gegen Ende des 1. Weltkrieges, im Juni 1918, wurde unter Einsatz aller schweren Einheiten ein Angriff auf die Otranto-Sperre, die den Weg von der Adria in das Ionische Meer abschnitt, gestartet. Dabei wurde das Schwesternschiff SMS Szent István von zwei italienischen MAS-Booten torpediert und zum Sinken gebracht. Das Manöver wurde daraufhin abgebrochen und die SMS Viribus Unitis kehrte in den Hafen von Pola (Pula) zurück.

At the end of the First World War, in June 1918, an attack was launched on the Otranto barrier, which cut off the route from the Adriatic to the Ionian Sea. Thereby all the heavy units were used. The sister ship SMS Szent István was torpedoed and sunk by two Italian MAS boats. The manoeuvre was stopped and the SMS Viribus Unitis returned to the port of Pola (Pula).


Untergang der SMS Szent István / Capsize of SMS Szent István

Im Spätsommer 1918 war die k.u.k. Kriegsflotte schwer angeschlagen. Die Schiffe waren nicht mehr aktionsfähig. Kommandanten und Offiziere hatten ihre Befehlsgewalt verloren und Matrosenräte das Kommando übernommen. Österreich-Ungarn schloss einen Waffenstillstand mit Italien. Die SMS Viribus Unitis wurde mit anderen in Pola stationierten Kriegsschiffen im Auftrag von Kaiser Karl I. an den neu gegründeten südslawischen Nationalrat übergeben.

In the late summer of 1918, the Austro-Hungarian war fleet was badly damaged. The ships were no longer capable of action. Commanders and officers had lost their authority and sailors' councils had taken command. Austria-Hungary concluded an armistice with Italy. The SMS Viribus Unitis, together with other warships stationed in Pola, was handed over to the newly newly formed State of Slovenes, Croats and Serbs by order of Emperor Karl I.

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Quelle / source

Obwohl die übergebene Kriegsflotte von ihrem neuen Kommandanten für neutral erklärt wurde, sank die SMS Viribus Unitis in den Morgenstunden des 1. November 1918, wobei 400 Seeleute ihren Tod fanden. Italienische Kampfschwimmer hatten einen Sprengsatz am Rumpf des Schiffes angebracht und gezündet.

Although the transferred war fleet was declared neutral by its new commander, the SMS Viribus Unitis sank in the morning hours of November 1, 1918. 400 sailors died. Italian combat swimmers had attached an explosive device to the hull of the ship and detonated it.

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Sehr viele Details, guter Artikel👍😁
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Lg DieReiseRitter

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Danke und liebe Grüße zu euch ins Wohnmobil. :-)

Wow how interesting, I had no idea!

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I like to visit museums, because this is where history comes to life for me. Today it is really hard to imagine that the Austro-Hungarian Monarchy (1867-1918) was once the second largest country in Europe (after Russia) in terms of surface area and that more than 50 million people lived in this multinational state.

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Hard to imagine, what a change -- but you did manage to keep the most beautiful parts ;-)

Saustark! Resteemed! ;-)

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Vielen Dank Andy! :-)

Ein starker Beitrag mit interessanten Informationen zur Seemacht Österreich. Bedrückend das Video der sinkenden SMS Szent István, wie die bedauernswerte Besatzung versucht sich zu retten.

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Das Video ist wirklich sehr bedrückend. Es wurde vom Kriegspresse-Kamerateam an Bord des Schwesternschiffes SMS Tegetthoff gefilmt. Es muss für die Kameraden furchtbar gewesen sein, das Unglück hilflos mit ansehen zu müssen.

Danke für deinen Kommentar!

Ein interessanter Beitrag über ein wohl auch in Österreich recht unbekanntes Kapitel der eigenen Vergangenheit. Doppelt schön weil es leider sehr wenig geschichtliche Beiträge gibt hier auf Steem - es gibt ja Leute die knallen schon "history" an die Urlaubsfotos vom vorletzten Jahr ;)

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Hallo @muscara, ich freue mich über dein feedback, danke! Über die tags unter so manchen Beiträgen kann man sich wirklich nur wundern.

Hallo Anna,

zuerst möchte ich dir hoch und heilig versprechen, dass ich mit den hinterlistigen Aktionen im Mittelmeer nichts zu tun hatte.
Mir wäre ja auch lieber gewesen, wenn der Franz anstatt nach Sarajevo lieber seinen Hintern und sein Leben in Wien geschont hätte.
Vielleicht wären wir dann heute Landleute? Obwohl die Tiroler ja auch nicht unbedingt für ihre Treue zu Wien bekannt sind.

Meinst du, es könnten sich ein paar Tauchgänge im istrischen Meer lohnen?

Liebe Grüße
Wolfram

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Hallo Wolfram,

was wäre wenn ... das Meer noch bei Österreich wäre ...

Solche kontrafaktischen Spekulationen haben ihren Reiz, ändern aber nichts an der Tatsache, dass die Istrische Riviera für einen Tauchgang zwischendurch leider noch immer zu weit entfernt von Wien liegt.

Ein schönes Wochenende und liebe Grüße,
Anna

Ganz toller Beitrag!
Besonders das Modell der SMS Viribus Unitis hat es mir angetan. Das sollte bei einem Wienbesuch auf dem Program stehen.

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Danke für deinen Kommentar! Als Modellbaufreund würdest du in diesem Museum voll auf deine Rechnung kommen.

Hallo ich bin Mikrobi,

dein Beitrag hat mir sehr gut gefallen und du bekommst von mir Upvote.

Ich bin ein Testbot, wenn ich alles richtig gemacht habe, findest du deinen Beitrag in meinem Report wieder.

LG

Mikrobi

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