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RE: "Menüangst" / "Menu anxiety"

in Deutsch Unplugged2 years ago (edited)

Warum, warum? Wer nicht fragt bleibt dumm. Warte Mal ein paar Jahrzehnte. Dann wissen wir es. Oft steht das Warum in den Sternen, bis es uns wie Schuppen von den Augen fällt. Ich wundere mich schon länger nicht mehr.

Im Zuge eines mittlerweile Epochen übergreifenden Selbstoptimierungswahns treten die merkwürdigsten Zwangsneurosen auf. Menschen, sind extrem beeinflussbare, soziale Wesen, deren genetische Disposition bezüglich der Reizweiterleitung von extrem reizbar bis absolut stoisch reicht. Niemand kann voraus sehen, was passiert, wenn sich technik- und wirtschaftsgetrieben die Lebensbedingungen für dieses Wesen rapide ändern.

Wir wenden heute, nur ein Beispiel von vielen, unser Verhaltensinventar für Gruppendynamik auf rein virtuelle Gruppen an, die sich zunehmend ökonomisch getrieben optimieren. Sozialer Druck geht also mittlerweile von komplett fremden Interessen aus (social media, Werbung, reales Milieu), deren Urhebern wir zwingend einen Vertrauensvorschuss gewähren müssen, um Voraussetzungen ausgehend von diesen Triggergruppen überhaupt ernst nehmen zu können. Was das mit uns macht, beim Lavieren zwischen realen und virtuellen Gruppen, ist in keiner Weise hinreichend evaluiert. Das macht aber was mit uns, wie selbstverständlich jede Erneuerung , die in unserem Einflussbereich stattfindet.

Die psychische Prädisposition des Menschen stammt aus der Steinzeit, beruht auf Erfahrung und ist daher stark konservativer Natur. Die konnte sich, entsprechend der Bedingungen einer rapiden, technologischen Revolution, nicht adäquat anpassen. Da können schon Mal die rätselhaftesten, gesellschaftlichen Phänomene auftreten.

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 2 years ago 

Ich glaube nicht, daß es jemals eine Gesellschaft gab, die mehrheitlich nicht lebenstüchtig schien. Verschiedene Anzeichen deuten aber darauf hin, daß genau das die gegenwärtige Entwicklungsrichtung sein könnte. Eigentlich sollte uns eine Art Selbsterhaltungstrieb zur Hilfe kommen, mit Alarmsignalen. Ich bin versucht, nach Parallelen im Tierreich zu suchen...

 2 years ago (edited)

Du sagst es. Die Superwoken üben sich z.B. in Aufstellung neuer Regeln und damit in Anpassung. Was der Resilienz ihres angeborenen Altruismus auch nichts nutzt. Fatal an all diesen Geschichten der Adaption neuer Tatsachen ist, dass viele Tatsachen gar keine sind, sondern nur Effekte der unkritischen Annahme, kommerzgetrieben präsentierte Surrogate seien unverzichtbar. Der einfachste Test, ob sie sich schon an Big Brother abgegeben haben: Kennen deine Kinder die Himmelsrichtungen, egal wo sie gerade stehen?

 2 years ago 

Guter Ansatz. Für drei von vier würde ich das locker bestätigen. Meine Tochter hat drei Masterabschlüsse, würde dabei aber passen, denke ich. Verstanden, was Du meinst.

 2 years ago 

Da hast du was richtig gemacht in der Erziehung. Was die Tochter betrifft: Jeder hat seine Binnenbegabung. Meine Frau hat beim Autofahren selten eine Ahnung, wo sie sich gerade in Relation zu ihrem Ausgangspunkt befindet. Das funktioniert auch. Sie hangelt sich dann von einer markanten Wegmarke zur nächsten, bis sie wieder zuhause ist. Dumm wirds da nur, wenn Unvorhergesehenes sie vom gewohnten Weg abbringt.

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