Geschichte im Allgemeinen, und Europäische im Speziellen 15

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Die Französische Revolution

Die Vorgänge im Jahre 1789 können getrost als eine Zäsur in der Abendländischen Kultur, und in weiterer Folge sogar der Welt, bezeichnet werden. In ihr brach sich erstmals Bahn, was uns bis heute immer wieder bewegt. Nicht zuletzt, weil sie den ersten Versuch darstellte den Ideen der Aufklärung wirkliche Gestalt zu geben. Mit rund 400.000 Toten ist sie bis heute auch der größte Massenmord in der Geschichte Frankreichs.
Was, davon abgesehen, macht die Französische Revolution so bedeutsam für uns heutige? Nun, sie ist die Geburtsstunde aller späteren Ideologien. In ihr kommen, noch undeutlich aber doch, sowohl der Kommunismus/Sozialismus, der Nationalismus/Chauvinismus und der Liberalismus/Kapitalismus, vor.

Um das Thema wenigstens im Groben recht gut umreißen zu können, werde ich das Thema auf drei Posts aufteilen. Da man zu diesem Thema eine ganze Bibliothek schreiben kann, und das auch gemacht hat, sehe man es mir nach, dass ich nicht auf jedes Detail eingehen kann. Für Fragen, Anregungen und Kritik, tobt Euch einfach in den Kommentaren aus 😊.
Ich möchte zunächst auf die Ursachen eingehen und dann den Beginn der Revolution beleuchten. Im zweiten Post, sehen wir uns den Verlauf der Ereignisse bis zum Aufstieg Napoleons an. Im dritten und letzten Post werde ich dann auf die Auswirkungen zu sprechen kommen.
Viel Interesse beim Lesen!

Kommen wir also zunächst zu den Ursachen der Revolution.

Neben einem Berg von „kleineren“ Problemen, sind, meiner Meinung nach, zwei Hauptprobleme zu nennen, eines philosophischer, und eines, praktischer Natur.
Das philosophische Problem nenne ich, dass Problem von Freiheit und Gleichheit. Das praktische Problem nenne ich schlicht Hunger.

Die „philosophische“ Ursache der Französischen Revolution.

Dazu ein kleiner geschichtsphilosophischer Exkurs.
Für mich persönlich, ist das politische (!) Leben des Menschen ein Wiederstreit zwischen Freiheit und Gleichheit. Allerdings nicht im Sinne von entweder/oder, sondern im Sinn von sowohl, als auch. Es bedarf eben beider Aspekte um dem Menschen gerecht zu werden. Ein einziges zu bevorzugen führt zu einem großen Missverhältnis, dass nur ausgeglichen werden kann, indem der Gegenpart gestärkt wird.
Das Mittelalter veranschaulicht sehr gut das gesagte. Bedingt durch die Aufteilung der gesamten Bevölkerung in drei Stände waren die Menschen radikal ungleich. In so einem System wäre es einem Durchschnittsmenschen nie möglich gewesen „Kaiser“ zu werden. Denn sein Stand hätte es ihm verwehrt.
Umgekehrt waren die Menschen im Mittelalter radikal frei. Und zwar in den jeweils ihnen eigenen Lebensräumen. Einem Bischof wäre es z.B. im Leben nicht eingefallen einem Zimmermann vorzuschreiben wie er sein Handwerk ausüben soll. Auch hier lag der Grund im Standesunterschied. Unterschiedliche Stände bedingen nämlich auch unterschiedliche Rechte und Pflichten! So war es eben Aufgabe des Kaisers sich um das Reich zu kümmern, des Bischofs sich um das Seelenheil zu sorgen und des Bauern das Feld zu besorgen, ganz vereinfacht ausgedrückt. Innerhalb dieser hatten sie VORrechte, allerdings nur innerhalb dieser.


Quelle

Im Spätmittelalter, ab 1350, kommt dieses System ins Wanken. Die genauen Verläufe erspare ich mir, diese werde ich zu gegebener Zeit in separaten Posts abarbeiten. Jedenfalls beginnt sich die Schale der Freiheit zu senken, ohne dass sich deswegen die Schale der Gleichheit gehoben hätte. Reformation und Bauernkriege fanden hier ihren Nährboden!
Was daraus wurde nennen wir heute Absolutismus. Die Menschen blieben weiterhin ungleich, wurden aber immer unfreier. „Alles für das Volk, nichts durch das Volk“ drückt das recht gut aus. Und das Land in dem diese Mischung aus Ungleichheit und Unfreiheit am stärksten ausgeprägt war, war das Königreich Frankreich! Weswegen ja die französischen Aufklärer sich, im Gegensatz zu den deutschen, viel extremer gebärdeten.
Daher auch das Rufen nach sozialen (Gleichheit) wie politischen (Freiheit) Reformen.

