EU ≠ Europa: so schwer kann es nicht sein den Unterschied zu erkennen

in #deutsch3 years ago

Wenn man sich diverse Sendungen im Fernseher anschaut oder Artikel im Web oder Zeitschriften durchliest, dann wird man recht schnell feststellen, dass die Begriffe EU und Europa sehr häufig vermischt werden: es wird "Europa" gesagt, aber "EU" gemeint.

Am Anfang war ich etwas verunsichert und dachte mir, ob ich irgendetwas verpasst habe, denn aus meiner Schulzeit wusste ich, dass Europa ein Kontinent ist, welcher geschichtlich, kulturell und zum Teil auch religiös definiert wird.


Europa geografisch karte de 1.png
[Definition von Europa im Wandel der Zeit.
Von BillFromTheHill in der Wikipediaauf Deutsch, transfered from de.wikipedia by W like wiki. - Eigenes Werk (Originaltext: Selbstgemacht aus File:Europa geografisch map de.png und File:Europe political map.png), CC BY-SA 3.0, Link]


Die EU bzw. die Europäische Union dagegen, ist ein politisch-wirtschaftliches Bündnis welches einige, aber bei weitem nicht alle Staaten Europas umfasst.


Hier nur ein paar kleine Zahlen, damit man man sieht wie groß der Unterschied ist: Europa hat hat mehr als 740 Millionen Einwohner, erstreckt sich auf mehr als 10 Millionen km² und es befinden sich 49 Staaten auf dem Kontinent.

Die EU dagegen hat etwas mehr als 510 Millionen Einwohner, erstreckt sich auf 4,3 Millionen km² und momentan sind 28 Staaten Mitglied.

Neben diversen Ländern aus Ost- und Südosteuropa gehören auch folgende europäische Länder nicht zur EU: Schweiz, Norwegen und Island. Ab nächstem Jahr gehört auch das Vereinigtes Königreich nicht mehr dazu.

Beitrittskandidaten.svg
[Die EU. Von Edroeh - based on EU28-states with applications.svg, CC BY-SA 3.0, Link]


Später war ich dann überrascht und befremdet und dachte mir, dass es eigentlich nicht sein kann, dass auch gebildete Leute das verwechseln können.

Mittlerweile bin ich allerdings verärgert und genervt, weil ich der Meinung bin das diese begriffliche Vermengung kein Zufall ist.

Die EU hat ein Image-Problem

Man muss keine repräsentative Umfragen durchführen um festzustellen, dass die EU ein leichtes Image-Problem hat. Viele der Entscheidungen werden als undemokratisch und bevormundend empfunden.

Dagegen genießt der Begriff Europa ein positives Image. Damit verbinden viele die Blüte der Antike – Athen, Rom, Hellenismus und die Philosophen, Christentum, Wissenschaftler und Entdecker der Neuzeit, Aufklärer, berühmte Künstler etc.

Wenn man sich der Logik von Ockhams Rasiermesser bedient, also dass man die unwahrscheinlichen Möglichkeiten ausschließt, dann bleibt meiner Meinung als einzig logische Schlussfolgerung ein Versuch, den positiven Image von dem Begriff Europa auf den Begriff EU zu übertragen.

Deswegen wird dann in den Medien "Europa" gesagt und eigentlich "EU & Entscheidungen aus Brüssel" gemeint. Und wer wird schon etwas anzweifeln wollen was aus "Europa" kommt und was für "Europa" gut ist.

Und wer dennoch etwas dagegen hat, anzweifelt oder einfach kein Mitglied im erlauchten EU-Club ist, der ist automatisch auch kein Europäer. So schnell kann man vom eigenen Kontinent ausgebürgert werden. 🤔

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Die begriffliche Vermengung ist definitiv kein Zufall :-). Wobei man sagen muss, dass die Blase, in der sich die zigtausend mittleren Beamten mit Bundeskanzlergehalt dort befinden, so undurchlässig ist, dass untere Chargen und gewöhnliche Bleistiftspitzer die Unterscheidung unbewusst nicht mehr vornehmen.

Ockhams Rasiermesser. Kannte ich noch gar nicht! Wieder was gelernt, danke dafür!

Was die EU und Europa betrifft stimme ich dir zu. Das so eine Verwechslung hi und da geschehen kann, keine Frage. Wenn diese Verwechslung über Jahrzehnte geht kann man nur attestieren, dass entweder die Betreffenden keine Ahnung haben wovon sie reden. Was die Frage aufwerfen würde warum sie überhaupt darüber reden, bzw. warum man ihnen eigentlich zuhören sollte.
Oder, sie wissen um die Zusammenhänge und wir müssen von Propagan reden.
Auch deine letzte Aussage kann ich nur bestätigen. Ich hielt es schon immer für ein ANzeichen von Ignoranz und Dummheit wenn man mich, als gebürtigen Österreicher, als Anti- Europäer bezeichnet hat. Was ja implizieren würde, dass ich gegen mich selbst wäre. Was für ein Unfug!

