Bitbond-CEO Radko Albrecht über Bitbond, Bitcoin und die BaFin

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Gestern berichtete ich über die BaFin-Lizenzerteilung für das Berliner Startup Bitbond. Heute darf ich Euch Radoslav Albrecht, Gründer und CEO von Bitbond vorstellen, der erklären wird, worum es dabei genau geht.


Hallo Radko, danke, dass Du Dir die Zeit nimmst! Herzlichen Glückwunsch zur BaFin Lizenz! Was genau besagt diese Lizenz denn?


Danke! Wir haben eine Lizenz als Anlagevermittler bekommen. Das trifft unsere Tätigkeit auch sehr gut, wir vermitteln zwischen Anlegern und Darlehensnehmern.


War es sehr schwer die Lizenz zu bekommen und was ändert sich jetzt in der Praxis für Euch und Eure Kunden, Anleger wie Darlehensnehmer?


Es war vor allem recht viel Detailarbeit, das gesamte Verfahren hat knapp 3 Jahre gedauert. Am Anfang musste die BaFin erst einmal unseren Status definieren und prüfen, welche Tatbestände bei unserem Geschäftsmodell greifen. Eine globale Plattform zur Darlehensvermittlung die Bitcoins nutzt hat es so vorher nicht gegeben. Nachdem uns die BaFin regulatorisch eingeordnet hatte, haben wir dann unseren sogenannten Erlaubnisantrag gestellt. Der Antrag selbst lief ca. 10 Monate. Unmittelbar ändert sich für unsere Kunden erst einmal nichts. Allerdings ist es sowohl für unsere Kunden als auch für uns wichtig Rechtssicherheit zu haben. Wir können jetzt mit Partnern zusammenarbeiten, die uns zwar bisher schon spannend fanden, die aber aufgrund der rechtlichen Lage bisher nicht mit uns arbeiten konnten. Dazu zählen beispielsweise größere Investoren oder auch Inkassobüros.


Ich nutze selbst Eure Plattform seit geraumer Zeit und habe vor ein paar Tagen die Aufforderung erhalten, mich vollumfänglich zu identifizieren. Besteht da ein Zusammenhang und gilt das nur für deutsche Nutzer?


Wir sind nun ein reguliertes Finanzdienstleistungsinstitut im Sinne des KWG (Kreditwesengesetz). Als solches müssen wir das Geldwäschegesetz beachten und deshalb jeden Nutzer unabhängig vom Transaktionsvolumen auf unserer Plattform mit einem Verfahren identifizieren, das von der BaFin anerkannt ist. Dies gilt für alle Nutzer unserer Plattform, unabhängig davon in welchem Land sie ihren Wohnsitz haben.


Weswegen habt Ihr Euch überhaupt diese Mühe gemacht und seid nicht wie andere Startups einfach nach London oder Amsterdam umgesiedelt?


Einfacher heißt nicht unbedingt besser. Die BaFin genießt ein hohes Ansehen und es ist ein echtes Asset sagen zu können, dass wir deutschen Regulierungsanforderungen entsprechen. Eine Verlagerung der Firma ins Ausland hätte zudem höhere Kosten an manchen Stellen bedeutet und so haben wir uns in der Gesamtbetrachtung dafür entschieden in Deutschland zu bleiben.


Aus welcher Weltregion kommen denn bisher die meisten Eurer Nutzer, Anleger wie Darlehensnehmer?


Bisher sind das in erster Linie englischsprachige Länder: UK, USA, Kanada, Indien, Philippinen, Australien, Neuseeland. Diese Ländern machen insgesamt ca. 60% der Nutzer aus. Anleger kommen tendenziell aus wohlhabenderen Regionen, aber sehr stark ist der Unterschied interessanterweise nicht. Seitdem wir Bitbond auch ins Deutsche und Spanische übersetzt haben, nutzen auch mehr Kunden aus Ländern mit diesen Sprachen unsere Seite.


Wie siehst du die weitere Entwicklung von Bitcoin und von Blockchain basierten Geschäftsmodellen? Werden weitere Anbieter folgen, die den aufwendigen Weg gehen als lizensierte Anbieter zu agieren?

Erstmal freuen wir uns natürlich in gewisser Weise Vorreiter zu sein. Nicht nur was unser Geschäftsmodell angeht sondern auch einer der ersten Bitcoin / Blockchain basierten Finanzdienstleister mit eigener Lizenz zu sein. Einer der größten Vorteile von offenen Technologien wie dem Internet und Bitcoin ist, dass Startups mit recht geringen Eintrittsbarrieren ein neues Produkt austesten können, und zwar unabhängig von größeren Partnern für die eine Zusammenarbeit in frühen Phasen meist recht unattraktiv ist. Im Finanzdienstleistungsbereich ist es aber so, dass die meisten Fintechs eine Lizenz von einer Bank oder einem anderen regulierten Anbieter anmieten. Das ist einerseits kostspielig und reduziert die Agilität und Geschwindigkeit, die man normalerweise als Startup hat. Wenn wir es mit Bitbond schaffen andere Anbieter zu ermuntern selber eine Lizenz zu bekommen, hilft das aus meiner Sicht dem gesamten Ökosystem als nachhaltig und glaubwürdig wahrgenommen zu werden, was in früheren Jahren beim Thema “Bitcoin” leider nicht immer der Fall war. Gleichzeitig bleiben die Anbieter unabhängig und können wirklich wie Startups agieren anstatt sich der Geschwindigkeit von etablierten Unternehmen anpassen zu müssen.


Ein Leser wollte gestern wissen, ob wir jetzt damit rechnen dürfen, dass es auch in Deutschland endlich Bitcoin-Geldautomaten geben wird. Dürft Ihr das jetzt theoretisch auch anbieten?


Wir haben den Betrieb von Bitcoin Geldautomaten rechtlich nicht geprüft, deswegen kann ich nicht genau sagen, ob unsere Lizenz das abdecken würde. Meine Vermutung ist aber, dass der Betrieb von Bitcoin Geldautomaten eine Erlaubnis zum Eigenhandel voraussetzen könnte. Falls das zutrifft, wären wir als Anlagevermittler nicht berechtigt Bitcoin ATMs zu betreiben.


Herzlichen Dank für Deine Zeit und weiterhin viel Erfolg! 


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10 Monate dauert so ein Antrag ^^ Wahnsinn! Würde mich mal interessieren, wie lange man noch dazu beim Anwalt sitzt und sich beraten lassen muss.

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Zitat: "Es war vor allem recht viel Detailarbeit, das gesamte Verfahren hat knapp 3 Jahre gedauert."

Beantwortet das in etwa Deine Frage? :-) Es ist für ein Startup schon ziemlich krass zu stemmen...