Der Hunger als Ursache für die Französische Revolution.


QuelleFrankreich um 1200. In Grün das Gebiet des Königs vo Frankreich das ihm direkt unterstand. Im Süden das Herrschaftsgebiet der Grafen von Toulouse, den Schutzherren der Katharer.

Von 1200- 1500 war Frankreich immer wieder Schauplatz schwerster Kämpfe und Konflikte gewesen. Vom Albigenserkreuzzug über das babylonische Exil bis zum 100jährigen Krieg, kam Frankreich nie wirklich zur Ruhe. Es blieb lediglich eine Konstante übrig, und das war die langsame aber kontinuierliche Zunahme der Königlichen Gewalt. Im Laufe der Jahrhunderte schafften die französischen Könige was bei uns die „deutsche Libertät“ 900 Jahre verhindert hat, einen unbezwingbaren Leviathan.
Bis um 1600 herum war das Königreich Frankreich innerlich so gefestigt, dass es praktisch kein existenzbedrohendes Gegengewicht mehr gab.
Es war also mitnichten Anmaßung von Ludwig XIV. (1638- 1715) als er meinte der Staat sei er Selbst (wenn er das den je gesagt hat). Ähnlich wie Großbritannien vom 18.- 20. Jahrhundert, so intrigierte Frankreich vom 16.- 18. Jahrhundert in Europa. Mischte sich überall ein, war sich nicht mal zu schade um mit den Osmanen zu paktieren und suchte immer nach einer Möglichkeit das eigene Territorium auszudehnen. Darum wurde Französisch ja dann auch zur Diplomatensprache!

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten! Dieser Aufstieg des Landes und die Zunahme der königlichen Machtfülle, führten allerdings auf Dauer zu einer Verelendung des Landes. Dies deshalb, da Probleme nur dann als Probleme behandelt wurden, wenn sie der Monarch als solche erkannte. Wenn er der Meinung war, dies oder jenes stelle kein Problem dar, so gab es dieses schlichtweg nicht! Zumindest offiziell.
In den 70er und 80er Jahren des 18. Jahrhunderts kamen dann noch eine Finanzkrise, sehr harte Winter und Missernten dazu, sodass die Stimmung im Jahr 1789 recht angespannt war.


Quelle Frankreich bei Ausbruch der Französischen Revolution 1789.

Der Beginn der Revolution.

Man kann sich Frankreich im Jahr 1789 wie die SU 1989 vorstellen. Ein Riese auf tönernen Füßen. Es wurde absehbar, dass Ludwig XVI. alleine nicht mehr in der Lage war die Probleme des Landes zu lösen. So musste er die Generalstände, die Vertretung aller drei Stände des Reiches einberufen um Frankreich zu retten. Was zuletzt im Jahr 1614 der Fall gewesen war!
Doch nun wurde schlagend was ich oben über die Probleme geschrieben habe. Auf einmal sahen alle ihre Stunde gekommen und drängten auf Lösung ihrer Missstände. Dies gilt sowohl für das Hunger- als auch für das philosophische Problem. So entwickelte sich eine Eigendynamik die vom König nicht mehr kontrolliert werden konnte.
Am 5. Mai traten die Generalstände zusammen, am 19. Juni erklären sich Bürger und Klerus zur Volksversammlung, am 20. Juni kommt es zum Ballhausschwur.


Quelle Der Ballhausschwur am 20. Juni 1789.

Am 27. Juni gibt Ludwig XVI. nach und befiehlt auch dem Adel die Mitwirkung an der Volksversammlung. Am 11. Juli entlässt der König den Finanzminister, welcher recht angesehen war und eigentlich für Reformen stand. Die Lage schaukelte sich auf bis zum 14., zum Sturm auf die Bastille. Sie wurde zum Fanal des Aufstandes in den Provinzen, in den folgenden Wochen kam es in ganz Frankreich zu dutzenden Angriffen auf Schlösser, Klöster und alles was nach alter Ordnung aussah.
Unter öffentlichem Druck zog Ludwig XVI. von Versailles nach Paris und steckte sich die blau-weiß-rote Kokarde an!
Die Revolution hatte begonnen!

Vielen Dank fürs Lesen

Euer
parzifal1

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Ah, sehr gut! Hier kann man noch was Lernen! Ich hab upgevoted und resteemed.

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Freut mich! Danke fürs resteemen:)