Auch deine letzte Aussage kann ich nur bestätigen. Ich hielt es schon immer für ein ANzeichen von Ignoranz und Dummheit wenn man mich, als gebürtigen Österreicher, als Anti- Europäer bezeichnet hat. Was ja implizieren würde, dass ich gegen mich selbst wäre. Was für ein Unfug!

Yupp! Auch besonders unsinnig: der „überzeugte Europäer“.

"... ein Versuch, den positiven Image von dem Begriff Europa auf den Begriff EU zu übertragen"

Sehr schön formuliert.

also dass man die unwahrscheinlichen Möglichkeiten ausschließt, dann bleibt meiner Meinung als einzig logische Schlussfolgerung ein Versuch, den positiven Image von dem Begriff Europa auf den Begriff EU zu übertragen.

Ich habe da noch eine einfachere Theorie:
Den Leuten ist es einfach egal, ob es Europa oder EU genannt wird, wenn sie denn über die EU reden.
"Begriff ist Begriff, die wissen schon was gemeint ist."
oder was auch möglich ist:
Sie wissen es nicht besser.
"Europa, EU? Ist das nicht das gleiche?! Mir doch egal."

Mittlerweile bin ich allerdings verärgert und genervt, weil ich der Meinung bin das diese begriffliche Vermengung kein Zufall ist.

Treffer, versenkt.

Das Kapern einschlägiger Begrifflichkeiten gehört bei den Meinungsmachern mittlerweile zum Standard.

Ich teile Deine Aversion, wenn ich dem "Europa"-Geschwafel von EU-Schergen zuhören muß... :(

Sehe ich anders. Die Vermischung ergibt sich denke ich einfach daraus, dass 75% der Bevölkerung und die gewichtigsten Staaten (mit Ausnahme Russlands) in der EU organisiert sind.
Eine groß angelegte Verschwörung kann man zwar nicht zu 100% ausschließen, aber wie du zum Schluss kommst, dass das die wahrscheinlichste Variante ist, die als einzige Occams's razor überlebt, verstehe ich wirklich nicht.
Aber du hast natürlich recht dass es nervt.

P. S.: Was mindestens ebenso nervig und noch ein gutes Stück anmaßender ist: die "Amerikaner"

Die Vermischung ergibt sich denke ich einfach daraus, dass 75% der Bevölkerung und die gewichtigsten Staaten (mit Ausnahme Russlands) in der EU organisiert sind.

Genau genommen sind momentan lediglich knapp 69% der europäischen Bevölkerung in der EU (siehe Wikipedia-Einträge oben) und das wird sich bald noch weiter nach unten ändern, wenn UK raus geht. Damit geht das dritt-wichtigste EU-Land raus.

Eine groß angelegte Verschwörung kann man zwar nicht zu 100% ausschließen, aber wie du zum Schluss kommst, dass das die wahrscheinlichste Variante ist, die als einzige Occams's razor überlebt, verstehe ich wirklich nicht.

Es gibt imho mehrere Möglichkeiten, die dazu führen könnten, dass man solche Begriffe "verwechselt":

  1. wenn der falsche Begriff kürzer ist. Was in dem Fall nicht angeht, da EU nicht nur passend ist sondern auch kürzer als Europa. Also entfällt Faulheit, praktischer Pragmatismus und ähnliche Aspekte als Begründung weg

  2. Die Leute verwechseln EU und Europa weil sie doof und total ungebildet sind. Mir ist schon klar, dass nicht jeder ein Genie ist, der vor der Kamera steht. Aber da auch erfahrene Journalisten und Politologen Europa sagen, aber EU meinen entfällt auch diese Möglichkeit.

  3. Die einzige Möglichkeit, die dann noch übrig bleibt, ist das dies zielgerichtet geschieht. Das muss jetzt keine konspirative Entscheidung der "reptiloiden freimaurenden Iluminati-Templer" sein, aber dennoch unter PR-Gesichtspunkten erwünscht.

P. S.: Was mindestens ebenso nervig und noch ein gutes Stück anmaßender ist: die "Amerikaner"

Ja. Das stimmt.

Ich denke viel ist auch Faulheit oder einfach um umständlichere Ausdrücke zu vermeiden. Ähnlich wie mit den USA - wie oft spricht man von Amerika wenn man eigentlich nur diesen einen Teil von Nordamerika meint.

wau, hier gibt es endlich mal ein klar text. ja das können sehr wenige dies unterscheiden. Manchmal fragt man sich, was die Kids in Erdkunde und Politik machen. Schwänzen?

EU steht für einfach unsympathisch.

Was wäre denn die Alternative? Alles was Frieden schafft und Handel vereinfacht kann doch nur gut sein. Ich könnte mir aber auch die Vereinigten Staaten von Europa vorstellen.

Stimmt genau. Bürokratie ist Scheise

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